ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2405

Adobe lässt die Katze aus dem Sack

"Creative Suite" heißt das Tierchen

Autor: flo - Datum: 29.09.2003




Lasset uns jubeln, die Softwarewelt hat ein neues Kürzel: nach MX (Macromedia), XP (Todfeind), nun CS für Adobes Creative Suite. Diese löst die bisherige "Design Collection" ab, soll aber mehr sein als nur ein Bundle von Photoshop und Co. Eine Art "Mini-Workgroup Server" namens "Version Cue" soll wohl eine globale Suchmöglichkeit nach Adobe-Dateien darstellen (ein Schelm, wer Böses dabei denkt ;). Im Vorfeld war gerüchtehalber die Rede von einer echten Versionskontrolle von Dateien, was also der Funktionalität eines kleinen Workgroup-Managers entspräche (wie in Adobe etwa zu GoLive mitlieferte, auf WebDAV-Basis). Ob das Version Cue ist oder ob diese angebliche Funktion sich nicht doch nur ein "search for update" für die Programme selbst ist wird man sehen müssen - Tryouts sind leider noch nicht verfügbar. Neben einem vereinheitlichten PDF-Workflow will Adobe auch endlich die Oberflächen der Programme angepasst haben, was in erster Linie die Shortcuts betrifft (frei wählbar, na endlich!) als auch eigentlich die komplette Oberfläche von GoLive (na da bin ich ja mal gespannt).

Die Creative Suite wird es in zwei Varianten geben: "Standard" mit Photoshop, InDesign und Illustrator sowie "Premium" mit GoLive und Arcobat Professional zusätzlich. Die Preise haben's in sich: 2090 Euro kostet die Premium-Ausgabe, 1720 Euro das Standardpaket. Interessant die Updatemöglichkeit: Zum Preis von 1160 (Standard: 810) Euro kann man von einer älteren Photoshop-Version auf das komplette Paket updaten!

Ärgerlich bleibt jedoch der heftige Unterschied zwischen deutscher Version und der englischen als auch im besonderen der US-amerikanischen Version: Während die "International English"-Version mit 1565 Euro (Premium) immerhin 500 Euro billiger ist als das deutsche Pendant, kostet dasselbe Paket im US-Shop gerade mal 1160 Dollar! Für die einzelnen Applikationen gilt ähnliches, auch hier ist man als Amerikaner oder "englischer Europäer" besser dran. Im Vergleich zu den Vorversionen sind bis auf InDesign alle Programme teurer geworden. Verfügbar sei die Creative Suite in Deutschland Ende Dezember, in den USA soll einen Monat früher mit der Auslieferung begonnen werden. Ausführliche Informationen gibt es auf diesen Adobe-Seiten, die Neuerungen kurz zusammengefasst auch nach einem Klick unten. Photoshop CS:
Adobe hebt den verbesserten FileBrowser hervor und die Möglichkeit, Dateien zu verschlagworten um mit der im FileBrowser integrierten Suche Dateien schneller aufspüren zu können. Auch Stapelverarbeitung soll im FileBrowser möglich sein. Ob dieser dann mit Spezial-Tools wie dem kürzlich erneuerten (aber auch verteuerten) iView Media mithalten kann - fraglich. Interessant dürfte auch sein, ob sich Adobe bei den Metainformationen für Bilder nun wieder an den IPTC-Standard hält, was sie seit Version 7 leider nicht mehr taten.

Auf der "Grafiker-Seite" ist vor allem die "Histogramm-Palette" ein spannendes Feature. Damit werden Farbkorrekturen in einer eigenen History gesammelt - ob das für Änderungen an Einstellungsebenen gilt? Argl, ich will eine Testversion :) Schön ist auch die stark erweiterte 16-Bit-Funktionalität, angeblich soll nun auch bei 16-Bit praktisch jede Option zur Verfügung stehen. Wie weit dieses Versprechen geht, wird man erst noch sehen müssen (ich will Einstellungsebenen bei 16 Bit!). Die Ebenensets sind wohl auch nochmals aufgebohrt worden und können nun verschiedene Versionen ein und derselben Ebenen enthalten - dies ermöglicht mehrere Variationen eines Bildes in einer Datei. Auch die Filter wurden wohl gründlich überarbeitet, die "Filter Gallery" soll eine viel bessere Vorschau auf das Ergebnis liefern - wenn das mal nicht ein Ressourcen-Schlucker wird. Diese überdimensionierten Dialogfelder à la "Extrahieren" und Co. zeichneten sich bislang nicht als Geschwindigkeitswunder aus.

Es gibt noch viel mehr neue Features, die hier zu erwähnen den Rahmen sprengen würden: RAW-Support, Panorama-Tool, erweitertes Scripting, eine völlig neue Methode zur farblichen Angleichung von Bildern oder einzelnen Ebenen, verschachtelte Ebenen, Text an Pfaden, Bilder als PDF-Gallerie, Unterstützung von "non-square pixels" für Videobearbeitung, ein verbessertes ImageReady und und und. Hier gibt es ein PDF mit allen neuen Features. Photoshop kostet einzeln 1230 Euro (PS 7: 1160), ein Update gibt es für 290 Euro (PS 7: 265). In den USA kostet PS übrigens 649 Dollar (ohne Steuern).

InDesign CS:
"The focus of this release is productivity", na, das hört man gerne ;) InDesign hat eine kontext-sensitive Optionenpalette spendiert bekommen, was schon einiges an Palettenschieberei überflüssig machen sollte. Paletten kann man außerdem am Bildschirmrand minimiert vertikal anordnen, was viel Platz spart. Ein Separations- und Flattener-Preview lässt noch besser eine Vorschau darauf zu, wie zu belichtende Dateien tatsächlich aussehen. Verbesserungen auch beim Text-Edit: Ein Doppelklick in eine Textbox aktiviert automatisch das Textwerkzeug (*500 Steine vom Herz purzel*), man kann Textbox inklusive Inhalt ohne Extra-Werkzeug skalieren (*2000 Steine vom Herz purzel*) und wer mit besonders viel Text hantiert, kann auf den separaten "Story Editor" zurückgreifen, mit dem die Textbearbeitung viel schneller möglich sein soll - bei vollen Formatierungsmöglichkeiten. Generell spricht Adobe von enormen Performancegewinnen, bis zu 80% schnelleres Scrollen und Redraw, schnellerer Import von Grafiken und Office-Dokumenten etc. In einem PDF sind diese und alle weiteren neuen Features zusammengefasst. InDesign kostet einzeln nach wie vor 1310 Euro, das Update 290 Euro. Zusammen mit InDesign bring Adobe auch eine passende Version von InCopy auf den Markt.

Illustrator CS:
Illustrators Neuigkeiten lesen sich insgesamt etwas bescheidener, aber solange Illu endlich mal performancetechnisch eine in den Hintern gekriegt hat, ist schon viel gewonnen. Außerdem hat Adobe einiges an 3D-Funktionalität integriert, was zumindest für einfache Formen eine nette Funktionalität bieten dürfte. Der neue Illustrator hat die selbe Text-Engine wie InDesign, was nicht nur von der Bedienung her eine Erleichterung sein sollte, sondern auch die Textfähigkeiten von Illustrator ein gutes Stück voranbringt. Und auch der PDF-Export soll nun endlich mit dem von InDesign mithalten können, ist doch der PDF-Workflow eines der erklärten Ziele der gesamten Creative Suite. Bisher war das PDF-Schreiben aus Illustrator eher... "rudimentär" *hüstel*. Auch der gute Illustrator ist in der neuen Version teurer geworden, 752 Euro (statt 500) werden nun fällig, das Update ist für die üblichen 290 Euro zu haben.

GoLive CS
Die grottige Oberfläche von GoLive ist wohl immer noch nicht absolut so, wie aus anderen Adobe-Programmen gewohnt, aber man hat sichtlich versucht, in die Nähe davon zu kommen und die Möglichkeiten der Individualisierung zu erhöhen - heureka! Wenn GoLive jetzt auch noch einen Zahn zulegt... ;) Ansonsten liest sich die Liste der Neuerungen vor allem unter einem Gesichtspunkt: bessere Integration in andere Apps. So kann GoLive nun besser mit PDF-Dokumtenten umgehen, sie importieren, exportieren, editieren und weiß der Henker was noch alles. Überhaupt soll der Umgang mit "SmartObjects" (pdf, psd, indd) wesentlich weiter gehen als bisher mit viel detaillierteren Einstell- und Editiermöglichkeiten. Der JavaScript-Code von ImageReady und GoLive wurden nun einander angepasst, beide schreiben gleichen Code (wie auch immer der aussehen mag). Die Bearbeitung des Quellcodes soll durch TypeAhead vereinfacht werden, Quelltext und Layoutansicht kann man nun gleichzeitig am Schirm sehen - ob GoLive auch den nervigen "Bug" ausmerzt, dass die History gelöscht wird, wenn man zwischen verschiedenen Ansichten wechselt? CSS2-Support und viele weitere Funktionen wurden ausgebaut oder auf den neuesten Stand gebracht. Desweiteren verwenden nun alle Adobe-Apps dieselbe Color-Engine (ACE). "Co-Authoring" klingt in Ansätzen wie ein Pendant zu Macromedias "Contribute", das ein einfaches Webseiten-Content-Editing durch mehrere Mitarbeiter ermöglichen soll, ohne dass dazu HTML-Kenntnisse nötig wären oder der Seitenaufbau leichtfertig zerstört werden könnte - die Infos zum "Co-Authoring" sind aber recht knapp. Wie zu den anderen Apps gibt es auch zu GoLive ein ausführliches PDF mit allen Neuerungen.

Fazit:
Die neuen Versionen klingen nach guter, solifer Produktpflege. Wenig absolut spektakuläres, aber Funktionen, die sinnvoll klingen. Die Anpassung der Benutzeroberflächen aneinander ist, wenn sie konsequent durchgezogen wird, ein Killer-Argument für alle, die viel mit den Adobe-Programmen arbeiten - besonders GoLive benötigt endlich eine bessere Oberfläche. InDesign ist aufgrund seines noch jungen Alters das Programm mit den größten Fortschritten, viele Ärgernisse in der Bedienung scheinen ausgeräumt, große Geschwindigkeitsänderungen sind versprochen. Illustrator scheint am wenigsten dazugelernt zu haben, aber den benutze ich persönlich auch am wenigsten so dass ich das schwerlich beurteilen kann.

Zählt man die Updatepreise von Photoshop, Illustrator, InDesign und GoLive zusammen, kommt man auf einen geringfügig kleineren Preis als für das Creative-Studio-Update (1160 Euro, Premium). Hier bekäme man sozusagen das Acrobat-6-Pro-Update umsonst dazu sowie die Zusatzfähigkeiten der Suite selbst (Suchfunktion "Version Cue"). Da wird wohl mancher überlegen, ob sich das lohnt. Wer dagegen bislang nur Photoshop sein Eigen nennt, bekommt das Paket zum echten Killer-Preis. Die Unterschiede zu den US-Preisen sind ärgerlich. Dass die Lokalisierung Geld kostet, ist unbestritten, aber der Abstand ist schon gewaltig. Andererseits hilft lamentieren eh nicht und insgesamt ist der Preis für den professionellen Einsatz durchaus ok - 1200 Euro sollten sich schnell rechnen.

Interessant übrigens auch die Systemanforderungen: 1,7 GigaByte benötigt die komplette Suite auf der Platte, 192 MB RAM sollten mindestens vorhanden sein, Version Cue will gleich nochmal 128 MB. Da die Angaben meist untertrieben sind, darf man getrost davon ausgehen, dass man mit dem noch aufgeführten G3 sicher nicht besonders glücklich wird und dass man am besten gleich nochmals RAM nachkauft ;)

Kommentare

Indesign Rechtschreibung

Von: cws | Datum: 29.09.2003 | #1
Ob dann auch die nervige Funktion "Falsche Großschreibung" in Indesign abschaltbar ist?

Oder war ich bisher zu blöd den Hebel zu finden?

Christian

Ungeheuer teuer...

Von: Maxefaxe | Datum: 29.09.2003 | #2
Ich habe vor 12 Monaten meine Design-Collection mit Illustrator 10, PS 7, Acrobat 5 und InDesign 2 für 1400 € erstanden.

Die Preisteigerung dieses Paketes ist schon gewaltig. Bei Illustrator werde ich wohl auf das Update verzichten :-(

Wenn Photoshop nicht performanter ist, dann überleg ich mir auch dabei obs die neue Version bringt.

Weiß jemand ob die Software inzwischen Cocoa ist? Die letzte OS 9-fähigen Portierungen waren ja nicht gerade ein Feuerwerk an Spritzigkeit.

jo, performance

Von: mattin | Datum: 29.09.2003 | #3
das einzige was mit interessiert ist die (oberflächen)performance unter OSX.

Nette Grafiken auf den Schachteln

Von: cab | Datum: 29.09.2003 | #4
...aber wer weiß, wie die mit dem Inhalt in Verbindung stehen sollen? Wiedererkennungswert der Programme dank Grafik-auf-der-Box geht wohl gleich Null.

Die Schachteln..

Von: Maxefaxe | Datum: 29.09.2003 | #5
...erinnern stark an Macromedias Design. Auch die Namensgebung (CS, wie mit MX anstatt Nummern) geht wohl in diese Richtung. Hoffentlich ist der Code wenigstens besser als bei Macromedias Produkten!!

produktaktivierung

Von: mattin | Datum: 29.09.2003 | #6
[Link]

jahrelang haben beide konzerne eigene "sicherheitskopien" auf irgendwelche warez server gepackt, damit die programme sich schnell verbreiten und jetzt, wo beides monopole sind, wird abkassiert. eigentlich ganz schlau :)

@mattin

Von: Lorenz* | Datum: 29.09.2003 | #7
Das ist eine zumindest waghalsige Behauptung. Eine halbe Sekunde lang habe ich tatsächlich geglaubt, dass das vom verlinkten Heise-Artikel bestätigt wird. Aber du wirst ja sehen, was du für Antworten im Heise-Forum (wo obiger Text ebenfalls steht) bekommst ;)

Zum Thema selber kann ich leider nicht viel sagen, ich benutze nur PS Elements 1.0, das bei meinem Scanner dabei war :) Trotzdem musste das raus.

preisunterschied

Von: mattin | Datum: 29.09.2003 | #8
[Link] Habe inzwischen Telefonisch nachgefragt: in Deutschland ist der technische Support umsonst, in allen anderen Ländern kostet der Extra.

Lorenz*

Von: mattin | Datum: 29.09.2003 | #9
stimmt, ich sollte belege für meine aussagen veröffentlichen, immerhin ist es das heise forum, da legt man wert auf fundierte kenntnisse und ich wollte auf gar keinen fall trollen ;))

von meiner aussage bin ich aber dennoch überzeugt :)

technischer Support

Von: Haiko | Datum: 29.09.2003 | #10
Support? Bei Adobe? Also die techlib im Web kann ich mir selber vorlesen, was anderes machen die doch am Telefon auch nicht.

Kommt Panther kommt CS…

Von: iPress | Datum: 29.09.2003 | #11
Ahoi!

Also ich werde diesen Upgradegang noch einmal mitmachen – in der Hoffnung, das die Adobe-Palette dann komplett osX optimiert ist (ohne os9 Files im Packet etc.). Danach gibts bei mir erstmal 2-4 Jahre Pause.

Grüße

Inwieweit kann diese Suite auf den G5 ...

Von: johngo | Datum: 29.09.2003 | #12
.. optimiert sein, wenn sie "so früh"
rauskommt? Besteht nicht die Gefahr,
das jetzt erst einmal 1 Jahr nichts
weiter passieren wird?

Gruss

johngo: Unser liebster Berufs-Skeptiker

Von: Jan | Datum: 29.09.2003 | #13
Sei versichert, dass auch die völlig G5 unoptimierte Design Collection auf einem G5 1.8 sehr performant läuft. Das OS läuft praktisch in Echtzeit, deutlich schneller noch als auf G4s und mit Panther kann es nur besser werden. Insofern gilt: Seid optimistisch und versucht nicht immer alles niederzunörgeln.

War eigentlich nur ne Frage an die technisch ...

Von: johngo | Datum: 29.09.2003 | #14
... versierten! "So früh" ist das Stichwort!

Gruss

johngo

@Jan: Wo?

Von: Marvin | Datum: 29.09.2003 | #15
@Jan

>FrameMaker und PageMaker darf sich die Welt also bald verabschieden (...), man betrachte die offensiven Crossgrade-Angebote.

Wo hast Du was dazu gesehen?

@Marvin Ich bin PageMaker-Lizenzinhaber und bekam...

Von: Jan | Datum: 29.09.2003 | #16
...sowohl eine E-Mail als auch einen Brief von Adobe, in welchem ich als User über die sehr günstige Crossgrade-Möglichkeit zu InDesign informiert werde.

Ein Freund von mir hat FrameMaker und bekam dieselben Schreiben.

Zudem gibt's kein PageMaker PC oder ähnliches und Adobe puscht InCopy ziemlich massiv, insofern glaube ich, dass die nicht vorhaben, noch länger zwei bzw. drei Publishing-Programme zu supporten.

Wenn Illustrator CS nur halb so schnell...

Von: Rev.B | Datum: 29.09.2003 | #17
... auf dem G5 Dual ist, wie Illustrator 8 auf OS9 auf dem G4 733, ist es gekauft!

Warum?

Weil Illustrator 10 auf dem G4 Dual 1,25 10x so langsam ist wie Illustrator 8 auf OS9 auf dem G4 733.

Ein einzelnes Objekt zu verschieben innerhalb eines großen Dokumentes braucht IMMER 1 Sekunde pro Schritt mit Illustrator 10. Das summiert sich. Ich sage nur: Latenz!

Illustrator kann wirklich nur besser werden

Von: DrWatson | Datum: 30.09.2003 | #18
Illu 10 ist schon bedenklich nah dran am schlechtesten DTP-Vektor-Programm ever: FreeHand 10. Es ist fast genauso langsam, es stürzt nur weniger oft ab.