ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2417

M$-Aktionismus gegen Opensource in Massachusetts

M$-Lobbyismus nimmt abstruse Züge an

Autor: kai - Datum: 02.10.2003

Wie Heise berichtet, schiesst die das amerikanische Äquivalent zum Steuerzahlerbund, die Citizens Against Government Waste (CAGW) gegen Massachusetts (mehr oder weniger dem letzten tapferen Kämpfer im M$-Antitrust-Prozess) Entscheidung, Opensource und offene Standards massiv zu pushen und sämtliche IT-Ausgaben nur in OSS zu stecken.
Die Behauptungen sind herrlich absurd und bescheuert: Man wolle verhindern, dass der Staat ein "neues Softwaremonopol" schafft. Frage 1: Was ist denn mit dem bestehenden M$-Monopol? Frage 2: Wie kann Opensource jemals ein Monopol sein, wenn die nicht-monopolisierbarkeit durch die freie Zugänglichkeit zum Code inhärent im gesamten Konzept verankert ist?
Aber da hört es ja nicht auf, laut CAGW sind die "Betriebskosten und die Kosten für Aktualisierungen" sehr teuer. Okay, beim klassischen M$-FUD mit den Betriebskosten kann man trefflich streiten, aber dass man für die Aktualisierung eines Opensource-Programms jemals was zahlen musste ist mir völlig neu!

Nun gut, kommen wir zu CAGW.. Natürlich ist der Verein M$-gesponsort, was habt ihr denn gedacht? ;-) Nicht nur das, sie waren sogar bei der legendären M$-Lobbyaktion "Briefe von Toten" massgeblich involviert: "US lobby group the Campaign Against Government Waste (CAGW) posted the letters, intended for the Utah attorney general who is prosecuting the antitrust case, as part of an attempt to convince state attorneys general that there is a grassroots campaign against the case."

Die Gruppe ist ein langjähriger M$-Supporter (schon zu Zeiten des Prozesses), rezitiert -wie auch jetzt- gerne M$-Credos wie "freedom to innovate" usw. und dass M$ sie sponsort ist ein offenes Geheimnis:

"ATL, which was founded on Oct. 30, grew out of the work started by
ACT. That group and its president Jonathan Zuck have been vocal and
aggressive allies of Microsoft and its right to innovate without
government interference. Microsoft and ACT, along with Citizens
Against Government Waste (CAGW), Clarity Consulting, Computing
Technology Industry Association (CompTIA), CompUSA, Staples and
others, founded ATL. [...]

ATL's formation demonstrates how Washington-based policy-influencing
organizations are intertwined. CAGW, for example, is a long-standing
Microsoft supporter against the government.

When in November U.S. District Judge Thomas Penfield Jackson issued
his stinging "findings of fact" against Microsoft, CAGW "proclaimed
today's 'finding of fact' ruling as a vindication of the Microsoft
Corp."


Das wirklich erschreckende an der Sache ist, dass diese Gruppe vorgibt, im Interesse der Steuerzahler zu handeln, während das was sie tut und sagt im Sinne der Grosskonzerne ist. Dass Lobbyismus solche Dimensionen erreichen kann in denen vermeintliche Bürger-Interessengruppen zur blossen Farce verkommen ist erschreckend. Aber immerhin lernen wir einmal mehr, wie stark M$' politische Hand in den USA nun wirklich schon geworden ist!

Kommentare

Tippfehler! :p

Von: tads | Datum: 02.10.2003 | #1
"M$-Lobbyismus nimmt abstuse Züge an" Soso, was heißt "abstus"? :D Sonst aber netter Kommentar. Ich sage dazu nur: Amerikaner! *kopfschüttel*

da drüben...

Von: martyx | Datum: 02.10.2003 | #2
...rockt irgendwie gar nichts mehr.

Die spinnen die Amis

Von: DeVOiR | Datum: 02.10.2003 | #3
Wo bleiben eigentlich die bösen Auflagen an M$? Sollten die nicht ihre Portokasse leeren? Da finde ich die Lindows Aktion eigentlich garnicht so schlecht...hätte Apple mal unterstützen sollen :)

P.S.: Lobbyismus is Dreck! Immer werden nur die Interessen der Großkonzerne vertreten - siehe das neue Kopierschutzgesetz usw...

Umsonst != ohne Folgekosten

Von: Guido | Datum: 02.10.2003 | #4
"aber dass man für die Aktualisierung eines Opensource-Programms jemals was zahlen musste ist mir völlig neu!"

Dann solltest Du einfach mal den Begriff "Total cost of ownership" nachschlagen.

Freie Software wie z.B. Linux zieht sehr häufig deutlich höhere Supportkosten nach sich, außerdem deutlich höhere Schulungskosten. Man muß abwägen, inwieweit die restlichen Vorteile dann ausreichen, diesen Bereich auszugleichen.

a propos Aktionismus: was auch noch beim Onkel steht,

Von: stö | Datum: 02.10.2003 | #5
... ist Folgendes:
"Microsoft überlegt, eine Art Online-Überwachung zu installieren. Diese soll sich jedes Mal, wenn ein Nutzer online geht, einschalten und überwachen, ob das Betriebssystem oder die Antiviren-Software auf dem aktuellen Stand ist". Das läuft dann unter dem Titel "Neue Sicherheitsinitiative von Microsoft". Ich glaub echt langsam, dass M$ user die totale Überwachung _wollen_. Hirnlose Masse, sowas...
Gruss
stö

alte feinde, neue freunde

Von: mattin | Datum: 02.10.2003 | #6
[Link] Südkorea wendet sich Open Source zu

guido

Von: mattin | Datum: 02.10.2003 | #7
jo hast recht. bei münchen war linux auch nicht günstiger, man wollte nur weg von M$. aber diesen grund find ich viel geiler als schnödes gegenrechnen! :))

Betriebskosten != Aktualisierung

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 02.10.2003 | #8
Lern lesen, Guido!

Das mit den höheren Supportkosten und höheren Schulungskosten ist 1A M$-FUD.

Wenn du mir Links gibst, dass es so ist bringe ich dir genausoviele Links, dass das Gegenteil der Fall ist! ;-)

Ich fange vorsichtshalber schonmal an und lege vor:
[Link]
[Link]
[Link]
[Link]
[Link]
[Link]
[Link]

Sprich: Es wird wohl unterm Strich irgendwo in der Mitte anzusiedeln sein, spich: gleich teuer, mit Tendenz zum längerfristigen massiven Einsparen (je länger man nix für OSS-Updates zahlt, umso billiger wird's im Vergleich zu M$!)

. . . . auf lange sicht billiger!

Von: Stefan | Datum: 02.10.2003 | #9
Denn Linux/unix etc. werden (hoffentlich) nie diesen Resourcen-Hunger entwickeln wie MS (Machen die ja auch nur damit Intel wieder Pentiums verkaufen kann!) und damit können die Rechner länger im Einsatz bleiben!

Danke. mattin! ;-)

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 02.10.2003 | #10
Aus dem Heise-Artikel:

"Es verspricht sich dadurch jährliche Einsparungen von 300 Millionen US-Dollar."

'nuff said! ;-)

Aber zum Thema München: Als MOMENTAUFNAHME wäre M$ sicher billiger gewesen wegen den massiven und völlig unnormalen Zugeständnissen, die M$ an München gemacht hat um die schlechte PR abzuwenden.. Aber längerfristig spart man, und darauf kommt's an! ;-)

kai:

Von: mattin | Datum: 02.10.2003 | #11
"Aber zum Thema München: Als MOMENTAUFNAHME wäre M$ sicher billiger gewesen wegen den massiven und völlig unnormalen Zugeständnissen, die M$ an München gemacht hat um die schlechte PR abzuwenden.. Aber längerfristig spart man, und darauf kommt's an! ;-)"

ok :)

Wenn wir einfach mal emotionslos..

Von: BvK | Datum: 02.10.2003 | #12
denken(was hier natürlich nicht korrekt ist)spricht für OpenSource mindestens dass die Euros nicht nach Redmond fliessen sondern hier an Supporter ,Trainer etc bezahlt werden.Und mal ganz ehrlich, werwird ,sagen wir mal in 10 Jahren überhaupt noch für sowas banales wie ein OS bezahlen. das gehört einfach dazu ,genauso wie Basisprogramme. Ich bin sicher : das Monopol wankt, wichtig ist möglichst wenig an Redmond zu zahlen.
Zukünftig wird man bezahlen für Komfort, für Inhalte und angenehme, anpassungsfähige Hardware, nicht jedoch für Monopol und Basic OS.
Grüsse BvK

hab grad ne Windows Server 2003...

Von: mattin | Datum: 02.10.2003 | #13
...werbung gesehen. da sitzen die kunden wie kleine kinder in einem haufen vor einem möchtegern fachmann und lassen sich beqatschen und bunte bilderchen zeigen. jetzt weiss ich auch welche leute M$ einsetzen.

blablabla...sie sparen 200.000 euro..blabla. ne is klar.