ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2441

The cat is almost back

Napster 2.0 Beta startet heute

Autor: flo - Datum: 09.10.2003

Napster, die Mutter aller Tauschbörsen, ist nach unzähligen Gerichtsverfahren und Rettungsversuchen wieder da - fast. Denn eine Tauschbörse ist es freilich nicht mehr, Roxio, die die Patente von Napster aufgekauft haben, hat die Katze zu einem iTunes-PlagiatKonkurrenten mutiert und schickt "Napster 2.0" heute in die öffentliche Beta-Phase. Mit ordentlichem Brimborium, auch das hat man von Apple gelernt: Um 10:30 Uhr (hierzulande nachmittags um halb fünf) steigt in New York der "Launch Event", den man als Live-Webcast verfolgen kann. Ab dem 29. Oktober soll dann Napster 2 mit über 500.000 Songs offiziell verfügbar sein.

Auch Napster hat - wie Apple - Verträge mit den fünf großen Labels, dazu "einige hundert" kleinerer Independent-Labels. Einzeltracks gibt es für 99 Cent, Alben für 9,95 Dollar und auch die restlichen Bedingungen ähneln denen des iTunes Musicstores: Vorerst ist der Dienst nur in den USA verfügbar, vor dem Kauf kann man sich einen Song kurz anspielen lassen, ein erworbenes Musikstück darf auf beliebig viele portable Player überspielt (sofern sie mit den Napster-Songs umgehen können), fünfmal auf CD gebrannt und via einer so genannten "Sync/Restore"-Funktion auf zwei zusätzliche Rechner übertragen werden. Damit enden die Gemeinsamkeiten. Zum einen ist Napster PC-only, zum anderen, so darf man aus den Nutzungsbedingungen schließen, als Format kommt - wer hätte es gedacht - Microsofts WMA zum Einsatz. Damit benötigt man natürlich auch den WIndows-Media Player. Allerdings reicht laut den Angaben auf der Napster-Startseite die Version 7.1 schon aus, andere Dienste wie Bye bye Music setzten wegen des DRM immer die aktuellste WMP-Version voraus. Weitere Voraussetzung ist der MSIE 5.01 oder höher, andere Browser bleiben wohl mal wieder aufgrund dämlicher ActiveX-Steuerelemente außen vor.

Der Napster-Dienst ist aber nicht ausschließlich Browser-gestützt, man benötigt außerdem noch die Napster-Software. Diese wird wohl zur Rechteverwaltung benötigt, genauer lässt sich das aus den bislang verfügbaren Informationen kaum folgern. Das DRM ist eh das Spannendste am neuen Napster, eine Passage in den Napster-Terms liest sich nebulös: "Any security technology that is provided with a Purchased Track is an inseparable part of it." Vielleicht lässt dies aber auch keinen Rückschluss auf das verwendete DRM zu (Wasserzeichen), sondern ist vielmehr eine rechtliche Absicherung für Napster, denn im Kontext wird darauf verwiesen, dass bei einem Verlust eines gekauften Musikstücks der Benutzer keinen Ersatz von Napster fordern könne (wie bei Apple auch).

Es wird auch einen Premium-Account geben, der in Form eines Abos daherkommt. Er bietet anscheinend eine Art "Webradio", also die Möglichkeit sich Streams anzuhören, während man beim Napster-Dienst eingeloggt ist. Diese Streams werden von Napster im Übrigen registriert und gezählt, "for royalty accounting and analysis purposes" - eh klar ;). Das Abo enthält auch das Recht auf unbegrenzte Downloads - das Recht an den Titeln behält man aber nur solange, wie man auch zahlt. Am Ende eines jeden Abo-Monats muss man die Rechte seiner Musikstücke über den Napster-Dienst erneuern, sonst ist Ruhe im Karton. Der Napster Client zählt außerdem, wie oft man diese Titel anhört... "for royalty accounting and analysis purposes" - hehehe, ja, genau.

Ganz so "frei" wie Apples Angebot scheint die Napster-Reinkarnation also nicht, aber immerhin liberaler als die unsäglichen OD2-Reseller (ByeByeMusic etc.), die Marke "Napster" dürfte Roxion ebenfalls helfen, den Dienst populär zu machen. Mal sehen...

Kommentare

…und nocheiner

Von: Terranova | Datum: 09.10.2003 | #1
Im November geht ein "eBay für Musik" an den Start

schmerz lass nach...

Von: kalle | Datum: 09.10.2003 | #2
herrje, consumer-crap vom übelsten.

einfach gehirn einschalten und niemand braucht den hirntoten mainstream kram...

zu dumm nur, daß es kaum noch gehirne mit "einschalter" gibt.

Ein besseres Konzept

Von: RollingFlo | Datum: 09.10.2003 | #3
All diese Dienste, auch der von Apple, nutzen den Künstlern selber weniger als den Labels.
Es gibt da aber auch ein anderes Modell: Magnatune. [Link]

Vom Konzept her eine tolle Sache wie ich finde und der Unterstützung wert.

@Rolling Counterpart ;)

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 09.10.2003 | #4
Magnatune ist nicht direkt ein Konkurrent zu iTMs oder Napster noch wirklich vergleichbar. Auch haben die beiden genannten (und die anderen Dienste) nichts direkt mit den Musikern zu tun, somit auch die Modelle nur indirekt einen Einfluss auf die Musiker.

Denn Apple hat einfach nur die Rechte von den Labels erworben (bzw. das Recht, die Stücke zu verkaufen), und entrichtet dafür einen Obulus pro Song. Welchen Deal wiederum die Labels mit den Musikern haben, etwa den 50:50-Deal wie magnatunes, ist Sache der Lebels und hat mit dem Apple/Napster/sonstwas-Dienst nichts zu tun.

Vorteil von Magantunes ist insofern nur, dass es einen Zwischenhändler weniger bedeutet. Das ist prinzipiell ein Vorteil, aber so dolle ist der 50:50-Deal nun auch wieder nicht. Andere Indie-Labels, die wiederum die Rechte etwa an den iTMs verkaufen, behalten nur eine "Vermittlungsgebühr" ein und geben rund 90% der Einnahmen an den Künslter weiter...

Eins noch

Von: RollingFlo | Datum: 09.10.2003 | #5
Irgendwann lerne ich die Syntax dieses Forums. Da wo LINK steht, sollte WorldWideWeb stehen. :)

[OT] @ Flo wg. Kommentar-/Forums-Syntax

Von: Bonobo | Datum: 09.10.2003 | #6
kann man die denn irgendwo nachlesen?

TIA,

Tom

iTunes für Windows ab nächster Woche?

Von: salco | Datum: 09.10.2003 | #7
The year's biggest music story is about to get even bigger