ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2443

Neil Postman ist tot

Medienkritiker litt an Lungenkrebs

Autor: dk - Datum: 09.10.2003

Wie die New York Times heute berichtet, ist der amerikanische Medienkritiker Neil Postman im Alter von 72 Jahren verstorben. Wie ein Sprecher der New York University mitteilte, litt Postman an Lungenkrebs.

Als Autor und Wissenschaftler engagierte er sich gegen die Auswirkungen des Fernsehens und kommerzieller Medien auf die Urteilsbildungsfähigkeit Erwachsener. Er warf der Fernsehindustrie vor, sie würde aus den ernsthaftesten Problemen der Welt eine Unterhaltungsshow machen.

Zwei seiner Bücher, "Das Verschwinden der Kindheit" (1984) und "Wir amüsieren uns zu Tode" (1985), wurden bald nach Erscheinen zu Standardwerken in Sachen Massenmedienkritik. Er warf dem Fernsehen vor, es würde die beiden separaten Welten der Kindheit und die der Erwachsenen auflösen und somit die moralische Entwicklung der Kinder verkürzen.

Postman hatte einen Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaften an der New York University. In seinen jüngsten Aufsätzen war immer mehr das Internet in seinen kritischen Fokus geraten.

Kommentare

Ist das der Typ, der zweimal geklingelt hat?

Von: iMob | Datum: 09.10.2003 | #1

Amusing to death

Von: Terrania | Datum: 09.10.2003 | #2
War übrigens der Aufhänger von Roger Waters' gleichnamigem Song auf der In The Flesh-Tour. (Geile DVD) Der Text von Waters ist rattenhart und sooo treffend. Postman hat früh erkannt, WIE beschissen die Zeiten werden können, wenn die Unterhaltungsindustrie das Elend als Kassenbringer entdeckt. Ich sag nur CNN, FOX und Konsorten. Jeder Krieg ist nix weiter als tolles Beiwerk für die nächste Werbeinsel. Zynisch? Nein. Die Gesellschaft ist so geworden. Schade eigentlich ... Wäre es eigentlich nicht fair, von den Werbeeinnahmen 15% an die Opfer bzw. Leute abzuführen, die die Kassen bei solchen Dingen füllen helfen ...?

Postman

Von: Falko | Datum: 09.10.2003 | #3
Ich bin kein Anhänger von Postman, weil ich Konsumenten nicht nur in der Opferrolle sehe. In meinen Augen reduziert sich Postmans Kritik darauf, dass sich die Menschen den Medien willig hingeben, und er kritisiert die Medien für ihre erfolgreiche Lockung. Medienkritik darf sich nicht darin erschöpfen, sondern muss Medienkompetenz fördern.

Opferrolle?

Von: Terrania | Datum: 09.10.2003 | #4
Das ist wie mit allen Genussmitteln (ich zähle TV dazu). Wenn ichs in Maßen, und dediziert konsumiere, tuts nicht weh. Wer allerdings übertreibt: Alkohol, Zigaretten, Schokolade, TV-Konsum, etc. der kriegt eben die Breitseite in Form von Leberschaden, Lungenschaden, Zuckerkrankheit, Hirntod, etc. Leider haben nicht alle Menschen die richtige Selbstdisziplin, um sich gewissen Verlockungen zu entziehen. Das wirft eben die Frage auf, wo man die Brechstange ansetzt. Überlegenswert sind seine Thesen allemal. Aber man sollte (wie bei allen Philosophen etc.) die Leute nicht zu 100% kritiklos konsumieren (da isses wieder, das Unwort).

Terrania -

Von: Falko | Datum: 09.10.2003 | #5
Absolut richtig. Und als (zeitweise überzogener) Augenöffner taugt Postman sicher. Stammt von ihm nicht auch das Zitat "Das Internet ist ein Misthaufen"?

Ne, das war dieser IT-Menschen ...

Von: Terrania | Datum: 09.10.2003 | #6
Joseph Weizenbaum! :-)

Mensch - natürlich!

Von: Terrania | Datum: 09.10.2003 | #7
n/t

Stimmt ...

Von: Falko | Datum: 09.10.2003 | #8
Danke für die Korrektur. :)

was fuern schaden

Von: comical ali | Datum: 09.10.2003 | #9
bekommt man eigetnlich wenn man wie ich internetsuechtig ist?
trollbisse (bei heise)
ueberbenchmarking (hier)
ungesunde geruech(t)e (http://finance.yahoo.com/mp#aapl)

gibts da untersuchungen? kennt jemand eine selbsthilfegruppe ("... meine finger fingen an zu bluten, aber ich musste einfach weiter kommentare posten! versteht ihr ich MUSSTE!!! ... es tat so weh ...")?
wer weiss da mehr?

ansonsten stimme ich natuerlich mit der aussage "die dosis macht das gift" vollkommen ueberein!!!

was bin ich froh...

Von: Bert | Datum: 09.10.2003 | #10
bin jeden tag froh, ohne fernsehen aufgewachsen zu sein...habe noch immer keine glotze...habe aber das programm aufmerksamer gelesen als sonst irgendwer...mit web und printmedien kommt man bestens aus...es kriecht dir nicht so rein...irgendwie ist fernsehen wie...wie....slurm! genau. das ist es. slurm. bääääh. Bert

slurm?

Von: Terrania | Datum: 09.10.2003 | #11
Erklär er bitte mal das Wort.

Erklärung:

Von: Falko | Datum: 09.10.2003 | #12
Slurm, das: Stark süchtigmachendes Getränk aus der Serie "Futurama", das aus dem After eines grünen Riesenwurms stammt und bevorzugt in Dosen verkauft wird.

Dass Bert sich darüber freut, ohne Fernseher aufgewachsen zu sein und es im nächsten Satz mit einem Produkt aus einer TV-Serie vergleicht, ist natürlich wundervoll. Erklärt natürlich deinen komischen Geschmack was Filme angeht, Bert. ;)

Da kenn ich eigentlich nur

Von: Terrania | Datum: 09.10.2003 | #13
Liquitiv. Stark süchtig machendes Getränk aus der Perry-Rhodan-Serie. Gut, das sind "Schundromane". Aber ich les halt lieber Schund, als daß ich mich vor die Glotze baller.

Perry Rhodan und Co.

Von: Dirk (MacGuardians) | Datum: 09.10.2003 | #14
Schundromane gibt es nicht. Und gerade Romane dieser Kategorie zeichnen sich dadurch aus, dass sie es schaffen, innerhalb eines vorab definierten Seitenumfangs immer den gleichen Spannungsbogen zu halten und die Leser zu faszinieren.

Hemingway hat mal so in etwa gesagt, dass Klassiker Bücher sind, die jeder als solche bezeichnet, aber keiner gelesen hat…

@falko

Von: Bert | Datum: 09.10.2003 | #15
Ey Falko, Du wirst es mir vermutlich nicht glauben, aber Futurama habe ich NUR auf meinem Rechner gesehen...nicht mal dafür komme ich in die Nähe einer Glotze. Ist aber witzig, dann immer wieder mal irgendwas politisches zu sehen, das "mundgerecht" kleingehackt wurde...offenbar stört das keinen mehr. Gruß, Bert

Ey Bert ...

Von: Terrania | Datum: 09.10.2003 | #16
Wir glaubens Dir ja, aber der Unterschied zur Glotze ist in diesem Fall egal. Konsumiert ist Konsumiert. Ach ja und Politik. Ist inzwischen soooo langweilig. Anders: Denn Herrschaften würde ich am liebsten immer und immer wieder in die F**** treten. Durch die Bank. Das ist keine Politik sondern Kasperletheater, leider ohne Inhalt.

Worin besteht der Unterschied

Von: Elroy | Datum: 09.10.2003 | #17
ob man eine Fernsehserie auf dem Rechner oder in der Glotze sieht?
Ist es nicht schizophren, das Fernsehen per se zu verteufeln, um dann ein typisches Produkt gerade diesen Mediums dann hoch zu halten?

Michael Moores Law

Von: Magneto | Datum: 09.10.2003 | #18
Wer Fernsehen schaut, verliert alle zwei Jahre die Hälfte seines Verstands.

Aber hallo!

Von: Laurel vs. Hardy | Datum: 09.10.2003 | #19
Das ist fast so arm wie ständig im Internet-Forum Diskussionen loszutreten - am besten unter verschiedenen Namen - nach dem Motto "Hauptsache kontrovers".

@Laurel vs. Hardy

Von: Dirk (MacGuardians) | Datum: 09.10.2003 | #20
Verstehe ich nicht… Was ist "fast so arm wie ständig im Forum Diskussionen loszutreten"?!

schon 'mal postman gelesen?!

Von: k_munic | Datum: 10.10.2003 | #21
er meint allen ernstes, durch einführung der telegraphie hätten die menschen den direkten bezug zum leiden anderer verloren ("der ostküstler erfuhr vom mord in new york - er kannte den menschen ja gar nicht" - KEIN wörtliches zitat, aber inhaltlich ähnlich)

also, von globalisierung hatte der zumindestens mitte der achtziger nix gehört...-

und: postman singt, nee, sang, ein hohelied auf die amerikanischen zeitungen - warum sind das gute medien, wenn die über untertassen oder "welt"meisterschaften mit ausschließlich amerikanischen mannschaften berichten??

in einem punkt gebe ich recht:
kinder sind keine kinder mehr, sondern nur noch kleine erwachsene. und wir amüsieren uns zu tode, tv ist der größte zeitfresser seit erfindung des forum romanums! der mensch fühlt sich beschäftigt, er glaubt sogar was zu erfahren, zu erleben, zu lernen - verdickt aber nur aufm sofa!

diese kulturkritik gabs aber schon mit der einführung des radios und seiner shows in den 30er jahren...-

postman ist nett zu lesen, gibt anstoß, is aber kein heiliger der medienkritik..

meine 5 cents.

betr. World Series…

Von: Dirk (MacGuardians) | Datum: 10.10.2003 | #22
Also, an alle, die immer noch denken, die Amis wären so egozentrisch, eine "Welt"meisterschaft nur mit amerikanischen Mannschaften zu bestreiten:

Die Baseballendspiele heißen so, weil die ersten Endspiele (Series) von der Zeitung New York World gesponsort wurden. Zeitung + Endspiele= World Series…

@dirk

Von: k_munic | Datum: 10.10.2003 | #23
… und so lernt man in einem neil postman thread 'was über baseball…

fühle mich schlauer, aber nicht verstanden

na, dann troll ich mich 'mal wieder von dannen ;-)

@k_munic

Von: Dirk (MacGuardians) | Datum: 10.10.2003 | #24
Der Exkurs in die Welt des Baseballs war auch nur als Randbemerk gemeint…

Zu jedem Kritiker kann man sich positionieren und zu dem Schluß kommen, er habe übertrieben, etc.

Ich verstehe die Aufgabe eine Kritikers auch so, dass er provoziert und polarisiert. Das hat Postman sozusagen vorbildlich gemacht.

Des weiteren kann ich nur unterstreichen, was Postman hinsichtlich des Verlusts der Kindheit gesagt hat. Das sehe ich ähnlich. Denn die meisten Kinder, die heute geboren werden, werden nicht mehr in den Genuß von verblichenen Kinderfotos kommen…

Abgeraucht

Von: Stollentroll | Datum: 10.10.2003 | #25
War er Raucher? Dann war es Selbstmord, wenn auch auf Raten. War er als Passivraucher das Opfer von Rauchern? Na, dann hätte er sich eben wehren sollen.

Er hat ja mal einige gute Sachen gebracht, aber in letzter Zeit hat man nichts mehr von ihm gehört. Na, jedenfalls hat er sich nicht zu Tode amüsiert ...