ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 247

Handystrahlung zur späten Stunde

Es war einmal ein Arbeitskreis...

Autor: bh - Datum: 07.05.2002


"Wir wollen die Diskussion versachlichen" - es geht um die ewige Diskussion um die möglichen Gesundheitsrisiken durch Handystrahlung. Der deutsche Industrieverband BITKOM hat einen eigenen Arbeitskreis "Mobilfunk und Gesundheit" eingerichtet. In dem Gremium sind die Fachleute der BITKOM-Mitgliedsunternehmen für den Bereich Elektromagnetische Felder und Gesundheit versammelt. Der Arbeitskreis ist das Forum der Hersteller und Netzbetreiber für die ÷ffentlichkeit. Die Mitglieder wollen zum einen über Sachzusammenhänge informieren, zum anderen aber auch Vorschläge und Anregungen aus der ÷ffentlichkeit aufnehmen und umsetzen. Ziel des Arbeitskreises ist, über die Inhalte der Technik zu informieren, aber auch mit dem medizinischen und biowissenschaftlichen Kenntnisstand vertraut zu machen. Das neue Gremium arbeitet auf nationaler Ebene im Verbund mit dem Informationszentrum Mobilfunk (IZMF) und auf internationaler Ebene mit dem Mobile Manufacturers Forum (MMF) zusammen. Okay, damit das mal klar ist - hier präsentieren sich die Hersteller der Dinger als Ansprechpartner auch in Gesundheitsfrage. Lucent, Alcatel, Ericsson, Deutsche Telekom, Motorola, NEC, Nokia, Nortel, Panasonic, Philips, Samsung, Viag Interkom, Vodafone, Siemens, Sony und Toshiba - alle kompetent, um der Bevölkerung zu erklären, daß alles nur Panikmache ist. Denn die prinzipiell begrüssenswerte Einrichtung eines Arbeitskreises wurde gleich einmal vom üblichen Sperrfeuer begleitet: der Vorsitzende des Gremiums, Uwe Kullnick, forderte objektive Diskussionen und Entscheidungen über die nur vermutetenn Risiken des Mobilfunks. "Wir laufen sonst Gefahr, den wichtigen Standortvorteil Deutschlands an ein Phantomrisiko zu verlieren - und zwar gänzlich ohne einen positiven Effekt für die Bevölkerung zu erreichen." Wieso - arbeitslos aber kerngesund vielleicht? Mag mal jemand darüber nachdenken, wie nah Mobilfunk an der Mikrowellenstrahlung ist und wieso ausgerechnet die Apple AirPort-Basisstation die meiste Abstrahlung hat? Macht sich der Arbeitskreis auch darüber Gedanken, wieso die Bevölkerung Angst hat? Vielleicht waren es ein paar Hirntumore zuviel, Elektrosmog ist ein packendes Schlagwort. Der Witz in der bisherigen Diskussion waren ja Geräte wie "WaveShield" oder "NoDanger", die einen Teil der Handystrahlung blockierten. Da die Geräte aber dann bei schlechtem Empfang automatisch die Sendeleistung raufdrehen, führten die Geräte tatsächlich zu erhöhter Strahlung und wurden von der US Handelsbehörde verboten. Keine Ahnung, ob wissenschaftlich nachzuweisen ist, daß Handystrahlung gesundheitsgefährdend ist - ich bin auch nur ein kleiner Konsument. Der Hausverstand bejaht die Gefahr durch Handystrahlung jedenfalls, und mit dem Kopf neben Steckdosen schlafen ist auch nicht so unbedingt das Desiderat - nur mit Hausverstand sollte man dem Arbeitskeis nicht kommen. Dort soll ja wieder einmal unter kiloweise Papier versachlicht werden, damit "einheitliche Industrielösungen" und "fixe Standards" oder auch "Investitionssicherheit" gewährleistet werden sind. Wir plaudern hier über Hirntumor, Krebs und andere Schweinereien von der Intensivstation! Wer da schon wieder mit "Wirtschaftsstandort Deutschland" kommt, furzt ins Wahlkampffeuer, hat aber nichts begriffen und löst seinen Arbeitskreis am besten wieder auf.
Deshalb erste Maßnahme der MacGuardians-Volkstribunen: wir lösen den Arbeitskreis der BITKOM wieder auf oder verdoppeln ihn um ein paar Dutzend Wissenschafter, die reich geheiratet haben und unabhängig sind. Sollte es bei der Auflösung bleiben, meine Herren von der UMTS-Titanic: Beginnen Sie die Telefonie bei null: zwei leere Joghurtbecher am Boden durchbohren, eine Schnur dazwischenspannen und dann sprechen. Fertig ist das Telefon ohne Grundgebühr und Strahlung... investitionssicher!

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