ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2522

Panther *könnte* auf Intel laufen

*KABUMM*

Autor: flo - Datum: 06.11.2003

Diese Bombe ließ nicht irgendein unter seinem verstaubten Tisch hervorgekrochener Analyst platzen, um mit der unvermeidlichen Veröffentlichung seine Weihnachtskasse aufzubessern, nein, diese Worte stammen aus des Meisters Mund persönlich: His Steveness. "It's perfectly technically feasible to port Panther to any processor". Spach's und setzte dem brodelnden Topf gleich wieder den Deckel auf: Man sehe derzeit aber keine Veranlassung dazu, die Prozessorfamilie zu wechseln, schließlich seien die IBM-Chips "quite competitive" und die Roadmap schaue sehr gut aus. Diese Äußerungen werden jetzt sicherlich wieder hin- und hergedreht und auf die Goldwaage gelegt, aber eigentlich war dies nur eines von vielen Statements auf Apples Konferenz mit Finanzanalysten. Verharren wir noch kurz bei dieser Sache: Warum sagt Steve Jobs so etwas?
1. Weil es stimmt. Panther könnte portiert werden. Darwin gibt es ja seit jeher für x86, was aber noch lange kein OS X für Intel macht. Fehlt noch Carbon, Cocoa, (Classic), Quartz und Aqua. Ne Menge Arbeit, die Apple natürlich im Hinterstübchen des Infinite Loop ausgeheckt und entwickelt haben könnte, schließlich sind die R&D-Ausgaben seit geraumer Zeit höher als bei allen Konkurrenten. Dass Apple als verhältnismäßig kleines Unternehmen aber derartige Anstrengungen unternimmtscheint doch sehr unwahrscheinlich. Daher:

2. Es ist gnadenlos übertrieben. Portieren kann man alles. Ob so "easily" wie Jobs sagte, das ist schon eher die Frage. Aber man darf auch nicht übersehen, zu wem Jobs das sagte: Zu Finanzanalysten. Was die hören wollen ist, ob das Unternehmen eine klare Strategie hat, ob es den Überblick hat, ob es Perspektive hat, ob es Selbstbewusstsein hat. Und letzteres hat Jobs ganz klar untermauert. Mit dem Lob IBMs für deren Roadmap und Performance unterstreicht er nochmals die Richtigkeit des Prozessorwechsels in der PowerMac-Linie.

So hört sich dieser Satz also gut an, aber überbewerten braucht man das Statement nicht. Widmen wir uns lieber den anderen Themen der Konferenz:
Media Center: Jobs wurde auf die Fähigkeiten des Macs als digitaler Videorecorder angesprochen (in Anlehnung an Microsofts Media Center Edition). Jobs verneinte sehr klar jede Ambition Apples, in diese Richtung zu entwickeln, was ich für eine viel aufregendere Nachricht halte als die "X on other platforms"-Geschichte. Kein Wohnzimmer-Mac? Laut Jobs gebe es eine zu kleine Zielgruppe und eine zu große Diskrepanz in der Art, wie Leute einen Fernseher und einen Computer bedienen. "Wer fernsieht, will eigentlich sein Hirn ausschalten", so Jobs sinngemäß. Ein Gerät, das einen Film aufnehmen solle, tue besser genau dies und nichts anderes. "Wenn ich eine Sendung aufnehmen will, möchte ich auch sicher gehen, dass sie auch wirklich aufgenommen wird", so Jobs weiter. Von besonders viel Vertrauen in die Hardware und Software zeugt das aber nicht gerade. Wenn nicht Apple, wer dann könnte hier als erstes eine zuverlässige Lösung anbieten? Zwar ist das Konzept des "Wohnzimmer-Macs" durchaus kontrovers diskutabel, die klare Absage allerdings ist doch ein wenig schade.

-iPod und iTMS: Auf die Frage, ob Apple plane, den iPod mit anderen Musikdiensten kompatibel zu machen bzw. den iTMS für andere Player zu öffnen, begegnete Jobs ebenfalls ablehnend. "Wenn ich quasi mit dem "Microsoft der MusicStores" arbeite, warum sollte ich dann noch mit anderen zusammen arbeiten? Da investiere ich mein Geld doch lieber in die Verbesserung von iPod und iTMS". Eine klare Aussage.

.Mac: Nachdem .Mac -Abos vor kurzem zum ersten Mal verlängert werden mussten, sind die Erfolgszahlen hier von besonderem Interesse. Gut 86% aller Abos seien verlängert worden, so Jobs, was eine bessere Rate sei als von den meisten anderen (welche anderen?).

Switchers und andere Kunden: Man bemühe sich zwar weiterhin um die Windows-Clientel, Hauptaugenmerk liege aber auf der bestehenden Kundschaft, die schon länger keine Hardwareaktualisierung mehr unternommen habe. "That's the lowest-hanging fruit." Außerdem forciere Apple das lukrative "Small business"-Geschäft, die Verkäufe in dieses Segment machten bereits 10% aller Verkäufe aus (2001: 2%), mittelfristig wolle man diese Rate auf 20% steigern. Hierfür wolle man vor allem durch besseren Service und Angebote in den Retail Stores sorgen.

Beyond the box: Damit beschreibt Apple Verkäufe außerhalb des eigentlich Kerngeschäfts mit Rechner-Hardware - derzeit also vornehmlich Einnahmen durch den iPod. Während im Jahhr 2000 diese Sparte noch für 13% des Umsatzes verantwortlich war, stieg dieser Anteil dieses Jahr auf 28%. Im Gegensatz zu anderen habe man allerdings die Box nicht aus den Augen verloren, beruhigte Tim Cook (Verkaufschef) die Analysten.

Zu guter letzt konnte Jobs nicht umhin, kleine Seitenhiebe gegen den Lieblingsfeind auszuteilen. Microsoft hätte bis Longhorn noch einen weiten Weg vor sich, um dann 2006 so weit zu sein, wie Apple mit Jaguar schon lange ist. Bis dahin werde Apple hingegen noch einige Releases herausbringen.

Wie immer sollte man Äußerungen gegenüber Finanzanalysten anders bewerten als Aussagen auf Keynotes oder in Interviews. Beides entspricht bestimmt nicht immer der vollen Wahrheit ;)

Kommentare

>>Panther - die brüllen - beißen nicht ;) <<

Von: RoB*-) | Datum: 06.11.2003 | #1
Der Steve ... :)) ... der wollte nur mal den Bill erschrecken ...

Gab es nicht schon länger solche Gerüchte?

Von: Cochrane | Datum: 06.11.2003 | #2
Unter dem Namen Marklar soll doch Apple angeblich schon länger eine Mac OS X Version für Intel in der Tasche haben, diese aber wegen des G5s nicht einsetzten.

No Panic

Von: Fehler 11 | Datum: 06.11.2003 | #3
Warum sollte man einen hochkarätigen Edelstein in einen Ring aus Weissblech einfassen?...

Intel-Prozessoren sterben doch den Langeweile-Tod, wenn sie es mit einem so ausgereiften Betriebssystem wie Mac OS X zu tun bekommen und nicht mit WixP-Code-Fehlerkorrekturen ausgelastet sind.

keine Wohnzimmer-Macs

Von: Bernhard Nahrgang | Datum: 06.11.2003 | #4
zum Thema Fernsehn auf dem Mac aufnehmen beachte mann auch folgenden Hintergrund!

[Link]


Außerdem sind die Qualitätsansprüche an eine Derartige Lösung inzwischen so hoch, das dass Software-technisch nur noch mit enormen Aufwand und viel CPU-Power zu realisieren wäre.

Als wär das was neues

Von: HeikO | Datum: 06.11.2003 | #5
Sollte doch allgemein bekannt sein, daß Apple im Labor immer ein paar hochedel zusammengestellte DOSen hat um ihre OS X Versionen drauf laufen zu lassen.

Das ist schon seit der ersten Entwickler-Beta von OS X der Fall gewesen (eigentlich schon vorher).

Ein Umstieg auf Intel würde aber nichts daran ändern. Die Rechner müssten immer noch von Apple gekauft werden, da das OS nur auf Apple-Hardware laufen würde.

Sicher würde es Hacks (ModChips) geben, die es möglich machen das OS auf einer beliebigen DOS zu installieren. Nur sauber laufen würde es wegen der unheimlichen Hardware-Vielfalt in der PC-Welt nicht.

HeikO

Klang etwas dürftig.

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 06.11.2003 | #6
Ich fand die Erklärung Jobs' nicht in Richtung "Media Center" zu entwickeln ebenfalls recht dürftig und nicht schlüssig. Karten, die die Bearbeitung der CPU überlassen sind natürlich quatsch, aber es gibt ja genügend Lösungen, die die Berechnung selbst übernehmen. Und es muss ja auch kein DV-Stream sein, wie in das formac studio erzeugt (über FireWire), sondern für's Fernsehen würde auch mpeg-1 reichen, da fluppen dann gerade mal einige hundert Kilobyte durch die Gegend.
Und Software, die zuverlässig das aufnimmt, was man eingibt, ist nun auch nicht so schwer.

Apple hat glaube ich etwas "Angst" (vor Analysten) sich noch weiter Richtung Home-Entertainment zu bewegen. Meines Erachtens keine gute Idee, denn dem Digital Hub wird immer etwas fehlen, wenn der Mac nicht (gescheit, von Haus aus) mit Video und Fernsehen umgehen kann.

keine TV Lösung?!

Von: Cyrus Mobasheri | Datum: 06.11.2003 | #7
Also wenn demnächst Fernseher mit Firewireanschluss kommen, dann wird es ein iTV geben. Der Recorder wird per iCal Programmierbar sein, und iTunes wird auch Filme verwalten können. Mit iDVD brennt man den aufgenommenen Film auf DVD nachdem man mit iMovie die Werbung rausgeschnitten hat. Apple bitte, wenn Firewire Fernseher kommen, dann müsst ihr das machen. was für ne iApp wollt ihr den lieber bringen? vielleicht ein iGarden der die Bewesserungsanlage steuert? Ich wette das da die Kundschaft riesig ist. Ich denke der einzige Grund warum sie kein Recording wollen, ich vielleicht, weil sie den iTunes Music Store um den Verkauf von Download Filmen erweitern wollen. Aber das Argument das ich mein Hirn abschalten will, wenn ich glotze, ist ja wohl lächerlich. Wenn ich songs höhre, löse ich aber am liebsten die Weltformel nach 0 auf, oder was? Gut aber es gibt ja auch kein recording tool für Internetradio. Wenn ich dafür dann DVDs rippen mixen und burnen darf, kann ich damit leben nichts vom Fernseher aufzunehmen. Wenn es dann noch ein iPod DV gibt, bin ich vollkommen zufrieden, ohne das ich mit dem Mac etwas aufnehmen kann. Aber wahrscheinlich wird man eher Filme mit dem Handy als mit dem iPod anschauen können. :-(

Mac OS X für Dosen :-)

Von: MacZeit lebt | Datum: 06.11.2003 | #8
Viel Spaß! Steve bleib uns treu! :-)

[Link]

MacZeit.de wird bald abgeschaltet. Wer hat als 1. die Domain?! :-)

@comical ali

Von: Kilian | Datum: 07.11.2003 | #9
kompilieren und fertig?

Klar Hardwaretreiber brauchen wir ja nicht. Also so ein Dummgesülze...

Click hier mein bester
[Link]

zum Mediacenter

Von: Alexander G. Schilp | Datum: 07.11.2003 | #10
da leiert Apple seit ein paar Jahren immer wieder was von digitalem Hub daher und mit dem iPod ging man da endlich auch mal in Richtung Unterhaltungselektronik.

Aber Apple ist der Markt zu klein. Wieviel 100mio an VHS Recordern gibts wohl noch?
Wenn sich da nur 1% der Besitzer mehr Komfort wie beispielsweise zeitversetztes senden, einfachere Bedienung, Aufnahmemöglichkeit auf DVD etc. wünschen wäre der Markt sicherlich nicht zu klein.
Sicherlich gäbs noch wesentlich mehr Käufer für so etwas.

Also werden es wohl mit Sony, Panasonic, Philipps etc. die üblichen Verdächtigen machen.

Alexander

Cyrus Mobasheri

Von: mattin | Datum: 07.11.2003 | #11
gibts doch schon, wurde mal in einer 3sat neues sendung vorgestellt. in verbindung mit tvtv.de

Mac OS X beruht auf Next...

Von: Tom | Datum: 07.11.2003 | #12
Bekanntlicherweise beruht ja das heutige MacOS X auf Steve Jobs' ehemaligem Betriebssystem Next - und das lief zwar auf allen möglichen Plattformen (angefangen von den Motorola 68040er Prozessoren bis hin zu Sparc und Intel, nach der Aufgabe der eigenen Hardwarefertigung), wurde aber NIE auf den PowerPC portiert! So gesehen ist es natürlich möglich, daß eine abgeleitete Version MacOS X auch auf PCs läuft - denn da kommt das Betriebssystem ja letztlich her.