ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2534

Beschränkungen der publizierten Meinung?

Niemals. Kommt bei uns nicht vor. Nie.

Autor: bh - Datum: 08.11.2003

Beschränkungen des Journalismus sind etwas ganz böses. Da sind wir Erdenbewohner der westlichen Zivilisation uns natürlich einig. Manche von uns unterschreiben auch quartalsweise Protestbriefe an böse Diktatoren mit lustigen Fellmützen, die Amnesty International ihnen gegen Spende gerne zuschickt. Andere Geschichte: Band 5 der Reihe "Harry Potter" ist erschienen. Die kaufwütigen Kindlein werden zur Geisterstunde in Buchläden gelockt, wo der 1000-Seiten Ziegel auf Leser wartet. Der Carlsen-Verlag hat kein einziges Rezensionsexemplar rausgegeben. Kritik an dem vielleicht etwas langatmigen Werk ist nicht erwünscht. Kritik bremst womöglich die Kauflust der Eltern, soll daher am besten erst zeitversetzt erscheinen. Das fette Geschäft macht man ohnehin in der ersten Woche, und erstmals richtig ungestört von den lästigen Rezensenten.
Klar ist das zulässig, jeder Verlag kann machen, was er will. Es ist ein freies Land. Wo aber bleibt die Zeitung, die eben wegen dieser Vorgangsweise KEINE Rezension abdruckt? Wo bleibt der Journalist, der bei diesem Spielchen nicht mitspielt und Mr. Potter Nummer 5 einfach unter den Tisch fallen lässt? Ich hätte mir gewünscht, daß irgendeine deutschsprachige Publikation soviel Mumm in den Knochen hat. Sieht schlecht aus...denn wer einen solchen Knüller an der Hand hat, wie Harry Potter einer ist, der macht was er will. Prost Carlsen, fühlt sich sicher gut an, diese Marktmacht. Der austro-kanadische Milliardär Frank Stronach hat einmal zu einem Reporter gesagt: "Kennen Sie die goldene Regel? Wer das Gold hat, macht die Regel." Traurig, wie recht er hat. Fällt dem deutschen Feuilleton dazu etwas ein? Diskutabel, ob die Massnahme des Carlsen-Verlages eine Beschränkung des Journalismus ist, zeitlich gesehen aber wohl schon. Schade, wie viele Verlage werden sich ein Beispiel nehmen?

Wer jetzt überlegt, ob er uns in der Kommentarfunktion reinschreiben soll "Das hat aber nix mit dem Mac zu tun", der kann es gleich bleiben lassen. So schlau sind wir auch, aber wer den Blick über den Tellerrand nicht mehr drauf hat, der steht schon bis zum Hals in der Suppe. :-)

Kommentare

Das hat sehr wohl mit dem Mac zu tun

Von: Makko | Datum: 08.11.2003 | #1
Die Parallelen sind frappierend. Oder hat Apple schon jemals vorab die Journalisten informiert wenns was neues gab? Die habens zeitgleich mit allen anderen erfahren und durften dann unter extremen Zeitdruck ihre Artikel schreiben. Mittlerweile ist der Zeitraum dafür sogar bei nur noch einigen Sekunden angekommen - die ganzen "Liveticker" bei den nichtgestreamten Keynotes sprechen da Bände. Der journalistischen Qualität kann das natürlich nur abträglich sein.

Aber den Großteil der Konsumenten stört sowas anscheinend nicht. Wie wären sonst die ganzen Vorbestellungen z.B. der G5s zu erklären, kurz nach der Keynote und ohne nähere technische Einzelheiten zu kennen, geschweige denn vernünftige Testberichte gelesen zu haben? Impulskäufe für eine Kiloeuro ... uns gehts wirtschaftlich anscheinend immer noch zu gut.

Impulskäufe für ein paar Kiloeuro

Von: Makko | Datum: 08.11.2003 | #2
"Impulskäufe für ein paar Kiloeuro" sollte es heißen.

Mich wunderts auch ein bisschen, dass gerade hier zu lesen

Von: morabi | Datum: 08.11.2003 | #3
Kritik an Apple scheint hier ja gerade nicht besonders erwünscht zu sein und Blicke über den Tellerrand eher selten. Gerade die Apple-Publikationen scheinen ihre Aufgabe eher darin zu sehen, den Hype noch zu erhöhen. Andererseits ist es vielleicht genau das, was die Leute lesen wollen.

Ob Harry Potter nun in den Feuilletons eine schlechte Kritik bekommen hätte, ist erstens zu bezweifeln und zweitens hätte das an den Verkaufszahlen in der ersten Woche herzlich wenig geändert.

Im Übrigen ist die englische Ausgabe schon seit Monaten auf dem Markt und jedem halbwegs gebildeten Journalisten wäre es möglich gewesen, die Qualität der Publikation zu bewerten. Zugegeben: nicht was die Übersetzung angeht.

Und wer gerne etwas über das Buch lesen möchte, bevor er es liest, kann ja auch eine Woche warten und erst dann zuschlagen.

@morabi

Von: Roland | Datum: 08.11.2003 | #4
Irgendwie merkt man, dass Du eher selten Besucher dieser Seite bist, hihi. Normalerweise müssen wir uns mehr damit herumschlagen, dass wir Apple zu sehr kritisieren und zu oft Themen bringen, die nichts mit dem Mac zu tun haben. Deshalb Dank für dieses wohltuende Minderheitsvotum :-)

hehe

Von: mattin | Datum: 08.11.2003 | #5
"Kritik an Apple scheint hier ja gerade nicht besonders erwünscht zu sein und Blicke über den Tellerrand eher selten."

der troll kam freitag nicht mehr bei heise unter, wegen überfüllung geschlossen :))

Blödsinn

Von: Paul | Datum: 08.11.2003 | #6
Mit Verlaub Bert was soll hier "Beschränkungen der publizierten Meinung" heißen? Der Verlag hat Niemanden verklagt, der das Buch auf Englisch gelesen und eine deutsche Rezension geschrieben hat, dass wäre eine "Beschränkungen der publizierten Meinung”.

Wenn du bei so etwas Lächerlichen schon "Wolf, Wolf, Wolf" schreist, wird dich bei den wirklichen Schweinereien niemand ernst nehmen.

Es bleibt jeder Firma (in diesem Fall Verlag) selbst überlassen, ob sie einen Hype um ihr(e) Produkt(e) durch Geheimhaltung macht oder verstärkt. Wer drauf einsteigt, ist selber Schuld.

Wem es nicht passt, wartet halt eine Woche bis Journalisten - die ja auch nicht immer Recht haben - das Buch rezensieren, aber darüber zu meckern, dass die Firma die Welt nicht vorab mit Rezensionsexemplaren überflutet, ist schlichtweg lächerlich.

Apple macht genau dasselbe, nur da hat es dich bisher nicht gestört – oder du hast zumindest bisher nicht öffentlich deinen Unmut kund gemacht.

Ich find Apples Strategie genial

Von: Jakob Stoeck | Datum: 08.11.2003 | #7
Schon klar, dass wir die ersten Testberichte später bekommen, als irgendein AMD Athlon-Nachfolger, aber erstens zählen Kundenbewertungen sowieso mehr und die gibbet's immer erst nach Einführung und zweitens ist die Vorfreude höher.

Sperrfristen

Von: Makko | Datum: 08.11.2003 | #8
Für sowas gibts in der Journalistenbranche ja Sperrfristen. Der Journalist erhält die Infos vorab, wird aber verpflichtet, nichts vor einen bestimmten Termin zu veröffentlichen. Somit wird Steve dann seine Überraschung nicht versaut, der Journalist kann aber trotzdem in Ruhe einen vernünftigen Artikel produzieren.

Ich sehe das ähnlich wie Paul..

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 08.11.2003 | #9
Wenn ich's auch lang nicht so direkt formulieren würde! ;-)
Verzögerung von Rezensionsexemplaren schon eine Zensur? Naja!... Da sieht's an anderen Stellen DEUTLICH ärger aus und es muss viel eher was getan werden - was ist z.B. mit der Selbszensur fast aller Medien wegen "wichtiger Werbekunden"? Was ist mit den Kooperationen von diversen Medien, die eine kritische Auseinandersetzung mit den jeweiligen "Kooperationspartnern" (oder sogar DEREN Werbekunden!) unmöglich machen?
Wird die BILD jemals Bohlen verreissen? Oder GIGA M$ oder die Telekom? Wie sieht's mit M$NBC und M$ aus? Oder Reuters und M$?
Diese ganzen Kooperationen haben weitreichende Konsequenzen. Der fiese Herr vom Amt X mit dem Zensurstempel ist schon lange Geschichte, aber das Wesen der Zensur hat sich eben genauso gewandelt wie die Welt: Sie ist "privatisiert" worden und von staatlichen Händen in private gewandert, die sich gerne selbst zensieren wenn's nur Geld bedeutet!... Traurig...

Es war doch vorher schon draussen ...

Von: Echnaton | Datum: 09.11.2003 | #10
Ich liebe eure Kritiken, besonders die an Microsoft,
aber das hier.

HP5 ist doch schon ca. seit einen halben Jahr lesbar .. auf englisch, sowie in einer inoffizielen Version auf deutsch (http://www.harry-auf-deutsch.de/). Was also im voraus herausgeben ? Eine Qualitätsprüfung der Übersetzung ? Das konnte man bis zu 2 Wochen vorher, in dem man ein Exemplar einer beliebigen Obachlosenzeitung ergattert, wo das erste Kapitel vorabgedruckt war. Eine Bösartigkeit der Autorin übrigens.
Eine zweiten Bösartigkeit haben wir es zu verdanken, das HP5 mit großen Altpapieranteil erscheint. Die gleiche Autorin ist dafür verantwortlich , das kein Rezensionsexemplar
vorher rausgeht. Ihre Schutzbehauptung ist, das alle Kinder es gleichzeitig lesen sollen, obwohl alle professionellen Kritiker so brav sind, den Text nicht vor dem Erscheinungstermin weiterzugeben. Jede negative Kritik hätte so laut in der Medienlandschaft erschallt, das die Verkäufe eingebrochen wären, so laut wie das negative Votum von Reich-Ranitzki 2-3 Tage vorher auf spiegel.de . So nebenbei. mir war HP lange unsympathisch, besonders aufgrund des Medienrummels, doch hier gelang , was in meiner Computermeinung bislang nicht gelang : ich besaß nie einen PC. Ich wurde gedreht. Wie ? Ich amchte den Fehler und las HP1 . Dann den Rest.
Sorry, das ich das sagen muß, aber eure Kritik halte ich für unangebracht.

Dein einzigen Vorteil an dem HP-wahn

Von: Marty | Datum: 09.11.2003 | #11
finde ich das dadurch in der jahresabrechnung hoffendlich das Bohlenaltpapier an der spitze steht. Das wäre ja wirklich megapeinlich. Diese Liste mit diesen 100 wichtigesten war ja schon peinlich genung

@Makko: Sperrfristen…

Von: Dirk (MacGuardians) | Datum: 09.11.2003 | #12
Pressekodex, Ziffer 2, Richtlinie 2.5:

Sperrfristen, bis zu deren Ablauf die Veröffentlichung bestimmter Nachrichten aufgeschoben werden soll, sind nur dann vertretbar, wenn sie einer sachgemäßen und sorgfältigen Berichterstattung dienen. Sie unterliegen grundsätzlich der freien Vereinbarung zwischen Informanten und Medien. Sperrfristen sind nur dann einzuhalten, wenn es dafür einen sachlich gerechtfertigten Grund gibt, wie zum Beispiel beim Text einer noch nicht gehaltenen Rede, beim vorzeitig ausgegebenen Geschäftsbericht einer Firma oder bei Informationen über ein noch nicht eingetretenes Ereignis (Versammlungen, Beschlüsse, Ehrungen u.a.). Werbezwecke sind kein sachlicher Grund für Sperrfristen.

für makko

Von: Echnaton | Datum: 09.11.2003 | #13
Das es Werbezwecke sind, ist eine Unterstellung. Das kommt von der Autorin, nicht vom Verlag .

Nur damit es einmal registreirt wird.

Harry Potter ist...

Von: harryhasser | Datum: 09.11.2003 | #14
Das Folgende ist sowohl: ein bisschen am Thema vorbei, total subjektiv, ziemlich unfair und absolut nutzlos.
Aber ich musses mal laut Kundtun.

Harry Potter ist Sch*** !!!!!!!!!!!

Soviele Ausrufezeichen hab ich garnicht auf der Tastatur wie ich gern schreiben würde.

gute N8

"Nur Bibel lesen ist schlimmer"

Na dann, Hier

Von: Thyl (MacGuardians) | Datum: 10.11.2003 | #15
Mit HP5 hat Rowling den Zenit ihres Harry-Potter-Universums überschritten. Voll von verspielten Details der zauberwelt, ist der Plot doch schon irgendwie vorhersehbar und endet mit dem üblichen Show-Down. Es ist klar, warum die Fertigstellung so viel Zeit gekostet hat, denn es wird zunehmen schwieriger, um nicht zu sagen unmöglich, die bisherigen Bände nochmals zu übertreffen. Masse ersetzt hier teilweise leider Klasse. Auf dem langen Weg ist darüber hinaus auch noch der Humor in weiten Teilen abhanden gekommen, der die ersten Bände durchzog und für eine gute Mischung zwischen Spannung und Entspannung sorgte. Dabei bemüht sich Rowling durchaus, neue Aspekte in die Geschichte einfliessen zu lassen, z.B. durch Harrys (verblüffend plötzlich) einsetzende Pubertät mit Gemütsschwankungen und einer ersten zarten Liebe, oder durch eine differenziertere Ausgestaltung der Vaterersatzfigur Sirius Black.

Der Erfolg der Potter Septologie wird sicher zu einem guten Maß von etwas getragen, was sich auch in Band 5 wiederfindet, nämlich der Sehnsucht der Menschen nach einer Zugehörigkeit zu einer überschaubaren, aber "coolen" und elitären Gruppe mit einem im Vergleich zum allgemeinen Sozialtohuwabohu sehr homogenen, geschlossenen Verhaltenskodex (nur 1 Ministerium, 2 Zeitungen, 1 Einkaufsstrasse, 1 Dorf, jeder kennt praktisch jeden, etc.) Daher wird auch Band 5 wieder ein Erfolg.

Na dann, Hier

Von: Thyl (MacGuardians) | Datum: 10.11.2003 | #16
Mit HP5 hat Rowling den Zenit ihres Harry-Potter-Universums überschritten. Voll von verspielten Details der zauberwelt, ist der Plot doch schon irgendwie vorhersehbar und endet mit dem üblichen Show-Down. Es ist klar, warum die Fertigstellung so viel Zeit gekostet hat, denn es wird zunehmen schwieriger, um nicht zu sagen unmöglich, die bisherigen Bände nochmals zu übertreffen. Masse ersetzt hier teilweise leider Klasse. Auf dem langen Weg ist darüber hinaus auch noch der Humor in weiten Teilen abhanden gekommen, der die ersten Bände durchzog und für eine gute Mischung zwischen Spannung und Entspannung sorgte. Dabei bemüht sich Rowling durchaus, neue Aspekte in die Geschichte einfliessen zu lassen, z.B. durch Harrys (verblüffend plötzlich) einsetzende Pubertät mit Gemütsschwankungen und einer ersten zarten Liebe, oder durch eine differenziertere Ausgestaltung der Vaterersatzfigur Sirius Black.

Der Erfolg der Potter Septologie wird sicher zu einem guten Maß von etwas getragen, was sich auch in Band 5 wiederfindet, nämlich der Sehnsucht der Menschen nach einer Zugehörigkeit zu einer überschaubaren, aber "coolen" und elitären Gruppe mit einem im Vergleich zum allgemeinen Sozialtohuwabohu sehr homogenen, geschlossenen Verhaltenskodex (nur 1 Ministerium, 2 Zeitungen, 1 Einkaufsstrasse, 1 Dorf, jeder kennt praktisch jeden, etc.) Daher wird auch Band 5 wieder ein Erfolg.

@ harryhasser

Von: Dirk (MacGuardians) | Datum: 10.11.2003 | #17
Gut, es ist deutlich geworden, dass Du kein Fan der Bücher bist. Allerdings hat die Dame mit ihren Werken Erfolg. Fakt.Punkt.

Ich mag e.g. Benjamin von und zu und auf "nicht besonders", halte es für profanes Geschwafel. Aber der Mann hatte auch Erfolg. Also gibt es Leute, die solche Sachen gut finden und kaufen. Nachdem das Buch schon totgesagt und begraben schien, ist mir auch ein Potter recht, der das Buch wieder "zum Leben erweckt".

Hinsichtlich der Bibel stelle ich Dir die Frage, ob Du sie denn schon einmal komplett gelesen hast. Denn dann darfst Du Dir ein Urteil erlauben…

@Dirk

Von: Rüdiger Goetz | Datum: 10.11.2003 | #18
Hallo,

> Hinsichtlich der Bibel stelle ich Dir die Frage, ob
> Du sie denn schon einmal komplett gelesen
> hast. Denn dann darfst Du Dir ein Urteil
> erlauben…

;-)

Mehr ist nicht zu sagen.

Bis dann

R"udiger

Harry Potter ist gefährlich…

Von: guenther | Datum: 10.11.2003 | #19
… meint jedenfalls die Autorin aus der Magdeburger Volksstimme, die auch kein Rezensionsexemplar hatte, sich das englische Original selbst gekauft hat (by the way: viel, viel billiger!), aber lest selbst:

Harry Potter ist gefährlich
Von Birgit Tyllack

Sie sind Harry Potter-Fan? Sie freuen sich auf den fünften Band? Ja, wissen Sie denn, was da auf Sie zukommt? Als Leserin von „Harry Potter and the Order of the Phoenix“ sage ich nur eins: Es ist schlimm. Ich habe große Lust, den Verlag zu verklagen. Vor allen möglichen Dingen wird heutzutage ausführlich gewarnt. Vor Tabak, Alkohol, Glücksspiel. Vor der Droge Potter jedoch nicht.
Ich meine, der Verlag sollte doch so viel Anstand besitzen und auf den Schutzumschlag ein paar ordentliche Warnhinweise drucken. Zum Beispiel: Dieses Buch verändert modische Maßstäbe.
Was haben die sich nur dabei gedacht? Meine geräumigste Handtasche ist für diesen Wälzer (fast 800 Seiten) einfach zu klein. Andererseits muss man das Buch natürlich mitnehmen, wenn man gezwungen wird, das Haus zu verlassen. Also laufe ich mit dem Sportrucksack meines Sohnes durch die Gassen, während meine neue Handtasche im Schrank bleibt. Immerhin hat man bzw. frau ja noch andere Dinge, die transportiert werden müssen. Als da wären Schlüssel, Portemonnaie, die Lakritztüte, der Stapel mit den Strafzetteln und – last not least – die diversen Schönheitsutensilien wie Kamm, Puderdose und Lippenstift. Und glauben Sie mir: Alles, was so ein bisschen „aufhübscht“, braucht man als Leserin des fünften Bandes mehr denn je zuvor. Womit ich bei der zweiten Warnung wäre:
Das Lesen dieses Buches beeinträchtigt Ihr äußeres Erscheinungsbild.
Ich schaue schon gar nicht mehr in den Spiegel! Die kleinen, blutunterlaufenden Augen und die dunklen Schatten über bleichen Wangen will ich überhaupt nicht sehen. Was sind die Nächte aber auch so was von kurz geworden! Da legt man sich ins Bett und will nur noch schnell ein paar Seiten lesen, und schwupps! ist es zwei Uhr in der Frühe. Leider kommen meine lieben Kleinen morgens trotzdem um die gleiche Zeit in mein Schlafzimmer getappt und verlangen ihr Frühstück. Das bekommen sie auch, aber ... dritte Warnung:
Das Lesen dieses Buches macht Sie zu Rabeneltern.
Ich liebe meine Kinder. Ehrlich. Aber müssen sie ständig ankommen und etwas von mir verlangen, wenn ich doch am Lesen bin? Da schüttet man ihnen schnell ein paar Cornflakes zum Frühstück in die Schüsseln und prompt stehen sie mittags schon wieder vor dem Lesesessel und wollen etwas essen! Tja, meine lieben kleinen Quälgeister, der Tag hat leider nur 24 Stunden, und ein bisschen Schlaf muss Mama schließlich auch mal haben, nicht wahr??!!
Ich spare bereits Zeit zum Lesen ein, wo ich nur kann. So habe ich zum Beispiel sämtliche Aktivitäten im Haushalt eingestellt. Bringt mehr Zeit zum Lesen, macht jedoch das Durchqueren des Wohnzimmers zu einem Geschicklichkeitstest. Auch so ein Punkt, vor dem ich nicht gewarnt worden bin. Nirgends ein Wort darüber, dass ich, während ich Potter lese, in einem – Verzeihung! – Saustall leben muss. Wie wäre es mit „Lesen verschmutzt Ihren Lebensraum“? Kurz und prägnant. Man weiß, worauf man sich einlässt.
Wenn Sie es nicht lassen können, kaufen Sie sich das Buch. Sie müssen sich jedoch über Folgendes im Klaren sein: Sie werden für einige Zeit aussehen wie ein Ghul, ihre Kinder werden sich bei Ihnen genauso wohl fühlen wie Harry bei den Dursleys, und Sie werden mit einem großen Sack herumlaufen müssen, der einem Hagrid als Reisetasche dienen könnte. Ach ja, nicht zu vergessen: In Ihrer Wohnung wird es aussehen, als seien die Hauselfen in den Streik getreten. Für mich ist klar: Nie wieder Harry Potter. Bis Band sechs erscheint…

Birgit Tyllack ist Mutter von drei Söhnen und Vorsitzende des Stendaler Mütterzentrums.

"Das hat aber nix mit dem Mac zu tun"

Von: GaianChild | Datum: 11.11.2003 | #20
Tut mir leid... ich konnte einfach nicht anders... ;-)