ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2577

DeCSS-Autor schreibt iTunes-DRM-Hack

War abzusehen..

Autor: kai - Datum: 22.11.2003

Wie der eiserne DRM-Widerstandskämpfer Andrew Orlowski freudig berichtet wurde jetzt vom Autor des DVD-Knackprogramms DeCSS (auf dem sämtliche DVD-Ripper basieren) ein Stream-Dumper für Windows geschrieben und im Source veröffentlicht, der die ungeschützten Rohdaten eines geschützten AACs durch patchen der Quicktime-DLL in Windows in ein File schreibt. Dieses muss dann nur noch mit Header versehen werden und kann dann überall wo Quicktime 6.x installiert ist abgespielt werden.

Es war klar, dass das kommen musste. Apples DRM ist im Gegensatz zu Windows Media sehr "oberflächlich". Gut für den Konsumenten, denn wenn er schon dasselbe zahlt für ein Album wie für die CD im Laden sollte er auch die Möglichkeit haben, seine Musik auf so vielen Geräten zu hören wie er will (nach dem Brennen war das ja sowieso schon möglich, aber bei Computern gab's die Drei-Maschinen-Einschränkung!).

Es ist anzunehmen, dass der verbundene Aufwand sowieso die meisten abschrecken wird, ihre AACs zu "entbeinen" und in P2P-Netze zu stellen. V.a. wenn sich als DRM-loses Format dort sowieso schon lange mp3 etabliert hat, was im Gegensatz zu AAC auch noch von unzähligen Hardware-Playern gespielt werden kann. Für den Privatuser ist es allerdings eine schöne Möglichkeit, seine "Fair-Use"-Rechte zu nutzen, wenn auch nach DMCA und neuem europäischen Recht das Umgehen von DRM strafbar ist.. Aber denken wir zurück an die Leute, die all ihre Musik verloren haben nur weil ihnen ihre Authentifizierung irgendwie abhanden gekommen ist! Wie toll wäre es denn, wenn ihre CD-Sammlung nicht mehr funktionieren würde nur weil Sie umgezogen sind?

Der Spiegel und alle anderen werden wahrscheinlich bald wieder Zeter und Mordio schreien, als sei es in irgendeiner Weise überraschend, dass Kopierschütze irgendwann geknackt werden. Mich persönlich überrascht die Meldung kein Stück, und der Weltuntergang ist es auch nicht...

Kommentare

Applemus:

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 22.11.2003 | #1
Ähem - das Ding ist im Source erhältlich! ;-)

Ich schätz mal, dass der gute Jon bloss keinen Mac hat...

Aufwand?

Von: Zaggo | Datum: 22.11.2003 | #2
"Es ist anzunehmen, dass der verbundene Aufwand sowieso die meisten abschrecken wird, ihre AACs zu "entbeinen" und in P2P-Netze zu stellen."

Ich denke, genauso wenig überraschend der Crack des ACC-DRM kam, wird in nicht allzu langer Zeit ein GUI-Tool kommen, mit dem der Aufwand plötzlich keiner mehr ist (Drag&Drop und schon hat man ein "freies" ACC oder gar ein rekomprimiertes MP3). Nur eine Frage der Zeit...

Ich denke leider auch, dass die Schisser von der MI sich jetzt bei allen weiteren Verhandlungen in die Hose machen. Bleibt zu "hoffen", das es dem WM9-DRM auch bald an den Kragen geht.

Z.

Keine Kathastrophe, ...

Von: cws | Datum: 22.11.2003 | #3
wohl auch nicht für die "Schisser", denn sie sind nicht notwendig dumm. Auch denen ist klar das es immer nur eine Frage der Zeit ist. Daher doch auch das Bemühen um eine rechtliche Lösung - s.o.

Es ist schon fraglich ob der Source-Code lange im Netz bleibt. Wer aber ein Krackprogramm erstellt und anbietet muss ein Irrer/Lebensmüder sein.
Ich persönlich halte auch die Tage von P2P für gezählt.

Ich weiß wie's geht

Von: Thilo Ettelt | Datum: 22.11.2003 | #4
Wer möchte mir das Rezept zum umwandeln von geschützten AACs abkaufen? Darf man sowas bei eBay anbieten? :P


Gruß, Thilo

Vergiss es

Von: cws | Datum: 22.11.2003 | #5
Der Kopierschutz ist eine wirksame technische Maßnahme zum Schutz z.B. von CDs [§95a (1)], der im normalen Betrieb alles, was der Rechteinhaber nicht genehmigt hat, verhindert oder einschränkt [§95a (2)].

Der ganze Artikel hier: [Link]

Und wer das umgeht ...
oder gar gewerblich Programme dafür anbietet ...

@Zaggo

Von: Medizinmann | Datum: 22.11.2003 | #6
ACC, kurz für Acetylcystein ist schon lange frei, darf doch schon seit längerem von jeder beliebigen Pharmafirma verkauft werden...

Re: Vergiss es

Von: Thilo Ettelt | Datum: 22.11.2003 | #7
Mag ja sein, aber meine Methode umgeht den Kopierschutz nicht wirklich.


Egal. Genauso wie die reißfeste Strumpfhose bleibt das hier wohl unter verschluss ;)


Gruß, Thilo

Nicht OK

Von: Sven Janssen | Datum: 22.11.2003 | #8
ich weiß nicht was ich davon halten soll.
Aber in meinen Augen ist dies nicht förderlich für Apple und den ITMS.
Ich frage mich eh warum die Hacker/Cracker so einen Schwachsinn betreiben.
Es geht nicht immer alles umsonst und frei. So funktioniert keine Wirtschaft und genau wegen solchen Deppen geben die Firmen mehr Geld für die Investition für Sicherheitsmechanismen aus und der Kunde ist der Dumme da er es zahlen soll.

Ich entwickle selber Software für ein Unternehmen und auch wir stecken viel Zeit in das austüfteln und einbauen von Sicherheitsmechanismen in unsere Software.

Schön und gut das der Junge was drauf hat, aber er sollte seine Energien und Talente für andere Dinge aufbringen und keinen Wirtschaftlichen Schaden für eine Firma anrichten.

Sven

Raubkopien

Von: cws | Datum: 23.11.2003 | #9
Natürlich suchen Softwarefirmen nach Raubkopien, da wo die Raubkopie eine legale Version ersetzt.
Richtig, es ist nicht der HomeUser von Photoshop der gesucht wird. Gesucht wird der gewerbliche Anwender, der mit dem Programm Geld verdient, aber sein Werkzeug nicht kauft sondern klaut.

Das ist bei Musik anders, hier gibt es den Unterschied zwischen Profi und Hobbyuser nicht.
Natürlich muss Musik bezahlt werden, dennoch, manchmal ist es schwer nachvollziehbar wie der Preis entsteht. Es ist ein Vorteil von Musikdownloads, das es Einzeltitel gibt, dadurch könnte es sein, das nur Qualität Geld bringt und nicht 2. Wahl. Der Kunde kann das kaufen, was er will und nichts anderes. Die Manipulierbarkeit nimmt ab.

@Agarag

Von: Sven Janssen | Datum: 23.11.2003 | #10
aha, also Raubkopien beleben die Wirtschaft? Hast ja ne Feine Einstellung muss ich dir mal sagen.
Also in unserer Firma würden Raubkopien unser Geschäft nicht beleben.
Und ich muss nicht erwähnen das einer der Mitgründe warum der Amiga den Bach runtergegangen ist, auch die Raubkopien der Spiele waren. Es war nicht nur das schlechte Marketing.

Und MS$ hier mit ins Spiel zu bringen hinkt ein wenig. MS hat Zwangsabgaben und liefert Ihre Software bei jedem PC mit.

Sven

@Sven Janssen

Von: salco | Datum: 23.11.2003 | #11
Man sieht, Du hast den Punkt nicht verstanden, natürlich wollen die Firmen nicht, daß Du in Deiner Firma Raubkopien einsetzen. Sondern sie tolerieren, daß Du als Privatmann ihre Software nicht kaufst, aber trotzdem benutzt. Denn damit steigt die Wahrscheinlichkeit, daß Du die Software auch in Deiner Firma benutzen willst, und da wird dann eben doch auf eine rechtmäßige Lizensierung geachtet, weil dort die Strafen dann empfindlicher sind, und was noch wichtiger ist, dort werden die Vergehen verfolgt. Es ist hier also völlig verfehlt hier mit moralischen Vorwürfen zu kommen, da wie oben dargelegt das Handeln anscheinend in aller Interesse liegt (außer natürlich des Wettbewerbers, dessen Software sich nicht verbreitet).

Aber das in Sachen P2P-Musikdownloads eine solche gleichgelagerte Interessenlage bei Kunden und Anbietern nur in einem begrenzteren Maß existiert, möchte ich nicht bestreiten.

@ cws

Von: nico | Datum: 23.11.2003 | #12
"Das ist bei Musik anders, hier gibt es den Unterschied zwischen Profi und Hobbyuser nicht. "

doch, privat darf man musik kopieren. professionelle knacktools oder raubmusik vertreiben darf man nicht.

pay per use nicht pay by use -schade eigentlich.

Von: cws | Datum: 23.11.2003 | #13
n/t

Oops:

Von: kai | Datum: 23.11.2003 | #14
1998, nicht 1988! ;-) Die Dekade stimmt also: Genau jetzt!

Schaun mer mal

Von: Carlo | Datum: 24.11.2003 | #15
@cws
also wirklich überrascht von dem Hack dürften weder apple noch die Misikindustrie sein. Beide sind sicher nicht naiv genug, damit nicht gerechnet zu haben.
- ich hab ja auch nicht behauptet, daß die überrascht waren. Aber gerade für die Musikindustrie ist das wie Wasser auf die Mühle ihrer Argumentationen. Und die fordern nun mal mehr Sicherheit gegen Musikklau. Ich sehe hier wirklich keinen Bedarf einen Hack bezüglich iTMS durchzuführen. Man kann schließlich soviele CDs von der gekauften Musik brennen, wie man will, braucht keine monatlichen Beiträge zu zahlen usw.. Und durch Apple ist Musikkauf so billig geworden, wie noch nie zuvor. Jetzt wird Apple aber gegenüber der Musikindustrie einige Erklärungsprobleme haben. Wer das nicht sieht, könnte auf einem Auge blind sein.

Ich sags nochmal: Einen sicheren Schutz durch hartes, härtestes DRM ist nicht der Weg. Siehe 1. Posting.
-Genau deshalb hat Apple ja auch für ein lasches DRM richtiggehend gekämpft. Oder glaubt jemand ernsthaft, denen wären die Tauben in den Mund geflogen? Bei den Sicherheitsmechanismen, die die Konkurrenz der Industrie bietet? Und jetzt erhalten sie auch noch einen Tritt in den A.... dafür, daß sie so gute Arbeit gemacht haben. Wer mal die Zahlen gelesen hat, wie hoch die Verluste der Industrie durch die Peer2Peer Angebote sind, der wird verstehen müssen, daß sich das die Industrie nicht länger anschauen kann oder konnte. Apple hat den Weg, wie es gehen kann, nun jedem vorgeführt und das wurde vom Markt sehr gut angenommen oder wie lassen sich sonst die iTMS-Zahlen erklären? Härteres DRM ist nicht die Lösung. Aber hier wurde ja gerade wieder mal dafür gesorgt, daß diejenigen, mit denen man nun mal die Verträge aushandeln muß, jetzt eher verstärkt härteres DRM verlangen werden. Und wer glaubt, er könnte noch lange Musik zum Nulltarif vom Netz lutschen, der träumt. Man liest jetzt fast wöchentlich von Klagen, Hausdurchsungen und was weiß ich, nicht noch allen Maßnahmen. Das zeigt doch auf, daß die Jungs der Industrie längst rührig sind.

Das war einmal

Von: Carlo | Datum: 24.11.2003 | #16
und ich hab das sogar in nem Fernsehinterview damals gesehen, daß MS sowas gesagt hat. Das war aber schon etwas länger her, als 2 Jahre. Es hat aber nicht lange gedauert, bis genau MS Himmel und Hölle von Anwälten in Bewegung gesetzt hat, um genau diesen zuvor wie fast offiziell genehmigten Softwareklau einen Riegel vorzuschieben. Weltweit wurde mit Radio- und Fernsehspots darauf aufmerksam gemacht, daß jeder, der geklaute Software benutzt mit einer Anklage zu rechnen hat. Und es geht da nicht nur um die Raubkopierer des großen Stils, sondern auch um Firmen und ganz normale User. Man soll nicht nur das aufnehmen, was man gerade hören möchte. Selbst wenn MS ca. 3000 Anwälte damit beschäftigt, ist die Zahl der Raubkopien so groß, daß man nicht viel von aufgeklärten Fällen hört. Das sagt aber nicht aus, daß täglich genug User eine Beschlagnahmung ihres Rechners miterleben müssen und angeklagt werden.

@carlo

Von: nico | Datum: 24.11.2003 | #17
zurueck zur musik, von dieser darf privat nach wie vor kopiert werden, zb um sich eigene musikzusammenstellungen zu machen - auch wenn es der musikindustrie ein dorn im auge ist...

... ist Musikkauf so billig ...

Von: cws | Datum: 24.11.2003 | #18
Mit 99ct pro Titel in komprimierter Qualität und ohne wichtige Kostenfaktoren durch den Zwischen/Handel ohne Presskosten ohne "materielle Sustanz" und alle damit verbundenen Probleme ist eigentlich auch ein Superdeal für die Industrie.
Dennoch halte ich dieses Angebot auch für den Verbraucher für interessant und lohnend.
Ich denke, dass sowohl apple als auch die MI die Hacks, da sie illegal sind, und somit anders als technisch bekämpft werden können, erwartet haben und in Kauf nehmen. Denn auch die MI weis es gibt immer einen Weg, um zu kopieren.
Den gab es schon vor 40 Jahren, als noch Musiksendungen im Radio mitgeschnitten wurden. Damals gab es eine heisse Debatte um Moderatoren, die auf die Titel quatschten, um den Mitschnitt zu versauen. Es genügt ein Schutz, der Kopien unhandlich macht, Insiderwissen erfordert und Kopien illegal macht.
Das denke ich hat apple der MI erklärt und wird damit Erfolg haben. Die Alles oder Nichts DRM Totallösung ist IMHO tot.
Die sinkenden Umsätze der MI sind sicher auch ein Problem von P2P aber nur teilweise.
Musik muss eine Seele haben, wer nach Marktanalysen mit darauf ausgerichteten Komponisten künstliche Stücke erschafft, die von nach Marktanalysen erschaffenen persönlichkeitsfreien "Künstlern" vorgetrgen werden darf sich nicht wundern.
Das Problem der MI ist die Industrialiesierung der Musik und nicht nur der Vermaktung.
Die, die Musikgeschichte geschrieben haben, von Lois Armstrong bis zu den Beatles wurden irgendwann industriell vermarktet, haben aber mit ihrer Seeele Musik gemacht. Und den Unterschied kann man hören.
Ja, natürlich gibt es solche auch heute, aber wo? Sie werden wieder eine Chance bekommen in Angeboten wie dem iTMS. Das kann die beste Lösung für die MI sein und eventuell begreift sie es einmal. Hoffen wir das Steve Jobs ihnen auch das erklärt hat.

ich sehe dennoch einen grossen nachteil...

Von: nico | Datum: 25.11.2003 | #19
...in dieser art musik zu beziehen.
problem: ich habe (zwar legal) musikdownloads auf platte, kann mir diese auch auf audiocd brennen - fein. was ich nicht machen kann - diese veraeussern. wer will denn meine selbstgerannte scheibe kaufen? darf ich ja auch nicht!
mit ner gekauften scheibe geht das problemlos.

Nachteile

Von: cws | Datum: 25.11.2003 | #20
Richtig, das ist ein Nachteil, wichtiger noch ist IMHO die Qualitätsminderung durch Kompression, die man im direkten Vergleich, also "Hin- und Herschalten" auch hört.
Deshalb ist der Onlinevertrieb sicher auch nur einer von mehreren Wegen.
Klassik würde ich eher als CD/AIFF kaufen. Aber für die Unterwegs-iPod-Autoradio-Nebenbei-Musik ist die onlineQualität sicher OK.

NA also

Von: RoK | Datum: 07.04.2004 | #21
Wer heute noch Kunde ist, ist ganz schön bloöd ;)

*/fun*

Wieso kann ich in Deutschland Import-CDs aus meiner Heimat für 6-8 Euro LEGAL kaufen, wobei noch 3-4 Zwischenhändler da mitverdienen, und für den Schrott a la Superstars etc. 16-17 Euro ausgeben soll???
Nur um die GEMA, EMI , SONY SHIT PROD. CO. LTD etc zu bezahlen???

Alles klar, ich kaufe auch CDs "Made for Germany", aber nur unter 8 Euro pro Scheibe (und die gibt es nicht...).