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ARCHIV :: # 26

M$ Lizenz 6.0 - der Befreiungsschlag?

Diese Feuerprobe ging wohl ziemlich dumm aus...

Autor: kai - Datum: 02.08.2002

Manchmal geschehen doch noch Zeichen und Wunder. Nach zigmaligem Verschieben und einem ganzen Sack voller "letzter Chancen" ist es nun endlich geschafft - Microsofts Lizenz 6.0, die es Firmen unmöglich macht, Versionen zu überspringen, d.h. Upgrades werden bei jedem neuen Release eines M$-Produkts fällig ist in Kraft. Upgrades gibt es nicht mehr, es muss jedes mal der Vollpreis des Produkts gezahlt werden (kennen wir doch irgendwoher!.. Hoffentlich bleibt das bei uns wenigstens eine Ausnahme!) Die Kunden waren -verständlicherweise- von Anfang an gegen das neue Lizenzmodell, auch wenn M$ ihnen Geschichten vom Land, in dem Milch und Honig fliessen und in dem alles billiger wird erzählt hat. Hmm, erinnert mich stark an den Wisch von der Telekom nach der Gebührenreform damals kurz vor dem Börsengang. M$ wich aber kaum von ihrem Plan ab (soviel zum Thema "wir tun alles nur für unsere Kunden") und schien darauf versessen rauszufinden, wie weit sie gehen können, wie weit die Abhängigkeit denn nun wirklich geht...
Tja, wie's aussieht war das ganze nicht sehr erfolgreich! 40% der Firmen sagten in einer Umfrage, dass sie "auf keinen Fall" mitmachen werden, und 38% evaluieren schon Alternativen. Eine gigantische Chance für Staroffice, Mozilla und Linux (und bei ein paar Firmen wohl auch Apple!), und mit Sun, Ximian und sogar Corel (wie? Auf einmal doch wieder Linux? War die Kooperation mit M$ doch nicht so toll?) steht die Konkurrenz auch schon Gewehr bei Fuss um die "Abtrünnigen" zu umwerben. Ximians Umsteigerpaket, bestehend aus Staroffice 6.0, der Outlook-Alternative Evolution, Mozilla 1.0, einem Softwareupdate-Service namens Red Carpet und natürlich Ximian Linux Desktop Professional Edition ist verlockend, v.a. zu dem Preis von $449 für ein 10-User Starterpack. Zu diesem Preis kriegt man nicht mal ein einziges Office XP, soviel zum Thema "Linux ist eigentlich gar nicht billig!"..
Eines ist jedenfalls sicher: Die endgültig "letzte Chance" ist verstrichen, und es gibt jetzt keine Möglichkeit, nachträglich seine Meinung zu ändern ohne den vollen Preis zu zahlen!
Das heisst: Die scheinbar sehr grosse Anzahl an Unternehmen, die das Migrationsangebot auf Lizenz 6.0 nicht wahrgenommen haben haben genau drei Chancen:
1) Seele verkaufen: Nochmal voll zahlen für ihre komplette M$-Software und auch weiterhin für M$' "Software Assurance"-Upgrade-Zwangsernährung. Ultimative Abhängigkeit gibt's dann allerdings gratis von M$ dazu, ist doch ein fairer Deal!
2) Status Quo beibehalten: Durchaus populär bei einigen Firmen, wie Y2K bewiesen hat ist bei vielen Firmen teilweise noch Software aus den 80ern im Einsatz!.. (Das ist dann wohl allerdings keine Microsoftware, denn dass die 20 Jahre hält wäre mir neu! ;-) Längerfristig allerdings keine Option für die meisten: Dokumente und Files müssen mit anderen Firmen ausgetauscht werden, es gibt immer wieder neue Techniken, Vernetzungsmöglichkeiten usw, die man nur in den seltensten Fällen komplett vermeiden kann und die fast immer auch neue OS-versionen benötigen, Stichwort USB/Win98, Firewire/Win2k etc!
3) Wechsel zu Alternativen: Immer reinspaziert! Willkommen im Lande jenseits der Sklaverei, in dem Vielfalt herrscht und wo die Sonne über den spielenden Pinguinen, den grossen Blauwalen und den -gottseidank vor 20 Jahren gepflanzten- Apfelbäumchen scheint! ;-)

Wenn ich mal die Reaktion auf M$' neue Lizenzbedingungen so rekapituliere und ihre unglaubliche Unwilligkeit, sich dem Willen der Kunden zu beugen, so bin ich fast geneigt zu glauben, dass M$ absichtlich einige Kunden vergraulen will um wieder etwas Wettbewerb in die Sache zu bringen, weil die Kartell-Bluthunde ihnen sonst permanent auf den Fersen sind!
Aber andererseits ist M$ ja auch für 2 Dinge bekannt: Erstens bei Abhängigkeit richtig kräftig abzukassieren, das können sie phänomenal gut, und zweitens eine genetisch veranlagte Allergie auf Marktanteile unter 90% bzw. alles, was in die Sparte "Konkurrenz" fällt!

Ach ja, noch was: Studien wie diese hier, die zeigen, wie man mit Linux massiv sparen kann werden ja zu einem erstaunlich gut passenden Zeitpunkt veröffentlicht! ;-)

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