ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2627

2003 - Year of the notebook

Ein kleiner Rückblick

Autor: flo - Datum: 12.12.2003

Wochenausklang, Jahresausklang, Plätzchen auf dem Tisch und Glühweinduft in der Nase - da wird man schon mal etwas bedächtig, neigt den Kopf zur Seite, blickt mit etwas gläsernem Blick auf die Fülle von Gerüchten über neue Apple-Produkte, die freilich auch diesmal wieder Geld kosten werden und letztendlich doch nur wieder in den Träumen den eigenen Schreibtisch bevölkern. Während man all diesen zukünfigen Luftschlössern nachhängt, reflektiert man auch das, was man prinzipiell auch jetzt schon kaufen könnte, im Jahr des Notebooks, welches Steve aufgrund mieser G4-Verkäufe hervorragender Notebook-Verkäufe Anfang des Jahres in San Francisco ausrief. Bevor in ein paar Wochen Steve anderes verspricht (vielleicht das Jahr des Desktops? Weil man keine PowerBooks liefern kann?), war es denn wirklich ein Jahr des tragbaren Apfels? Ein unbestechlicher, grüner Rückblick. PowerBook
Das PowerBook G4 erblickte auf der MWSF 2001 das Licht der Welt. Das Gerät bot eine 400MHz CPU (PPC7400), einen 100MHz-Bus und eine (nicht unbedingt nur aus heutiger Sicht) reichlich grottige ATI Rage Mobility mit 8 MB VRAM. Garniert mit einem DVD-ROM-Laufwerk, 10 GB Platte und 100MBit-Netzwerk kostete die flache Flunder 2599 Dollar, das Top-Modell (500MHz, 20 GB Platte, mehr RAM) sogar 3499 Dollar.

Bis zum November 2002 erfuhr das PowerBook drei Updates, welche es letztlich auf bis zu 1 GHz beschleunigten, der Systembus wurde auf 133 MHz gesteigert. Das Display bot mit 1280x854 fast 25% mehr Platz als noch zu Beginn, der Grafikchip war zuletzt ein Radeon Mobility 9000, eine auch heute noch gute Mobil-Grafikkarte (auch wenn das kleine PowerBook mit nur 32 statt 64 MB VRAM auskommen musste und außerdem in der Speicherbandbreite beschnitten wurde, so dass die Grafikleistung des 867ers nicht berauschend waren). Der Infrarot-Port wurde inzwischen fallengelassen, dafür bekam das PowerBook GBit-Ethernet und einen DVI-Ausgang, die Plattenkapazität betrug inzwischen bis zu 60GB. Die Preise hatten sich auf 2299 für das kleine respektive 2999 Dollar für das große PowerBook verringert.

Völlig überraschend begann das Jahr des Notebooks mit der Vorstellung des Al12 und Al17, zwei Geräte, die wenige Tage zuvor ThinkSecret aus dem Gerüchtetopf gezaubert hatte, an die aber trotzdem nur wenige geglaubt hatten. Das kleine PowerBook kam in der Ausstattung dem Ti867 recht nahe: Es war gleich schnell getaktet, musste allerdings ohne L3-Cache auskommen. Auch der Systemtakt blieb gleich (133MHz), allerdings setzte Apple erstmals DDR-RAM in Notebooks ein. Die größten Kritiken erntete das Al12 für seine technische Verwandschaft mit dem iBook: 128 MB RAM waren aufgelötet, der Monitorausgang konnte zwar den Bildschirm erweitern, war aber nur als VGA ausgeführt. Außerdem wurde das kleine Silberne heftig warm.

Das Al17 zeichnete sich in den ersten Monaten vor allem durch Abstinenz aus, hatte dann aber mit keinen größeren Defekten zu kämpfen, die Horrorstories von gebrochenen Displays blieben Einzelfälle. Die Ausstattung war vom Feinsten, der Preis von 3299 Dollar noch relativ human. Das Al12 begann bei 1799 Dollar. Das mittlere Titanium erfuhr nochmals eine Preisreduktion von 2299 auf 1999 respektive von 2999 auf 2599 Dollar. Trotz dieses Schnäppchenpreises (und guter Verkäufe!) wurde natürlich postwendend die Wartestellung auf ein 15-Zoll-Modell im Alu-Look eingenommen.

Das kam aber erst im Herbst, zusammen mit dem ersten Update der flankierenden 12er und 17er. Die 12er sind mittlerweile sogar noch einmal etwas billiger geworden und beginnen bei 1599 Dollar, was nur wenig über den Top-iBooks liegt. Al15 und Al17 ähneln sich in der Ausstattung sehr. Beim Al12 scheint Apple auf die Kritik gehört zu haben, der Grafikchip ist wesentlich performanter und führt das Signal via DVI nach außen. Der neue G4 (PPC7447) heizt auch nicht mehr so stark und Apple erbarmt sich und lötet immerhin schon 256 MB RAM auf. Das Al15 hat zwar eigentlich ausstattungsmäßig alles erfüllt, was gefordert wurde, wird aber immer noch sehr zögerlich ausgeliefert, darüber hinaus musste Apple einen Serienfehler bei den Displays eingestehen - ob dieser mittlerweile behoben ist, ist weiterhin unklar.

Die lange Verzögerung des Al15 ließ erste Zweifel aufkommen, ob das Jahr des Notebooks wirklich irgendwas mit PowerBooks oder Apple zu tun hat. Auch der Abstand des ersten Updates für Al12 unf Al17 zur Einführung ist mit rund einem halben Jahr nicht ungewöhnlich kurz, im Falle des großen PowerBooks hat sich eh kaum etwas getan, mal abgesehen vom besseren Grafikchip und dem leichten Speed-Bump. Das Al12 hat sich da schon eher bewegt, es ist nicht nur preislich attraktiver sondern auch um einige technische Krücken der Rev. A bereinigt worden. Das ehemalige Titanium hat rein äußerlich den größten Sprung gemacht, allerdings ist eine solche Überarbeitung nach zwei Jahren bei Apple auch keine Besonderheit.

iBook:
Das iBook in seiner heutigen Form wurde im Mai 2001 der Welt vorgestellt: 500 MHz G3, 66 MHz Systemtakt, 64/128 MB Speicher, 10 GB Platte und die unvermeidliche ATI Rage Mobility (8MB). Die vier verfügbaren Modelle unterschieden sich seinerzeit nur durch das optische Laufwerk (CD, DVD, CD-RW oder Combo) und kosteten zwischen 1299 und 1799 Dollar. Rechnet man die Einführung des 14-Zoll-Modells hinzu, hat das iBook bis Ende 2002 vier Updates erfahren. Im November letzten Jahres kam es bei 700/800 MHz an, verfügte inzwischen über einen Radeon Mobility 7500 (16/32MB), eine 20/30GB Festplatte und einen 100MHz-Bus sowie einen verbesserten Video-Ausgang (VGA/S-Video), der aber nach wie vor (offiziell) nur spiegeln konnte. Die Preise reichten von 999 bis 1499 Dollar, wobei das Einstiegsmodell nicht nur durch die geringere CPU-Taktrate, sondern vor allem durch den kleineren VRAM und das etwas steinzeitlich wirkende CD-ROM-Laufwerk beschränkt war.

Anfang 2003 (im April, um genau zu sein) erfuhr das iBook nochmals einen Speed-Bump auf 800 bzw. 900 MHz, das kleine Modell musste zwar weiterhin mit einem CD-ROM auskommen, verfügte nun aber immerhin über die gleiche Grafik wie dir größeren Brüder. Auch die Festplattengrößen wurden auf 30 bzw. 40 GB angehoben, die Preise blieben unverändert.

Der Knaller erfolgte erst kürzlich mit der Einführung der G4 iBooks. Das Einstiegsmodell verteuerte sich zwar leicht auf 1099 Dollar, aber muss endlich nicht mehr das CD-ROM Manko ertragen - alle Modelle kommen mit einem Combo-Drive (Slot-in!). 800 MHz G4, 133 MHz Bustakt, DDR-Speicher, 30 GB-Platte und ein nominell guter Grafikchip mit dem ATI Radeon Mobility 9200 (der in Tests allerdings gegen den GeForce 5200 des Al12 verliert). Kritik gab es (auch von mir) vor allem ob der älteren G4-Revision (7455/7445), die noch mit 256kB L2-Cache auskommen muss und laut whitepaper bis zu doppelt so viel Strom verbraucht wie der aktuelle (aber scheints schwer lieferbare) 7447, der in den PowerBooks werkelt. Auch das Display ist weiterhin unverändert und bleibt vergleichsweise lichtschwach (was aber auch das Al12 betrifft). Schwer wiegt auch die Beschränkung auf nur noch ein 12-Zoll-Modell, das gemeinhin als "das eigentliche" iBook bezeichnet werden darf. Womöglich wegen der Hitzeentwicklung des G4 sind die schnelleren Varianten nur als klobiges 14-Zoll-Modell zu haben.

Die iBooks sehen also äußerlich auch nach über zwei Jahren noch fast gleich aus, ihr Innenleben hat sich aber stark verbessert. Das Einsteigermodell ist zwar mit einer 800-MHz-CPU nicht übermäßig gut bestückt, muss aber von der Ausstattung her endlich nicht mehr mit steinzeitlichen Kastrationen leben. Nimmt man als Vergleich also das bisherige 900MHz-Combo-iBook ist der Einstieg in die mobile Apple-Welt billiger geworden. Das 14-Zoll-Modell hat durch die bessere CPU jetzt auch einen echten Unterschied zum 12-Zoll-Bruder.

Fazit
Ist es nun also ein Jahr des Notebooks? Die PowerBook-Linie wurde durch die beiden zusätzlichen Modelle enorm erweitert, was die Palette viel feinschichtiger macht (wenn sich das nicht einmal auch viele bei den PowerMacs wünschen!). Im Falle des Al12 wurde mittlerweile durch ein Update so mancher Kritikpunkt ausgebügelt. Der pure technische Fortschritt hingegen ist nicht überwältigend, sondern eher solide. Ob dabei die Haupschuld bei Motorola liegt oder nicht kann dem gemeinen Mac-User eigentlich egal sein. Wären da nicht die Lieferschwierigkeiten und der gravierende Display-Fehler beim 15-Zoll-PowerBook: Beides mag nicht recht ins Bild passen und dass ausgerechnet das 15er betroffen ist, für dessen Herstellung, so könnte man meinen, Apple ja wirklich mehr als genug Zeit hatte, ist auch nicht gerade ein Ruhmesblatt.

Die iBooks haben sich äußerlich kaum verändert, sind dafür im Herzen gründlich renoviert worden. Ob es dafür gleich ein Jahr des Notebooks braucht, sei dahingestellt und ob der Wechsel zu Motorola als CPU-Lieferant nicht ein Schuss ins Knie war, ebenfalls. Positiv bleibt das Einstiegsmodell, das einen vernünftigen Rechner zu einem guten Preis darstellt - und im Einstiegssegment hat Apple ja traditionellerweise seine liebe Mühe und Not.

Alles in allem ist der tragbare Teil von Apples Angebot verlockend, solide und zeitgemäß aktualisiert, nichtsdestotrotz verbesserungswürdig, vor allem die Qualitätssicherung darf gerne etwas gründlicher arbeiten. Für mich persönlich hat es letztendlich der G5 (locker) geschafft, dem Jahr des Notebooks die Show zu stehlen. Aber das ist ja auch nicht unbedingt negativ :)

So, und jetzt seid ihr dran ;)

Kommentare

@flo

Von: Nummer 621785 | Datum: 12.12.2003 | #1
kann man so im grossen und ganzen stehen lassen.
mit dem show stehlen des G5 hast du recht. der switch zu den mot-G4 ist sicher als dankeschoen an motorola gedacht. fuer die jahrelange hervorragende zusammenarbeit (falls hier noch jemand den 68k kennt, wisst ihr was ich meine *ggg*)

@ Robert

Von: ElRhodeo | Datum: 12.12.2003 | #2
Hallo Robert,

hast Du Apple offiziell um Rücknahme gebeten und sie haben sich geweigert? Ich habe das nämlich auch vor, nachdem ich jetzt schon das dritte mal mein PB wegen eines verzogenen Gehäuses in Reparatur geben muß (wurde einfach nicht gerichtet, genauso wie die gräßlich verzerrenden Lautsprecher). Getauscht werden mußte außerdem das Combodrive (spuckte CD einfach wieder aus) und das Logikboard (PB wurde viel zu heiß). Desweiteren ist der Bildschirm echt schwach und die Grafikkarte langsam im Bildaufbau, das aber serienmäßig.

Hab ich jetzt Anspuch auf Wandlung?

Gruß,
Lorenz

@ElRhodeo

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 12.12.2003 | #3
Bei einem Defekt hat der Anbieter das Recht, den Schaden reparieren zu dürfen. Erst wenn du zweimal denselben Mangel angemeckert hast (leider bin ich mir nicht sicher, ob das nun incl. dem ersten Auftreten ist oder exkl. der ersten Reparatur), kannst du sagen, nö, jetzt will ich bitte mein Geld wiederhaben.

Apple scheint sich da aber generell zu wehren. Ob das rechtens ist, sei dahingestellt, aber es macht sich ja scheinbar auch keiner die Mühe, den Rechtsweg zu nehmen (kostet ja erst mal).

schöner Artikel!

Von: Alexander G. Schilp | Datum: 12.12.2003 | #4
ein wirklich guter Rückblick auf die Entwicklung von Apples mobilen.
Nur daß Jahr des Notebooks sollte es für Apple wohl vor allem wegen der Verkäufe werden. Die sind aber leider nicht so toll ausgefallen. Da hat sich zwar das PowerBook von recht bescheidenen Verkaufszahlen deutlich erholt, aber der Stückzahlenbringer iBook mußte gewaltig Federn lassen.

Dabei ist es für den Markt das Jahr des Notebooks geworden. Die wieder anziehenden Verkaufszahlen gehen bei vielen Herstellern aufs Konto gestiegener Notebook Verkäufe.

Im Gegensatz zu den Desktops sah m.E. die Ausgangssituation auch wesentlich besser aus.
Die Produktpalette ist gut strukturiert und man hat für viele Verkaufsbereiche sehr interessantes zu bieten. So kann man das iBook sowohl dem preislichen Einsteigersegment wie auch der Subnotebookklasse zuordnen.
Auch die PowerBooks kann man Dank guter Ausstattung und geringem Gewicht als Mehrkämpfer ins Rennen schicken.
Ein wichtiger Aspekt ist aber auch der, daß sich bei den Käufern langsam die Erkenntnis durchgesetzt hat, daß ein mobiler Rechner zum Kampfpreis trotz imposant erscheinender Ausstattung als teure Fehlinvestition erweisen kann. Ob Akku, mit Kaffee veredelte Tastaturen, Scharniere, Netzteile oder irgendwelche abgebrochenen Kunststoffteile. So etwas kann teuer werden und fürs Schnäppchennotebook liefern nicht alle Ersatzteile.

Aber Apple hat auch einiges selbst dazu beigetragen, daß die Mobilen sich nicht wesentlich besser verkauften.
Da gibts nach wie vor den Dauerbrenner Lieferschwierigkeiten.
Das iBook gabs in der Grundausstattung erst mal nur mit mageren 128MB RAM. Jetzt sind zwar 256MB drin, aber der einzige Steckplatz für RAM ist jetzt aber auch belegt.
Ein PB 17'' ist ein Premiumprodukt. Von der Ausstattung wie auch vom Preis. Nur die Garantieleistungen sind da erst mal die gleichen wie beim billigsten iBook. Und da sind dann eben 1 Jahr Garantie wo man das Gerät auch noch selber zum Service befördern muß mal etwas Magerkost. Die erweiterten Servicelesitungen die es für Aufpreis gibt sind dann auch nicht besser als beim iBook. Etwas mehr dürfte es da wirklich sein. Sowohl beim Grundangebot wie auch beim Zusatzpacken.
Dann sind die mobilen Rechner von Apple so wie ihre Geschwister vom Desktop einfach zu wenig präsent, man begegnet ihnen im Alltag einfach zu wenig. Mit der dicken Marge die Apple gerne hat sind eben Kampfpreise welche Apples Rechner auch wirklich für die großen Kaufhäuser und Elektronikmärkte wirklich interessant machen würden nicht möglich und einen Applehändler muß man erst mal finden. Ob dieser dann ein Gerät zum vorführen überhaupt da hat ist wieder eine andere Geschichte.

Von einem Jahr des Notebooks hätte ich mir mehr erwartet.
Ein Jahr des G5 ist es m.E. auch nicht gewesen. Der hatte zwar viel Aufmerksamkeit ergattert, aber die Verkäufe hätten auch da besser sein müssen.

Für mich ist dieses Jahr das Jahr des iPods. Und der ist auch von Apple.

Alexander

pb 12

Von: sven | Datum: 12.12.2003 | #5
habe auch relativ schnell nach dem Erscheinen des ersten kleinen Powerbooks zugeschlagen, bin aber vor Problemen verschont geblieben. Die Leistung ist gut - und zum Zeitpunkt der Vorstellung war eine GF4 auch keine schlechte Mobilgrafikkarte - einzig hätte ich mir auch einen DVI-Ausgang gewünscht... Als technisches Manko wären bei mir die Gummifüße zu nennen; die sind mittlerweile alle ab. Deswegen werde ich aber nicht zum Support laufen - sind wahrscheinlich ein Vierteljahr später dann wieder ab. :-/

@Sven

Von: Robert | Datum: 12.12.2003 | #6
Einfach bei AppleCare anrufen, dann bekommst du einen fetten Karton mit einigen Füßen und einer Tube Superkleber. Apple kennt das Problem und sollte keine Faxen machen (wenn sie gerade mal welche auf Lager haben; ich habe 4 Wochen gewartet).