ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2641

Adobe päppelt das Sorgenkind auf

Buchladen auf neudeutsch: eBooks im Digital Media Store

Autor: flo - Datum: 17.12.2003

Schöne neue Welt. Frischen Lesestoff holt man sich morgens per Mail ab, synct das Ganze auf seinen Palm (oder gar auf seinen TabletPC?) und liest das Ganze dann auf dem Weg zur Arbeit in der U-Bahn. Gutenberg ist allenthalben noch als Straßenname ein Begriff. Oder so. Zum Glück ist das alles Quatsch und das eBook dümpelt seit Jahren im Schatten des "echten" Buches vor sich hin und ist mithin eine der sichersten Möglichkeiten, Geld zu verbrennen. Gemstar, einer der größten Hersteller und Anbieter von Lesegeräten und eBooks stellte nach dem Rückzug vomm deutschen Markt Mitte des Jahres den Betrieb komplett ein. Barnes&Nobles, Amerikas Buchhändler Nummer Eins, hatte im Herbst diesen Jahres ebenfalls genug und ließ den Vertrieb von eBooks sein. Auch die entsprechenden Sparten von AOL TimeWarner und Bertelsmann fuhren nur Verluste ein und beschränken sich seit jeher auf das Nötigste – AOL verteibt eBooks etwa nur noch zusammen mit dem gedruckten Buch, welch Ironie.

Es geht auch anders. Bei kleinen Verlagen kann man eine gewisse Parallele zum Musikgeschäft ziehen: So wie sich auf mp3.com einst vor allem kleine, unbekannte Künstler tummelten und sich über eine günstige Plattform freuten, so machen auch mit eBooks einige kleine Verlage ihr Geschäft. In Amerika ist das etwa die Hard Shell Work Factory, die nach eigenen Angaben monatlich mehrere Tausend eBooks absetzen will. Im deutschsprachigen Raum bietet der readersplanet eBooks günstig an, manche gar umsonst. Nicht von ungefähr listet die Top10 des Monats Dezember aber auch fünf Erotik-Titel.

Adobe will nun (wenigstens in den Staaten) dem torkelnden Kind auf die Beine helfen und bietet mit dem Adobe Digital Media Store eine für eBook-Verhältnisse riesige Auswahl an – vor allem auch von namhaften Autoren. Für den nötigen Schutz der eBooks sorgt ein im Adobe Reader 6 implementiertes DRM, das (unter anderem) das Kopieren und Ausdrucken limitiert – das reicht von "gar nicht" bis zu einer bestimmten Anzahl pro Zeit.

Eines der Hauptprobleme kann jedoch auch Adobe mit diesem geballten Angebot nicht eliminieren: den Preis. Der liegt traditionellerweise sehr nah – für viele zu nah – am Preis der gedruckten Ausgabe. Einige Titel bekommt man nebenan bei Amazon "in echt" gar billiger. Die prinzipiellen Probleme des eBook löst dieser Store also nicht, das weiß natürlich auch Adobe. Aber nach Jahren gibt es nun endlich auch eine gut ausgebaute (und wohl auch zukunftssichere) Anlaufstelle für eBook-Interessierte - so solche noch existieren. Und wer jetzt als erstes schreit, dass Apple endlich einen PDA bringen solle für all die schönen eBooks, der ... darf nicht mehr mitspielen ;)

Kommentare

Der Preis...

Von: Schnapper | Datum: 17.12.2003 | #1
...den Preis. Der liegt traditionellerweise sehr nah – für viele zu nah – am Preis der gedruckten Ausgabe.

Und das ist für mich der Grund, weiterhin eBooks zu meiden. Am Bildschirm lesen ist Blödsinn - nach 30 Seiten bluten einem die Augen. Und beim Selbst-Ausdrucken entstehen zusätzliche Kosten und Aufwand - dann kann ich mir gleich die Print-Version kaufen.
Und den Verlagen fallen gleichzeitig die Druck- und Lagerkosten komplett weg, von den niedrigeren Margen wegen der Zwischenhändler gleich gar nicht zu reden (jaaa, ich weiss, das auch Online-Vertriebswege Geld kosten. Aber die sind ja im Vergleich zum Printmedium wirklich minimal).

Warum soll ich eBooks der Print-Variante vorziehen?
Sie sind
- nicht so bequem zu lesen wie normale Bücher (schon mal ein eBook im Freibad gelesen?)
- stromabhängig
- nicht so leicht zu transportieren (selbst ein 12"-iBook ist sperriger als ein normales Taschenbuch. Und wer will mir erzählen, dass er ganze Romane auf einem PDA liest?)
- (wenn denn ausgedruckt) eher eine lose Blattsammlung denn ein "Buch".

eBooks werden erst dann interessant, wenn sie wesentlich billiger sind als die Print-Version. Das wär der einzige Vorteil, den sie gegenüber der Print-Version haben.

Was ist mit dem Komfort?

Von: Thyrfing | Datum: 17.12.2003 | #2
Ich möchte nicht mit 'nem Laptop im Bett liegen und meinen Pratchett lesen. Das Buch als solches ist das Lesemedium schlechthin. Für etwas anderes sind wir und die Technik noch nicht bereit. Hier und da mal ein paar Seiten am Bildschirm, klar, aber niemals nicht ganze Bücher.

Vor allem geht da die ganze Atmosphäre flöten, keine Nachttischlampe, keine Bettdecke, keine warme Frau.....

Thyr

Was noch fehlt:

Von: Thyrfing | Datum: 17.12.2003 | #3
Der Preis: So billig können die Dinger gar nicht sein, selbst die frei erhältlichen landen irgendwann auszugsweise im Drucker!

Thyr

ebooks...

Von: derdomi | Datum: 17.12.2003 | #4
... fallen für mich absolut in die Kategorie "Dinge die die Welt nicht braucht"
Ich kanne uch genau sagen ab wann ich ein eBook einem Buch vorziehen würde. Sobald es hochauflösende, holographische displays für die dinger gibt und man das Teil per Sprachengabe steuert. Dann könnte ich im Bett liegen und mit den Armen hinterm Kopf verschränkt lesen. Das Holodisplay würde direkt vor meinem Gesicht "schweben". Da das aber alles noch Jahrzehnte in der Zukunft liegt oder aber niemals eintrifft ist das ebook für mich so nützlich wie Sch*** an der Schuhsohle.

@Thyrfing

Von: iMob | Datum: 17.12.2003 | #5
"Ich möchte nicht mit 'nem Laptop im Bett liegen und meinen Bullshit lesen."

Ach!


"Das Buch als solches ist das Lesemedium schlechthin."

Ist es wahr?


"Für etwas anderes sind wir und die Technik noch nicht bereit."

Du meinst, Bullshit und du, ja und die Technik natürlich.


"Hier und da mal ein paar Seiten am Bildschirm, klar, aber niemals nicht ganze Bücher."

Ja, ist ja nicht so gut für die Augen, musst du viele Möhren essen.


"Vor allem geht da die ganze Atmosphäre flöten, keine Nachttischlampe, keine Bettdecke, keine warme Frau....."

Wieso, geht bei dir das Licht aus, wenn du deinen Laptop einschaltest? Und wieso hast du dann keine Bettdecke, verstehe ich nicht?

Ach ja, und schönen Gruss an die warme Frau ;)

@derdomi

Von: Thyrfing | Datum: 17.12.2003 | #6
Das wollte ich zum Ausdruck bringen, aber genau dann fehlen mir die Worte! :-))

Thyr

@iMob

Von: Thyrfing | Datum: 17.12.2003 | #7
-Ach!-

Ja, das bist du da im Spiegel!

-Ist es wahr?-

Ja, auch wenn's wie ein Arsch aussieht, das bist du!

-Du meinst, Bullshit und du, ja und die Technik natürlich.-

Hm, wenn du meinst, Bullshit ist meist grün, du auch? Au mann, ich würde nicht in den Spiegel schauen!

-Ja, ist ja nicht so gut für die Augen, musst du viele Möhren essen.-

Na ja, ich muss diesen Anblick ja nicht ertragen.

Thyr

ROFL

Von: iMob | Datum: 17.12.2003 | #8

Das Buch zum Buch

Von: Elroy | Datum: 17.12.2003 | #9
"... verteibt eBooks etwa nur noch zusammen mit dem gedruckten Buch, ..."

Finde ich gar nicht so falsch. Ich habe neulich noch gedacht, wie praktisch ein eBook als Ergänzung zum Gedruckten wäre. Und zwar dann, wenn man oft Textstellen finden muss, zum Beispiel bei wissenschaftlichen Texten. Genau da passiert mir hin und wieder, das ich beim lesen gerne Befehl-F drücken würde ...

Idealerweise natürlich zu einem minimalen Aufpreis.

...

Von: DC | Datum: 17.12.2003 | #10
Ich sach immer, ne eMail un n' eBook kann man halt nicht mit auf's Klo nehmen, und zum Hintern Abwischen ist selbst n' Dell Laptop zu hart, auch wenn Kleinstweich drauf installiert ist :-)

Aber Zeitungen?

Von: Malte | Datum: 18.12.2003 | #11
Was ich nie verstehe... Warum nutzt man eBooks nicht eher für Tageszeitungen. Morgens das eBook aus dem Adapter nehemn, auf dem Weg zur Arbeit schön die aktuellen Nachrichten lesen und sie dann löschen. Das braucht nicht das Buchflair, denn meine Schmöker möchte ich auch lieber als richtiges Buch lesen, bracuht aufgrund der tagesaktualität keine längere Speicherung und ist auch noch praktischer als mit der FAZ in der Tram zu sitzen. Macht das denn keiner?

Also ein Freund von mir...

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 18.12.2003 | #12
..liest Bücher immer aufm GameBoy Advance, von PDF konvertiert! ;-)

Aber alles, was selbst leuchtet ist wohl nicht wirklich ne Alternative, da's zu sehr auf die Augen geht.. Was ist denn eigentlich aus dem Xerox-Froschei-Papier mit den Pigmenten geworden? Das hörte sich sehr vielversprechend an!..

Ich werd glaub ich mal meinen alten Newton ausgraben und's damit probieren.. Immerhin ist das Display passiv und flackert nicht! ;-) Da sollte das Lesen eigentlich recht gut gehen...

P.S.: Thyr: Pratchett, oder? ;-)))

@Malte

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 18.12.2003 | #13
Stimmt, für tagesaktuelle Nachrichten liegt das eBook eigentlich nahe, zumindest näher als für Romane. Passend dazu ja auch die Meldung zur Netzeitung und auch der Aspekt aus dem "macnewspaper Pro/Contra", dass aktuelle News (von einigen) eh schon mehrheitlich aus dem Internet bezogen werden, also digital konsumiert werden...
Auch wissenschaftliche Arbeiten, wie Elroy erwähnt, sind wohl prinzipiell geeignet. Nur bei diesen trifft man dann schnell auf das Problem der "Haltbarkeit". Digitale Daten sind oft problematischer in der Aufbewahrung als das gute gedruckte Wort...

@kai

Von: Thyrfing | Datum: 18.12.2003 | #14
pssst! Nix verraten.... :-))

Thyr