ARCHIV :: # 2710
Apple ist nicht alles
MacGuardians im Computer History Museum
Autor: wp - Datum: 12.01.2004
Eins, zwei, drei, im Sauseschritt läuft die Zeit, wir laufen mit ..."W. Busch und Amerika, das passt zur Zeit fast zu gut zusammen: Wer weiß schon, wieviele Amerikaner derzeit ein "poem of W. Busch" ihrem "Präsidenten" (ja, auch ich habe endlich mal Michael Moore gelesen) zuschreiben würden. Wie auch immer: Wie recht er hat, der Wilhelm Busch, wenn es um die Entwicklung von Rechen- und Datenverarbeitungsmaschinen geht. Innerhalb einer noch nicht mal allzu langen Lebensspanne hat sich so vieles so schnell entwickelt, dass es sich zu recht lohnt, die Geschichte des Computers mit einem Museum zu würdigen. Hier gibt es ja auch in Deutschland Interessantes, wie etwa das Heinz Nixdorf MuseumsForum oder das Bonner Arithmeum. Unsere MWSF-Reporter haben zum Abschluss ihrer Reise ein ganz neues Computermuseum mitten im Silicon Valley besucht. Und einen wie gewohnt üppig bebilderten Bericht verfasst, den letzten aus Kalifornien für dieses Jahr. Auch dieser macht Lust auf eigenes Erleben - W. Busch empfiehlt hierzu:
Darum, Mensch, sei zeitig weise! Höchste Zeit ist's! Reise, reise!
Welcome back, liebe Leser. Da wir nun schon mitten im Silicon Valley logieren, haben wir die Gunst der Stunde genutzt, um uns - quasi zum Abschluss unserer MWSF-Expedition 2004 - im gerade erst seit Juni vorigen Jahres in seiner "Alpha-Version" geöffneten Computer History Museum umzusehen. Zwar sind zur Zeit (Alpha-Phase!) erst rund 600 Artefakte öffentlich zugänglich, aber allein die haben es in sich. Zu finden ist das CHM (falls Ihr mal in der Nähe seid) im 1401 North Shoreline Boulevard, Mountain View, CA 94043, USA. Also nur einen Katzensprung auf der 101 von unserem Standquartier in Palo Alto entfernt.
Das Museum ist in dieser Form einzigartig auf der Welt und allein deshalb schon eine eigene Reportage wert. Untergebracht ist es durch einen "unglücklichen Glücksfall" in einem architektonisch höchst anspruchsvollen Neubau von Silicon Graphics. Den diese nach dem Crash in 2000 bis 2002 für billiges Geld schnell loswerden mussten. Folgt uns also nun mitten hinein in die Tiefen der Computergeschichte, in der, wie wir wissen, auch Apple eine entscheidende Rolle spielt.
Wir werfen einen schnellen Blick in den großzügigen Empfang des mehrgeschossigen Baus ...
... und passieren den großzügigen Counter, an dem ähnlich wie in der MacGuardians-Redaktion alle Mitarbeiter ehrenamtlich tätig sind. ;-)
Man bemerke, was Wunder, im Hintergrund das TiBook... Am Ende der Eingangshalle links herum und durch ein Portal, und wir stehen im derzeit öffentlich zugänglichen Teil der Sammlung des Museums. Und zuallererst vor einem gut drei Meter hohen und etwa 10 Meter breiten Stahlregal mit historischen PCs, Macs und einem nagelneuen Next-Cube.
Von hier an wollen wir versuchen, so halbwegs dem vorgegebenen historisch korrekten Pfad durch die Sammlung zu folgen. Wir beginnen mit einem illustren Rechenteil, das den Zweiten Weltkrieg mit entschieden hat (Computer haben eben leider immer auch einen militärischen Aspekt): einer originalen Enigma Verschlüsselungsmaschine aus Nazi-Deutschland, entwickelt etwa 1935 von Arthur Scherbius, zusammen mit der einzigen noch existierenden Dechiffrierungsscheibe.
Ein paar Reihen weiter schon wieder ein deutsches Stück früher Computergeschichte, ein kompletter Z23 von Konrad Zuse!
Weiter geht's, vorbei an der ersten Hollerith-Maschine bis zu einer Art Standuhr, die hier irgendwie deplatziert wirkt. Tatsächlich! Das ist eines jener Teile, mit der die spätere IBM, heutzutage G5-Chiplieferant für die Apfelmarke, mal ihr erstes Geld verdient hat: eine Stechuhr.
Gleich gegenüber startet der Reigen der frühen Großrechner-Dinosaurier mit einem mannsgroßen Teil des legendären, komplett handverkabelten und röhrenbestückten "Electronic Numerical Integrator and Calculator" ENIAC. Jener allererste Großrechner, der während des 2. Weltkrieges an der University of Pennsylvania zum Berechnen der ballistischen Tabellen der US-Army entwickelt wurde. Dass hier nur ein kleiner Teil des mit 18.000 Vakuumröhren bestückten Monsters ist, muss man sich im Geiste auch erst mal klarmachen.
Apropos klarmachen... Es ist erst ein paar Tage her, da hatten wir am LaCie-Stand in einem hübsch designten und sehr kompakten Alugehäuse eine doppelte Festplatte mit 1 Terabyte Gesamtkapazität bestaunt. Nun, was ist das schon gegen diese beiden 10 MB (Megabyte, jawohl!) Festplatten von Burroughs, die in den 60-iger Jahren purstes (und unbezahlbares) Hightech waren, das Feinste vom Feinen.
Einen Gang weiter erwartet uns wieder Militärisches - der Zielrechner einer Minuteman-Atomrakete. Unvorstellbar, dass irgendjemand diesem mit Tausenden von feinen Kupferdrähtchen verkabelten Teil einmal seine nationale Sicherheit anvertrauen konnte.
Wesentlich ziviler und uns damit sympathischer ist der originale Bordrechner aus den Apollokapseln der NASA. Ein Wunder an einfacher Bedienung und Effizienz. Und einen Moment der Besinnung wert, wenn man bedenkt, dass dieses Teil es immerhin bis zum Mond und zurück geschafft hat.
Wir schlendern weiter. Und stoßen auf eines der Highlights der Ausstellung, das Lieblingsbaby des genialen Seymour Cray, der erste wirkliche Supercomputer: die Cray-1 von 1975, "world's most expensive loveseat", wie damals die Medien das innovative Cray-Design publikumswirksam bezeichneten. Wie der wohl im Vergleich zu einem ganz normalen Apple PowerMac G5 heute abschneidet?
Nein, wir haben nicht vergessen, dass es da noch eine historisch bedeutsame Marke namens Apple gibt. Aber es ist einfach faszinierend, an einem Platz und in einem historischen Gesamtzusammenhang mit diesem Stück unserer Geschichte konfrontiert zu sein. Natürlich findet sich hier alles, was Apple zur Computerentwicklung beigetragen hat. Ohne Ausnahme. Zum Beispiel die frühe Basis des Apple-Aufstiegs, der Apple II.
Das riesige Lager (als Mediavertreter hatten wir ausnahmsweise Zugang, mit zuckenden Fingerchen...) steht voll mit alten Lisa I und II, kompletten Reihen von Mac 128k, 512k, Plus und Apple-Peripherie aller Art.
Bis hin zu ebenso seltenen wir absurden Stücken wie diesem Apple-eigenen "Computergame of Corporate Conquest", nach dem sich Sammler alle Finger lecken.
Gleich daneben entdecken wir Mäusedreck, Entschuldigung, einen Stapel historischer Mäuse, darunter die vermutlich allererste Dreitastenmaus der Computergeschichte.
Und das beste Teil dieses ebenso schnellen wie unvollständigen Rundgangs haben wir uns natürlich für Euch bis zum Schluss aufgespart: Tusch und Fanfare für den von Steve Wozniak persönlich gespendeten allerersten Apple I, mit Woz-Signatur auf dem Holzchassis. Wow!
Wir sind ergriffen von diesem Hauch der Geschichte und versprechen: Hier müssen wir noch einmal herkommen und tiefer in die Historie dieses Werkzeugs eintauchen, das die Welt verändert hat wie keines vor ihm. Bis hin zum aktuellen Ive-designten PowerMac G5 Dual 2 GHz. Und mit diesem kleinen Ritt durch die Geschichte des Computers wollen wir dann auch unsere diesjährige Reportageserie, die uns von der Macworld Expo in San Francisco bis hierher ins Silicon Valley geführt hat, beenden. Wir hoffen, Ihr bleibt unserer grünen Seite gewogen und seid auch in 2005 mit dabei, wenn es wieder heißt: "Steve, wir kommen!"
Euer rasendes MacGuardians-Außenteam Gila & Roland aus dem abendlichen Palo Alto.
Kommentare
Cray
Von: tads | Datum: 13.01.2004 | #2Wer einen Cray mal in echt bestaunen will: Im Deutschen Museum in München steht auch einer, in der Computer-Abteilung, leicht zu finden. Ist da eigentlich noch was anderes drin, außer den Kabeln? ;-)
Gila & Roland
Von: appleking | Datum: 13.01.2004 | #3Ihr seid meine top Lieblingsreporter!! :-) Suuper!
genial
Von: V | Datum: 13.01.2004 | #4da muss ich auch irgendwann mal hingehen, wird aber wohl noch etwas gehen :(
Und bis meine Apfelsammlung so gross ist, ehm das wird wohl ewig gehen.
Ehm das deutsche Museum habe ich also dann wohl zu wenig genau angeschaut als ich da war letztes Jahr :( Den Gray hätte ich auch gerne gesehen.
gruss V
genial
Von: V | Datum: 13.01.2004 | #5da muss ich auch irgendwann mal hingehen, wird aber wohl noch etwas gehen :(
Und bis meine Apfelsammlung so gross ist, ehm das wird wohl ewig gehen.
Ehm das deutsche Museum habe ich also dann wohl zu wenig genau angeschaut als ich da war letztes Jahr :( Den Gray hätte ich auch gerne gesehen.
gruss V
Game von Apple?
Von: Armin | Datum: 13.01.2004 | #6> Apple-eigenen "Computergame of Corporate Conquest"
Hmm, der Apfel hat keinen Biss und das Blatt zeigt in die falsche Richtung. Ist das wirklich von Apple?
PS
Von: Armin | Datum: 13.01.2004 | #7und die Farbringe haben die falsche Reihenfolge...
am anfang
Von: morabi | Datum: 13.01.2004 | #8hatte der apple-apfel noch keinen biss.
Apple Logo
Von: Christian | Datum: 13.01.2004 | #9Einen interessanter Beitrag zur Entwicklung des Apple Logos gibt es unter <http://www.macnyt.dk/default.tpl?news=20020702040337>
@morabi
Von: willi | Datum: 13.01.2004 | #10Unsinn, das gestreifte Logo hatte immer schon einen Biss. Vorher hatte Apple kein Logo im herkömmlichen Sinn.
Zuses Z23
Von: Dr.-Ing. horst Zuse | Datum: 13.01.2004 | #11Hallo,
die Zuse-Maschine Z23 steht seit 1999 im
Computer Museum History Center in Mountain View.
Sie ist ein Geschenk der Stadt Hünfeld an das dortige Museum.
Konrad Zuse erhielt 1999 posthum den Fellow des
Computer Museum History Centers. Die Tafel mit der Z3
im Vordergrund zeigt den Addierer der Maschine Z3.
Mehr Informationen über Konrad Zuse Werk
finden Sie unter [Link]
Dr.-Ing. Horst Zuse
Apfel mit Bis!
Von: Tutlex | Datum: 13.01.2004 | #12Soweit ich das bei ... ehm ... weiß nicht mehr wo ;) verstanden hab gabs erst dieses komische Bildchen und dann direkt den Apfel und zwar mit Bis - auf das man ihn nicht mit einer Tomate verwechsle.
Aber auch ich muss nochemal sagen: DANKE an die Reporter. :) Auch für die vielen Fotos :D ... Nehmt mich mal mit - bin ganz klein und Handlich in nem Koffer zu transportieren ;)
Horst Zuse:
Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 13.01.2004 | #13Eventuell mit Konrad irgendwie verwandt? ;-)
Und AFAIR steht im Deutschen Museum keine Cray sondern eine VAX, also das turmartige Ding mit Sitzgelegenheit drumrum, was irgendwie besser zu der Bezeichnung "loveseat" passt! ;-)
Faszinierend und amüsant.
Von: T1000 | Datum: 13.01.2004 | #1410 MegaBreit Festplatten!
Das sind mal wirkliche richtige Platten, nicht so Plättchen wie heutzutage ;-)
Toller Bericht, danke.
Deutsches Museum, Cray:
Von: flo (MacGuardians) | Datum: 13.01.2004 | #15Also ich war da erst vor ein paar Wochen, im Deutschen Museum steht in der Tat so ein Turm mit Sitzgelegenheit, aber AFAIR steht da CRAY drauf...
Sei's drum, die Abteilung ist herrlich. Ich hab kein Wort verstanden ;)
@Kai
Von: RollingFlo | Datum: 13.01.2004 | #16Wenn er's wirklich ist, dann ja. :)
Da man sich hier nicht sicher sein kann, ob der Name auch vom wirklichen Namensinhaber benutzt wird oder von einem Spassvogel, ist das natürlich so eine Sache.
Wie auch immer, ich würde mich freuen, hätte der echte Horst Zuse den Weg hierher gefunden.
CHM Führungen sind super
Von: Andreas Müller | Datum: 14.01.2004 | #17Ich hatte vor etwa 1.5 Jahren das Vergnügen einer Führung mit dem Computer Historiker des Museums.
Damals war es noch in einer Baracke auf der Ames Air Force Base untergebracht.
Wer die Gelegenheit hat, sollte sich das Vergnügen eines solchen in jeder Beziehung hervorragenden Vortrages nicht entgehen lassen.
@tads: Kabelsalat
Von: Andreas Müller | Datum: 14.01.2004 | #18Der Kabelsalat war damals durchaus innovativ: damit wurden die Signallaufzeiten zwischen den verschiedenen Teilen des Rechners ausgeglichen. Bei den Zykluszeiten von wenigen Nanosekunden merkte man die Kabellängen schon recht deutlich. Wenn man bedenkt, dass die ALU im 3GHz P4 eine Zykluszeit von 150ps hat...
Ausser den Kabeln ist auch noch ein Kühlsystem drin, die Zu- und Ableitungen des Kühlmittels sind übrigens unter der Sitzbank versteckt, sieht deutlich besser aus als die isolierten Rohre. Ach ja, wenn man ganz genau hinschaut, kann man zwischen den Kühlrohren und den Kabeln auch einzelne Chips finden, Seymour Cray war immer der Ansicht, ein Supercomputerbauer sei vor allem Klimatechniker.
@Horst Zuse
Von: Roland | Datum: 14.01.2004 | #19Vielen Dank, Herr Dr. Zuse, für die ergänzenden Informationen. Den Hinweis auf die Z3-Tafel hatten wir leider vergessen, obwohl diese im Bild zu sehen ist :-)
w/kind regs (Roland, zurück aus Palo Alto)
Frage von Kai: Mit Konrad Zuse verwandt?
Von: Dr.-Ing. horst Zuse | Datum: 14.01.2004 | #20Hallo,
ja, ich bin der älteste Sohn von Konrad Zuse.
Horst Zuse
Welch hoher Besuch auf unserer kleinen grünen Seite! ;-)
Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 14.01.2004 | #21Immerhin interessant, dass ein Rechner ihres Vaters in einem amerikanischen Museum steht, denn normalerweise beanspruchen die Amerikaner die Erfindung des Computers für sich (ENIAC), genau wie die Engländer (Charles Babbage)...
Nur aus Interesse: Sind sie Mac-User? ;-)
Antwort zu Kai von Horst Zuse
Von: Dr.-Ing. horst Zuse | Datum: 15.01.2004 | #22Ich bin W2000 / XP-Nutzer, habe aber mit dem MAC schon gearbeitet.
Mit der Z23 hat es folgende Bewandtnis: Es war der Wunsch meines
Vaters, dass eine seiner Maschinen in einem USA-Museum ausgestellt
werden sollte. Prof. Dr. Flessnser, ein enger Freund meines Vaters,
nahm Kontakt zu Mr. Shustek vom Computer Museum History Center
auf. Herr Shustek stimmte zu. Die Konrad-Zuse-Schule in Hünfeld
restaurierte die völlig verstaubte Z23. Im Jahr 1999 wurde sie per
Schiff in die USA nach san Franzisko befördert. Anläßlich der Einweihung
der Z23 im September 1999 fand ein Konrad-Zuse-Symposium statt
und Konrad Zuse wurde pustum zum Fellow des Museums ernannt. Die
Feier fand in Palo Alto mit 250 Personen statt. ich nahm die
Ehrung entgegen.
Ich bin dem Museum sehr dankbar, dass die Z23 dort ausgestellt wird.
Die Z23 wurde ab 1961 an Universitäten und wiss. Institute
ausgeliefert, und zwar in 98 Exemplaren.
Z23 crosses the Atlantic: The Story.
Von: Dr.-Ing. horst Zuse | Datum: 15.01.2004 | #23Ganz kurz: Unter der URL: [Link] ist der Bericht über die Z23 zu finden.
Horst Zuse
das ja n ding
Von: Mikel_mac23 | Datum: 17.01.2004 | #24lieber kai - könnte man nicht euere reporter zu herrn horst zuse schicken - wenn diese seite schon von so ein bedeutenden sohn besucht wird, der sogar schon an einem mac gearbeitet hat - was empfand konrad zuse wohl zu der eroberung der maschine "computer" ... was hält herr zuse von den heutigen systemen und hardware - hatte herr konrad zuse noch die geschichte der bastlergarage von den jungs woz und jobs mitgebekommen - warum werden heute keine zuse computer mehr gebaut - hätte es heute ein ZuseOS geben könne... wie waren die visionen der firma zuse - hätte herr konrad zuse z.B. in den 70er auch die maus erfinden können...
die Z23 ist beindruckend gross und sehr professionell für die damalige zeit...
wow...
Von: SwitchDave | Datum: 12.01.2004 | #1...mal wieder ein klasse bericht *g* danke! :-)
*auchdahinwill*