ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 272

Wem vertrauen Sie im Web - AOL, M$, Apple?

Trust is good - passport is worse

Autor: bh - Datum: 30.04.2002

Gartner Group - die Brüder sind für gute Fragestellungen bekannt. Diesmal wurden 2000 Benutzer zu diversen Internet-Diensten befragt - ob sie nämlich Vertrauen dazu hätten. Das wenig überraschende Geheimnis: die Benutzer legen großen Wert auf Datensicherheit und wollen eigentlich keine "Services" wie Microsofts Passport, nehmen es zähneknirschend in Kauf, weil ja sonst Hotmail nicht mehr funktioniert. AOL vertrauen 29% der Befragten nicht, 38% vertrauen Microsoft überhaupt nicht - noch immer zu wenig, lernen wir denn nicht aus der Geschichte? Nach den Schätzungen der Gartner Group gibt es lediglich 50 Millionen registrierte Benutzer solcher "sign on" sites, aber die Tendenz ist steigend. 25 Millionen hätten ein Passport-Konto bei Microsoft, aber die Mehrheit wisse nichts davon - Microsoft selbst spricht von 200 Millionen registrierten Benutzern. (Heißt wohl, daß sie Daten über 200 Millionen Leute gesammelt haben und diese "registriert" haben.) Die Zertifizierungsprogramme wie Passport, Screen Name oder demnächst Liberty Alliance kamen jüngst ins Gerede, weil die US-Regierung eine derartige Kennzeichnung im Web fordert. Im Gespräch ist eine US-weite Verwendung von Passport für alle Bürger, und nein, ich scherze nicht. Spannend hätte ich eine Ausdehnung auf Apples iTools gefunden, ob die Leute dort grosses Vertrauen haben - ich nicht übrigens. Es gibt für mich keine Beweise, daß Apple damit keinen Unfug treibt, und so will ich erstmal keine Daten auf ihrem Server rumliegen haben - auch wenn das Prinzip nett und kundenfreundlich ist. "Wer nicht viel weiß, der muß viel glauben", schrieb schon Marie von Ebner-Eschenbach und meinte trotzdem noch nicht das erzwungene Vertrauen, das wir in die Konzerne haben müssen, bis das Gegenteil bewiesen ist - und selbst dann schreddert Andersen die Akten...
Sollte die US-Regierung tatsächlich ein einheitliches System zur Online-Zertifizierung von Benutzern einführen, ist mit hoffentlich dramatischen Protesten der Web-community zu rechnen. Einen subversiven Buchtipp hätte ich schon mal: "Von der Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat", Henry David Thoreau, Taschenbuch bei Diogenes. Um es nicht so weit kommen zu lassen, ergreifen wir seit mittlerweile über drei Jahren Präventivmassnahmen: we don¥t link to microsoft.com

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