ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2720

Sind wir alle potentielle Geldfälscher?

Photoshop CS verweigert das Öffnen von eingescannten Geldscheinen

Autor: dd - Datum: 15.01.2004

Seit letzter Woche geht die Meldung durchs Netz, dass die neuste Inkarnation von Photoshop beim Versuch, Scans gewisser Geldscheine zu öffnen, lediglich eine Fehlermeldung zeigt, die einen darauf hinweist, dass man möglicherweise im Begriff sei, etwas illegales zu tun, und Adobe einem deshalb das öffnen vorsichtshalber verbiete (naja, so in der Art). Für weitere Informationen wird man hierhin verwiesen. Dort findet man Informationen, unter welchen Umständen man die Banknoten verschiedener Länder legal verwenden darf - dumm nur, wenn man gar nicht die Möglichkeit hat, diesen Anforderungen gerecht zu werden, weil einem das Bildbearbeitungsprogramm jeglichen Zugriff verweigert...
In einem offiziellen Statement verweist Adobe auf die Central Bank Counterfeit Deterrence Group (CBCDG) - was für ein Name - auf deren Wunsch der Algorithmus zum Erkennen der Geldscheine eingebaut worden sei. Zudem würden auch andere Hersteller, zum Beispiel von Farbkopierern, ein solches System in ihre Produkte integrieren.
Mag' sein, Adobe, aber es gibt einen Unterschied zwischen einem Kopierer und Photoshop: Ersterer kann mit Geldscheinen nur eines machen, sie reproduzieren; dagegen fallen mir auf Anhieb gleich mehrere Anwendungen ein, für die ich Geldscheine in Photoshop ganz legal benutzen kann.
Ich sehe ein, dass man am Computer auch Falschgeld fabrizieren kann und gestehe den Banken auch das "Recht" zu, dies zu unterbinden. Allerdings braucht's dazu noch - richtig! - einen Farbdrucker. Es wäre deshalb viel schlauer, die Ausgabe zu unterbinden, sei es in Photoshop oder gleich im Drucker selber. Naja, irgendein Feature muss sich Adobe ja für Photoshop DT (oder wie immer die nächste Version heissen mag) aufsparen...
Laut Adobe kann man übrigens bei den Notenbanken Bilder der Geldscheine beziehen, die sich dann auch ohne Probleme öffnen lassen. Wem das zu umständlich ist, für den gibt's inzwischen diverse Möglichkeiten, den Schutz zu umgehen. Insofern ist das Ganze nur eine Schikane für den potentiellen Verbr Kunden, ähnlich den kopiergeschützten CDs.

Kommentare

Adobe???

Von: Tom | Datum: 15.01.2004 | #1
Die Mädels und Jungs verlieren langsam den Boden unter den Füssen. Wenn jemand Banknoten "fälschen will und möchte" braucht er/sie dazu auch nicht unbedingt den Photoshop. Tja Adobe-Leute es gibt da tatsächlich noch andere Möglichkeiten. Also was soll das? Ist das jetzt ein wirkliches Bedürfnis, Sympathiemache, oder schlicht und einfach nur "He wir sind Marktführer, wir sind die Macht, fangen wir doch schon Mal damit an. Da kennen wir doch noch so eine Firma. Wie heisst die doch gleich...?Ich kann mich noch an die grossen Sprüche erinnern als es um die Zwangsregistrierung ging bei Adobe ging. Wie war damals euer Statment? "Nein, wir machen das nicht, wir vertrauen unseren Kunden!"
Das war doch ein bisschen blauäugig und zu gut gemeint, nicht?
Ich würde Vorschlagen, dass ihr erst Mal alle eure Bugs i.O. bringt und dann einen Schritt weitergeht. Ihr sind besagter Firma (zu der nicht gelinkt wird) schon in erreichbare Nähe gerückt.

In diesem Sinne

Tom

aus mac4ever.de

Von: Tom | Datum: 15.01.2004 | #2
Scheinbar gibt es einen simplen Trick um den in Photoshop CS eingebauten Kopierschutzfilter für Geldscheine zu umgehen. Einfaches Kopieren (aus einem anderen Grafikprogramm) und einsetzen umgeht den Filter.

Ich habe mich schon geärgert...

Von: Fehler 11 | Datum: 16.01.2004 | #3
...dass unser hauseigener Farbkopierer die Ausgabe einer "selbsterstellten" Urkunde mit einer in Freehand "selbsterstellten" Guilloche versagt hat. Wenn man demnächst nicht mal mehr solche Sachen "erstellen" kann, weil Programm "Paymoregetless CS" mit der Meldung "Sie sind gerade im Begriff, ihre eigenen Banknoten zu fälschen" aussteigt ist das noch eine Ecke ärgerlicher...

Wie sieht's denn mit Euro-Münzen aus?
Die lässt unser Drucker anstandslos raus...

:-)

An der Sache vorbei

Von: mbs | Datum: 16.01.2004 | #4
Solche Funktionen gibt es auch bei anderen Grafikprogrammen schon seit Jahren. Dass Adobe das "jetzt erst" einbaut, würde ich eher als bemerkenswert ansehen...

Und: lest tatsächlich mal die Seite, auf die im Artikel verlinkt wird. Das Bereithalten eines Computerprogramms, in dem sich eine nicht körperliche, vollständige Abbildung einer Euro-Banknote über 72 dpi befindet, mit der eine mit einer echten Note verwechselbare Abbildung hergestellt werden *könnte* ist nach deutschem Recht bereits eine Ordnungswidrigkeit nach Par. 128 Abs 1. Nr. OWiG.
De facto ist also das Scannen einer vollständigen Banknote in hoher Auflösung illegal. Dass man sie nicht ausdruckt, spielt keine Rolle.

mbs: falsch

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 16.01.2004 | #5
Nach geltendem Recht ist es unter Umständen erlaubt, auch 1:1 hochauflösende Geldnoten-Scans digital aufzubewahren, wenn es der Reproduktion im erlaubten Umfang dient. Denn die Repro einer Euro-Note <50% oder > 150% ist absolut legal. Aus einer digital vorhandenen Datei im 1:1-Maßstab kann einem noch niemand einen Strick drehen.

das deutsche gesetz ist bei euro egal:

Von: ö | Datum: 16.01.2004 | #6
digitale vorlagen für euro-noten rufen nicht zwangsläufig eine ordnungswidrigkeit herbei. in einem pdf-pamphlet der ezb wird genau dargestellt, was man unter erlaubter und unerlaubter reproduktion oder digitale verarbeitung der euro-noten versteht.

die ezb läßt für den legitimen einsatz im werbe- oder kommunikationsbereich ihrer banknotenmotive alle möglichen freiräume. es ist nur definitiv nicht erlaubt, reproduktionen zu erstellen, die beidseitig farbig bedruckt, nicht als muster markiert und im maßstab zwischen 50% bis 150% der originalgröße sind/werden.

filter in photoshop und pain-shoppro einzubauen ist dabei ähnlich heuchlerisches auftreten, wie sich andere lobbies in anderen branchen auskotzen.