ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2789

Zuckerwasser + OD2 = myCoke Music Store (update)

Die Rechnung geht auf - zumindest beim Spiegel

Autor: flo - Datum: 11.02.2004

Online Musik kaufen ist in Europa wahrscheinlich in einer großen Zielgruppe ein beliebtes, alltägliches Thema. Zugleich ist es eine Qual. Lässt man eMusic mal außen vor (Subscription Modell) gibt es eigentlich nur OD2-Reseller (Tiscali, Karstadt, Mediamarkt). OD2 bietet rund 500.000 Songs im DRM-geschützten WMA-Format. Das lässt Mac-User durch die Bank außen vor, aber auch unter den PC-Leuten scheidet jeder aus, der nicht mit IE und dem neuesten Windows Media Player unterwegs ist. Ärgerlich ist zudem, dass die Songs mit unterschiedlichen Rechten ausgestattet sind, so dass man sich mitnichten darauf verlassen kann, gekaufte Lieder etwa brennen zu können. Nupha, der kürzlich gestartete französische Mitstreiter ist hinsichtlich der Formatfrage wesentlich offener, bietet aber nur eine sehr begrenzte, hauptsächlich französische Auswahl. Coca-Cola als neuester Vertreter tummelt sich nun seit gut zwei Wochen auf der Bühne. Der Coca-Cola Store ist ein weiterer OD2-Kunde, scheint aber hinzugelernt zu haben: So bietet der Brausehersteller mit knapp 250.000 Songs (8.500 Artisten) angeblich ein einheitliches Angebot, wo man also nicht mehr bei jedem Song aufpassen muss, was man damit machen darf und was nicht. Außerdem sei die Bedienung sehr einfach, der Shop übersichtlich. Dafür beschränkt sich das Angebot auf die englische Insel und viel offener als die restliche OD2-Schar gibt sich auch myCoke nicht - Mac-User können sich gerade mal die Intro anschauen und das war's dann auch schon.

Laut Spiegel können sich die Verkaufszahlen im ersten Monat (und angesichts des eher stolzen Preises von 0,99 englischen Pfund) sehen lassen:: 150.000 einzelne Songs habe man verkauft. Im Vergleich dazu: "Echte" Singles seien im gleichen Zeitraum 340.000 Stück verkauft worden, keine schlechte Quote.

(updated)
Da hat nun leider aber der Spiegel "ungenau" von TheRegister abgeschrieben (und ich Depp natürlich von Spiegel). Denn bei TheRegister kann man lesen, dass insgesamt in UK 150.000 legale Downloads verzeichnet worden seien. Lediglich 50.000 gingen davon in der Woche des Cola-Shop-Starts über den Ladentisch (und damit wahrscheinlich vor allem beim CokeShop), der zudem noch gar keinen Monat, sondern erst seit der letzten Januar-Woche online ist, in der dann auch noch Serverprobleme den Zugang praktisch verhinderten. Dank an Leser Paso für den Denkanstoß, siehe auch hier.

Vergleiche mit den Zahlen im iTMS hinken natürlich, da die USA ja nun ein kleines bisschen größer sind als der englische Kanalfelsen - andererseits sorgten gerade mal die paar 3% Mac-User einst binnen nur einer Woche für eine Million verkaufte Songs. Die Spiegel-Euphorie angesichts von falschen 150.000 Songs, noch mehr in Relation zu den eher zutreffenden 50.000 Songs (schreiben wir die mal wohlwollend alle dem CokeShop zu), nehme man also mit gebotener Skepsis.

Inwieweit sich diese Zahlen in den Folgemonaten fortsetzen bleibt abzuwarten, naturgemäß sind die "early adaptors" ein pushender Faktor, was auf eher noch niedrigere Zahlen schließen lässt. Nach wie vor muss man jedoch auch sagen: Erst wenn der iTMS nach Europa kommt, lässt sich wirklich ein Fazit ziehen. Wieviel sind diese 50.000 Songs wert? Könnte der iTMS einen nur annähernd so furiosen Start hinlegen wie "einst" in den USA, wäre das mehr oder minder der erste große Showdown auf gleicher Augenhöhe zwischen den OD2-Stores und dem iTMS - mit erdrutschartigem iTunes-Sieg. Auch zwischen WMA und AAC könnte dies eine zukunftsweisende "Schlacht" werden. Letzteres kann man teilweise schon aus dem Vergleich "Napster/iTMS" ablesen - mit einem klaren Punktesieg für Apples Lösung.

Wie auch immer, die hiesige Musikindustrie verkauft diese Zahlen als Erfolg. Vielleicht löst das noch letzte Barrieren in den Verhandlungen, denn bislang gab es keinerlei Negativ-Schlagzeilen zu den online verkauften Titeln, von wegen Missbrauch, geknackten DRMs (den "Hack" für Apples AAC will ich da nicht zählen lassen) oder dergleichen. Die Kritiker in der Branche werden es mit jeder Erfolgsmeldung schwerer haben - und das kann uns allen nur recht sein.

Kommentare

wann kommt denn endlich nu der iTMS nach good old europe???

Von: meXtempter | Datum: 11.02.2004 | #1
hab mir extra schon ne kreditkarte machen lassen :)

Apple wo bleibste?!

Von: tonidigital | Datum: 11.02.2004 | #2
Ich will den iTMS in Europa - JETZT!!

Hoffentlich hat Steve das gehört

So ein scheiss

Von: Heber | Datum: 11.02.2004 | #3
Mögen die pleite gehen.

SPIEGEL kann nicht rechnen

Von: Paso (fscklog) | Datum: 11.02.2004 | #4
Die Zahlen sind vollkommen falsch zitiert/interpretiert, das wäre was für eure MacMediaWatch Abteilung, mehr zu dem Unfug bei mir:
[Link]

und der Spiegel jubiliert

Von: maccretin | Datum: 11.02.2004 | #5
[Link]

Er erwähnt,leider,die Mutter des erfolgreichen Musikverkaufs im Downloadshop nicht.Den fantastischen iTunesMusicStore von der guten Apfelfirma,besuchten 30 Millionen Käufer,seit April 2003.Zigmal mehr wie im jetzt hochgejubelten Coke-Shop.EIN SCHELM DER BÖSES DABEI DENKT ,typisch Spiegel eben ;) My2cents

@Paso

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 11.02.2004 | #6
Habe ich jetzt auch gecheckt und gerade aktualisiert. Und ich wunderte mich schon über die Angabe "einen Monat alt"... aber ich Depp hab's übernommen...

@flo

Von: Paso (fscklog) | Datum: 11.02.2004 | #7
Die Kritik war übrigens nicht gegen Dich gerichtet, sondern gegen die Zitierschlamperei des Spiegel selbst. :)

Schon kapiert...

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 11.02.2004 | #8
...aber da war ich einmal nicht harsch genug (ich hätte ja auch schon bei 150.000 Songs meckern können) und dann hab ich auch noch ausgerechnet vom Spiegel falsche Daten übernommen. Derweil habe ich noch recherchiert, die Register-Meldung aber übersehen. Dumm das. Aber dank Hilfe korrigiert.

@ flo

Von: johngo | Datum: 12.02.2004 | #9
Kann man WMA's nicht mit VPC laufen lassen?

Gruss

Volle zustimmung! /nt

Von: johngo | Datum: 12.02.2004 | #10
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@johngo:

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 12.02.2004 | #11
Der vlx kann wmas schon abspielen, aber keine geschützten WMAs. Das neueste DRM-Modul exisitiert nicht am Mac.

Ich meinte WMP unter Virtual PC! Geht das nicht?

Von: johngo | Datum: 12.02.2004 | #12
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