ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 280

Heulen gilt nicht!

Was bedeutet eigentlich Marktwirtschaft?

Autor: dk - Datum: 25.04.2002

Seit einiger Zeit wird aus verschiedensten Richtungen auf Europas größten Applehändler eingeschlagen: Cancom. Das Unternehmen würde die Preise für die Fachhändler verderben, Vorzugspreise bekommen, unfair im Markt agieren.

Hallo, habe ich etwas verpaßt?! Ich dachte bisher immer, wir würden den Kapitalismus leben. Und das Gesetz des Kapitalismus lautet vereinfacht: der Stärkere frißt den Schwächeren. Wirtschaftlicher Darwinismus, punktum. Es gib kein Mitleid, weil irgendwer um Sympathiepunkte buhlt.

Wenn Apple es nicht schafft, die Endkunden davon zu überzeugen, sich einen Mac für viel Geld zu kaufen, warum sollte dann ein Unternehmen wie Cancom das tun, zumal man genug andere Geschäftsfelder hat, mit dem sich gut puffern läßt, sollte der Markt mal schwächeln? Apple interessiert sich meiner Meinung nach einen Dreck um diese so genannten Fachhändler, die jetzt den Zwergenaufstand proben. Schonungslos formuliert: die bringen Apple einfach nicht voran. Und für Produkte wie den iMac braucht man nicht die Hinterhofschrauber, denn diese Consumerprodukte verkaufen sich von selbst.

Jeder, der sich ein wenig auskennt, weiß, daß Apple Center die gleichen Preise wie Cancom bekommen, obwohl sie der größte Hecht im Karpfenteich sind. Sie bekommen sicherlich eine größere Rückvergütung, aber das liegt einfach auch an den Stückzahlen, die Cancom durchschleust. Wer kann es sich denn sonst noch im Markt leisten, einfach mal per Klick im Apple Reseller Store 5.000 G4 zu bestellen? Die Applebude um die Ecke ganz bestimmt nicht. Die Prozente, die Cancom aufgrund der Volumina erhält, sind handelsüblich unter den Großen. Letztlich kann diese Prozente wieder der Endkunde von Cancom für sich als Preisvorteil verbuchen. Bei den Fachhändlern bleibt die Rückvergütung wahrscheinlich bei den Distributoren, wenn sie denn eine bekommen. Wenn wir mal ehrlich sind, ist doch jede Kette, die eine gewisse Größe erreicht hat, von der Konkurrenz verteufelt worden.

Cancom ist, wie übrigens Apple auch, eine Aktiengesellschaft. Da interessieren Zahlen, nicht Sympathie. Der Aktionär will, daß die Rendite stimmt. Den interessiert es nicht, ob XYZ aber doch so ein netter Mensch ist. Wenn jemand nicht produktiv ist, raus! Und ich als Kunde fordere ebenfalls, daß die Zahlen stimmen, sprich, den günstigsten Preis für mich ein. Mir ist doch völlig gleich, ob der kleine ìFachhändlerî dann nicht überleben kann. Wer jetzt mit dem Argument des Supports kommt, hat vergessen, daß Cancom einen dreijährigen Vor-Ort-Service bietet, den andere längst wieder klammheimlich abgeschafft haben.

Einige Worte zu der Interessengemeinschaft, die sich jetzt zu formieren scheint. Wirkliche Chancen sehe ich für diese IG nur, wenn sie es schaffen, gemeinsam zu kaufen, und zwar in dicken Stückzahlen. Wenn die Händler es zudem schaffen, organisierten händlerübergreifenden Support zu leisten, kann etwas daraus werden. Aber nur dann. Wer sich im Markt nicht behaupten kann, soll bunte Topflappen häkeln. Heulen gilt nicht. ìIf you canít stand the heat, get your ass outta the kitchen!î

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