ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2807

Was wurde aus dem Mobilfunkstandard UMTS?

Neue Woche neue Ausgabe, ab jetzt finden sie „Was wurde aus...?“ immer neu an diesem Wochentag, also immer montags!

Autor: tj - Datum: 17.02.2004

Bei dem Klang „UMTS“, dürfte besonders Hans Eichel noch heute glänzende Augen bekommen, hatte der Staat Deutschland ab dem 31. Juli 2000 in der größten Auktion der deutschen Wirtschaftsgeschichte zwölf gepaarte Frequenzblöcke a 2x5 MHz und fünf ungepaarte Frequenzblöcke a 5 MHz versteigert und mit der UMTS-Lizenzvergabe die Rekordsumme von über 50 Milliarden Euro eingespielt. Am 16. August 2000 nach 173 Versteigerungsrunden erhielten sechs Bewerber (Vodafone, T-Mobile, o2 Germany (damals VIAG Interkom), E-Plus / Hutchison, MobilCom / France Télécom, Quam (Group 3G - Telefónica / Sonera)) je zwei Lizenzen. Die Öffentlichkeit reagierte ob dieser überzogenen Aufwendungen mit Kopfschütteln, da einerseits zu den Lizenzgebühren ja noch die Bereitstellungskosten aufgebracht werden mussten und andererseits noch gar nicht gesichert war, ob es überhaupt einen Markt für UMTS-Dienstleistungen geben wird.
Heute sieht es eher so aus, dass es in Deutschland längerfristig keinen Massenmarkt geben wird, denn die Kosten für den Endverbraucher sind nicht unbedeutend, so dass UMTS Dienstleistungen mittelfristig wohl vor allem von Geschäftskunden genutzt werden.
Der Netzaufbau ist in Europa teilweise schon abgeschlossen, in Österreich ging bereits im September 2002 das erste europäische UMTS-Netz in Betrieb. Mitte April 2003 folgte in Großbritannien das UMTS-Netz des Anbieters "3", Ende des Monats konnten die Mobilfunk-begeisterten Italiener die ersten UMTS-Telefonate führen. Doch die europäischen UMTS-Angebote haben den Anbietern bisher wenig Freunde bereitet, denn die Kundenzahlen bislang weit hinter den Erwartungen zurück.
Klarer Vorreiter in Sachen UMTS ist Japan, wo NTT Docomo bereits am 1. Oktober 2001 in der Metropole Tokyo den weltweit ersten kommerziellen UMTS-Netzstart vollbrachte und dabei einen wahren Run auf die Endgeräte auslöste.

Was kann man sich aber technisch unter UMTS vorstellen?
Unter UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) versteht man den Mobilfunk-Standard der dritten Generation (3G). Der hauptsächliche Unterschied von UMTS zu seinen Vorgängern ist die deutlich höhere Datenübertragungsrate. UMTS ermöglicht Übertragungsraten von - theoretisch - bis zu 2 MBit/s. Das ist die 31-fache Geschwindigkeit von ISDN-Geräten im Festnetz. Schneller Internet-Zugang, mobile multimediale Video- und Daten-Anwendungen, mobile Bildtelefonie, Börsengeschäfte oder Online-Reisebuchung jederzeit und überall - all das sollte UMTS ermöglichen.

Quo vadis UMTS?
Die deutschen Anbieter wollen Ende dieses Jahres mit UMTS-Angeboten auf den Markt gehen. Inzwischen zeichnet sich ab, dass von den sechs Lizenzinhabern aber nur vier in der Lage sein werden, die Lizenzbedingungen zu erfüllen, d.h. bis Ende dieses Jahres ein Viertel der Bevölkerung mit UMTS zu versorgen.
Inzwischen ist die Euphorie der UMTS-Anbieter längst verflogen, einige Inhaber deutscher UMTS-Lizenzen haben die Lizenzen mittlerweile abgeschrieben und dadurch enorme Verluste hingenommen. Katzenjammer macht sich breit und die Versteigerung wird längst als Jahrhundertfehler betrachtet.
Obwohl mittlerweile genügend Endgeräte (Handys) erhältlich sind, bleiben die Kunden zurückhaltend, da sie momentan die schöne neue UMTS-Welt nicht benötigen und nicht bereit sind hohe Kosten für Geräte in Kauf zu nehmen deren Funktionalität sie nicht benötigen.
Es bleibt also abzuwarten, wie es mit UMTS weitergeht. Wird es ein Erfolg oder bleibt es ein Jahrhundertfehler?
Wenn es etwas Neues zu vermelden gibt, werden wir es aufgreifen und Ihnen kundtun!

Welches Thema möchten Sie als nächstes in dieser Reihe behandelt sehen? Was wollten Sie schon immer wissen?
Schreiben Sie es einfach an die

Macguardians

Kommentare

Wie gewonnen, so zerronnen

Von: oscar | Datum: 17.02.2004 | #1
Ein Teil davon wurde inzwischen wieder als Arbeitslosenunterstützung ausgezahlt, weil keine der Firmen ohne Mitarbeiterabbau auskam. Langfristig war der Deal ein Schuß in den Ofen - auf beiden Seiten. Wir alle zahlen die Zeche für dieses besch... Kapitalistenspiel.

Besser gar nie !…

Von: ssprite | Datum: 17.02.2004 | #2
...kann man da nur sagen wenn man das liest:

[Link]

Was mich gerade mehr interessiert

Von: Oliver :) | Datum: 17.02.2004 | #3
Was ist eigentlich aus macmotion geworden?

dann...

Von: Bernhard Nahrgang | Datum: 17.02.2004 | #4
lieber flächendeckend wifi, da ham' alle was von - und das läuft wenigstens!

Endhöhe der Auktion...

Von: Rob | Datum: 17.02.2004 | #5
...wurde nicht vom 'Auktionär' (BRD, RegTP oder H.Eichel) festgelegt -
die Summe wurde von den 'großen' (Telekom und damals Mannesmann) hochgetrieben. Bei ungefähr der Hälfte hätten sie das selbe Ergebnis gehabt, sind aber dann nochmal hochgegangen um die kleineren auszuboten.
Nachher hielten alle mit - aber das 'Endziel' wude erreicht:
Quam? Mobilcom? Gibt es einfach nicht mehr - zerschlagen, bankrott, vorbei.

Aber dieser ganze dramatische Abwärtstrend (mit Entlassungen, Umsatzeinbrüchen etc.) kann nicht auf diese (einzigen zwei sauteuren) Versteigerungen in Deutschland und England begrenzt werden.
Das war ja ein weltweiter Trend in Telecom und IT.

UMTS:
Mit dem WiFi-Chaos (verschiedenste Abrechnungen, Zugänge, Portale etc.) wird es nie möglichsein großflächig und übergangslos eine Abdeckung zu erreichen. Da ist mir UMTS lieber (werde ich sowieso wenn dann als Firmenkunde nutzen).
Achja 2Mbit/s - geht noch nicht (auch theoretisch nicht).
Der schnellste RAB bringt 384kbps.
Aber wenn ich das mit den 14 oder 28kbps von GPRS vergleiche - schon ganz i.O.

Und ich prophezeie - auch wenn es 'uns Ältere' nicht interessieren wird -
Videotelephonie wird DIE CashCow für die Operator. DIe Kiddies werden voll drauf abfahren ("ej, schau mal die da - cool was. Guck mal!!!")
Videotelephonieren wo man geht und steht (naja - in den 'Ballungszentren' zumindest)...

UMTS wird aiuch nicht als 'eigenständige' neue (den Kunden verwirrende) Technik promotet werden. UMTS hat so eine schlechte Presse in den letzten HJahren bekommen, daß man es gar nicht erwähnen sollte. Einfach: "ups - sie können jetzt mit dem neuen Handy auch Videotelephonie! Und natürlich können sie alle anderen 'alten' Dienste - wie telephonieren - auch nutzen..."

Ich bin zuversichtlich was UMTS angeht (und würde es mir um der vielen Angestellten willen auch wünschen).

UMTS für Mac

Von: Sebulba | Datum: 17.02.2004 | #6
Funktioniert die UMTS-KArte eigendlich auch für den Mac? Gibt es da Tools, die für den Mac nutzbar zu machen, wenn wie so oft die Karte nicht nativ funktionieren sollte.

Standorte?

Von: Rhino | Datum: 17.02.2004 | #7
Weiss irgendwer wo man etwas über Standorte d.h. wo ich das überhaupt nutzen kann, finde?

Mac-Karte

Von: Gaspode | Datum: 17.02.2004 | #8
Die Karte funktinoiert nicht am Mac mangels Treiber von Vodafone. Die meisten Macs haben ja eh keinen PC-Card Slot.

Ich persönlich bevorzuge eh die Verbindung über das Handy per Bluetooth an den Mac. Man ist ja weiterhin telefonisch erreichbar. Konnte das 7600 aber noch nicht am Powerbook testen.

Treiber für den Mac

Von: shanne | Datum: 17.02.2004 | #9
Einen Treiber für die von Option gelieferte Vodafone UMTS Karte gibt es noch nicht. Es ist jedoch zu erwarten, daß er von einem Drittanbieter geliefert wird, wie es auch bei der GPRS Variante der Vodafone MC Card der Fall ist. Diese kommt auch von Option.
Ich habe UMTS schon an meinem TI-Book über den USB-Port mit einem Samsung UMTS Handy und einem selbst erstellen Modem Skript betrieben. Die Stabilität und der Datendurchsatz (Downlink bis zu 384kbit/s) macht schon richtig Spaß und ermöglicht endlich eine ordentliche, mobile Internetanbindung.

Ich weiß ja nicht...

Von: macwatch | Datum: 17.02.2004 | #10
salco:
"...die Ausgaben wurden schon laengst getaetigt und sind weitgehend in den Bilanzen verdaut, insofern ist die Diskussion ob UMTS ein Erfolg wird oder nicht, eine Geisterdiskussion..."

Würde man eine "erzwungene" Verwendung als Erfolg bezeichnen können, hättest Du sicher recht. Da aber Erfolg im Wortsinn etwas anderes bedeutet, bleibt die Akzeptanz von UMTS abzuwarten.

Die Geschichte zeigt jedenfalls eines: Die Technologien die in den letzten 15 Jahren wirklich Erfolg hatten, waren oft nicht die, die irgendwelche "Kenner" damals als erfolgversprechende Kandidaten genannt hatten.

Ich denke, dass sich wie immer alles über den Preis abspielen wird. Ist der attraktiv, klappts auch mit UMTS, ist er es nicht (z. B. höher als heutige GSM-Telefonie) werden sich die Anbieter warm anziehen müssen.

Ob es in Zukunft UMTS heissen wird...

Von: Raphael Schumacher | Datum: 17.02.2004 | #11
...oder einen anderen Namen tragen wird, sei dahingestellt, aber schliesslich irgend etwas wird irgendwann GSM ablösen müssen. Salco hat darin absolut recht.

Und da es unternehmerisch gesehen nichts Schlimmeres gibt als nichts Neues zu tun, und die Netzbetreiber mit den UMTS-Lizenzen überdies Verpflichtungen für eine gewisse Ausbreitung eingegangen sind: was bleibt ihnen etwas anderes übrig als zu bauen, und zwar jetzt? Also kommt es doch.
WIFI dagegen ist durchaus komplementär, ersetzt aber die Bedürfnisse nur temporär; es bietet z.B. weder realtime handover noch effizientes roaming, geschweige sonstiger Funktionalitäten, die für ein derartig grosskalibriges Business erforderlich ist (Charging & Billing).

Schliesslich ist es noch eine Frage der Zeit, bis neue Ideen für UMTS-Dienste auftauchen und schlagartig zu Rennern werden. (In den GSM-Anfängen hatte man die danach erlebte stürmische Entwicklung sich nie zu träumen gewagt.)

Also Geduld, und denkt wieder mal etwas positiv und träumt von zukünftigen coolen Gadgets und Anwendungen... :-)