ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2809

IBM beschreibt die eigene nahe Server-Zukunft

... und damit auch die mittelfristige Apples

Autor: flo - Datum: 17.02.2004

IBM spielt auf der ISSCC nicht unbedingt den Alleinunterhalter, liefert aber die besten Knaller. Während BigBlue schon vorab mit Details zum Fertigungsprozess die Konkurrenz düpierte, folgte heute die offizielle Vorstellung des Power5. Der sieht zwar nicht immer so beeindruckend aus wie auf dem Bild rechts (das zeigt ein "Multi-Chip-Module" mit vier Dual-core Power5 samt zugehörigen L3-Cache-Bänken), kann aber auch so überzeugen. Schon im zweiten Quartal sollen erste IBM-Server mit dem neuen CPU-Ungeheuer, das mit 1,9 MB L2-Cache und 36 MB L3-Cache einherschreitet und bis zu 64 GB Hauptspeicher verwalten kann, Administratoren beglücken. Gefertigt wird die CPU mit vergleichsweise moderaten 1,5 GHz im neuesten Werk East Fishkill - allerdings noch im 130nm Prozess. Weitere Details: SMT (Simultaneous Mutlithreading), eine nette technische Spielerei, die - in Kurzform, sollen die Technikfreaks sich den Rest denken - aus einem physischen Prozessor zwei virtuelle macht und damit die Effizienz steigern soll. Bei Intel heißt dieses Kind übrigens Hypnothreading (™ by kai) und soll je nach Anwendung 20-40% Mehrleistung bringen. Wer sich an die Streitereien um die Benchmark-Ergebnisse und -Vergleiche zum G5-Start erinnert, hat vielleicht auch noch andere Zahlen zum Hypno-Zauber im Kopf: unter unglücklichen Umständen wird es dadurch sogar langsamer.

Eine Idee ist natürlich immer nur so viel wert wie die tatsächliche technische Umsetzung. Wie gut diese IBM gelungen ist, wird man abwarten müssen, allerdings scheint man darauf geachtet zu haben, dass der Chip auch genügend Ressourcen bereitstellt, um auch tatsächlich als "virtueller Doppelprozessor" agieren zu können (Anzahl der Register, Architektur und Management in den Execution Units, da wird man sich schon auf einen ArsTechnica-Artikel freuen können, sobald mehr Details bekannt werden - und wer das alles nicht versteht oder verstehen will, der sei damit zufrieden, dass es bestimmt gut ist ;).

Noch weiter als das "PowerPC PowerTuning", die Stromspartechnik im neuen PPC970fx (unter anderem im XServe verbaut) geht anscheinend das PowerManagement im Power5. Während sich hinter PowerTuning, ähnlich wie bei den Konkurrenz-Pendants Speedstep, Powernow oder Longrun, eine dynamische Anpassung von Spannung und Taktrate verbirgt (nur anscheinend erfolgreicher arbeitet), ermöglicht der Power5 eine sehr detaillierte, partielle Abschaltung gerade nicht benötigter CPU-Teile. Das entlastet die Kühlung enorm und senkt die durchschnittliche Stromaufnahme - denn wann ist eine CPU schon auf Vollast, virtuelle Doppel-Hypno-CPU hin oder her.

Weiteres augenfälliges Merkmal des Power5 ist der integrierte Controller für den Hauptspeicher. Bislang sitzt dieser im Systemcontroller, die Umgehung dieses Umwegs verspricht deutlich weniger Latenzen (Wartezyklen) und damit insgesamt einen Leistungsschub. Außerdem wird dadurch ein weiterer (möglicher) Flaschenhals eliminiert - der FSB. Selbst wenn dieser reichlich breit ausgelegt ist, tummeln sich hierüber sowohl die Daten aus dem Hauptspeicher (der größte Anteil) wie eben auch alle anderen möglichen Daten zwischen CPU und Systemcontroller. Laufen nun die Daten zum Hauptspeicher getrennt vom FSB, ist dieser mit einem Schlag wie leergefegt. Die verbleibenden DMA-Anfragen (Direct Memory Access) sollten keine Probleme bereiten, wenn diese nun einen "Umweg" über den in der CPU integrierten Controller nehmen müssen. Nebst Memory-Controller ist auch noch der L3-Cache-Controller in voller Pracht auf der CPU enthalten, bisher war nur ein Lookup-table integriert. Dadurch sollten weitere Latenzen beim Zugriff auf L3-Daten entfallen.

Insgesamt soll damit der Power5 bei gleichem Takt etwa 40% schneller sein als ein Power4 - wobei der Bezug dieser "40% mehr" in den diversen Berichten nicht so richtig klar wird (gleicher Takt? Power4? Power4+?). Das "viermal so schnell wie ein Power4" bezog sich hingegen auf die Gesamtleistung eines kompletten Servers, bezieht also geringere Latenzen, Speicherdurchsätze etc. mit ein.

Alles schön und gut, aber was nutzt dem gemeinen PowerMac-User das alles? Einige Features werden es sicher nicht in die Apple-Variante schaffen. Wahrscheinlich wird auch ein G5+ oder G6 (wie der Power5-Abkömmling auch immer heißen mag), der möglicherweise Anfang nächsten Jahres erscheinen könnte, kein Dual-Core mitbringen (und keiner wird's vermissen). SMT (Hypnothreading) hingegen wahrscheinlich schon, auch wenn das ein olles Word so wenig beeindrucken wird wie die ständigen Flüche des Users bei dessen Benutzung. Ein integrierter Memory-Controller hört sich ebenfalls verlockend an und ist IBM hoffentlich die paar Pins und Transistoren wert. Nachdem IBM sein Heil anscheinend auch oder vor allem im Embedded-Markt sieht, wo immer mehr Features auf einem Chip vereinigt werden, dürfte diese Hoffnung auch auf fruchtbaren Boden fallen. Interessant wären darüber hinaus noch vergößerte L2-Caches und selbstredend die Stromspartechniken. Letztere kommen sicher auch in die abgespeckte Variante und könnten auch den Nachteil größerer L2-Caches (höherer Stromverbrauch) relativieren. Größere Caches bringen aber auch mehr Transistoren mit sich, mithin also ein größeres Die und damit höhere Stückkosten. Solange jedoch noch nicht einmal ein aktualisierter G5 aka PPC970fx verbaut wird ist das alles brotlose Spekuliererei.

Einen netten Artikel dazu gibt es, außer beim Onkel, auch hier (wo auch das Bild herkommt).

Kommentare

Sehr erfreulich!

Von: thomas b. | Datum: 17.02.2004 | #1
Dann warten wir mal auf die beuen G5s...

M$ Quellcode

Von: Bill | Datum: 17.02.2004 | #2
Kennt sich jemand mit diesem Troll/Thema M$ QCode aus?

@Bill

Von: chris | Datum: 17.02.2004 | #3
in wie weit?

Die neue addresse des articles

Von: gorilla | Datum: 17.02.2004 | #4
Hallo FLO,
interessante story ,
Uebrigends , die neue addresse des articles ist hier [Link]
Best Regards
gorilla

Ich liebe dieses Bild :)

Von: Karl Schimanek | Datum: 17.02.2004 | #5
Und danke für die Infos, darauf hab ich schon gewartet ;)

Dann wird's wohl den PPC980 erst 2005 geben, aber egal der FX hat Power genug ;)

@chris

Von: Bill | Datum: 17.02.2004 | #6
…kann man mit 15% Quellcode soviel anstellen wie beschrieben?

@Bill

Von: chris | Datum: 17.02.2004 | #7
ja das kann man, auch mit erheblich weniger code.

Erbsenzählerrei

Von: Stefan | Datum: 17.02.2004 | #8
aber nur wenns die richtigen Stellen sind . . .

15% der Kommentare bringen nicht viel ;-)

@Stefan

Von: chris | Datum: 17.02.2004 | #9
aufgrund des gesamtumfanges: unmöglich.

@Bill

Von: chris | Datum: 17.02.2004 | #10
btw. es wurde schon ein benutzbares und reproduzierbares leck entdeckt: [Link]

g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5 g5

Von: ionas | Datum: 18.02.2004 | #11
heul ;-]
suffer ;-]
haben will :<

was meint ihr - bleiben die preise so?
(dann kriegt man ein 2ghz für den preis des 1.6er)

Die Preise

Von: Karl Schimanek | Datum: 18.02.2004 | #12
werden sinken, wenn auch nur um 100€...