ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2811

Intel springt auf den 64-Bit-Zug auf

Ein bisschen zumindest

Autor: flo - Datum: 18.02.2004

"64Bit auf dem Desktop braucht es in den nächsten Jahren nicht", so Pat Gelsinger (Intel) sinngemäß. Dass diese Haltung ein wenig bröckelte, ist kein Geheimnis, schon vor zwei Jahren kursierten Gerüchte, Intel arbeite an einer AMD64-kompatiblen Erweiterung (Yamhill). Dass Intel diese dazu nutzen würde, um einen 64-bittigen Desktop-Prozessor anzubieten, hat man sich an zwei Fingern abzählen können, Ende letzten Monats wurde dies von Intel-Manager Otellini bestätigt - auch wenn damals noch nicht explizit die AMD-Kompatibilität erwähnt wurde. Aber auch das war angesichts eines bekannten Patentaustauschabkommens zwischen AMD und Intel (AMD64 gegen SSE2) und der Absicht Microsofts, nur eine 64-Bit-Architektur unterstützen zu wollen, bereits eine mehr als wahrscheinliche Option - Gesichtsverlust hin oder her. Nichtsdestotrotz ist Intels offizielle Ankündigung auf der gestern begonnenen IDF (Intel Developer Forum) ein Knallbonbon. Intel bleibt nach wie vor - wenigstens mit einem Bein und vorläufig - auf dem Standpunkt stehen, im Desktopbereich brauche es bislang keine 64-Bit-Addressierung. So falsch ist das vielleicht auch gar nicht, der größte Vorteil besteht ja in dem Wegfall der 4GB RAM-Grenze, ein Wert, den kaum ein Desktop ausnutzt. Andererseits wäre da noch der leidige Streit um "Was ist ein Desktop und wo beginnt die Workstation", denn letztere (man denke an Videoschnitt) kann bestimmt nie genug Resourcen haben. Und dass gerade Intel, das mit MMX das Internet schneller und es mit SSE(2) nochmal bunter machte, auf ein Marketing-Schlagwort verzichtet und der Konkurrenz aus AMD und IBM das Feld überlässt darf zurecht angezweifelt werden.

Zunächst jedoch soll sich die 64-bittige Intel-Welt auf den (teuren) Xeon (Codename Nocona) begrenzen, der für Dual-Maschinen ausgelegt ist und so Workstations (*hüstel*) und kleine Server bedienen soll. Immerhin soll die CPU bereits im zweiten Quartal diesen Jahres das Licht der Welt erblicken. So schnell zaubert Intel indes keinen neuen Prozessor aus dem Hut, die AMD-Erweiterung (Intel nennt sie griffigerweise Clackamas Technology) steckt bereits im Prescott, dem neuesten Sproß der Pentium-4-Familie, der aber nach monatelanger Verspätung immer noch seiner tatsächlichen Marktpräsenz harrt. Im Prescott ist die Erweiterung jedoch noch deaktiviert. Mitte des Jahres, so eine Ankündigung, solle es dann aber auch einen Single-Xeon mit aktivierter Clackatacka-Erweiterung geben, der dann im Intel-Jargon wohl "kleine Workstations" befeuern soll (sag es, Intel, sag: Desktop). Wo der Unterschied zwischen auf Single-Betrieb kastriertem Xeon und Prescott liegt, bleibt Intels Geheimnis. Wahrscheinlich ist, dass der Xeon wie gewöhnlich mal eben das Vierfache eines P4s kosten wird - der Preis für eine eingeschaltete Erweiterung?

Intel also mit einem 64-bittigen "Desktop"-Prozessor. Was sagt denn da eigentlich die Itanic dazu, Intels stetig sinkendes Wrack im Enterprise-Sektor? Intel-Chef Craig Barret will hier natürlich keine Abkehr von der Itanic sehen, die man weiterhin im High-End-Bereich für Server oberhalb von acht CPUs positioniert sehe und mit der man weitere Marktanteile gewinnen wolle. Marktanteile gewinnen? Sagt sich leicht vom Meeresgrund aus, von dem man sich schon mit verschenkten Servern selbst heben will. Selbst eine reichlich alte UltraSPARC III verkauft sich gegen den Itanium großartig, die kürzlich vorgestellte UltraSPARC IV sollte SUN nochmals einen Schub geben und eine gewichtige Rolle im Server-Markt spielen. Und just Intels Itanium-Großabnehmer HP kommt selbst mit dem beeindruckenden HP8800 auf den Markt, was ebenfalls wenigstens zu einem Teil dem Intel-Chip das Wasser abgräbt. Von IBM mit den PowerPC und Opteron-Servern jetzt mal ganz zu schweigen. Wer weiß, vielleicht überholt Apple mit dem XServe eines Tages noch Intels "Verkaufsschlager" ;)

Kommentare

Jetzt erst???

Von: walter | Datum: 18.02.2004 | #1
Wieso denn jetzt erst, hat man voher bei Apple spionieren müssen ?
Und obs funktioniert mit Dosensoftware werde wir sehen.

Völlig OT: Tollcollect auf Jobsuche *kein-scheiss!*

Von: Jörn (der andere) | Datum: 18.02.2004 | #2
Wer mal auf [Link] geht erlebt, wie deutsche Hightech-Unternehmen so ticken. Die suchen doch tatsächlich immer noch 48 Mitarbeiter und spielen heile Welt auf ihrer Startseite *kopfschüttel*

OT hahahahaha

Von: dermattin | Datum: 18.02.2004 | #3
[Link] pöö uns doch egal, wie machen weiter ala "isch geh nicht! nein nein, das ist mir völlig egal, dann haben wir eben zwei bundeskanzler" ;)

@jörn

Von: dermattin | Datum: 18.02.2004 | #4
ist doch nichts besonderes. in der gestalter szene ist sowas gang und gebe. alles fassade für die kunden "uns gehts gut".

tom

Von: dermattin | Datum: 18.02.2004 | #5
das wissen wir alles...

Je größer ein Koloss

Von: Karl Schimanek | Datum: 18.02.2004 | #6
desto schnell haut's ihn auf die Fresse ;)

Eine Fehlentscheidung hier, eine Fehlentscheidung da und schon macht's platsch :D

Und wer braucht schon einen 3.2GHz Presschrott (im Desktop-Bereich)??

Ach ja, dass gute alte Marketing... was bedeutet nochmal Marketing??

Ach ja, einen Bedarf zu suggerieren der gar nicht besteht... 64bit..., der Bedarf besteht nicht??

Apple der Global-Player im Desktop-Bereich??

Klar jeder von uns hat doch Shake und FCP auf der Platte

Apple, Desktop, FCP, Shake und 64bit... braucht kein Mensch ;)

Danke Tom, du hast uns sehr geholfen :D

DEC Alpha

Von: Karl Schimanek | Datum: 18.02.2004 | #7
war ja auch der Mainstream-Rechner :LOL
Wie teuer waren die damals... 6000DM... weiß nicht mehr...

Programme gab's ja auch wie Sand am mehr...

Apple is now a debt-free company

Von: Karl Schimanek | Datum: 18.02.2004 | #8
[Link]

JJJIIIHHHAAA

Braucht kein Mensch... ;)

Aber aber, Karl...

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 18.02.2004 | #9
das mit dem schuldenfrei ist ja schon nahezu steinzeitlich ;) Das gab Fred Anderson auf dem letzten Conference call bekannt.

Aber ja, ist bestimmt ein erhebendes Gefühl...

1981?

Von: Stefan | Datum: 18.02.2004 | #10
gab es da AMD schon?? *wunder*

Internet schneller? und was ist mit ...

Von: Tzuanami | Datum: 18.02.2004 | #11
dem Typen der bei 4000 Metern auf der Mount Everest mit seinem Centrino n der gegend rumsurft? natürlich wireless

2 Fragen
1. wo hat er die basisstation gekauft? den so eine will ich auch!
2. Wie hält das die festplatte aus, da diese nur für eine betriebshöhe von ca. 3500 metern über NN ausgelegt sind. guckt doch mal bei WD Seagate und co.

Sooooooowas geht natürlich nur bei Intel

AMD...

Von: Tom | Datum: 18.02.2004 | #12
Ja, AMD gibt es schon seit 1969.

@ Karl:

"Und wer braucht schon einen 3.2GHz Presschrott (im Desktop-Bereich)??"

Ich gewiß nicht - mir reicht 1 GHz locker.

flo (MacGuardians):

Von: Karl Schimanek | Datum: 18.02.2004 | #13
Da hab ich wohl was verschlafen *schäm* ... ich arbeite dran ;)

@Stefan und Tom

Von: Rüdiger Goetz | Datum: 18.02.2004 | #14
Hallo,

@Stefan. Na klar gibt es AMD schon lange und die bauen auch schon lange CPUs (siehe z.B. [Link] und nicht nur x86er-Clones (z.B. sden Am 29xxx, der lange in Laserdrucker zu finden war.)

@Tom: Wenn es ein (ggfs. indirektes) Cross-Lizensing zwischen AMD und Intel gegeben hätte, hätte AMD schon früher SSE einbauen können, hätte 3DNow als Erweiterung zu MMX definieren können usw. Ne der Patenttausch bzgl. SSE/SSE2 und AMD64 war deutlich später.

Siehe auch bei Onkel Heise:
[Link]
und
[Link]

Bis dann

R"udiger

@Tsunami

Von: Charriu | Datum: 18.02.2004 | #15
Hey, bei der Werbung frage ich mich auch imemr wie lange es dauert, bis INTEL verklagt wird. Läuft die Werbung in den USA auch so?

Irgend ein Depp kommt bestimmt auf die Idee den Mount Everst zu besteigen und will dann seine Mails abrufen, das geht dann nicht und INTEL wird erstmal verklagt.

Und bei den Gesetzen und Gerichten in den USa bekommt er bestimmt ein paar Dollar. :)

Charriu

@Karl

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 18.02.2004 | #16
Nix für ungut. Selbst mactechnews titelt heute mit "Apple schuldenfrei". Also entweder haben die auch was verpasst, oder Apple hat erst heute wirklich die Kohle überwiesen - und ich hab *das* verpasst.

Weiß man's?

Ist's nicht völlig wurscht?

Hab ich jetzt Feierabend?

Jawoll!

@Flo

Von: Different | Datum: 18.02.2004 | #17
Warum das "erst" heute auftaucht?

Weil "unser" Steve angeblich gestern Abend ne Mail an seine Staff mit dem erwähnten Inhalt verschickt hatte...

Ist zwar eine durchaus positive Sache, mich würds aber verwundern wenn wir das auf Apple.com unter "Hot News" lesen müssten. Denn, wer gibt denn gerne zu dass er Schulden hat/hatte!?

Grüße,

Different

Immer frech fromm und frei, tanzen wir in den Mai.

Zugeben?

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 18.02.2004 | #18
Apple muss seine Finanzen eh jedes Quartal offenlegen, da gibt es kaum was zuzugeben, es weiß ja jeder. Und wenn man schuldenfrei wird, ist das so was positives, das darf man schon gerne in die Welt hinausposaunen ;)

*jetztaberwirklichfeierabendmachend*

flo (MacGuardians):

Von: Karl Schimanek | Datum: 18.02.2004 | #19
Jep... ok, Hauptsache Spread the News ;)

Oder Old News better than no News

hehe

Schuldenfreiheit ist seit basel II ein Kriterium!!

Von: Derek | Datum: 18.02.2004 | #20
Was meint Ihr, wenn man kurz vor einem Launch eines Geräts mal eben 500 Mio Dollar kurzzeitig vorfinanzieren muss?!
Da macht 2-3 % mehr Zinssatz schon etwas aus in der Jahresbilanz.

Außerdem: 64 Bit wird nicht aufzuhalten sein.

Von: Derek | Datum: 18.02.2004 | #21
Da einfacheres Marketing, siehe Beitrag über Blöd-Markt. Außerdem müssen die Hamster doch in der Tretmühle am Laufen bleiben, damit unser System funktioniert. Un das heißt strampeln damit man sich nächste Weihnachten das Gerät zulegen kann, was einen die zeitschriften und Medien wünschen lassen.

keep the Fire burning.

Nochmal zum Intel- und AMD-Lizenzabkommen...

Von: Tom | Datum: 18.02.2004 | #22
Einige Hintergrundinfos (gerade aus einer anderen Website kopiert):

1976 unterzeichnet AMD ein Lizenzabkommen, welches später zum Streitfall mutierte, zur gegenseitigen Patentnutzung mit der damals noch jungen Firma Intel. AMD baut in den 80er Jahren vor allem Speicherchips, aber auch CPU's. Der Patentaustausch mit Intel, der im übrigen 1982 erneuert wurde, ermöglicht AMD auch die Herstellung von 8086 und 8088 CPU's. Es war die Zeit, da der Siegeszug der ersten IBM PC begann. Und AMD bekam als Zweithersteller der CPU's bis 1995 eine Lizenz. Bis zum 286er klappte diese Vereinbarung prima. Doch als AMD 1985 keine technischen Unterlagen zum 386 erhielt, war der Streit vorprogrammiert. Der Streit dauerte bis 1993. Im April 1993 wurde es AMD gerichtlich erlaubt 486er mit Intel Code zu bauen und zu verkaufen. !994 einigten sich beide Parteien darauf, daß AMD noch bis zum 15. Januar 1995 den sogenannten ICE-Mikorcode für seine Prozessoren verwenden darf. Außergerichtlich einigte man sich im Januar 1995 schließlich darauf, daß AMD 58 Millionen Dollar an Intel für die widerrechtliche Nutzung des ICE Codes zahlen muß. Im Gegenzug mußte Intel für den begangenen Vertragsbruch 18 Millionen Dollar locker machen. AMD sicherte zu, für den K5 und nachfolgende Generationen keinen Intel Code mehr zu verwenden.

@Flo

Von: Different | Datum: 19.02.2004 | #23
Auf ner Analysten(!)konferenz "zugeben" und lang und breit auf der Apple.com unter "Hot News" anzugeben sind doch dann 2 Paar Stiefel... aber anyway!

Das neue Dev. Build von 10.3.3 ist doch viel interessanter...