ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2839

Erwischt: M$ sponsort SCO!

Halloween Documents Teil 10

Autor: kai - Datum: 07.03.2004

Am Mittwoch hat Eric Raymond auf seiner Seite Halloween X veröffentlicht, ein brisantes internes SCO-Memo, das eindeutig aufzeigt, dass M$ SCO über den Geldgeber-Strohmann Baystar gesponsort hat. In dem Dokument sinniert Mike Anderer von S2 (einer Consulting-Firma, die von SCO beauftragt wurde zu eruieren, wie man aus seinem IP (Intellectual Property) Kapital schlagen kann) wie man am meisten Geld aus M$ herausleiern kann und schwärmt von den $86 Mio, die man allein schon wegen dem Baystar-Deal kriegen würde, und dass da noch viel mehr Geld in anderen "Baystar-ähnlichen" Institutionen rauszuholen wäre. Die Echtheit der Email musste mittlerweile sowohl M$ als auch SCO eingestehen, allerdings versucht man natürlich, den Inhalt runterzuspielen: Der Schreiber der Email hätte keine Ahnung gehabt wovon er da redet und hätte mit der Baystar-Sache gar nichts zu tun gehabt. Na klar: Der Chef der Firma, die von SCO beauftragt wurde, um mit ihrem IP andere Firmen abzuzocken weiss natürlich üüüüberhaupt nix darüber von wem welches Geld reinkommt und ist ein ahnungsloser Aussenseiter!

Mit dieser Email werden lange gehegte Vermutungen ganz klar bestätigt: Es war mehr als seltsam, dass M$ jahrelang als Argument gegen Linux "Intellectual Property" Probleme ins Feld führte und prompt SCO das ganze in die Tat umsetzte und dass sie die ersten waren, die von SCO eine ihrer lächerlichen "Antidote"-Lizenzen gekauft haben, obwohl M$ gar kein Linux sondern nur Unterstützung von Unix in NT anbietet. Klar, dass M$ einen dummen Strohmann, der dringend Geld braucht und dem ein Imageschaden egal ist vorschieben muss, denn würde man die Verklagerei selbst machen würde man eine PR-Katastrophe erster Güte verursachen und eventuell auch noch -als nachgewiesener Monopolist- die Antitrust-Behörde ein weiteres mal auf den Plan rufen. Man darf nur hoffen, dass diese Email gerichtskundig wird, z.B. in weiteren Antitrust-Untersuchungen gegen M$, aber das wird wohl selbst obwohl die Echtheit bestätigt wurde ein schöner Wunschtraum bleiben...

P.S.: Interessant, wie "unwichtig" Heise eine dermassen brisante Enthüllung einzuschätzen scheint (Titel "SCO vs. Linux: Microsoft und SCO, das Gericht und der AIX-Code") während sogar golem.de titelt: "Halloween X: Finanziert Microsoft SCOs Rechtsstreit?" - Was ist los, Heinz? Wo bleibt da der gewohnte Biss?

Kommentare

Nö.

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 08.03.2004 | #1
Hat mich genervt. Denn selbst als die Email bestätigt wurde hat Heise kein grosses Aufhebens darum gemacht!
Golem war sich am vierten schon nicht zu doof, daraus ne gescheite Überschrift zu machen! Setzt man halt ein Fragezeichen dahinter, geht doch auch!...
Guck dir die Überschriften bei Heise doch an: "SCO vs. Linux: Ein Kessel bunter Dementi", "SCO vs. Linux: Rätsel, Raten und Reaktionen" - Das ist doch Kacke! Monatelang gegen SCO zu Felde ziehen mittels extrem umfangreicher Berichterstattung und dann aus so ner Hammermeldung ne Mücke machen? Was soll das denn?

Was Beweise angeht dass die Echtheit bestätigt wurde: Wie man nen Browser bedient weisst du, oder? Steht ja nur auf ca. 5000 Seiten! ;-) Z.B. auch hier... Muss man manchen denn echt alles vorgekaut servieren?

Und was soll das mit "bewiesen ist gar nix"? Was glaubst du denn? Dass M$ sich hinstellt und sagt "ja, klar, wir stecken hinter Baystar und diesem ganzen SCO-Mist, sorry, wird nicht wieder vorkommen"? In welcher Welt lebst du denn eigentlich?..

Les dir die Email doch bitte erstmal von vorn bis hinten durch dann sag bitte nochmal "bewiesen ist gar nix"...

Find ich schön, dass du auch viele Emails rumschickst. Nur bist du eben nicht der, den SCO beauftragt hat, dass er Wege findet, wie man mit ihrem IP Geld aus Firmen rausleiern kann! ;-)

Wenn Emails "erstmal garnix" bedeuten war der halbe M$-Prozess hinfällig, denn das allermeisste gründete sich auf Aussagen, die in Emails getroffen wurden. "Cut off their air supply", "crush Netscape", "knife the baby" (Quicktime) usw, kannst dich eventuell erinnern...

Und deine Sorgfalt holst du dir dann am besten woanders, z.B. beim Spiegel, wo noch richtig gut recherchiert wird! ;-) Ich hab ja nur ca. 6 Stunden lang alles zum Thema gelesen was ich finden konnte, sicher bin ich nicht qualifiziert darüber zu schreiben....

Nachtrag

Von: Jörn (Mac-TV) | Datum: 08.03.2004 | #2
Nur für den Fall, dass MS tatsächlich hinter der SCO-Show steckt, will ich die Frage aufwerfen, wer denn überhaupt den "geklauten" Code in Linux eingeschmuggelt hat. Vielleicht war es MS ja selbst. Ich kann es nicht beweisen, aber möglich wäre es schon. Erstaunlich, was man mit einem gefälschtem Namen und ein paar Millionen Dollar alles machen könnte. Wenn man wollte.

Historie beachten

Von: Thyl (MacGuardians) | Datum: 08.03.2004 | #3
"Microsoft steckt dahinter" war eigentlich das erste, was ich gedacht habe, als ich von dem SCO-Rechtsstreit erfahren habe. Damit war ich aber wohl der einzige.

Offenichtlich ist sich von den Meinungsmachern keiner mehr bewusst gewesen, dass MS früher einmal massiv an SCO beteiligt war, ja, dass SCO eigentlich so etwas wie eine Ausgründung von MS war, zur Vermarktung von MSs UNIX Variante XENIX (ja, so was gab's auch mal). Nun ist viel Wasser den Nil runtergeflossen und SCO ist ja auch aufgekauft worden und ich konnte leider nicht herausfinden, wie die Besitzverhältnisse jetzt eigentlich so sind (sonst hätte ich einen Artikel daraus gemacht).

Jedenfalls würde mich nicht wundern, wenn da immer noch gute Kontakte bestehen, obwohl ja die ursprünglichen Firmengründer mittlerweile etwas ganz anderes machen und nicht mehr bei SCO sind.

@jörn

Von: Murdock | Datum: 08.03.2004 | #4
Jörg: ... Was mir nicht gefällt ist die Selbstverständlichkeit, mit der alle sofort Partei ergreifen gegen SCO, ohne ein sicheres Urteil fällen zu können. In den tausenden empörten Postings bei Heise macht sich in Wahrheit kaum jemand die Mühe, gerecht zu sein. Und das steht der ach-so-moralischen Linux-Gemeinde gar nicht gut zu Gesicht. ...

Das Problem für die Linux-Gemeinde ist, das sie ohne einen Beweis beschuldigt wird. Denn die "Beweise" von SCO stützen sich bis jetzt auf Kommentare im Quell-Code und nicht auf echte Routinen. Wenn man nun den gerichtlichen Grundsatz überträgt, das jemand so lange unschuldig ist, bis das Gegenteil bewiesen ist, so kann ich die Reaktion völlig nachvollziehen. Was nämlich hier von SCO veranstaltet wird, ist eine schlichte Verleumdung, welches durch ein Urteil eines deutschen Gerichts ja auch schon bestätigt wurde.

Behauptungen

Von: macpeter | Datum: 08.03.2004 | #5
Ausnahmsweise finde ich mal die Entscheidung eines deutschen Gerichtes gut, nämlich den Maulkorb für SCO. Es ist in meinen Augen unerträglich, wie diese Firma ohne stichhaltige Beweise vorzulegen Behauptungen aufstellt und versucht daraus Kapital zu schlagen.
Eine normale Firma würde sich hüten, derart unqualifiziert durch Gerichtssäle und Presselandschaft zu fegen, da das finanzielle Risiko und der Imageverlust jenseits von Gut und Böse liegt. Wenn man jedoch als Gladiator im Auftrag einer mit unerschöpflichen Geldmitteln ausgestatteten M$acht im Hintergrund in die Arena steigen kann, sieht das alles wohl anders aus.
Ich kann nur hoffen, daß auch den amerikanischen Richtern irgendwann der Kragen platzt, wenn SCO wieder mal keine Beweise vorlegt und eine neue Verzögerungstaktik aus dem Hut zaubert.

hömma kai du schreibst quatsch... ;)

Von: dermattin | Datum: 08.03.2004 | #6
[Link] "Bevor du deine Scheuklappen wieder runter klappts, helfen vielleicht andere Kommentare zu dieser Sache, etwa [Link] "

Lieber Kai,

Von: RollingFlo | Datum: 08.03.2004 | #7
Dir ist offensichtlich nicht bewusst, dass es einen Unterschied gibt, ob die Email authentisch ist oder ob ihr Inhalt der Wahrheit entspricht. Die von Dir verlinkte Seite macht das sehr wohl.
Ich habe ja schon oft meinen Kommentar hier abgegeben und immer fair, wie ich meine. Das halte ich mir auch in diesem falle zu gute, denn es bin nicht ich, der keinen Browser bedienen kann, sondern Dir selbst bereitet offensichtlich die Anerkennung der Tatsachen in diesem Falle Schwierigkeiten.
Ich finde es übrigens schade, dass Du auf solche Sticheleien nie verzichten kannst. Das es mich mal erwischt erstaunt mich dann aber schon.

Der Golem-Artikel ist okay - Deiner nicht.
"Mit dieser Email werden lange gehegte Vermutungen ganz klar bestätigt..."
Eben nicht wirklich!

Übrigens: selbst wenn der Emailschreiber (alle) Tatsachen richtig darstellt (was, wie gesagt noch zu beweisen ist), von was redet er denn eigentlich? Von Plänen! Ob die dann umgesetzt wurden, müsste dann nochmals nachgeprüft und bewiesen werden.

Diese Mühe machst Du Dir aber nicht, sondern stückelst aus ein paar Indizien eine Theorie zusammen. Stimmig ist das natürlich, aber ein Beweis noch lange nicht.
Auch Golem sieht das ein. Lies Dir den Artikel noch mal durch, vielleicht erkennst Du dann den Unterschied zu Deinem.

Zu den Zeilen

Von: Neo | Datum: 08.03.2004 | #8
Einige der Beanstandeten Zeilen kommen noch aus Ansi C Büchern, und die waren nicht von SCO. Andere Zeilen betreffen nur einen alten 2.4.x Kernel. Seid dem 2.4.2x sind die Zeilen nicht mehr enthalten die SCO beanstandet, AFAIK (habe ich in einem Kernel Forum gelesen, den Link habe ich leider nicht mehr).
Und wenn es doch noch den 2.4 betrifft, trifft es für den 2.6 überhaupt nicht mehr zu. Zu dem würde mich mal interessieren was passiert wenn SCO Recht bekommt. Bei uns haben Sie ja schon verloren.

Neo

@Jörn

Von: Kabe | Datum: 08.03.2004 | #9
...auch wenn ich die grundsätzlich Position unterstütze, das ein Rechteinhaber auch Anrecht auf Vergütung hat, empfinde ich die Reaktion der Linux-Gemeinde im Großen und Ganzen noch relativ zivil.

SCO klagt ohne jegliche ernstzunehmende Beweise, verzögert, laviert und verleumdet und verlangt mangels ausreichender Begründung eines Anfangsverdachtes von den beklagten Parteien auch noch Beweismittel. Wenn das keine Schmutzkampagne ist, ja was denn dann?

Auch haben die an den damaligen Lizenzverkäufen beteiligten Firmen längst Gegenklage eingereicht, weil SCO hier Alleinvertretungsrechte behauptet, die sie wohl nach Meinung der damaligen Verkäufer nie erworben haben.

Diese Firma darf in Deutschland ihre Behauptungen bei strafe nicht mehr verbreiten - leider existiert dieses Instrument einer einstweiligen Vefügung in dieser Art nicht in den USA.

Der Tage, an dem der Bandit Darl McBride vom Gaul gezerrt und SCO geteert und gefedert wird, wird ein guter Tag. Der Champagner steht hier schon kalt, und er wird hoffentlich nicht alt.

Die Beteiligung von MS an der Geschichte ist zwar ein bisschen unappetitlich, aber entspricht ja nur den normalen Businesspraktiken dieser Firma.

Kabe

MS oder nicht MS ...

Von: cws | Datum: 08.03.2004 | #10
Beweise oder keine Beweise.
Ich habe bei MS dann doch Probleme mit der Unschuldsvermutung.

Meine Lebenserfahrung sagt: Wo Rauch ist, ist auch Feuer.

Das gilt bei MS allmal.

grundsätzliche frage....

Von: mathias | Datum: 08.03.2004 | #11
wie lässt sich die echtheit einer "aufgetauchten" e-mail verifizieren, sodass sie auch von einem gericht als beweismittel akzepiert wird?

mit dieser email werden zwar "lang gehegte vermutungen" bestätigt, aber nur eben genau dann, wenn deren echtheit bewiesen ist.

ich hab' die email nicht ganz gelesen, weil ich von derart beweisen überhaupt nix halte, und zwar unabhängig davon, auf wessen seite ich stehe.

manchmal ist eben der wunsch vater des gedankens,

mathias.