ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2868

Feine Klänge – noch ein Musicstore

finetunes für Indie-Labels und -Fans

Autor: flo - Datum: 22.03.2004


Nein, nicht noch ein OD2-Reseller oder neues Tentakel von Phonoline, sondern ein kleiner, aber feiner Indieschuppen, mit ausgesuchten Titeln von ausgesuchten Labels, weltweit verfügbar, lauffähig unter allen gängigen Systemen - das will finetunes sein. Labels wie "Grand Hotel van Cleef", "Kitty-Yo" oder "Buback" locken mich, wer furchtlos sogar popfile.de getestet hat, kann hier erst recht nicht widerstehen. Auch bei finetunes steht vor allem Vergnügen erst einmal der Download einer Software. Das 1,6 MB große Java-Programm lässt sich direkt ausführen und ist (trotz Java) ganz brauchbar. Hauptgrund für Java dürfte natürlich die Intention fintunes' sein, auf allen Plattformen lauffähig zu sein. Bislang scheint die Linuxversion trotzdem noch zu fehlen, nur Mac- (ab Java 1.3) und PC-Version (inkl. Java-Installer) stehen bereit.


Über die Gestaltung lässt sich wie immer streiten, immerhin hält sich die Oberfläche des Programms einigermaßen zurück, es funktioniert und ist auf Anhieb verständlich. Wegen der Java-Herkunft sieht es nicht sonderlich "mac-like" aus, aber da hat man definitiv schon schlimmeres gesehen.

Im Gegensatz zu popfile fungiert die Software nicht nur als Abspielgerät, sondern auch als "Browser", mit dem man das Musik-Angebot durchsuchen kann. Die Suche ist durchaus gelungen, mit der "Direktsuche" wird sowohl nach CD-, Lied- und Albums-Titeln als auch nach Labelnamen gesucht. Man kann sich jedoch auch alle Angebote nach Genre (über die Feinheit der Einteilung lässt sich wie immer streiten - auch hier ist sie arg grob geraten), Label oder Künstler anzeigen lassen. Hinter den Angaben zu den Suchergebnissen (Künstler, Label etc.) verbergen sich Infoseiten (etwa mit Adressen der Band-Homepages), die bislang jedoch noch sehr unvollständig sind - das wird hoffentlich noch. Eine wichtige Information allerdings fehlt komplett: Das Erscheinungsdatum des jeweiligen Albums. Da sollte unbedingt nachgebessert werden.

Die Titel lassen sich natürlich anspielen, die Wiedergabe erfolgt mit dem in der Software integrierten "DReaM-Player". Leider werden immer die ersten 20-30 Sekunden angespielt, etwas, was ich auch schon beim nupha-Store bemängelte. Unbestritten macht die Auswahl eines repräsentativen 30-Sekunden-Schnipsels, wie ihn das Team des iTMS versucht anzubieten, sehr viel Arbeit, bringt aber dem Nutzer einen unschätzbaren Vorteil. Der Anfang eines Stückes dagegen ist nicht selten völlig aussagelos - und wer kauft schon die Katze im Sack?

Apropos kaufen. Ganz billig ist die Sache nicht, umgerechnet kostet ein einzelner Song 1,20 Euro, ganze Alben sind zwar etwas günstiger als die Summe der Einzelpreise, in einigen Fällen aber nicht wirklich billiger als im Laden um die Ecke. Da sich jedoch auch beim Erwerb ganzer Alben der Preis nach der tatsächlichen Anzahl von Tracks richtet, spart man sich bei Alben mit wenigen Titeln (<10) ab und an etwas.

Abgerechnet wird bei finetunes mit "Credits", die jeweils 6 Eurocent wert sind und die man vorab erwerben muss. Dabei kann man nur bestimmte Mengen an Credits erwerben (82, 165, 250 etc., also jeweils im Gegenwert von 5 - 50 Euro in 5er-Schritten). Die Bezahlung dieser Credits erfolgt via Bankeinzug, Telefonrechnung oder Kreditkarte. Ich habe hier nur den Bankeinzug getestet. In einer Maske gibt man seine Banverbindung ein, das war's im Prinzip. Kauft man sich dann erstmalig ein Credit-Kontingent werden jedoch vorerst nur 20 Credits (ein Song) tatsächlich gewährt - die Freischaltung der restlichen Credits muss man erst durch Eingabe eines bestimmten Codes, der bei der Abbuchung vom Konto aufgeführt wird, bestätigen. Mit dieser Methode wird man also erstmalig etwas ausgebremst, aber das ist meines Erachtens ein tragbarer Kompromiss.

Hat man also ein Credit-Kontingent erworben, kann man nach Herzenslust einkaufen. Ein Klick auf "Buy", die Nachfrage, ob man das wirklich tun wolle mit "OK" bestätigen und der Titel wird in das so genannte "V-Shelf" übertragen. Dieses V-Shelf als "virtuelles Plattenregal" erinnert ein wenig an das Angebot seinerzeit bei MP3.com, seine mp3s im Internet zu verwalten, so dass man diese auch von anderen Rechnern aus anhören kann. Das V-Shelf scheint ein bisschen anders zu funktionieren, verwaltet wird online eigentlich nur die Liste der gekauften Titel, zum Anhören werden sie (temporär) auf den Rechner geladen.


"DReaM-Player" beinhaltet natürlich nicht aus purer Lust an der Freude das Kürzel DRM. In welchem Format die Titel innerhalb der Software vorliegen ist unklar, solange man sie nicht "freischaltet" sind sie auf alle Fälle ausschließlich mit dieser Software abspielbar. Leider sind die Lizenzbestimmungen für jeden Titel einzeln festgelegt - für die User ist das eher unbequem, da man bei jedem Album nachsehen muss, ob die Freigabe erlaubt ist oder nicht. Für die Labels ist es wahrscheinlich der flexiblere Weg, da man für einzelne Alben rigidere Einstellungen wählen kann. Wie dem auch sei, laut Angabe von finetunes und einer kleinen Stichprobe meinerseits ist die Freischaltung für die meisten Tracks tatsächlich gestattet.

Diese "Freischaltung" bedeutet, dass man den Song als Datei auf die Festplatte speichern kann - DRM-frei. Derzeit wird dazu der Song im Ogg-Vorbis-Format mit etwas kümmerlichen 112 kBit/s abgelegt - das klingt zwar subjektiv mit meinem Testsong (Jan Delay) nicht schlecht, aber 112 kBit/s sind gegen Geld schon eher mau. Zudem ist Ogg Vorbis am Mac jetzt nicht gerade ein Format, welches einem große Auswahl an Playern erlaubt (vlc zum Beispiel, QT/iTunes nur mit passendem Plugin). In baldiger Zukunft soll aber auch die Möglichkeit hinzukommen, die Titel als .wav abzulegen.

Was bekommt man also mit finetunes? Einen mir symphatischen Ansatz, Musik einer recht guten Auswahl an Indie-Labels, die Zahl der Labels wie auch der von ihnen bereitgestellten Alben wird sicherlich noch deutlich anwachsen. Die Software ist nicht der Weisheit allerletzter Schluss, funktioniert aber recht gut, annehmbar schnell und bietet eine brauchbare Suche. Die Bezahlmöglichkeiten abseits der Kredikarte finde ich begrüßenswert, nicht jeder hat eine oder möchte die Daten so ohne weiteres bekannt geben. Die Preise sind Geschmacksache, 1,20 Euro pro Song empfinden sicher einige schon für zu viel, nicht zuletzt, weil man bislang nur ein 112 kBit/s Ogg-File aus der Software heraus bekommt - wenn überhaupt, denn die Labels haben die Möglichkeit, das Abspielen (oder Brennen) der Songs außerhalb der finetunes-Applikation gänzlich zu untersagen. Dass dies pro Album oder gar Song geschehen kann, ist für den Einkäufer nicht die bequemste Lösung. Wenn die Option einer .wav-Ausgabe hinzukommt, gewinnt der Shop meines Erachtens erheblich an Nutzen, zusätzliche Exportoptionen, etwa ins mp3-Format, wären nochmals ein Anreiz. Mit den jetzigen Beschränkungen hingegen bleibt finetunes jedoch eher etwas für Einzelfälle. Solange es aber gar keine Alternative gibt (iTMS, wo bist du?), ist finetunes eine willkommene Bereicherung. Spannend wird es, wenn entweder Phonoline an Fahrt (und Bedienerfreundlichkeit) gewinnt und sich auch um kleinere Labels bemüht, oder einer der "großen Stores" - iTMS oder Napster - nach Europa kommt. Denn letztere beiden stehen ja prinzipiell allen Labels, also auch den kleinen Indie-Labels, offen.

Kommentare

Kundenfreundlich?

Von: morpheus | Datum: 22.03.2004 | #1
Gespeichert wird im .ogg Format!
Verwaltung in eigener Software!
Verschiedene Modi für das Abspeicher und Brennen!
Je nach Song und Lable verschiedene Rechte!

So, so Kai das findest du also ganz gut. Ich denke "Mumpits" da iTunes es vormacht. Ich befürchte aber, das die Rechte in iTunes einmalig sein werden, in D wird die Industrie blocken.
Da flüchten wohl viele irgendwann zurück zu den CD's, die werden die Lable dann aber schon abgeschft haben.

??

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 22.03.2004 | #2
"flo" und "kai" mögen ja beide drei Buchstaben haben, aber nicht mal einen gemeinsamen ;)

Davon abgesehen habe ich die genannten Punkte kritisiert oder zumindest angemerkt - die Gewichtung sei jedem selbst überlassen.

OT- OSX+Adaptec SCSI 2906

Von: Holla die Waldfee | Datum: 22.03.2004 | #3
Tut mir leid, dass ich diese Stelle jetzt fuer meine Probleme missbrauche, aber:
Ich brauche schnell jemanden, der mir sagt, weshalb mein ext. Yamaha CRW 8x4x24 Brenner an einer Adaptec 2906 Karte mit OSX-Treiber 1.1.0 unter OS 10.3.2 manchmal erkannt wird aber meistens nicht...!
Bitte um Antwort und Dank vorab!

P.S.: Glueckwunsch zum Geburtstag dieser klasse Seite!!!!

Forum

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 22.03.2004 | #4
Moin du Waldfee ;)

Deine Frage wäre im Forum gut aufgehoben (MacHelp), dort kann dir vielleicht jemand helfen.

Trotz allem ein guter Start

Von: groover | Datum: 22.03.2004 | #5
Man sollte nicht vergessen, dass das hier erst der Anfang ist. Der Katalog wird sicherlich schnell wachsen.

Ich sehe bisher nur einen großen Fehler: Man erfährt erst nach dem Kauf, dass man in aller Regel keine DRM-Restriktionen zu befürchten hat. Das soll aber, wie ich gehört habe, korrigiert werden.

Wer sich aac-Files als Option wünscht, kann doch Finetunes Feedback geben. Ogg ist sicherlich kein schlechtes Format. Als Mac-User haben wir doch nur deshalb ein Problem damit, weil Apple ogg nicht unterstützen will. Wäre schön, wenn sich auch das ändern würde. Dass Finetunes keine Lizenzen für mp3 bezahlen will, ist andererseits mehr als nur verständlich.

Die Preisgestaltung für einzelne Tracks ist voll in Ordnung. Bei Warps bleep.com kosten die Songs genausoviel. Nur wird sich das eine oder andere Label überlegen müssen, ob es nicht beim Verkauf ganzer Alben nachbessert.

Übrigens finde ich das Konzept, den Labels die Entscheidung für oder wider DRM zu überlassen, nicht schlecht. Wenn Labelmacher x den Kollegen vom Label y am Tresen trifft, wird sich y, der auf DRM setzt, schon seine Gedanken drüber machen, warum x ohne DRM viel mehr Songs verkauft hat.

Ich wünsche mir auch keine Welt mit iTMS -Monopol. Finetunes wird sicherlich vieles bieten können, was der mainstreamige iTMS nicht im Programm hat. Und dass Apple in Europa Songs für nur 99 Cent verkaufen wird, glauben doch nur unverbesserliche Optimisten, die noch nichts von der Gema gehört haben.

Hmmm ...

Von: groover | Datum: 22.03.2004 | #6
Dann hab ich das nicht richtig geblickt mit der DRM-Freischaltung. Mehr Transparenz schadet dennoch nicht ...

Ich hab auf bleep.com noch nichts vergleichbares entdeckt. Nur kam ich zunächst nicht bis zum Kauf. War möglicherweise ein Problem mit dem Cache. Keine Ahnung ... Letztlich hat es doch geklappt.

An bleep.com mag ich, dass dort Titel verfügbar sind, die es schon lange nicht mehr zu kaufen gibt oder bisher nur auf Vinyl gab.

Genau das könnte auch für viele andere Indies und Finetunes interessant werden. Bekanntlich erscheinen gerade im elektronischen Genre neue Tracks zunächst nur auf Vinyl. Das kaufen sich aber nur Vinyl-Fans wie ich oder DJs. Bis ein Titel auf CD erscheint, vergeht oft einige Zeit. Digital könnten diese Tracks aber eben sofort erhältlich sein. Und genau das könnte ein Plus für Finetunes sein. Cupertino ist für das Kleinstlabel von nebenan viel zu weit weg.

ogg

Von: andi | Datum: 22.03.2004 | #7
gibts kein ogg-plugin für itunes?

zumindest für kwikktime gibts eines... in 9 und x.

Gibt ein Plugin

Von: groover | Datum: 22.03.2004 | #8
Mit dem Quicktime-Dingens lassen sich Oggfiles auch in iTunes nutzen. Leider für meinen 600er G3 etwas zu rechenintensiv und daher zäh. Auch ansonsten nicht ganz so toll integriert.

Preise

Von: Cassius | Datum: 22.03.2004 | #9
Also ich halte 1 Euro pro Lied für die absolute Obergrenze bei der Preisgestaltung. Damit dürfte ein normales Album ja schon zwischen 10 und 12 Euro liegen, und das ist nur unwesentlich günstiger als im Laden. Und der Gegenwert ist viel geringer: ich sehe da gar nicht so sehr das fehlende Cover oder sonstige "materielle" Extras als Problem, sondern die geringere Qualität und vor allem die fehlende Zukunftssicherheit. Wer weiß denn schon, ob ich auf meinen Geräten (welcher Art auch immer) in fünf Jahren oder gar in zehn Jahren noch die gekaufte Musik mit exotischem uralt-DRM abspielen kann?! Und die Umwandlung in Audio-CD und erneute Rippen kostet nicht nur Qualität, sondern auch Zeit und Geld - also genau die Sachen die man ja eigentlich durch die "bequemen" Online-Shops sparen möchte.

Aus all diesen Gründen halte ich den iTMS für das Minimum dessen, was geboten werden muß. Alles schlechtere (und alles andere bisherige ist schlechter) wird sich nicht durchsetzen langfristig. Das geht genauso in die Hose wie e-Bücher die 90% des gedruckten Buches kosten. Wer kauft schon so einen Schrott?
Wenn der fehlende Mehrwert nicht durch den günstigeren Preis ausgeglichen wird, bleiben all die Stores nur eine Spielwiese für Tester und Leute, die sich dort tummeln nur um sich selbst und anderen zu zeigen wie modern sie sind.

abzocke

Von: schorsch | Datum: 27.03.2004 | #10
ich halte das für reine abzocke. die musikindustrie hat wiedereinmal nicht verstanden worum es geht. für ein euro zwanzig und mit 112 kbit/s in einem format, das nicht standard ist und von nix unterstützt wird. warum sollte ich dan etwas einkaufen, wenn selbts die cd's billiger oder gleich teuer sind. die kann ich wenigstens so oft ioch will kopieren und/oder rippen.
dem raubkopieren wird damit auch niemand herr.

"musikindustrie"

Von: me | Datum: 25.06.2004 | #11
mit dem begriff "musikindustrie" in musikfernen netzkreisen gern "mi" genannt, sollte man tunlichst etwas vorsichtiger umgehen. finetunes kann man sicher nicht vorwerfen, ein "industrie"-produkt zu sein. es gibt auch musikfirmen, die abseits irgendeiner industriellen fertigung gute musik herausbringen (nenn es "indie" oder wie auch immer). die hetze gegen irgendeine "musikindustrie" im ganz allgemeinen nervt. echt.