ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2874

AAC als Format für DVD-Audio? (Update)

Haben WMA, MP3 und Atrac (Sony) das Nachsehen?

Autor: flo - Datum: 24.03.2004

Im Nachinein betrachtet hat sich die CD als Nachfolger der Schallplatte richtiggehend schnell etabliert - etwas, was man von dem vorgesehenen Erben der CD, DVD-Audio, nicht gerade behaupten kann (Die "Super Audio CD", von Sony und Philips als Nachfolger favorisiert, sei an dieser Stelle unter dem Tisch gelassen). Die DVD-Audio ist im Groben seit 1997 standardisiert und soll - grob gesagt - die beste im Studio erreichbare Musikqualität beherbergen (5.1 Surround, bis zu 192 kHz Sampling Rate etc.). Von Anfang an war ein Kopierschutz vorgesehen, welcher aber, um eine Verbreitung erst einmal zu gewährleisten (welche Verbreitung?), kaum tatsächlich eingesetzt. Um auch die Abspielbarkeit auf Computern zu ermöglichen, ist für die DVD-Audio eine optionale "ROM-Zone" vorgesehen, die die Musik in komprimierter - und geschützter - Form bereithält. Und just für diese ROM-Zone soll nun angeblich AAC statt WMA (Microsoft), MP3 oder Atrac (Sony) vom entscheidenden DVD-Forum gewählt worden sein, wenn man einem Bericht der High Fidelity Review Glauben schenkt, der sich auf die inoffizielle Aussage eines (anonymen) Forumsmitgliedes stützt. Die Entscheidung zugunsten von AAC (um genau zu sein: AAC HE, für High Efficiency) sei aufgrund der besseren Klangqualität gefällt worden, außerdem eigne sich AAC auch für Multichannel und könne mit einem DRM-Modul versehen werden. Über die verwendete Bitrate wurde nichts mitgeteilt. Auch ein offizielles Statement fehlt bislang, im Gegenteil weist das Protokoll der letzten Sitzung vom Februar explizit die Entscheidung zur Aufnahme von AAC als Format für die ROM-Zone als vertagt aus. Ein gewichtiger Grund gegen AAC könnten die Lizenzgebühren werden, die bei Verwendung des MPEG-4-Codecs anfallen.

Dass das DVD-Forum vor Microsofts Format nicht prinzipiell zurückschreckt zeigt die kürzliche Ernennung von WMV-HD als eines von drei Format für High Definition DVDs (nebst MPEG-2 und H.264). Und dass DRM auch mit WMA/WMV möglich ist, ist ja weithin bekannt, multichannelfähig ist es ebenso.

MP3 dürfte ausscheiden, auch wenn das Kriterium "DRM" sich über ein Wasserzeichen lösen ließe, wie es Phonoline derzeit vormacht. Das Fraunhofer Institut kam zudem kürzlich mit einer Surround-fähigen MP3-Variante hervor, aber ob dies den Ansprüchen genügen wird ist fraglich. Und Sonys Atrac? Das fristet schon seit jeher ein Nischendasein.

Allerdings könnte ein buntes Lobbytreiben um die Formatfindung entstehen: Würde AAC sich als Format durchsetzen (immer vorausgesetzt natürlich, die DVD-Audio selbst setzt sich irgendwann durch), wären sicher mehr Hersteller portabler Geräte daran interessiert, dieses Format zu unterstützen. Dies wiederum könnte Apple durchaus gefallen, fiele doch damit eines der paradigmenhaft wiederholten Argumente von Gorog (Napster) und Fester (Microsoft) weg, der iTMS schränke die Benutzer auf den iPod ein. Dass ein iTMS-Kunde bei einer steigenden Anzahl von AAC-fähigen Playern (wobei immer noch das verwendete DRM ein Stolperstein sein könnte) nun nicht mehr beinahe zwangsläufig einen iPod erwirbt, könnte zwar (aus der Sicht Apples) ein Schatten einer solchen Entwicklung sein, doch sollte der iPod selbst gut genug sein, um die Verkaufszahlen hoch genug zu halten.

Microsoft auf der anderen Seite wiederum sieht in der DVD-Audio natürlich eine willkommene Chance, das eigene WMA weiter zu einem de-facto Standard auszubauen. Auch die Zahl der WMA-fähigen Player würde natürlich zunehmen, zudem würden vielleicht auch endlich alle mit DRM-geschützten Dateien zurecht kommen, was bislang alles andere als der Fall ist.

Und auch Sony, die mit ihrem eigenen Onlin-Music-Store "Connect" demnächst starten und dabei auf das eigene Atrac-Format setzen wären natürlich hoch erfreut, wenn man über den Umweg der DVD-Audio dieses Format stärken könnte - selbst wenn es momentan vielmehr ein marketingtechnisches Argument wäre als ein tatsächlich vorhandener Vorteil für den Benutzer.

Update: Mittlerweile liegt TheRegister ein Dementi seitens des DVD-Forums vor. Demnach sei der Beschluss, AAC als Standardformat für den DVD-ROM-Teil einzusetzen, noch nicht gefasst. Der Artikel enthält weitere Details, unter anderem ein Statement von High Fidelity Review, die weiterhin an ihrer Geschichte festhalten: "the choice may not have been approved, but it soon will be".

Kommentare

Nicht verwunderlich, dass Vinyl im Aufwind ist

Von: R-bert99 | Datum: 24.03.2004 | #1
Bei diesem ganzen "Gezerre" um irgendwelche Standards und Formate kann man sich natürlich auch den Markt verschlafen.

Die Qualität der CDs wird immer schlechter, bei vielen CDs kommen locker 10% aus der Fehlerkorrektur des Players (einfach mal in einen CD-Player mit entsprechendem Counter reinlegen). Natürlich bei steigendem Preis und von der Qualität vieler Inhalte ganz zu schweigen.

Als einzige Alternative scheint sich Vinyl langsam wieder zu entwickeln:
1. Abspielgeräte sind verbreitet
2. EIN Standard
3. Alle Scheiben laufen auf allen Geräten
4. Mittlerweile besserer Klang als viele CDs
5. Keine "Kürzelogie-Arie" (drm, wma, xyz3)

Schön weiterschlafen, liebe Entscheider! Aber zumindest kann man dann auf der nächsten Cebit mit Tonnen von "3-Buchstabenkombinationen" umherwerfen, wenn möglicherweise auch ohne Zuhörer!

Vinyl klingt nicht nur besser,

Von: fränk | Datum: 24.03.2004 | #2
es sieht auch wunderschön aus, wenn sich die Schallplatte dreht.
(Für die Jüngeren: Eine Schallplatte ist eine schwarze, runde Scheibe auf der sich Musik in analoger Form befindet ;-D)

auch das cover ist schöner, normalerweise

Von: waldorf | Datum: 24.03.2004 | #3
und das beste an Schallplatten ist: Da ist musik AUF BEIDEN SEITEN drauf. Stellt euch das mal vor meine lieben Kinder!
Ja ich liebe meinen Project 2, und vor allem den gläsernen Plattenteller den ich vom Bert gekriegt hab. WOW sag ich euch.

LOL Venyl

Von: ionas | Datum: 24.03.2004 | #4
sorry aber venyl ist das letze, jedem der sich mit dem kram auseinandersetzt ist zwar klar dass die cd keinerlei hochtonqualität besitzt,

aber venyl ==

* nicht kopierbar
* schwer "handlebar" (kratzer, dreck)
* anschaffungskosten für gute player sind
sehr hoch
* kein mehrkanal (über stereo) ton

optimal ist wohl SACD multichannel (in diesem artikel ja ganz offen links liegen gelassen)

* CD Layer läuft auch in alten CD spielern
* digitaler layer bietet bessere qualität als
dvd audio

dvds sollten sich auf multimedia stützen imho, musikvideos, musik + gleichzeitge tabulatoren oder noten oder text, karaoke funktionen, biogaphien und hintergrund infos, live acts usw...

hier kommt bild und ton ins spiel.

für den puren HIFI genuss ist wohl SACD das optimale.

Zitat von der sony SACD seite:
" What is a Hybrid Super Audio CD (Hybrid SACD)?
A Hybrid SACD contains two separate layers. One layer carries the normal CD information and the other layer contains the high density SACD information - a multichannel mix and/or stereo mix. A Hybrid SACD can be played on any CD compatible player. However, if played on a standard CD player, only the CD layer will play. The SACD layer can only be played on a SACD player"

soviel dazu

Würde mich wundern...

Von: Macfun | Datum: 24.03.2004 | #5
wenn sich tatsächlich AAC durchsetzen würde. Das würde ein Stück weit Unabhängigkeit von Microwürg bedeuten und ihre marktbeherrschende Stellung nicht in anderen Bereichen noch zusätzlich ausbauen. Ob das nun gut ist für Apple ist zweitrangig - aber das wäre es wohl ;-)

Ich glaube noch nicht daran! Die Industrie hat viel zu viel Schiss den „unbequemeren“ Weg zu gehen...

Vinyl Extras

Von: groover | Datum: 24.03.2004 | #6
Also mein Vinyl hat auch so manches extra.

Ab und zu gibt es/gab es Poster, Biographien und Hintergrundinfos sowieso (sogar schon fertig ausgedruckt!), man kann die Platten rückwärts abspielen, die Scheiben laufen auf 45 und auf 33 upm (+/- 8% einstellbar), Texte für die Karaoke werden häufig auch schon mitgeliefert, man kann aus den Hüllen lustige Hüte bauen, etc ...........

Andere Vorzüge wie der standardisierte, mit sämtlicher Hardware kompatible digitale Kopierschutz wurden ja schon erwähnt.

Vinyl ist geil...

Von: derdomi | Datum: 24.03.2004 | #7
....Vinyl ist geil aber wie krieg ich die Platte in den iPod?

Es bringt der beste Tonträger nix...

Von: Christian Renz | Datum: 24.03.2004 | #8
...wenn die Musik drauf Müll ist :). Hoffentlich merken das die Vertreter der industrialisierten Musik auch bald.

Sorry ionas

Von: blofeld | Datum: 24.03.2004 | #9
Zitat:
sorry aber venyl ist das letze, jedem der sich mit dem kram auseinandersetzt ist zwar klar dass die cd keinerlei hochtonqualität besitzt, ...

Diesem Zitat entnehme ich, dass es die Hochtonqualität ist die eine Schallplatte besser macht.

Wer noch nie den direkten vergleich zw. einem highendigen CD-Laufwerk und einem ebenfalls highendigen Plattenspieler gemacht hat weiss kaum wovon er redet.

Bei der guten alten Platte geht die Bühne auf, man hört ECHTEN Tiefbass. So holt man sich wirklich das Konzert ins Wohnzimmer. Das geht auch nicht mit einem CD-Laufwerk was einen 5stelligen €-Betrag kostet.

Jeder sollte sich mal den Spass antun und in ein Highend-Studio gehen, und sich den Vergleich vorführen lassen.

Zitat:
für den puren HIFI genuss ist wohl SACD das optimale.
Nein, da wiederspreche ich dir auch, es ist und bleibt die Platte.
Es gibt kein anderes Abspielgerät, welches mit soviel Charakter spielt.

Kratzer und Dreck auf einer Disc, schwächte ebenfalls die Qualität, da hier die Fehlerkorrektur einsetzten muss - die sorgt dann ebenfalls für einen schlechteren Klang.

so siehts aus!

Vinyl?

Von: Kraftbuch | Datum: 24.03.2004 | #10
Ob die Schallplatten nun besser oder schlechter tönen ist doch nicht das Thema hier!
Was ist mit dem OGG Format?
Ich dachte dieses biete die beste (komprimierte) Audioqualität.

Vinyl ist nicht "mehrkanal-fähig"

Von: fränk | Datum: 24.03.2004 | #11
Wozu auch.
Vor mir steht die Bühne. In der Mitte wird gesungen. Dahinter wird getrommelt. Rechts steht der Bassist und links der Gitarrist.
Wer sollte hinter mir stehen??????
Welche Musik soll reproduziert werden, bei der ein Ton von hinten kommt???????
Hört Ihr nur Mehrkanal. Musik hören ist was anderes............?

Erstaunlich, wie zahlreich die Vinyl-Fraktion hier vertreten ist

Von: Christian | Datum: 24.03.2004 | #12
*innigseinenLinnLP12drückend*

Schönen Gruß
Christian

@Kraftbuch

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 24.03.2004 | #13
Ogg Vorbis, obwohl ohne Lizenzgebühren und unbestritten mit einer hervorragenden Tonqualität (subjektiv) wurde vom DVD Forum zu keinem Zeitpunkt in Betracht gezogen - weiß der Henker warum. Wie es mit der DRM- und Multichannelfähigkeit von Ogg aussieht weiß ich jetzt aber auch nicht.

@ fränk

Von: blofeld | Datum: 24.03.2004 | #14
Bei meiner Anlage ist es so das ich auch Töne NEBEN und minimal HINTER mir hören kann. Dies gelingt nur sehr selten, da es sehr wenig Medien (egal ob CD od Vinyl) die das Potenzial der möglichen Qualität komplett ausreizt.

Ein wahrer Vorteil von Elektrostaten.
Deren Räumlichkeit ist einfach unglaublich.

Und wer hinter Dir steht ist völlig klar:
Z.B eine Wand die die Reflektionen von der Bühne zurück wirft.

@blofeld

Von: fränk | Datum: 24.03.2004 | #15
und weil es so ist, dass in "schlechten Räumen" ein Hall zu hören ist, den weder Interpreten noch Komponisten jemals gewollt haben, bauen wir Geräte zum Reproduzieren dieser Musik, die genau diesen ungewollten "Abfall", und das so echt wie möglich, mit reproduzieren.
Komm, hör doch auf..................
In einem guten Konzertsaal oder Aufnahmestudio hallt nichts (wenig). Eine in so einem Raum gespielte oder aufgenommene Musik kommt von vorn und niemalsnicht von hinten!!

@fränk

Von: blofeld | Datum: 25.03.2004 | #16
In einem guten Konzertsaal oder Aufnahmestudio hallt nichts (wenig).

NICHTS od. WENIG was denn jetzt?

Was ist mit einer Liveaufnahme aus einem Jazzclub?

Wo hört die Bühne bei Dir vorne auf? Auf Höhe der Lautsprecher?

Echt ist nur die 1:1 Reproduktion, etwas Ungewolltes (Abfall) wegzulassen ist doch keine Reproduktion. Das ist dann eine Interpretation.

Wenn der vorhandene Hall oder ähnliches nicht gewollt ist, dann ist es die verkehrte Location. Und in einem Schalltotenraum wurde bestimmt nur zu Testzwecken mal was aufgenommen. Die Realität sieht aber eher so aus wie von mir beschrieben.

Ach noch was.
Was, wenn das Mikro nicht vor, sondern auf der Bühne platziert ist. Wird dann der rückwertige Schall auch eleminiert um deinem Bild zu entsprechen?

in einem gebe ich Dir Recht, die Musik kommt von vorne - aber Restschall auch von Hinten

OT: Mal ein netter Artikel

Von: leser | Datum: 25.03.2004 | #17
...bei SpiegelOnline: [Link]