ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2971

Ein Emulator

und eine überraschende Erkenntnis

Autor: thyl - Datum: 11.05.2004

Emulatoren für intel-PCs gab es ja schon länger; und es geisterte auch mal ein Emulator für das MacOS durch die Gegend, den es auch mal für NeXTSTEP gegeben hat, na ja.

Wie viele Leser schon mitbekommen haben dürften, gibt es jetzt auch einen Emulator für einen Mac, der die Hardware nachbildet. Was mich verblüfft hat, war folgende Aussage auf Heise: "Eine Macintosh-ROM-Datei, wie sie etwa der Emulator Basilisk zum Starten älterer Mac-OS-Versionen für 68K-CPUs benötigt, verlangt PearPC nicht, da PowerPC-Macs nur noch ein in Forth geschriebenes BIOS namens OpenFirmware besitzen, das PearPC jedoch bereits nachbildet."

Das hatte ich nicht erwartet. Es bedeutet nämlich meines Erachtens auch, dass tatsächlich Mac-Klone (in echter Hardware) möglich sein müssten. Ich bin bislang davon ausgegangen, dass MacOSX mit raffinierten Hardware-Abfragen sicherstellt, dass es auch wirklich auf einem echten Mac läuft. Das scheint jedoch nicht so zu sein, und dass die OpenFirmware so einfach nachprogrammiert werden kann, erlaubt dann doch das Bauen von Klonen, oder?

Mal sehen, was sich so in der Zukunft tut, jetzt, wo IBM seine PPC970 großzügig unter die Massen bringen will.

Kommentare

Send in the clones! ;-)

Von: Quoth the Raven | Datum: 11.05.2004 | #1
Ein wenig (Hardware-)Konkurrenz würde der Preisentwicklung sicherlich nicht schaden... :-)

Das wär was...

Von: dermattin | Datum: 11.05.2004 | #2
"Meine" Programmierer springen schon ganz freudig auf und ab. Die sind richtig heiss. Hoffentlich taugt das wirklich was :)

Zwei paar Schuhe

Von: Oliver | Datum: 11.05.2004 | #3
Auch wenn man das ehem. ROM nun recht simpel nachbilden kann, bedeutet das nicht, dass es rechtlich auch erlaubt ist. Womöglich steht auch im Lizenzvertrag von OS X etwas über die gestattete Verwendung.

Wenn Apple das Clone-Geschäft nicht will, findet es auch nicht statt.

Verboten

Von: Oliver | Datum: 11.05.2004 | #4
Ich habe eben nochmal etwas nachgeforscht. Die Installation von OS X ist nur auf originalen Apple-Computern erlaubt.

Die Frage ist natürlich, ob man was drauf gibt, und ob Apple was dagegen macht. Aber warum sollten sie? Die Emulation ist langsam und gefährdet keine Hardware-Verkäufe. Aber es fördert den Absatz von OS X, und im Falle von Raubkopien ist es immerhin PR. Fragt sich nur, ob es eine gute PR ist.

Erlaubtheit

Von: franknail | Datum: 11.05.2004 | #5
Wenn ich mir OS X kaufe und auf einem Clone installiere, wie will mich Apple belangen? Entweder ich bin Eigentümer dieses Softwarepakets, oder ich habe nur beschränktes Eigentum erlangt. Beschränktes Eigentum gibt es aber (sachenrechtlich) nicht. Ich kann also, solange ich nicht fremde absolut geschützte Rechtgüter verletzte, damit machen was ich will.

Schuldrechtlich, also im Vertrag zwischen Käufer und Verkäufer, kann aber natürlich vereinbart sein, dass man OS X zB nicht auf einem Clone installieren darf. Aber was ist die Rechtsfolge, wenn ich mich nicht daran halte? Solange ich keinen Schaden anrichte, kann ja kein schadenersatzrechtlicher Anspruch gegen mich geltend gemacht werden. Und eine Konventionalstrafe wird ja kaum im Kaufvertrag verankert sein.

Praktizierender Jurist anwesend? Mich würde das nämlich mal wirklich interessieren. Vor allem auch in Hinblick auf den DRM-Schutz bei Musiktiteln. Und das Knacken von DVDs soll ja sogar schon verboten sein. Gibt's da im deutschen Strafrecht schon eine Norm?

Wenn das so weitergeht, werden wir bald so weit sein, dass man zu C&A T-Shirts nur mehr C&A Hosen tragen darf, bei sonstiger Exekution.

lg, frank

PR ???

Von: Jörg | Datum: 11.05.2004 | #6
Also ob man das als PR zählen kann?
Nehmen wir an das Betriebssystem läuft sehr langsam und träge und villeicht noch instabil,
(was es ja scheinbar alles tut)dass würde den gegenteiligen Effekt von PR haben.

Und dagegen könnte Apple rechtlich bestimmt vorgehen..

Wenn es sehr schnell ...

Von: johngo | Datum: 11.05.2004 | #7
... und sehr sauber läuft, dann ist das auch nicht "gut"! ;)

Gruss

@franknail

Von: cmder keen | Datum: 11.05.2004 | #8
Du erwirbst nicht das Eigentum an einer Software sondern das Recht sie zu nutzen und zwar nach den Bedingungen, die der Hersteller dafür in der Lizenzvereinbarung definiert. Mit allen strafrechtlichen Möglichkeiten für den Lizenzgeber.

Frage @ cmder keen

Von: franknail | Datum: 11.05.2004 | #9
Wenn ich nicht Eigentümer bin, und den Panther ins Ofenrohr stecke, dann habe ich das Eigentum von Apple zertstört??? Da fehlt noch was! Ich muss wohl einen Blick ins Urheberrecht werfen um hier mehr Einblick zu bekommen!

lg, frank

@ thyl about clones

Von: feldname | Datum: 11.05.2004 | #10
clones sind einfach bzgl. linzenz nicht erlaubt, und das nachprogrammieren eines openfirmware bioses ist wohl strafbar.

dazu kommt dass die "hacker" die sowas könnten, vielleicht gar kein intresse daran haben, sie lieben ihr linux - wieso sollten sie mac os x "befreien"?

trotzdem intressant - vielleicht gibt es dann mal einen nativen bootloader der mac os x auch auf pegasos usw systemen bootet.

das lustige daran:
in letzer zeit lohnen die clones nicht ein meter da es keine ppc notebooks gibt (afaik) und die ppc desktops von apple alle samt eine gleich gute oder bessere preis leistung haben (emac + powermac g4 + powermac g5)

@ johngo

Von: Jörg | Datum: 11.05.2004 | #11
jaja, ist mir klar!...8:-)

@franknail Lizenz und Eigentum an Mediensätzen

Von: tjp | Datum: 11.05.2004 | #12
Du erwirbst nur ein Nutzungsrecht und einen Satz Medien. Die Medien darfst Du nur so benutzen, daß dies nicht mit dem Nutzungsrechts kollidiert.
Du darfst sie vernichten. Der einzig sinnvolle Grund dafür Du willst die Lizenz nicht mehr weiternutzen.

Was die Nutzung angeht!

Von: johngo | Datum: 11.05.2004 | #13
Per Vertrag erwirbt man zwar ein Nutzungsrecht - und dies sogar nur unter bestimmten Bedingung.

Praktisch aber bräuchte man bei einem "privaten Missbrauch" rein gar nichts zu befürchten. Denn eine zu erwartende Privatklage kann eigentlich nur mit einer finanziellen Schädigung als Begründung geführt werden. Und in dieser Schadensersatzklage müsste genau dieser Schaden vom Kläger auch noch nachgewiesen werden.

Wer also nun eine OSX-Lizenz "offiziell kauft", umgeht ja nicht die Kaufbedingungen. Zahlt den entsprechenden Preis und führt somit nicht zu einer Schädigung Apples.

Eine solchen Klage hat Null Chance auf Erfolg und wird es deshalb wohl kaum geben.

gruss

Eben!

Von: RollingFlo | Datum: 11.05.2004 | #14
Die alternativen PPC-Lösungen sind wegen der geringen Stückzahl teurer als ein vergleichbarer Mac. Nur wenn sich hier wirklich viel tut, IBM also in großen Stückzahlen auch an andere liefert und gleichzeitig eine Nachfrage besteht, könnte sich das ändern.
Und dann baut Apple halt wieder irgendeine Abfrage ein und verklagt die OF-Nachprogrammierer.

@franknail

Von: cmder keen | Datum: 11.05.2004 | #15
Die CDs und Handbücher sind ja unabhängig vom Nutzungsrecht, klar, die kaufst Du und die werden dann Dein Eigentum mit dem Du machen kannst was Du willst. (im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben, also z.B. nicht im Wald vergraben usw.)

@ johngo & cmdr keen

Von: franknail | Datum: 11.05.2004 | #16
Der Nebel lichtet sich. Wie johngo denke auch ich, dass eine Klage gegen einen Privaten einen schadenersatzrechtlichen Hintergund haben müsste. Und der wird da eben bei einem Privaten kaum vorhanden sein.

lg, frank

ibm clones

Von: andi | Datum: 12.05.2004 | #17
her mit ibm ppc clones... hehe.. klein, schwarz, stark... dank steve wird das wohl nix.

@franknail

Von: chris | Datum: 12.05.2004 | #18
Auch bei Software bist Du nach dem Kauf Eigentümer der Kaufsache. - Punkt!
Das wurde in diversen verschiedenen Verfahren bis vor dem Bundesgerichtshof bestätigt.

@ cmder keen, tjp, johngo

Von: chris | Datum: 12.05.2004 | #19
Ihr erwerbt nicht die Software, sondern ein Exemplar der Software. Diese "Kaufsache" ist Euer Eigentum.
Diese beigefügten Nutzungslizenzen werden als Formularvertrag, wie AGBs nach Deutschem Recht behandelt, und was dem widerspricht ist nichtig.
Zudem ist nicht der Hersteller sondern der Händler Euer Vertragspartner. - Der Hersteller ist nur ein unbeteiligter Dritter.

Lizenzvereinbarung

Von: Thyl (MacGuardians) | Datum: 12.05.2004 | #20
Ich bin zwar Patentanwalt, das folgende ist aber trotzdem meine persönliche Interpretation des Lizenzvertrags; und damit keine Rechtsauskunft ;-). Bei meinem Panther-Vertrag steht unter 2. Nutzung: "Der Lizenzgeber erteilt ihnen hiermit das Recht zur Installation und Benutzung einer Kopie der Apple Software auf jeweils einem Apple Computer." Die Maximalzahl der Apple-Computer, für die eine Lizenz vorliegt, ist mithin Eins. Die Minimalzahl der Installationen auf Apple Computern ist natürlich Null, denn ich kann die Lizenz ja ruhen lassen, oder mir den Lizenzvertrag gerahmt an die Wand hängen. Der nächste Satz "Im Rahmen dieses Lizenzvertrags ist die Existenz der Apple Software auf mehr als einem Computer nicht gestattet." O.K., also hier noch mal das gleiche, aber mit einer feinen Nuance: Es wird nur von Computer gesprochen, nicht von Apple Computer. Ich darf also die Software: 1. auf maximal einem Apple-Computer; und 2. auf maximal einem Computer installieren/benutzen. Es bleibt offen, ob dieser Computer auch ein Computer sein kann, der nicht von Apple ist. Nirgendwo steht, dass die Verwendung der Software auf Nicht-Apple Computern nicht gestattet ist. Damit ist meiner Meinung nach die Verwendung der Software auch auf Nicht-Apple Rechnern gestattet (aber immer nur auf einem). Es stellt sich zudem die Frage, ob eine andere Regelung nicht ein unzulässiger Knebelvertrag wäre.

Und ich "ergänze" noch einmal:

Von: johngo | Datum: 12.05.2004 | #21
Es kann bei einer Klagebegründung nur vorrangig um eine Schädigung gehen. Wenn ich aber das aktuelle OSX legal erwerbe, dann habe ich Apple nicht geschädigt. Auch dann nicht, wenn ich das Betriebsssystem auf einem fremden Computer laufen lasse. Man "könnte" hierzu zwar argumentieren, das Apple der Verkauf des entsprechenden Apple-Computers entgangen ist. Übersehen wird dabei jedoch ... wenn jemand nur das Produkt OSX kauft um es in die Ecke zu legen würde er Apple ja "absolut genauso schaden", denn er kauft ebenfalls keinen Computer. Und genau hier zeigt sich das Problem. Denn vor Gericht muss man keinen fiktiven projizierten sondern einen möglichst reellen Schaden geltend machen.

Und das möchte ich mal sehen, das jemand ein Produkt und wegen Nichtbenutzung verklagt wird. :)

Gruss

soll heissen

Von: johngo | Datum: 12.05.2004 | #22
... das jemand ein Produkt "kauft" und wegen Nichtbenutzung verklagt wird.

@thyl: könnte es nicht sein, ...

Von: mathias | Datum: 12.05.2004 | #23
...dass mit "Computer" aus dem zweiten Satz eben "Apple-Computer" aus dem vorhergehenden Satz gemeint ist? Denn wenn ich als allererstes die zur Verwendung gestatten Computer auf Apple-Computer einschränke, gilt diese Einschränkung doch auch für alles nachfolgende. In Kurzform würde ich es so ausdrücken:
1: ...darf nur auf jeweils einem Apple-Computern gleichzeitig installiert sein.
2. ...darf nicht auf mehr als einem einzigen Computer existent sein.


--> 2. hebt doch 1. nicht auf, oder?

Bin ja kein Anwalt, aber so würde ich es jetzt interpretieren.
Vielleicht ist der Lizenzvertrag aber auch schwammig formuliert, sodass eine Lücke im Lizenzvertrag besteht.

mathias.

p.s.: ist ein apple rechner nicht sowieso mehr als nur ein computer ??? ;-))))

Ich will keine Clones...

Von: Meine Güte! | Datum: 12.05.2004 | #24
... hier steht noch ein alter Umax-Clone ´rum: Software, die nicht richtig lief - Hardware, die nicht erkannt wurde - hässliches Design und noch dazu eine abgebrochene Türe - Clones: nein, danke - nur ein Apple-Mac ist ein echter Mac ...

PS: Ja, mein Wille wurde gebrochen und ich bin Teil dieser Sekte ;-)

Eigentum an Software

Von: LoMacs | Datum: 12.05.2004 | #25
Du erwirbst in Deutschland beim Kauf das Eigentum an deiner Software. Du kannst laut BGB mit deinem Eigentum machen, was du willst: Verbrennen, verkaufen, verschenken, was auch immer.

Das Eigentum an Software wird in Deutschland nur durch das Urheberrecht eingeschränkt. Also: Verkauf einer Kopie bzw. des Originals bei Rückhalt einer Kopie bzw. das Installieren auf mehreren Computern mit nur einer Lizenz ist strafbar.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Apple in Deutschland wirksam untersagen kann, ein rechtmäßig erworbenes OS X auf anderen Rechnern zu installieren.

Hier ziemlich OT @ Thyl: Grenzenlose Patentierbarkeit ?

Von: Nico | Datum: 12.05.2004 | #26
Hallo, Thyl,

Du hast oben erwähnt, dass Du Patentanwalt bist. Wie wäre es, das Thema "Grenzenlose Patentierbarkeit" (vgl. [Link] hier mal mit einem redaktionellen Beitrag zu beleuchten ? Würde mich interessieren......

Blödsinn, sorry

Von: cmder keen | Datum: 12.05.2004 | #27
Wenn man Eigentum an der Software erwerben würde, warum darf man die gekaufte Software dann nicht disassemblieren oder den Binärcode verändern (patchen)? Wenn Du das Eigentum erwerben würdest, hättet ihr das Recht dies zu tun, egal was in Lizenzbestimmungen steht. Ihr kauft das Nutzungsrecht und nichts anderes (ausser wir reden von Indivudalsoftware, da ist das natürlich anders)

Siehe auch "Hartes Recht für Weiche Ware" unter [Link]

Trotzdem

Von: cmder keen | Datum: 12.05.2004 | #28
hat johngo nat. recht, dass Apple in diesem Fall kein Schaden entsteht - obwohl ich mich bei Apples Rechtsabteilung nicht darauf verlassen würde. Aber wo kein Kläger...

öh

Von: frank | Datum: 12.05.2004 | #29
und andere PowerPC ?
wie der Pegasos, der AmigaOne könnten ja dann auch, wobei der Pegasos die OpenFirmware ja tatsächlich...
könnte gehen.
Wir habens probiert auf dem letzten Forumstreffen, also, einfach gehts nicht. So auf die Schnelle haben wir es nicht auf der Kiste hingekriegt. Aber mit mehr Zeit und Einsatz könnte es dennoch gehen.....
und das wäre dann kein 40mal langsamerer PC (mit JIT) sondern native auf einem einigermassen wenig vergoldeten PowerPC Kistchen....
da wäre er, der wettbewerb.
Die Openfirmware ist übrigens frei, jeder kann sie verwenden. Auch Sun nutzt sie.
Gruss Frank