ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 2997

Vive la France! Vive le Macintosh!

Wir wagen einen Blick ins apfelfreundliche Nachbarland

Autor: roland - Datum: 28.05.2004




Jaja, ich weiß, es ist schon ein Weilchen her, dass an dieser Stelle der erste einer geplanten Serie von Artikeln über Apple im Ausland gestanden hatte. Neuseeland war wohl das Thema. Aber alles wird gut. Das Warten hat hiermit ein Ende, und heute steht ein uns geografisch sehr viel näher liegendes Apfelland im Fokus unserer grünen Aufmerksamkeit: "Fronkreisch"! In der Tat, Apple und la France, das ist eine ganz eigene Geschichte… Frankreich. République Francaise. Schauplatz einer Revolution, die die Welt verändert hat und kurz darauf Spielwiese eines kleinwüchsigen Korsen, dessen kriegerischen Besuchen wir immerhin die Grundlagen unseres Bürgerlichen Gesetzbuches verdanken. 543.630 Quadratkilometer Landfläche, 3.427 Kilometer Küstenlinie, 60.180.600 Einwohner mit einem Durchschnittsalter von 38,3 jahren, von denen drei Viertel in Städten leben. Heimat von Astérix et Obelix. Urlaubsland, Weinland, Käseland, Wiege von Égalité, Fraternité und Consomme. Spätestens seit den schmachtenden Elegien von Tagesthemen-Guru, Wahl-Vercingetorix und Paris-o-philer Ulrich Wickert auch dem letzten Deutschprovinzler als Heimstatt des "Leben wie Gott in Frankreich" präsent. Was hat dieses Land neben Wein, Weib und Gesang noch Weltbewegendes zu bieten? Jawoll! Genau! Apple!

Frankreich glücklich' EXPOland

Zwar macht Apple weniger als die Hälfte seines Umsatzes außerhalb der USA, aber immerhin galt Frankreich in Cupertino zumindest bis 1999 als der Apple-Markt Nummer 2 auf der Welt. Was sich erst in jüngster Zeit zugunsten Japans verschoben hat. Weshalb man der Seine-Metropole auch von Anbeginn an das Privileg einer ganz offiziellen MacWorld Expo angedeihen ließ. Praktisch jedes Jahr seit (meines Wissens) 1987 durften sich die französischen Apple-Fans auf ein Ereignis freuen, das wir hier in den Wäldern Germaniens nur neidvoll verfolgen konnten. Wer mag, reist in die Vergangenheit und schaut sich an, was Apple in Paris über die Jahre so getrieben hat: zum Beispiel 1996, 1997, 1998 oder 1999. Beziehungsweise (aus anderer Quelle) 2002 und 2003.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Ganz Gallien? Ähem, pardon: Jedes Jahr? Nein. 2001, wie jeder weiß, hatte Steve Jobs die Expo in Frankreich im letzten Moment abgeblasen – nach eigener Aussage auf Grund der tragischen Geschehnisse vom 11. September. Verständlich, wenn auch extrem kurzfristig. 2002 und 2003 hingegen fand wieder eine Expo statt. Bilder von der Keynote der letzteren kann man sich zum Beispiel hier anschauen. Womit klar wird, wie wichtig der französische Markt nach wie vor für Apple sein muss. Zahlen? Nun, das ist wie immer ein kleines Problem, da Apple mit aktuellen Marktzahlen sehr zurückhaltend umgeht. In einem Land, in dem regelmäßig zwischen 80.000 und gut 140.000 Besucher (!) zur Apple Expo kommen, sollten allerdings auch die Marktanteile deutlich höher liegen als hierzulande. Wir schätzen 3,9 bis 4,3%. Eher letzteres! Abgeleitet aus nicht ganz aktuellen Erhebungen von Euromonitor, wonach Apple France seinen Umsatz von 2001 auf 2002 um 7,8% steigern konnte sowie der Tatsache, dass der Marktanteil 2000 bei etwa 3,7% lag. In Spezialsegmenten wie bspw. dem sehr regen französischen Architekturmarkt ist Apples Anteil hingegen auf allerdings immer noch recht beachtliche 15% geschrumpft. Aber was jucken uns die Zahlen. Wesentlich spannender ist ein Blick auf...

Die französische Apple-Szene

Wo Macs zahlreich sind, da ist auch die Community nicht weit. Und in der Tat, die französische Mac-User-Szene ist bunter als die Tricolore. Einer gewissen Bekanntheit auch hierzulande darf sich allen voran MacBidouille rühmen. Quelle in der Regel sauber recherchierter Gerüchte und eine der größten reinen Mac-Websites der Grande Nation. Unter den Gerüchte-Cuisines in letzter Zeit in Erscheinung getreten ist auch Croquer dans la Apple. Aber das war's dann schon, was der deutsche Mac-Fan von jenseits der Grenze kennt. Höchste Zeit also, dass wir diesem peinlichen Missstand abhelfen! Wir empfehlen deshalb als Weiterbildungsmaßnahme zur freundlichen Online-Lektüre:

als Anlaufstelle für deutsche Vereinsmeier die Apple User Group France. Und dort insbesondere die Auflistung der sonstigen Apple-Clubs.

als aktuelle Newsquelle der französischen Szene "L'essentiel du Mac en francais" MacGeneration

als Seite für echte Überzeugungstäter Mac4Ever

als Hilfeportal für Mac OS X Jünger OSXfacile

als Heimathafen für PowerBook-Verwender PowerBookFR

als typische privat gestrickte senfgelbe Macanwender-Seite MacMoutarde

als besuchenswertes Mac-Diskussionsforum MacFR

als führendes französisches Mac-Magazin SVM Mac

als Quelle zur Apple-Historienforschung L'Aventure Apple

als Einführungs-Guide für Mac-User A l'école du Mac

als Mac-Pannen-, Pech- und Pleitenbeheber MacDépanne

als eine Art französischer Versiontracker FrTracker

Das sollte als Grundausstattung für frankophile Macianer erstmal genügen. Daneben gibt es naturellement auch noch eine ganze Menge rein französischer Softwareschmieden. Da die wenigsten deutschen Mac-User Französisch in Wort und Schrift beherrschen, beschränken wir uns auf einen einzigen Tipp, der uns beim schnellen Querschauen aufgefallen ist: Cocoricons als Quelle origineller Mac OS X Icons. Ansonsten hilft bei der Suche generell der bereits erwähnte FrTracker weiter. – Oh pardon, jetzt hätten wir doch fast die wichtigste aller Seiten unterschlagen: Apple France! Aber darauf wären die meisten unserer geschätzten Leser vermutlich selbst gekommen, bien sûr ;-)

Bienvenue en France!

So. Und wem das nun Appetit gemacht hat, unser charmantes Nachbarland demnächst mal mit seiner persönlichen Anwesenheit zu beehren, für den haben wir noch ein paar ganz subjektive, garantiert ungesponsorte Paris-Reisetipps. Wobei deren erster natürlich konkreten Apple-Bezug hat. Denn kann es einen passenderen Anlass für einen Fronkreisch-Urlaub geben als einen Besuch der diesjährigen Apple Expo in Paris? Diese findet statt vom Dienstag, dem 31. August bis Samstag, dem 4. September 2004, jeweils von 10 Uhr morgens bis 19 Uhr abends, auf dem Gelände der Paris expo, Porte de Versailles, Halle 1. Die Keynote wird selbstverständlich gehalten von Le Roi de la Apple Steve Jobs, und zwar im Palais des Congrès, das man auf diesem Weg erreicht, am 31. August, ab 10 Uhr.

Als Unterkunft in der Seinemetropole empfehlen wir (wie gesagt, ganz subjektiv) das entzückende Hotel "Delambre", wo dereinst auch André Breton Unterkunft fand. Was neben aller Maciade von der Lage her Gelegenheit bietet zu einem literarisch inspirierten Spaziergang durch das 14. Arrondissement. Vielleicht, um sich wieder einmal zu vergegenwärtigen, dass es durchaus eine Zeit vor unserem allerliebsten Computer gab, wo der Füllfederhalter noch übers Papier kratzte statt der Cursor durchs Word-Dokument ;-) Wer Hotels per se nicht mag, der kann bei Christoph Grandt in Paris anfragen, ob er ihm sein schnuckeliges 1-Zimmer-Appartement im le Sentier vermietet, die Woche für menschenfreundliche 290 Euro. Wer es noch preiswerter mag und dabei zwischen 18 und 28 Jahren alt ist, der sollte das Lucky Youth Jugendhotel ansteuern, das sich einen guten Ruf unter jugendlichen Trampern, Studenten und Rucksackreisenden erworben hat. Adresse: Siège Social 26, rue de Rigoles, Paris.

Nachtrag 1: Verflixt, wir haben auch für diesen touristisch inspirierenden Artikel keine Spenden und Zuwendungen eingestrichen. Allerdings haben wir auch tunlichst versäumt, das Französische Fremdenverkehrsamt daraufhin anzusprechen...

Nachtrag 2: So, und als echter Bonvivant marschiert der Autor dieser Zeilen jetzt in den Keller hinunter, um dort einen überaus leckeren Tropfen aus dem Languedoc zu Tage zu fördern, der diesen dann würdig abschließt: ein La Sauvageonne Pica Broca von 2001.* À votre santé!

(Bild: Ausschnitt aus dem berühmtesten historischen Revolutionsgemälde, leicht ver-appelt)


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Statt der an dieser Stelle üblichen Links zu Macs, Land & Leuten (die gab es ja schon oben im Text!) noch ein paar ergänzende Informationen, Skurrilitäten und Rechercheergebnisse unserer kleinen Frankreichreise:

Apple Computers France gönnt sich seit 1997 eine eigene Internet und eCommerce-Division in Frankreich, immerhin gut 70 Leute stark, wie im Journal du Net zu lesen steht.

Wer mit PowerBook und Airportkarte durch Frankreich zu reisen gedenkt, hat möglicherweise Verwendung für das L'annuaire des hotspots des Journal du Net.

Zu Apples französischen Merkwürdigkeiten aus jüngster Zeit zählt das Zurückziehen der iPods aus den Regalen unseres Nachbarlandes, nachdem dessen skurrile Gesetze in Form des Artikel L.44-5 des Code da la Santé Publique den Verkauf von Musikgeräten verbieten, die in der Lage sind, mehr als 100 dB "Lärm", sprich: Audio-Output, zu erzeugen. Das Problem wurde dann zwischenzeitlich behoben.

Beim Recherchieren stößt man fast zwangsläufig auf die Spuren altgedienter französischer Apple-Fans und -Mitarbeiter. Wie Jean Calmon. Der – wie man sieht ein großer Fan des alten Apple III ist und zudem Katzenliebhaber. Warum hätte er dieses Prachtstück sonst einer Apple-Sammlung zur Verfügung stellen sollen?

Wer selber noch ein wenig weiter recherchieren möchte: Obacht! Nicht alles, was man zusammengoogelt und Apple Journal heißt, hat deswegen auch gleich mit Cupertino zu tun... Ansonsten: Bonne Chance! Und bis demnächst an dieser grünen Stelle, wenn wir Euch in einer weiteren Folge zeigen, wo der Apfel hängt ;-)


*) …fast schwarze Farbe und der typische würzige Duft des Midi. Am Gaumen dann Aromen von dunklen Beeren, prallen Kirschen, Mineralien und einem Hauch Kaffee. Dicht, konzentriert und komplex am Gaumen. Hmmmm...

Kommentare

Wunderschöner Artikel! ....

Von: mojito2000 | Datum: 28.05.2004 | #1
... geradewegs ein Meilenstein der MG-Berichterstattung.... Respekt; ich werde meiner Mademoiselle ein verlängertes Wochenende in Paris schenken - und zwar um Ende August herum :-) .

Durchschnittsalter von 38.3 Jahren???

Von: MacJunkie | Datum: 29.05.2004 | #2
Das scheint entweder ein Entwicklungsland zu sein oder jemand hat sich vertippt ;-)

Wir sollten uns die Franzosen zum Vorbild nehmen, dann haben wir kein Renten-Problem... ;-)

@ MacJunkie

Von: BaboonOSX | Datum: 29.05.2004 | #3
Er hat schon Recht! Siehe auch hier:
[Link]

Die sollten es wissen...

Vive la France

Von: Gerd | Datum: 29.05.2004 | #4
Ja unsere französischen Nachbarn invertieren noch in Kultur, in allen Bereichen. Während bei uns der billige Jakob Einzug gehalten hat, auch in allen Bereichen. Leider!!!
Ausserdem sind die Franzosen um 10ner Potenzen aufmüpfiger als der deutsche Michel. Da wird nicht jeder Scheiss geschluckt der von der Politk und von der Wirtschaft verzapft wird.

Und deswegen liebe ich den MAC...

Von: raller | Datum: 29.05.2004 | #5
weil er die Gemeinsamkeiten hervorhebt und einen positiv denken lässt. Ein solcher sympathisch gefärbter Artikel anderswo hätte auf jeden Fall ( zu Unrecht !!! ) jede Menge negativer Kritik geerntet. Hier sitzen Macuser vorm Schirm, lesen den Artikel wohlwollend und gehen lächelnd an ihr Tagewerk. Und die Basis ist ein simpler Computer, der alles verbindet.
Nicht-Macuser schütteln den Kopf, aber was solls...
Erleuchtet grüßt
Raller

AppleExpo seit 1984?

Von: Hannes Wolf | Datum: 29.05.2004 | #6
Die erste AppleExpo war glaub ich 1984, schließlich wurde 2003 das 20-jährige Jubiläum gefeiert. Ich war 1985 zur Vorstellung von Imgewriter2 und HFS (damals noch RAM-basiert) dort. Tolle Stadt, sogar ohne AppleExpo ;-)
P.S.: Artikel wie der obige machen MacGuardians.de zu dem was sie ist: eine der besten Websites der Welt!

Vive la France!

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 29.05.2004 | #7
Und bitte nicht eines der wichtigsten (hauptsächlich) französischen Softwareprodukte vergessen: VideoLAN Client von der Uni Paris! ;-) Gehört auf jeden Mac!

Ich frage mich bloss, wie das Wort "Hotspot" aus dem Mund eines Franzosen klingt, aber mir graust jetzt schon.. Warum heisst das eigentlich nicht "Le tache chaud", die übersetzen doch (nervigerweise für den Nicht-Franzosen!) sonst immer sämtliche Computerbegriffe ins Französische?

Donfritzl: Wie streitbar die Franzosen sind sieht man ja im Asterix! ;-)

Telepolis:

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 29.05.2004 | #8
Also wenn ich "der Powerbook" lese, rollt's mir noch mehr die Zehennägel auf als bei dem leider immer populärer werdenden RTL'schen "die Speed"! ;-)

Lob!

Von: Gulaschpizza | Datum: 29.05.2004 | #9
Wegen Artikeln wie diesem klicke ich euch gerne an. Auch als (oder besonders als?) DOSEnuser gefallen mir solche Artikel!!! Macht weiter so!

Newton Treff nach AppleExpo

Von: Hannes Wolf | Datum: 29.05.2004 | #10
Nicht zu vergessen: vom 4.9-6.9. findet direkt anschliessend an die AppleExpo wieder ein internationales Newton User Treffen statt. Details unter [Link]

Bon!

Von: Pål | Datum: 30.05.2004 | #11
Sehr lesenswerter Artikel! Vielen Dank! Jacques Brel aber kommt aus Belgien.
(http://www.lfs.bsb-muenchen.de/Informationen/lesefoerderung/gedenktage/gedenktage_2003_10.htm#brel)

Tres bien

Von: blueribbon | Datum: 31.05.2004 | #12
et merci, Roland!

crème fraiche à la mac...BRAVO

Von: redbear | Datum: 03.06.2004 | #13
Genau so sollten Beiträge geschrieben werden - 'ne Menge Infos ohne Gähnfaktor.

Ein Grund übrigends Warum sich Macs besser in Fronkreisch verscherbeln lassen, ist die Tatsache, dass für unsere Nachbarn
der Faktor Esthetik wirklich wichtig ist !!

Merci für die Links - kannte nicht mal die Hälfte.

Björn, Paris