ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3024

Und das ist erst der Anfang

Heute beginnt in München die Migration zu Linux

Autor: flo - Datum: 16.06.2004

Heute beschloss der Stadtrat in München (einzig die CSU stimmte dagegen) das so genannte Feinkonzept zur Umstellung der städtischen PCs auf das OpenSource-Betriebssystem Linux, das nun der grundsätzlichen Entscheidung vom Mai letzten Jahres endlich Taten folgen lässt (wir berichteten, berichteten, berichteten, berichteten und berichteten erneut). Doch gemach, gemach, erst bis Ende 2006 dürfte das Gros der Rechner umgestellt sein, erst 2009 soll auch wirklich der letzte, bis dahin vielleicht von selbst kaputt gegangene Windows-Rechner auch im hinterletzten Kabuff ersetzt worden sein.

Trotz einiger Schwierigkeiten, die in erster Linie die Integration von Fachanwendungen betreffen, zeigen sich die Verantwortlichen zuversichtlich. Vor allem hat man SAP, das das (ebenfalls) neue Rechnungswesen stellt, an Bord, um eben dieses an Open Office anzubinden, welches zukünftig statt dem MS-Office eingesetzt wird. Man stelle sich mal vor, aus dem Fusionspoker zwischen SAP und Microsoft wäre was geworden...

Als Übergangslösungen für andere, kleinere Fachanwendungen sind anscheinend (zur Not) auch Windows-Emulationen geplant. „Für uns hat die Linux-Migration Priorität 1“, betont Christine Strobl. Natürlich wisse die SPD, dass den Beschäftigten hier einiges abverlangt werde. Eine Verzögerung dürfe es aber nicht geben, zumal die sanfte Umstellung ohnehin über mehrere Jahre laufe. Für einen reibungsarmen Verlauf soll eine zentrale Projektsteuerung sorgen." Insgesamt geht es um die Migration von rund 14.000 Rechnern (für 16.000 Beschäftigte), ein Schulungskonzept ist ebenso wie der Standard-Linux-Client bereits fertig, allerdings wollen auch noch 1.300 Makrofunktionen mit standardisierten Web-Applikationen ersetzt werden. Na denn, viel Glück/Spaß damit!

Kommentare

Das wird eine unvorstellbare

Von: Terrania | Datum: 16.06.2004 | #1
Vernichtung von Kapital werden. Ich finde zwar M$ absolut unakzeptabel. Aber LINUX bis zum hinterletzten Minikabuff wird sich als absolutes Desaster rausstellen. Vor allem finanziell.
Alles was staatliche Stellen bislang mit IT angefasst haben ist noch immer wenigstens 3x so teuer wie in der Wirtschaft geworden. Ist auch kein Problem: Der Bürger zahlts ja. Vgl. BA – wieviel wars für das Jobportal? 60 Mio Euro? Das wird in München genauso laufen!

Kostenvervielfachungen

Von: BvK | Datum: 16.06.2004 | #2
scheinen im öffentlichen Dienst systemimmanent zu sein. Beispielsweise bei Bauprojekten sind die immer mindestens 30-50% teurer als von privaten Bauherren. Da wird ewig rumgemacht ,geprüft, geändert, bis alle Termine und Kosten weggelaufen sind.
IT Projekte sind dort auch ewige Baustellen, Personalräte und Abteilungsleiter haben mitzureden, allen fällt was neues ein, ein vernünftiges Pflichtenheft mags zwar geben aber es wird ständig ergänzt und geändert.
Beispiele gibts genug, aus allenSparten des öff. Dienstes und der Politik.Maut / Arbeitsamt usw.
Allerdings würde das mit MS Produkten genauso laufen, liegt also nicht am OS der Rechner.
Einigermassen tröstlich ist immerhin, dass die Kohle nicht nach Redmont fliesst sondern hier ausgegeben wird.
BvK

Sorry, das kann ich nicht nachvollziehen ...

Von: Terrania | Datum: 16.06.2004 | #3
Die Einstellung: ALLES was von M$ kommt ist erst mal Scheisse, und damit ist ALLES andere sofort per se besser, auch wenns schlechter funktioniert oder gar viel teurer wird. Äh? Bidde?
Zunächst einmal gibt es auch noch neben M$ Alternativen. Immerhin heißt diese Seite MACGuardians. Hat sich schon mal IRGENDEINER gefragt, warum MAC OSX von vorneherein da keinen Platz hat??? Die größten Datenbank-Clients laufen Auf OSX (Oracle 8i etc.). Apple hat hervorragende Serverprodukte mit den XServes und Webobjects(die langen auch für München, wenn ein ITMS funktioniert ...), eine Oberfläche, die auch normale Leute verstehen können, etc.etc. Jaja, ich weiß - chancenlos, ist ja nur Spielzeug. Glaub ich aber nicht. Und ich glaube auch, daß der ROI von Apples nicht schlecht wäre. Da langt nämlich schon ein eMac ohne CD-Laufwerk... Und das Argument, dass es keine angepasste Software für die Herrschaften gibt lass ich nicht gelten. Auch für LINUX müssen die fast alles neu Programmieren.

Ach ja, Kostenverteilung ...

Von: Terrania | Datum: 16.06.2004 | #4
Die Anpasungen an die M$-Umgebung sind ja nicht mal von M$ gekommen, sondern von zig Software-Unternehmen in Deutschland. Damit wurde sowieso Geld in die deutsche IT-Infrastruktur gestreut. Jetzt wirds ein bißchen mehr, aber wahrscheinlich wird das sowieso mit einem PC-Hersteller gemacht wie IBM oder DELL, und da bleibt das Geld für die Software und OS und anderes natürlich logischerweise in Deutscher Hand. Das glaubst Du doch selbst nicht, oder?

Was ist denn mit SAP...

Von: Maxl | Datum: 16.06.2004 | #5
Läuft denn auf MacOSX das SAP-Frontend?
Und ein SAP-Server täte dann ja auch ganz gut...

Noe Terrania

Von: ionas | Datum: 16.06.2004 | #6
0-peiler ;)

linux wird eine geringe TCO haben und das ist wichtig.

mac os x hat das auch - aber bei mac os x ist man von einem hersteller abhängig.

ich finde die entscheidung vollkommen richtig.

apropos muenchen

Von: namnam | Datum: 16.06.2004 | #7
kommt da nicht die sueddeutsche her?

netter artikel:
[Link]

Ich wage das zu bezweifeln ionas ...

Von: Terrania | Datum: 16.06.2004 | #8
Klar, die Dosen für Linux sind billiger. Das Betriebssystem ist für lau. Für Bastler ideal. Was glaubst Du wohl, wer das in München zusammenbastelt? Der Enduser (Beamte), der an der Kiste sitzt? Kaum. Der wird, wenn alles läuft, erst mal geschult - und nicht zu knapp. Weil alles ein bißchen anders geht. Und die, die es implementieren, dürfen sich mit Schnittstellen auseinandersetzen, die erst mal nicht passen. Sie werden das System "konfigurieren". Da ist nix mit ONCommand ccm und automatischem Softwaredeployment. Das muß erst mal geschrieben werden. Dann laufen die Anpassungen an die einzelnen Arbeitsplätze. Bei allem Goodwill für Dein STARKDEUTSCH. Ich habe seit über 25 Jahren mit IT zu tun, und glaub mir: Nur ein OS aufspielen isses halt nicht, und bei LINUX schon gar nicht. Mag sein, daß die Software von der Stange für Lau geht, aber die Support und Helpdesk-Stunden werden brutal werden. Und nein: Das kann man nicht nach Indien auslagern, die Leute braucht man vor Ort.

IT-Projekte mit dem Staat

Von: tomvos | Datum: 16.06.2004 | #9
Ich spreche an dieser Stelle den armen Teufeln, die mit den Behörden in Bayern zusammenarbeiten müssen, ihr Beileid aus. IT-Projekte mit dem Staat sind das schlimmste, was einem passieren kann.

Ein Kunde aus der Wirtschaft weiss, was er will. Und er kennt das Vertragswesen. Politiker, und deren Untergebene in den Ämtern, sind (man verzeihe mir die Verallgemeinerung) Schwachköppe. Deren Planungsunfähigkeit wird dazu führen, dass Linux viel teurer wird, als die bisherige Lösung...

... ich sehe volkswirtschaftlich keinen Grund, warum man ein bestehendes System von heute auf morgen ändern sollte. Hohe Lizenskosten ließen sich durch ein Lizensmanagement-System reduzieren.
Jeder, der auch nur ein klein wenig Administrator Erfahrung hat, der weiss, dass ein so Umfangreicher wechsel nur so nach Problemen und Verzögerung schreit.
Ich habe nun wirklich nichts gegen Linux, aber warum denn keine "sanfte" Migration? Linux auf der Server-Seite, Web-Basierte Anwendungen,...
...es gibt genug Möglichkeiten, zu wechseln. Aber bitte nicht mit der Brechstange.

Naja, meine Erfahrung mit Staat und IT läßt mich vermuten, dass Linux es verdammt schwer hat - schließlich kämpften gegen Dummheit schon bessere vergeblich. :-/

Die Migration ist ja sanft.

Von: DrWatson | Datum: 16.06.2004 | #10
Du meinst wohl eher "teilweise" denn sanft. München spricht von einer sanften Migration, weil sie diese über Jahre hinweg vornehmen (was ich mir noch viel schwerer zu managen vorstelle, aber sei's drum).

Wer weiß, vielleicht straft dieses Projekt alle Zweifler Lügen?

NT Läuft aus....

Von: frank | Datum: 16.06.2004 | #11
Bitte bedenkt, NT läuft aus, die neuen Kosten bei Lizenzen sind immens, leider auch durch entspr. Management nur zu minimieren, teuer wirds trotzdem.
Die Debeka hat 3000 PC umgestellt. Es geht. Linux und seine GUIs ( es gibt viel mehr als eine) sind stabil und zuverlässig, Nutzerfreundlich und intuitiv bedienbar. Linux ist absolut End-User geeignet. Was will man mehr ?
Gruss Frank

Terrania, tomvos, Salco

Von: dermattin | Datum: 16.06.2004 | #12
"Die Einstellung: ALLES was von M$ kommt ist erst mal Scheisse, und damit ist ALLES andere sofort per se besser, auch wenns schlechter funktioniert oder gar viel teurer wird."

Im Endeffekt macht das Monopol alle anderen möglichen Vorteile zunichte. Wer das nicht sieht ist evtl. kurzsichtig und muss sich nur mal umgucken, wie es so läuft in der "Wirtschaft". Genau deswegen macht München das. Wir bräuchten mehr "Mut" dieser Art auf dieser Welt. Leider denken viel anders:

"... ich sehe volkswirtschaftlich keinen Grund, warum man ein bestehendes System von heute auf morgen ändern sollte."

M$ wurde verurteilt, weil es seinen Kunden geschadet hat, u.a. durch zu hohe Kosten. Da hast du deinen volkswirtschaftlichen Grund, wenn dir die Wirtschaftlichkeit so wichtig ist.


"Apple hat nicht die Ressourcen, jede Anwendergruppe mit Marketingaufwand davon zu überzeugen, eine gute Lösung darzustellen."

Die wissen, was ein Mac ist, aber der ist für so eine eingeschränkte Verwendung wie Bürokratie schlicht zu teuer, zu überproportioniert ausgestattet.

eh ging an oliver

Von: ionas | Datum: 16.06.2004 | #13
sorry für meinen wirrkopf heute abend

Schulungsaufwand........

Von: Nico | Datum: 17.06.2004 | #14
.......eine echte Geldmaschine. Ich habe schon Arbeitnehmer erlebt, die mit einer geänderten Anordnung der Icons auf dem Bildschirm total überfordert waren und die IT-Abteilung anriefen, weil der Arbeitsplatzrechner "defekt" sei.

Manchmal habe ich auch den Eindruck, dass Schulungsaufwände deswegen so hoch sind, weil die Unwissenheit der Anwender noch höher ist, und die Bereitschaft, selbst etwas zu erarbeiten entsprechend gering (vielleicht, weil "ich ja geschult werde").......

Gruss

@ mattin: ein/zwei Fragen noch!

Von: johngo | Datum: 18.06.2004 | #15
Glaubst Du, das bei einem hohen
Marktanteil von Linux (50% und mehr)
es einen MS-vergleichbaren einheit-
lichen Hard-und Software-Markt geben
würde? Wird einem nicht immer (Thema
EU) die Viel-Staaterei als wirtschaftliches
Hemniss nahegelegt?

Wenn ich nun einmal die zähe langsame
Entwicklung von z. B. Gimp nehme, da
bin ich doch als prof. Grafikanwender
heilfroh, das dies nicht die Spitze der
Entwicklung darstellt und das es bei den
kommerziellen Closed-Betriebssystemen
einen Photoshop gibt.

Gruss

@johngo

Von: tjp | Datum: 18.06.2004 | #16
Es mir vorallem um die Sicherheit die Daten weiterverwenden zu können und die Verfügbarkeit von Hardware und OS, damit man seine Software weiternutzen kann.

Größere Firmen benutzen meist Software von der sie den Sourcecode besitzen. Solche Softwarelösungen kann man relativ einfach von einem UNIX auf das andere migrieren.

Kleinere "fertige" Software bietet dieses Feature nun einmal nicht, da ist man abhängig vom jeweiligen Hersteller. Daher sollte dieser Hersteller Datenformate verwenden, die von anderen Anbieter unterstützt werden. Damit man nicht in Probleme kommt, wenn etwa ein Anbieter in Konkurs geht.

Das Argument man könne doch alte Software auf der alten Hardware weiternutzen, halte ich für Unfug. Allein die Tatsache, daß einem niemand mehr garantiert, daß man Ersatzhardware bekommt, ist ein Grund die Software nicht mehr produktiv zu benutzen.

Z.B. Für die kommerziellen UNIX heißt das, sobald die Hardware als EndOfLife bezeichnet wird, war's das. Für die üblichen PC Schleudern tritt dieser Punkt deutlich früher ein.

Ja, M$ ist ein Problem, weil sie eben nicht garantieren, daß alte Software auf neuen OS Releases zuverlässig läuft und ihre Anwendungssoftware nicht wirklich offene Datenformate benutzt. Die Stabilität von M$ Anwendungen ist nun auch nicht gerade berauschend. Es gibt für all den M$ Müll bessere Software die deutlich stabiler ist. Nur will das niemand bezahlen und zweitens: "Jeder D*** kauft M$ dann machen wir das auch so".