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ARCHIV :: # 3082

Videokonferenz (fast) mit Bordmitteln

Eine neue Software für Videokonferenzen nutzt die in OS X eingebauten OpenGL Routinen.

Autor: mike - Datum: 10.07.2004

Video Conferencing ist seit Jahren ein Thema, und der eine oder andere Leser mag sich vielleicht noch an Quicktime Conferencing erinnern, das Mitte der Neunziger Jahre erschienen ist. Basierend auf QT 1.5 und System 7.x konnte man damit schon (eher bunte als farbige) Pixelbilder transferieren - indes nur auf Quadra und PowerMac AV (QT 2.0).

Jetzt erhebt eine neue Software namens "Facetop" den Anspruch, Video Conferencing neu zu erfinden und damit vorallem praxistauglich zu machen. Was dabei rauskam ....

Durchgesetzt hatte sich weder Apples Lösung noch sonst eine Technologie: Zu schwerwiegend waren die Probleme, und unbefriedigend die Resultate. Oftmals scheiterte ein "Test" auch schon an der Verbindung der Rechner — "Massen-ADSL" ist ja erst seit einigen Jahren Tradition und erst die heute verfügbare Prozessorleistung lässt effiziente Codecs zu. Vorallem aber spiegelten die dargebotenen Lösungen keine ergonomische Arbeitsweise wieder: Man hatte vom gegenüber nun zwar audiovisuelle Informationen, musste aber weitere Applikationen bemühen, wollte man das System wirklich zur Arbeit verwenden.

Ansätze hierzu gibt es viele, aber "durchgezogen" hat es keiner. Auch SubEthaEdit aka TAFKAH aka Hydra bot zwar auf Rendezvous aufbauende Sharingdienste und gemeinsames Editieren, aber beispielsweise weder Ton- noch Bildverbindung

Bisher kommt das angekündigte und in Tiger enthaltene iChatAV 3.0 der Problemstellung wohl am nächsten.

Enter Facetop.





Forscher der Universität North Carolina haben ein Videokonferenz-System entwickelt, welches die hervorragenden OpenGL Funktionalitäten des aktuellen OS X nutzt, um eine mit Transparenz arbeitende Lösung herbei zu programmieren.
Der Clou an Facetop ist dabei weniger, was man auf den ersten Blick erwartete, sondern das "Super-Imposing" des eigenen Computerschreibtisches über das Videosignal vom Gesprächspartner, sodass der Nutzer auf dem Bildschirm beides betrachten kann. Durch die eingebaute Fähigkeit, die Finger der Beteiligten Konferenten zu lokalisieren, lässt sich so auch der Desktop steuern, ebenso wie man zusehen kann, wie eine andere Person den besagten Schreibtisch kontrolliert. Mehrere Benutzer werden dabei leicht versetzt übereinander geblendet - so hat man stets Alles im Visier.





Die Ausstattung des Rechners für die Software ist vergleichsweise klein. David Stotts: "Alles was wir benötigen, ist eine Firewire-Kamera, einen Mac und das Internet". Die Systemsoftware kontrolliert dann mittels Quartz Extreme den Transparenzeffekt und das tracking der Fingerkuppen. Bei Multiprozessor Rechnern arbeitet eine CPU als Fingertracker bzw Bildprozessor, während der andere sich der kollaborativen Arbeiten annehmen kann.

Die Idee kam den Programmierern bei einer Diskussion vor einer Powerpoint-Projektion, wo man bekannterweise immer "im Bild" steht oder anderen die Sicht verstellt. Mit den in OS X integrierten OpenGL Routinen von Quartz Extreme liess sich daraufhin innert nur 45 Minuten eine erste Testversion dieser Software herbeizaubern, um das Prinzip erstmal zu testen. Davis Stotts vom Departement für Computertechnik der Universität stellt eine endgültige Mac-Version in "einigen Monaten" in Aussicht, während sich das geplante Windows-Pendant noch 2 Jahre gedulden muss - bis ein neues Kuh-Windows ("Longhorn") erscheint, dass das technische Rüstzeug mitbringt, mit welchem wir nunmehr schon eine Weile ausgestattet sind :-P

Derzeit erreichen die Forscher 30fps auf einem Gigabit Netzwerk und sprechen von für sie noch unbefriedigenden ("We need to get more") 18 FPS via "switched internet connection".

Herzlichen Dank an mattin für den Hinweis auf die Story! Die Bilder wurden einem technischen Bericht entnommen, Input entstammt auch von Wired.

Kommentare

genial!

Von: PacOS | Datum: 10.07.2004 | #1
einfach nur genial!

Wow.

Von: Dolo | Datum: 10.07.2004 | #2
Echt tolle Erfindung. Von sowas könnte man mehr gebrauchen. Vorhandene Technologien nutzen und geniale Software entwickeln, die diese ausnutzt.

Sehr gut.

Idee

Von: Dolo | Datum: 10.07.2004 | #3
Wie wäre es mit scheinbar
"transparenten" Bildschirmen?
Kamera auf die Rückseite des Bildschirms und man könnte durch den Bildschirm durchsehen... hmm...
*Zwecksuch*

sorry. kann die genialität nicht nachvollziehen...

Von: Martin | Datum: 10.07.2004 | #4
mir scheint als würde das "technisch machbare" hier ein wenig vor dem konzept zu stehen.

wofür das überlagern des bildes auf den schreibtisch? in einigen abbildungen sieht man den "deutenden" zeigefinger. es geht also (auch) darum, als nicht anwesende person auf bestimmte bereiche des monitors zu "deuten". das halte ich in einem gespräch in dem es um, am bildschirm abgebildete sachverhalte geht für sehr hilfreich.

nur würde mir da spontan eine wesentlich elegantere und genauere möglichkeit in den sinn kommen: der zweite mauszeiger.
gesteuert von der nicht anwesenden person, zur unterscheidung z.b. in rot.

derartige kommunikations- und "co-operations-" möglichkeiten würde ich mir für ein zukünftiges os wünschen...

mfg

martin

Martin

Von: dermattin | Datum: 10.07.2004 | #5
ar die Idee nicht auch, dass man dadurch das OS steuern kann? Sprich mit dem Finger auf den Ordner doppelklicken... :)

Mauszeiger..

Von: dermattin | Datum: 10.07.2004 | #6
"nur würde mir da spontan eine wesentlich elegantere und genauere möglichkeit in den sinn kommen: der zweite mauszeiger.
gesteuert von der nicht anwesenden person, zur unterscheidung z.b. in rot."

Gibts schon, nennt sich VNC.

@dermattin

Von: Martin | Datum: 10.07.2004 | #7
na dann doch erst recht...
"ordner öffnen per doppel (maus-)klick" - revolututionär einfach ;-)

Martin

Von: dermattin | Datum: 10.07.2004 | #8
Naja, effektiver wäre die angestrebte Technik schon. Denk mal an den Unterschied zwischen einem persönlichen Gespräch und einem Telefonat :)