ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3104

Muß das Dorf im Dorf bleiben?

Steve darf nicht, wie er will

Autor: dk - Datum: 18.07.2004

Bevor morgen der kalifornische Bär mit weißen Stöpseln in den Ohren und einem neuen iPod in der Pranke kräftig auf den dünnen Nerven der Konkurrenz steppt, dachte ich mir, ich fasse für Euch eine Geschichte zusammen, die hier und dort in Ansätzen schon erwähnt wurde. Etwas Achtung Wortspiel! Erbauliches zum Sonntag abend kann ja nicht schaden… Steve Jobs ärgert sich. Nein, nicht über die neuesten Geschäftszahlen, die waren hervorragend. Jobs ärgert sich, daß er auf seinem Grundstück in Woodside nordwestlich von Palo Alto nicht machen darf, was er will. Auf dem rund 24.000 qm großen bewaldeten Grundstück steht ein Haus, das Jobs als "eine der größten Abscheulichkeiten" bezeichnet, die er je gesehen habe. Das Haus, das einem mittelalterlichen spanischen Dorf nachempfunden ist und neben 14 Schlafzimmern 13,5 Bäder aufweist, wurde in den 1920ern für den Kupfer-Magnaten Daniel C. Jackling gebaut.

Jobs kaufte Grundstück samt Haus vor 20 Jahren und wollte letzteres eigentlich abreißen lassen, um es durch ein kleineres Eigenheim für sich und seine Familie ersetzen zu lassen. Doch hatte er die Rechnung ohne historisch interessierte Wirte gemacht. Die nämlich legten Einspruch ein und argumentierten, das im "Misson Revival" Stil errichtete Haus sei ein geschichtlich wichtiges und daher schützenswertes Gebäude. Nix Abrißkugel.

Für 12 Monate wurde die bereits erteilte Abrißerlaubnis nun ausgesetzt, damit jemand gefunden werden, kann, der das Haus haben und damit erhalten will. Dann könnte Jobs den Klotz endlich abbauen und durch ein kleineres Haus ersetzen lassen. Möglich wäre auch eine Lagerung der historisch interessanten Teile in Überseecontainern, wie es schon Larry Ellison mit dem "Drexler House" gemacht hat, bevor er auf seinem 93.000 qm unfassenden Grundstück in Woodside einen japanischen Herrschaftssitz samt Seen, Brücken, Tee- und Gästehaus und zeremoniellem Zedernholztor errichten lies.

Auch Peter Stent, ehemaliger Risikokapitalist (tolles Wort!) und seit Ewigkeiten Woodsider, ärgert der ganze Rummel um das Jackling-Haus: "Das Gebäude ist weder jungfräulich, noch einmalig. Jackling mag zu seiner Zeit recht bekannt gewesen sein. Aber er ist doch Steve Jobs nicht ebenbürtig!"

Über seine weiteren Pläne hat sich Jobs noch nicht ausgelassen. Denkbar ist aber, daß er für die Errichtung seines neuen Heims Peter Bohlin beauftragt. Der Architekt hat schon Apple Stores in New York, Chicago und Tokio sowie den Campus bei Pixar geplant.

Und so geht die Diskussion in dem kleinen Ort weiter, was erhaltenswert ist und wann man anfängt, mögliche gut betuchte Neubürger mit rigiden Vorschriften zu verschrecken. In Woodside, einem der reichsten Orte in den USA, residieren namhafte Personen wie etwa Intel-Mitgründer Gordon Moore, Rocklegende Neil Young, und Jobs' Jugendfreundin Joan Baez. Aber Zickerei scheint in Woodside einfach dazuzugehören. Schließlich wurde hier auch der "Denver-Clan" gedreht… Eine Chance, daß sich die ganze Sache von selbst löst, gibt es noch. Woodside liegt nämlich genau über den Sankt Andreas Graben. Ein größeres Erdbeben, und Jobs' Probleme wären gelöst. Allerdings nur seine, nicht aber die der Woodsider, die Ellisons Japan-Landschaft argwöhnisch beäugen. Dessen Anwesen ist komplett erdbebensicher…

© Foto: New York Times

Die meisten Infos stammen von der New York Times. Hier weitere interessante Infos zu Ellisons Haus, Architekt Peter Bohlin und den Vorgängen in Woodside.

Kommentare

hmm...

Von: Werbeopfer | Datum: 18.07.2004 | #1
>Denkbar ist aber, daß er für die Errichtung seines neuen Heims Peter Bohlin beauftragt. Der Architekt hat schon Apple Stores in New York, Chicago und Tokio sowie den Campus bei Pixar geplant.<

und Bill Gates kleines Heim....

@Werbeopfer: Danke

Von: Dirk (MacGuardians) | Datum: 18.07.2004 | #2
Den hatte ich glatt übersehen in der "Residential"-Liste von BCJ…

oh, mann, wie geht den DER wettbewerb aus? ;-)

Von: gast | Datum: 19.07.2004 | #3
gates hat ja wohl bei seinem dominzil ordentlich gas gegegeben - die nr mit den "mitwandernden" gemälden war ja neulich im tv in einem spielfilm zu bewundern (wie hieß der noch...?).

aber bei olle steveness?

buddhimus meets bauhaus? gar keine flatscreens, weil die gesamte wand darstellen kann, was man sehen möchte? titanfußböden? ein einziger fengshui mäßig ausgerichteter cube als wohnzimmer??

btw: hat steve eigentlich kinder? wie sieh bei denen ein kinderzimmer aus??????

mal gespannt, was wir da in ein paar jahren bewundern dürfen ;-)

"mein haus hat weniger GHz, dafür aber sind die türklinken in griffhöhe!!"

tja, das sind echt ernste Problem für Ästethen

Von: Thyl (MacGuardians) | Datum: 19.07.2004 | #4
nt

Der Film nennt sich...

Von: Different | Datum: 19.07.2004 | #5
...Startup

Nein, der Film mit den mitbewegenden Bildern heißt

Von: Dirk | Datum: 19.07.2004 | #6
Harry Potter.
:-) Dirk

Apples Stores down. iPods kommen!

Von: tonidigital | Datum: 19.07.2004 | #7
OT..

sie sind da!!! (die neuen iPods)

Von: imaginetics | Datum: 19.07.2004 | #8
n/t

Dirk, lass es doch einfach sein

Von: Prudens | Datum: 20.07.2004 | #9
…überlasse das Schreiben doch den Leuten, die etwas davon verstehen.