ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3107

Eine nette Geste

…und durchaus nachahmenswert für Deutschlands zukünftige (Elite-)Universitäten

Autor: roland - Datum: 20.07.2004

Die Duke University in Durham, NC, USA, hat sich eine sehr freundliche Geste einfallen lassen, um die über 1.600 neu immatrikulierten Studenten des kommenden Semesters zu begrüßen: Jeder "Freshman" wird mit einem Apple iPod ausgestattet! Der natürlich nicht nur als Musicplayer dient, sondern zudem mit den Unibetrieb betreffenden studentischen informationen befüllt ist. Intention ist es, die iPods "…as part of an initiative to encouragecreative use of technology in education and campus life" zu verwenden. In diesem Sinne äußert sich auch Peter Lange, seit 1999 Senior Academic Officer der Duke University: "This iPod pilot program is an exciting new component of Duke's strategic plan, which seeks to use information technology in innovative ways within the classroom and across the campus." Tja, was soll man dazu noch sagen, ohne dass es irgendwie neidisch klingt?

Kommentare

WOOT

Von: derdomi | Datum: 20.07.2004 | #1
... wo kann ich mich einschreiben?

Haken?

Von: Yemeth | Datum: 20.07.2004 | #2
Wie hoch ist die Semestergebühr bei denen?

Eliteuniversitäten

Von: ionas | Datum: 20.07.2004 | #3
wer das schon ausschreibt gehört einmal geschlagen.

tz.

Aber ionas...

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 20.07.2004 | #4
Immerhin steht die Elite noch in Klammern, zählt das nicht entlastend?

;)

Gibts jetzt eine Aufnahmefunktion?

Von: dockling | Datum: 20.07.2004 | #5
Aus dem verlinkten Text:
"... students will use their iPods to record lectures and, while in the field, take notes and record interviews."

Ist mir neu, dass die iPods (von Haus aus) eine Aufnahmefunktion haben.

Voll nachahmenswert...

Von: RollingFlo | Datum: 20.07.2004 | #6
Weil: Lieber iPods verschenken, als mal die Bibliothek aufzufrischen, die Labore besser auszustatten oder gar das Dach abzudichten.
Deutschlands Universitäten sind ja so was von reich, da können sie schon iPods verschenken, vor allem an die, die sich nur einschreiben für all die Ermässigungen.

Hallo? In den USA konkurrieren die Unis um zahlungskräftige Studenten (bzw. deren Eltern) und um Spenden! Eine öffentlich-rechtliche, deutsche Uni hat nichts zu verschenken. Und so ein Geschenk fände ich sogar bei übervollen Kassen daneben. Schließlich handelt es sich um Steuergelder, auch von Leuten, die niemals eine Uni besuchen konnten.

@RollingFlo

Von: Roland Mueller | Datum: 20.07.2004 | #7
Eine öffentlich-rechtliche deutsche Universität hat nicht nur nichts zu verschenken, sie ist auch dermaßen unterfinanziert, dass wir wissenschaftlich schon längst mausetot wären, gäbe es nicht noch Institutionen wie Max-Planck- oder Leibniz-Gesellschaften. Der gerade losgetretene Wahn zur Elite-Uni geht völlig am Thema vorbei, offenbart aber immerhin die marode Situation eines dringend renovierungswürdigen Bildungssystems. Nein, das Stichwort "Brain-Drain" will ich hier gar nicht aufgreifen, obwohl auch dazu eine Menge zu sagen wäre...

Studiengebühren

Von: mbs | Datum: 20.07.2004 | #8
Man sollte vielleicht dazu schreiben, dass die übliche Studiengebühr der Duke University bei 27.500 Dollar pro Studienjahr liegt.

@Roland Muster

Von: RollingFlo | Datum: 20.07.2004 | #9
Ja, genau das wollte ich eigentlich auch ausdrücken.
Mir geht das alles so auf den Keks - jeder kennt die notwendigen Prioritäten, aber raus kommt nur Marketinggewäsch. Statt viel zu viele, eingeschränkt bis nicht flugfähigen, technisch überholte, strategisch unsinnige "Eurofighter" für 83 Millionen das Stück (ohne Waffen!) anzuschaffen, könnte man ja wirklich mal was in die Universitäten stecken.

So kommt dann eben die Studiengebühr. Nur wird sie dann für Beamtenpensionen etc. benutzt, und nicht zu Gunsten der Unis.

You get what you pay for

Von: Katze007 | Datum: 20.07.2004 | #10
Und wenn man nix zahlt, dann....
Zu den 27.000 USD Studiengebühren sollte man vielleicht auch noch dazu sagen, dass die wirklich guten Studenten die gar nicht zahlen müssen. Aus dem Programm der Duke University:
Our Office of Financial Aid offers a variety of grants and loans to meet 100 percent of each accepted student's demonstrated need. In addition, we award a number of scholarships based solely on academic merit--in fact, at least 20 percent of Duke medical students receive merit-based scholarships.

jop

Von: Gulaschpizza | Datum: 20.07.2004 | #11
Hab neulich mit einem Geschichtsprof aus Heidelberg gesprochen, der mir erzählte, dass im letzten Semester weniger als 100€ für Neuanschaffungen für den gesamten Fachbereich Geschichte bereitstanden. Und das ist kein Einzelfall, so geht das in vielen Fachbereichen.... iPod verschenken? Nein Danke, lieber Unis vernünftig aufbauen!

@Katze007

Von: Dirk (MacGuardians) | Datum: 20.07.2004 | #12
Moment mal, Du willst wirklich diese Rechnung anführen? Kostenlose Bldung bringt nichts? Soll das heißen, daß Dir lieber ist, daß die Bildungselite letztlich eine Finanzelite sein wird, wenn sie das nicht so längst ist, obwohl die Gebühren in D noch lächerlich gering sind. Dabei weiß so mancher Student, den ich kenne, nicht, woher er die 500 Euro zusätzlich nehmen soll, die er direkt in die Verwaltung des Landes überweist…

Übrigens, Eliteunis lassen sich nicht einfach beschließen und gründen…

Duke und Bibliothek

Von: pm | Datum: 21.07.2004 | #13
Aktuell sind sie gerade dabei für 85 Mio USD eine neue Bibliothek zu planen und zu bauen. Die Ipod haben einen Kostenwert von 0.5 Mio. Es handelt sich hier um bestenfalls einen grösseren Test.

@Dirk

Von: Katze007 | Datum: 21.07.2004 | #14
ja, genau diese Rechnung will ich aufmachen. Ich habe noch ohne Studiengebühren studiert, mit Gerätschaften die die LMU München in den 1890er Jahren angeschafft hat. Keine einzige Lehrveranstaltung war dazu angetan, in persönlichen Kontakt mit Professoren zu treten. Wenn jemand in den USA wirklich gut ist, dann bekommt er ein Stipendium und kann unabhängig vom Kontostand seiner Eltern studieren. Allerdings muss er dann jedes Semester eine Leistungskontrolle erbringen die meines Erachtens in D viel zu lax gehandhabt wird. Allerdings will ich damit nicht sagen, dass in USA alles toll ist und hier alles bescheiden, ich finde jedoch das langsam mal ein Umdenken stattfinden sollte.