ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3108

Der Amazon-Startgutschein ist tot!

Aktive Sterbehilfe durch das OLG Frankfurt

Autor: bh - Datum: 20.07.2004

In den nächsten Tagen wird wieder ein Murren durch gewisse Internet-Kreise gehen. Das böse Oberlandesgericht Frankfurt hat die Rabattregelung von Amazon.de und Buch.de gestoppt. Im 5 Euro Gutschein für Neukunden bei Amazon sah das OLG Frankfurt einen Verstoß gegen das Buchpreisbindungsgesetz, bei Buch.de ging es um Bonusmeilen. Ich bin positiv überrascht und froh, dass die Richter ein wachsames Auge auf die Buchpreisbindung haben und auch vor Eingriffen in die Geschäftspraktiken von Multis nicht zurückschrecken. (Hallo US-Kartellrichter, darf ich Ihnen noch ein Scheibchen abschneiden?) Das Gemetzel, das wir aus dem IT-Sektor zur Genüge kennen, darf sich beim Kulturgut Buch nicht wiederholen. Mit der ewigen Nivellierung in fast allen Märkten muss endlich Schluss sein! Wer jetzt in Foren wegen seiner 5 Amazon-Euro raunzt, sollte sich mal die Folgen dieses ewigen Dumping überlegen. Wettbewerb ist etwas wunderschönes, völlig schranken- und grenzenlos sollte er aber nicht sein. Wo kommt die Kohle denn her? Die quetscht Amazon doch vorher aus seinen Lieferanten wie Diogenes heraus, die ohnehin mit drei Viertel ihres anspruchsvollen Programms keinen Gewinn machen. Schöner wäre es, wenn statt des Gesetzes der mündige Konsument die Preisbrecher, Drücker und Lieferantenquäler bestrafte. Leider hat der Konsument ein Kurzzeitgedächtnis, und die Freude über den kurzfristig gesparte Euro ist ebenso groß wie das darauf folgende Erstaunen, sobald die kleinen Fachgeschäfte eingegangen sind. Fachgeschäfte brauch ich nicht - na klar, die Folgen sind aber weitreichender. Wie hat es ein geschätzter Kollege neulich bei einer internen Diskussion auf den Punkt gebracht?
Dem deutschen Billig-Will-Ich-Prolo schlägt doch die eigene Geizgier um die Ohren. Die aktuelle Diskussion um Arbeitszeitverlängerung ist quasi die Geiz-ist-Geil-Retourkutsche der deutschen Rest-Industrie auf ihre eigene in der Gesellschaft kultivierte Werbekampagne. Eine Weile haben wir da schön mitgespielt. Jede Kaufhauskette wirft uns mittlerweile Grundnahrungsmittel unter ihrer Eigenmarke nach - es gibt keinen Markt, der sich nicht nivellieren lässt. "Es gibt nichts Gutes, das nicht irgend jemand ein bißchen schlechter und ein bißchen billiger machen könnte." (John Ruskin) Sollten nicht gerade wir Macintosh-Anwender erhaben sein über diese Raunzerei um ein paar Euro und statt dessen freudig jauchzen, wenn irgendwo noch echtes Geld für echte Ware und anständige Leistung verlangt wird?

Kommentare

korrekt …

Von: clemotion | Datum: 20.07.2004 | #1
… nur wenn das produkt wie beim buch zum beispiel tatsächlich das gleiche ist, oder bei anderen dingen der qualitätsunterschied für den laien nicht sofort erkennbar, fällt es doch sehr schwer, mehr zu bezahlen. zumindest erwische ich mich eben selber auch immer wieder dabei, irgendwelche billigprodukte bei discountern in die hand zu nehmen. und teuer ist eben auch nicht automatisch gut. gerade bei kleidung musste ich oft schon die erfahrung machen, dass markenprodukte genausoschnell kaputt gingen. klar beim rechner ist das etwas einfacher für uns. aber wenn einmal andere firmen auch osx-fähige rechner verkaufen sollten, wird das gleiche prinzip wie bei den aldi-rechnern greifen.

guter artikel, stimme zu!

Von: pönn | Datum: 20.07.2004 | #2
dem ist nix hinzuzufügen...

nein, nicht aus geiz! :-)

naja

Von: Derek | Datum: 20.07.2004 | #3
Du redest in Deinem beitrag über Preisbindungen und deren Sinn. Andere reden über offene, freie Märkte und deren Sinn. Wieder andere reden über Subventionierung und deren Sinn.
Fakt ist: der Euro hat mit seiner Einführung massiv zur Entwertung von Geldvermögen beigetragen. Desweiteren wurden die Stundenlöhne bei verringerter Kaufkraft und gesetzl. Umrechnungskurs faktisch reduziert ohne das das in der Form jemand aus den oberen Etagen aussprechen würde.
Bitte komm mir keiner mit Statistiken, Inflationsraten,.... alles Auslegungssache. Je nachdem wie ich den "durchschnittl. Einkaufskorb" zusammenstelle. je nach Zusammenstellung: viel Treibstoff, viel Cafe,Kino,Restaurants, viel Obst und Gemüse liegen die Inflationsraten bei über 15 %. klar das so etwas niemand an die öffentlichkeit gebracht ahben will.
Nur: Geiz ist geil und diese anderen abstrusen Parolen sind ja erst unter diesem Hintergrund entstanden. Der Geldentwertung und Einkommensverringerung folgte somit eine Strömung die zeigen sollte. na wenn wenige rda ist bin ich halt geizig. und das ist dann (aus der "Not heraus " eben geil. Wenn man so will....
Nur ist es von Bedeutung, dass einfache Durchschnittsverdiener eben weniger Geld zur Verfügung haben. Wofür sollen sie es demnach ausgeben? Mit dem Hintergrund der Verunsicherung durch die negativen Arbeitsmarktdaten und die zT geschürte Angst durch Arbeitgeberverbände sind alle froh noch Arbeit zu haben. Die Unternehmen sind angeblich nicht mehr froh qualifizierte Menschen zu beschäftigen, mit denen sie Wirtschaftl. Tätigkeiten verrichten, sich am Markt behaupten, die meisten werden nur noch aus Mitleid beschäftigt. Darum fangen viele an zu sparen. Gerade das ist in unseren Breiten recht verbreitet. Ist ja auch angenehm, wenn man erwerbslos geworden ist nicht jeden Dreck (und ich meine Dreck) annehmen zu müssen. Nur dazu bedarf es wirtschaftlicher Unabhängigkeit. Also Sparen und GEld zur Seite legen. Nur bei Familienvätern dauert es halt auch länger bis etwas auff der hohen Kante ist. wegen og. Lohnentwertung durch den Euro. Also nimmt man sich noch mehr zurück eben geiler Geiz.
und da redest Du etwas von Buchpreisbingung.... was interessiert das jemanden, der nicht jeden Monat 500 - 1000 EUR Cash übrig hat für "Sonstiges".

Mal ganz ehrlich gesagt. Bitte nicht böse sein. Erkenne druchaus Deine Absicht an.

@Derek

Von: Bert (bh) | Datum: 20.07.2004 | #4
Klar, ich sehe die Probleme und ertappe mich oft genug beim Schielen nach den herrlichen Lockangeboten... aber glaube mir, ich bekomme derzeit im Monat unter 1.000 Euro und es geht sich ein vernünftiges Leben jenseits von "Geiz ist geil" aus. Bücher & Zeit: beides muss man sich einfach nehmen. Gruß, Bert

Kurzzeitgedächtnis?

Von: Jörn D | Datum: 20.07.2004 | #5
Ich habe jedenfalls kein kurzzeitgedächtnis.

Als ich das mit Diogenes gelesen habe, war für mich klar, dass ich ab sofort nichts mehr bei Amazon bestelle - und das bleibt auch so.

Jörn D.

sind amazon.de oder buch.de multis? oder...

Von: mojito2000 | Datum: 20.07.2004 | #6
... einfach nur unternehmen, die den online-boom überlebt haben und jetzt durchaus auch geld verdienen?
ich kaufe auch nichts bei offensichtlich überteuerten, angeblichen billigheimern wie mediamarkt und konsorten, aber mglw. sollten sich, in diesem falle buchverlage, mal überlegen, welche öffentlichkeit sich ihnen mit diesen "multis" erschliesst. wenn ich die bücherregale meiner freunde ansehe, stehen da immer häufiger selten mehr als reiseführer in die schönsten ecken der welt. und diese klientel ist leider auch für solch exemplarischen fälle wie diogenes verloren - in buchläden verirren sich immer weniger leute, auch durchaus schlaue.

immer wieder kucken uns freunde erstaunt an, wenn sie unsere bücherregale sehen - "ja, die haben wir alle gelesen" - auch wenn es im prinzip totes kapital ist. (aber sobald man ein buch verkauft hat, braucht man es spätestens 3 wochen später dringend).
mein fazit: bücher sind durchaus häufig zu teuer, da werden teure gebundene ausgaben gedruckt und 6 monate später in konkurenz zu broschierten ausgabe verramscht - das das ins kontor schlägt ist klar. aber auch wir als buchfreunde warten gern mal noch 3 ode 4 monate, wenn wir ein buch für 12.99 statt 45,00 bekommen - ZUM GLÜCK gibt es immer noch soviel neues zu lesen. Wunderbar!

korrekt weil

Von: ionas | Datum: 20.07.2004 | #7
buch,
zwar bin ich für marktkontrolle, aber gerade bei büchern un lebensmitteln finde ich konkurrenz UND steuern problematisch :)

das sehe ich etwas anders...

Von: Yian | Datum: 20.07.2004 | #8
...in diesem land der schornsteinfeger. Das heilige buch soll also am markt einen ganz besonderen schutz genießen. Ganz so, wie sich viele gruppen, institutionen, behörden, verbände usw. sich schön gemütlich im speck eingerichtet haben per gesetz, gebührenordnungen usw. Eigenartig, wenn doch beim kulturgut musik der aufruhr (völlig gerechtfertigt) andersherum formuliert wird. Hier mästet sich anstatt der meisten künstler das völkchen drumherum an den abgesprochenen hochpreisen. Verteidigt mit der selben verlogenen litanei um vielfalt und nachwuchsförderung. Ich frage mich wirklich, wieso ein kleiner buchhändler nach dem anderen zumacht, obwohl wir doch die existenzsichernde buchpreisbindung haben!?!

aha

Von: Gulaschpizza | Datum: 21.07.2004 | #9
War da nicht neulich erst eine Diskussion um die Buchpreisbindung? das waren doch mehr as 150 Kommentare.. ich oute mich als Verfechter selbiger!

OT: Dual-Core CPU von Freescale

Von: Karl Schimanek | Datum: 21.07.2004 | #10
[Link]

Freescale's First Dual-Core PowerPC Processor
presented by Toby Foster, System Architect, Freescale Semiconductor

*sabber*... Aber passt wohl leider (noch) nicht in die Apple-Produktpalette...

Industriekäse rulez

Von: Werbeopfer | Datum: 21.07.2004 | #11
Ich habe die Buchpreisbindung unterwandert!
Mit einen BUKO-Gutschein für bol.de 4€ unter Preis inkl. Versand.

morgen kommen dann noch hier

Von: Marty | Datum: 21.07.2004 | #12
Oliver und Johngo um zu erklären das die Buchpreisbindung unsinn sind.

und es wird wieder ein langer threat hier.

buch/musik

Von: Bert (bh) | Datum: 21.07.2004 | #13
Der Vergleich Buch - Musik hinkt in meinen Augen. Der "nationale" Markt, der über den Sprachraum definiert ist, schlägt beim Buch viel stärker durch als bei Musik.

Das Thema ist aber nicht ausschließlich Buchpreisbindung - es ging mir hier um den Zusammenhang des Billigwahns, den wir selbst unterstützen, und die Diskussion um Arbeitszeitverlängerung... Buchpreisbindung ist für mich ein Schutz vor diesem Billig-Blutbad, aber eben nur in diesem Sektor und doch wirklich nur in einem gewissen Ausmaß. "Mängelexemplar" gibts immer für die Hälfte, auch ohne Mängel.
Gruß, Bert

zu billig...

Von: derdomi | Datum: 21.07.2004 | #14
... mal ganz abgesehen davon dass Bücher im Moment generell sehr günstig (billig) zu haben sind. Eins wird hier vergessen. Nicht jeder hat eine Buchhandlung um die Ecke. Und nicht jeder der eine hat ist bereit dort etwas zu kaufen. Ich müsste in die nächste Stadt fahren. In 80 % der Fälle wird das Buch das ich will nicht vorrätig sein. Also vorher anrufen, fragen ob das buch da ist. Wenn nicht – bestellen lassen. Paar Tage warten, fragen ob das Buch endlich da ist. Wenn ja, hingurken und abholen. Ich kann aber auch ganz einfach das Buch auf Amazon bestellen und am übernächsten Tag im Briefkasten vorfinden. In dem Sinne: Bequemlichkeit ist geil. Das ist mir bei Büchern wichtiger als der Preis, der ist sowieso auch in der Buchhandlung fast gleich.

Sehr guter Artikel

Von: LoCal | Datum: 21.07.2004 | #15
Sehe ich auch so.
Aber ich glaub bis es Otto Normalo kapiert wird es noch ewig dauern.
Oh.. und ich hab pro Monat wahrscheinlich die gleiche Menge Ocken zur Verfügung wie Bert. Also bitte keine "Söhnchen"-sprüche hier.

... ein paar Tage warten?

Von: donfritzl | Datum: 21.07.2004 | #16
is ja hier in Deutschland meist nicht nötig - da es sehr viele Bücher gibt, die am nächsten Tag beim Buchhändler sind, und das alles ohne Porto und warten wann der Zusteller kommt, oder auf's Postamt latschen usw.

Der Preis ist auch kein Barometer für Qualität, denn ein Markenhersteller ist ja nur deswegen so bekannt, weil er viel Werbung macht, das kostet und muß natürlich mitbezahlt werden ...

Zu teuer.

Von: friends of carlotta | Datum: 21.07.2004 | #17
Diejenigen, die hier Preisbindung und damit Reservate für Buchhändler fordern, und sich dabei gleichsam als kleine Robin Hoods, Beschützer hehrer Kulturgüter, fühlen, sei gesagt, dass Verlage nach marktwirtschaftlichen Prinzipien arbeiten. Warum diese dann allerdings nicht uneingeschränkt, sondern nur teilweise und ausschließlich zum Vorteil des Verlegers gelten sollten, ist nicht einzusehen.

Ebensowenig einzusehen ist, warum ich bei einem einigermaßen gängigen Titel diejenigen Titel des Verlages mitbezahlen muss, die keiner lesen bzw. kaufen will, wo sich der Verlag also verkalkuliert hat, weil er sich ein Geschäft versprochen hat, das keins geworden ist.

Im übrigen: Vor 20 Jahren hat "Der futurologische Kongress" als Suhrkamp Taschenbuch 2,80 DM gekostet. Heute kostet es 6,50 Euro. Diese Steigerung übertrifft die Steigerungsrate bei den übrigen (ja, ich zähle Bücher dazu) Lebenshaltungskosten bei weitem.

Dass es auch anders (und billiger!) geht, zeigt 2001.

Nur bei der Buchpreisbindung halt zu machen ist zu wenig

Von: Norbert | Datum: 21.07.2004 | #18
Schöner Artikel. Denn solltest Du weiterspinnen und landest folgerichtig bei der Planwirtschaft, oder?

Sind Bücher nicht auch ein Produkt, dass seinen Markt finden muss wie jedes andere auch? Warum den Telekommunikationsmarkt deregulieren? Gibt dann doch nur Billig-Angebote. Pfui!

In Ländern in denen es diese Bindung nicht gibt, werden auch Bücher verkauft. Wo ist also die Bedrohung für das Kulturgut Buch?

Oder willst Du per dikatorischem Dekret sagen, was gut oder schlecht ist? Das möchte ich in einem freien Land bitte selbst entscheiden! Dazu brauche ich keine Kulturgutwächter!

Gruß,

Es geht auch ohne die Buchpreisbindung

Von: thomas b. | Datum: 21.07.2004 | #19
Die Buchpreisbindung ist doch super für Amazon&Co. Die Endverkaufspreise stehen dadurch ja fest, nicht aber die Einkaufspreise. So lässt sich durch die Marktmacht auf Kosten der ausgequetschten Zulieferer ein schönes Geschäft machen.

Aber: Das Buch an und für sich ist halt heilig in Deutschland.

Eine UVP für Bücher müsste doch auch gehen. Oder man lässt die Händler "im Namen und für Rechnung" des Buchhändlers verkaufen, z.B. so wie bei Benzin. Alternativ das System der Zeitungen und Zeitschriften, wo die unverkauften Exemplare wieder zurück genommen werden.

Ich finde, wer die Kontrolle über den Preis behalten will, muss auch das Verkaufsrisiko tragen. Dann ist es OK, sonst nicht.

buch = beliebige ware?

Von: Bert (bh) | Datum: 21.07.2004 | #20
Wer nicht zustimmt, wenn ich sage, dass ein Buch eben keine Ware wie jede andere auch ist, mit dem ist die Diskussion sinnlos - und nein, ich bin nicht unterwegs zur Planwirtschaft. ("Der Autor ist kein Kommunist, sondern Berner." Friedrich Dürrenmatt)

@berth

Von: MILE | Datum: 21.07.2004 | #21
Jetzt würde mich aber doch noch mal deine Ausführung interesseieren, warum denn ein Buch nicht eine ebenso beliebige Ware sein sollte wie eine Musik-CD, eine DVD, ein Paket Klopapier oder ein Kühlschrank...!?

(Ganz abgesehen davon gibt es mittlerweile bei Versendern wie Amazon so viele andere Artikel zu kaufen, für die man den Gutschein verwenden könnte, dass ich als Kunde dien Entscheidung des Gerichts, mirt ein paar Euro beim Einkauf sparen zu können, nicht unbedingt begrüße...soviel nochmal zum eigentlichen Thema...)

.:: MILE ::.

Sinnlose Diskussion.

Von: friends of carlotta | Datum: 21.07.2004 | #22
Wer einer Haifischbranche, die ihre Autoren abnagt und nur - ihrer Meinung nach - viel versprechenden (sprich: Geld einbringenden) Autoren überhaupt eine Chance zur Veröffentlichung gibt, einen künstlichen und subventionierten Lebensraum einrichten will, ist wegen seiner dreizehn Meter langen Scheuklappen wahrscheinlich ohnehin nicht fähig zu einer sachlichen Diskussion.

@mile

Von: Bert (bh) | Datum: 21.07.2004 | #23
Die Geschichte mit den verschiedenen Waren sehe ich auch so, daher hat mich das Urteil gewundert.

Wieso ein Buch etwas anderes ist als ein Kühlschrank? Hm, vielleicht weil wir über das Buch unsere Kultur weiterentwickeln, Bildung erwerben, davon geprägt werden - da könnte man Stunden schwadronieren. Der Tag, an dem ich einen Kühlschrank als Kulturgut bezeichne, sieht mich im Altersheim ...

@mile

Von: Bert (bh) | Datum: 22.07.2004 | #24
Hi Mile,
natürlich verliert das Buch nicht an Inhalt, wenn Du es billiger erwirbst. Aber wenn wir durch das Kappen der Buchpreisbindung auch in diesem Sektor den Kapitalismus von der Leine lassen, wird der Konkurrenzdruck größer. Das hat meines Erachtens aber in keinem Land gute Erfolge gebracht - vielleicht vergleicht man es am besten mit der Forschung. Du brauchst auch bei einem anständigen Verlag eine gewisse Zeit, bis es aufgebaut ist. Die Buchpreisbindung verhindert ja keine Konkurrenz - sie dämpft nur. Als Anregung schau doch mal im Netz, wie es in den Ländern zuging, wo es eine Buchpreisbindung gab, als sie abgeschafft wurde. Ich finde eben, es wäre deutlich schade...

und mich schreibt man ohne H am Schluss. Danke! ;-)

Bullshit

Von: Chris | Datum: 23.07.2004 | #25
So einen Unsinn kann auch nur ein Besserverdiener verzapfen...
Wo soll denn das Geld herkommen, das ich für Qualität ausgeben soll ?
Warum soll ich zum Einzelhändler gehen und da viel Geld lassen, wo ich es doch beim Discounter günstiger bekomme ?
Manchen Leuten scheint ihr Statussymbol Mac wohl zu Kopfe gestiegen zu sein...

@ Bert ohne H am Schluss

Von: Chris | Datum: 23.07.2004 | #26
Schon erstaunlich, angesichts immer weiter umsichgreifenden Sozialabbaus und zunehmender Arbeitslosigkeit von Utopien und weiterem Unsinn zu labern...
Natürlich ist das Buch eine Ware, und dies abzutun mit einem "wer dagegen ist, mit dem kann man eh nicht diskutieren", ist einfach nur lächerlich...
Buchpreisbindung ist ein Preisdiktat von staatlicher Seite, und wie dies in eine Marktwirtschaft wie die unsere passt, das frage ich mich sicher nicht alleine...
Du diskutierst hier auf sehr hohem Niveau, aber es gibt leider viel zu viele Leute, die nicht so viel Geld haben wir Du.

@chris

Von: Bert (bh) | Datum: 23.07.2004 | #27
Ach Chris, der Lohnzettel hat auch diesen Monat wieder nur doofe 977,- Euro nach Steuern ausgewiesen. Dieses Argument geht ins Leere. Es geht um Wertigkeiten, und wenn ich es noch hundert Mal wiederholen muß: das Buch ist eines unserer wesentlichen Kulturgüter. Wenn wir dieses ins Haifischbecken einer totalen Marktwirtschaft werfen, gehen wir bald vor die Hunde. Herzliche Grüße, Bert

Buchpreisbindung

Von: TUL | Datum: 23.07.2004 | #28
Einen solchen Thread gab es in der Tat schon vor einigen Wochen und ich wiederhole mich: Ja, das Buch ist ein Kulturgut, das geschützt sein will!! Es ist kein Kühlschrank oder Taschenrechner. Wer das Buch schützen will, sollte das nicht über Preisbindungen versuchen, weil das nur den Haien in der Verlagslandschaft zugute kommt und keine Kultur befördert. Wer will denn ernsthaft so etwas wie die Memoiren von Rudi Völler über Preisbindung bewahren??

Die Verlage arbeiten so wie Daimer Bentz: Harry Potter, immer her damit. Ein junger Lyriker, hä...!!

Wer etwas für deutschsprachige Kultur tun will, der sollte Literatur subventionieren und nicht Verlage stärken, die eh nur noch an Kochbüchern und Memoiren interessiert sind. Da ist es mir auch sch... egal, ob die Bücher über den Verlag, über die Buchhandlung um die Ecke oder über Amazon gekauft werden. Es kommt auf den Inhalt, und nicht auf die Verpackung an.

Die Verlage sind neudeutsche Unternehmen mit viel Chuzpe, wenig Verstand und noch wenig Charakter!!!

Ciao

Tul

Frankreich, Großbritannien, Spanien...

Von: Paul (MacGuardians) | Datum: 24.07.2004 | #29
Ich möchte mich gar nicht lang in die Diskussion einmischen, da ich schon letztes Mal meine Argumente gebracht habe und eigentlich keine Lust mehr habe Trolle zu füttern:
Die Buchpreisbindung gibt es nicht nur im deutschsprachigen Raum sondern zB auch in Frankreich.

Folgendes geschah nach Abschaffung der Buchpreisbindung in Frankreich und anderen Ländern:
1) Verarmung der Büchervielfalt
2) Nachweisliche Teuerung der Bücher
Wieso? Man lese es [Link] nach.

Frankreich hat die Buchpreisbindung entzwischen schon wieder eingeführt.

Buchpreisbindung

Von: TUL | Datum: 24.07.2004 | #30
@ Paul: Zeig mir bitte einen Verlag, der Kultur befördert wegen der Buchpreisbindung. Verlage sind moderne Unternehmen, die knallhart kalkulieren. Und die Verlage, die wirklich auf Qualität Wert legen, werden entweder staatlich subventioniert oder haben einen Verleger, der Millionär ist und sein Gewissen erleichtern will. Die Situation ist in DD und Frankreich und Spanien gleichermassen bescheuert, da geb ich Dir Recht. In Kanada zum Beispiel gibt es Verlage, die Minoritäten-Lyrik verlegen. Glaubst Du im Ernst, die könnten überleben, nur weil der Buchpreis feststeht?? Die überleben durch staatliche Zuschüsse. Und mit Links (http://perceneige.info.ca/home.cfm) will ich auch nicht geizen.Ich verlinke aber nicht zu mir, gell??

Ich kenne Übersetzer von A. Blok und anderen russischen Poeten, die werden mit einem Hungerlohn abgespeisst (€ 13,- pro 1800 Anschläge). Und was meinst Du wohl, hat der Übersetzer der Bill-Clinton-Memoiren verdient?? Der ist satt für den Rest seines Lebens.

Nein, die Verlage und die Buchpreisbindung sind kein Allheilmittel. Das Mäzenatentum hat es nicht umsonst gegeben. Ohne Mäzene keinen Michelangelo, keinen Boccaccio und keinen Martin Walser. Die Verlage sind der Vertrieb. Und wer ein Gewissen hat, geht unter. Weisst Du eigentlich, wieviele Schundbücher H. de Balzac schreiben musste (für die Verlage!!), bevor er sich seinen ersten richtigen Roman leisten konnte?? Der Feuilleton-Roman ist eine Erfindung des modernen Verlagswesens.

Und was den Troll angeht, füttere wen Du willst, aber auf Argumente sollte man doch wenigstens noch hören, oder??

Ciao

Tul

Kleiner Nachschlag

Von: TUL | Datum: 24.07.2004 | #31
Eine originelle Geschichte verlegt niemand (wenn man nicht in das Establishment eingeführt ist), für eine Habil-Schrift zahlt man ca. € 5.000,- Druckkostenzuschuss und für die Memoiren von Dieter Bohlen kriegt der wieviel (und wieviel bleibt bei dem Ghost-Writer hängen??).

So viel zum deutschen Verlags-Wesen.

Ich zähle zu den glücklichen Menschen, die noch zu DDR-Zeiten einen Band der "Bibliothek der Klassiker" für DDM 5,- kaufen durften. Deshalb habe ich eine recht gut bestückte Bibliothek (Wilhelm Raabe, Novalis usw.) Das meinte ich mit dem Mäzenatentum.

Tschö

Tul

Buchpreisbindung - @Paul

Von: TUL | Datum: 24.07.2004 | #32
Ich bin übrigens nicht "Friends of Carlotta" oder der Marquis de Merteuil oder wer auch immer. Meine E-Mail-Adresse und mein Name sind klar und deutlich. So und jetzt denk mal nach.

Tschö

Tul (der Troll ist ein Maskottchen, das es in nordischen Ländern mitunter zu kaufen gibt. Und Computer-Slang bleibt Slang).

Verarmung

Von: Friends of Carlotta | Datum: 26.07.2004 | #33
Diese totale Argumentationsresistenz der MacGuardians Mitarbeiter, die sich hier zu Wort melden, ist einigermaßen erschreckend. Vielleicht sollten sie einfach mal ein paar der Bücher, deren künstlich hoch gehaltene Preise sie hier so vehement verteidigen, auch mal lesen - möglicherweise hat das, wenn es wiederholt getan wird, positive Auswirkungen auf die persönliche Diskussionskultur.

Poster, die eine andere Meinung als die eigene haben, als Trolle zu bezeichnen, mit denen eine Auseinandersetzung nicht lohnt, zeugt jedenfalls von einer schlimmeren kulturellen Verarmung als eine angeblich durch Wegfall der Buchpreisbindung entstehende.

Kultur

Von: TUL | Datum: 27.07.2004 | #34
Ich schätze mal, da kommt jetzt nichts mehr. Da ist jetzt Schicht mit der Diskussion. Was bleibt, ist das Fan-Zine und "Wir Apple-User sollten doch wert legen auf gepflegte Kultur", nur nicht auf Diskussionskultur. Schade eigentlich... Ein Armutszeugnis. Hätte eine interessante Diskussion werden können.

Tul