ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3136

Roxio heißt jetzt Twix Napster!

Gorog's Egotrip oder sinnvolle Konzentration?

Autor: flo - Datum: 10.08.2004

Gestern gab Roxio überraschend bekannt, die komplette "Consumer Software Division" an Sonic Solutions zu verkaufen -- also alles inklusive Toast & Jam, der PhotoSuite oder dem Easy Media Creator (Ex Easy CD/DVD Creator). Die Umbenennung in "Napster" zeigt die Richtung auf: Man wolle sich als "pure player" auf den rasant wachsenden Digital-Music-Markt konzentrieren. Sonic kostet die mit diversen Perlen bestückte Software-Sparte Roxios (inklusive der meisten Entwickler) rund 80 Millionen US-Dollar, der Deal muss allerdings von den Aktionären Roxios noch abgesegnet werden und soll bis Ende des Jahres durchgeführt werden. Die Produkte werden angeblich vollständig fortgeführt, doch mit der Zeit darf man ein Zusammenführen mit Sonics eigener Produktlinie erwarten, die bislang vor allem PC-CD/DVD-Software enthält, mit dem DVD Creator aber auch am Mac-Markt vertreten ist. Für Sonic sollte dieser Deal Gold wert sein, denn mit Toast erwirbt man den Quasi-Standard der Mac-Brennprogramme, der Easy Media Creator nimmt eine ähnlich starke Position im PC-Markt ein (auch wenn hier die Konkurrenz, namentlich Nero, stärker ist). Dieses über die Jahre von Roxio zusammengekaufte Portfolio erbrachte im letzten Quartal immerhin 22 Millionen US-Dollar Umsatz (von insgesamt 29,9 Mio) und einen Gewinn in Höhe von 6 Millionen US-Dollar.

Gorogs erklärtes Lieblingsspielzeug, Napster 2.0, sorgte für 7,9 Mio Umsatz (inkl 1,1 Mio aus dem Hardwaregeschäft mit MP3-Playern), erwirtschaftete aber rund 8,1 Mio US-Dollar Verlust -- ohne Kosten für Umstrukturierung etc. Für das kommende Quartal erwartet man im Übrigen ähnliche Zahlen, mit denen man recht zufrieden scheint.

Zufrieden oder nicht, die Konzentration auf Napster scheint doch ein arges Risiko zu sein, verscherbelt man doch die gewinnbringende Sparte und behält diejenige, die mehr Verlust als Umsatz schafft. In der Hinterhand hält Roxio/Napster Barreserven von rund 60 Mio US-Dollar -- ohne den Erlös aus dem Verkauf der Software. Das wiederum sollte genügend Spielraum für eine offensive Marktpenetration bieten, die Gorog sicherlich plant. Noch ist allerdings unklar, auf welche Mittel Napster dabei setzen will: Die enge Zusammenarbeit mit Creative für einen bevorzugten Napster-Musikspieler reicht lange nicht an das berüchtigte Duo iPod-iTunes heran, mithilfe dessen Apple recht komfortabel agieren kann (abgesehen davon, dass Apple die bei weitem größeren Ressourcen zur Verfügung hat). Die Deals mit diversen Universitäten, bei denen auch unklar ist, inwieweit Napster davon finanziell überhaupt profitiert, dürften auch kaum ausreichen, um das Unternehmen zu tragen. Und während sich etwa der iTMS kaum Sorgen um einen "Shop-Zwergen" wie die lokalen Popfile und Co. oder gar (bis dato) Sony machen muss, ist dies für Napster direkte Konkurrenz, die das verbliebene Kuchenstück unangenehm weiter verkleinert. Und auf einem möglicherweise zukunftsträchtigem Markt schiebt sich ein weiterer Mitspieler ins Blickfeld: Nokia möchte mit Loudeye (die OD2 geschluckt haben) den iTunes/Motorola-Deal kontern, wie macnews.de berichtet.

Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein Egotrip Gorogs, der "sein" Napster größer sieht, als es wirklich ist. Aber einen Geschäftsbereich gliedert man nicht einfach so aus, weil einem nach dem Aufstehen eben so zumute war. Insofern dürfte man schon bald etwas von Napster hören -- der Weg kann ja eigentlich nur über Kooperationen mit MP3-Player- oder PC-Herstellern gehen, die Napster bevorzugt installieren. Zuletzt zeigte sich Napster ja auch brennend an einer Lizenzierung von Reals Harmony interessiert...

Kommentare

Jam und Toast kaputtentwickelt...

Von: berto | Datum: 10.08.2004 | #1
...also seit Jam nicht mehr eigenständig brennen kann, sondern nur noch Images für Toast erstellen, hat das Teil bei mir einiges an Sympathiepunkten verloren.

naja, egal... just my 2 cents.

Jam 6

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 10.08.2004 | #2
Hat Jam 6 nicht wieder eine eigene Brenn-Engine?

btw: Kann Jam 6 mittlerweile mit AAC umgehen? Mein Jam 5 kann das nämlich nicht, was ein bisserl nervig ist, weil ich einen großen Teil meiner Songs als AAC vorliegen habe...

Endlich...

Von: DC | Datum: 10.08.2004 | #3
...kann man wieder Toast empfehlen, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen wegen der "Napsterei"

Ein paar Jahre haben sie noch

Von: salco | Datum: 10.08.2004 | #4
Jetzt haben sie ja genug Bargeld um ein paar Jährchen Verluste zu produzieren. Eine Chance gebe ich ihnen dennoch nicht. Da sie keine eigene Hardware anbieten, haben sie keine Möglichkeit damit ihre roten Zahlen auszugleichen. Und da sie auf das wma-Format setzen, ist ihre Konkurrenz ungleich größer als für den iTMS, das die iPod-Basis alleine bedient. Sollte MS einen eigenen Downloadservice anbieten, dann wären Napster die Gelackmeierten und nicht etwa Apple, denn der MS-Shop könnte weiterhin nichts für den iPod anbieten, sodaß sich für den iTMS nur wenig ändert.

Ich prophezeihe

Von: NAME | Datum: 10.08.2004 | #5
das ENDE VON ROXIO! Ruhe in Frieden.

Ist da jetzt gut für Toast oder nicht?

Von: marvin | Datum: 10.08.2004 | #6
Und überhaupt: Wer ist Sonic überhaupt? Sind das die mit dem Sonic Solution-Audioschnittsystem?

Toast ist unkaputtbar

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 11.08.2004 | #7
Ich glaube nicht, dass Toast so schnell unterzukriegen ist. Das ist am Mac sowas von etabliert, dass man einen so schlechten NAchfolger gar nicht präsentieren kann, als dass sich die Anwender reihenweise abwenden würden. Auch dürfte Toast nicht eingestellt werden, denn wer stellt schon ein Produkt ein, das einen übermächtigen Marktanteil hat?

Einziges Problem von Brennsoftware ist, dass damit wohl insgesamt nicht mehr sonderlich viel Geld zu machen ist. Denn welche Anreize bieten neue Versionen denn noch? Wer nur CDs brennt, wird in Toast 6 schon keine Vorteile mehr gegenüber Toast 5 erkennen. Man bemerkt schon seit längerem ein Ausbreiten auf andere Gebiete (DVD "Authoring"). Aber das ist kein Toast-spezifisches Problem, das geht allen Brennprogrammen so.

Mac-Erfahrung hat Sonic auch, wenigstens der DVD Creator ist zum Beispiel ein Mac Programm. Außerdem kommen ja fast alle Entwickler von Toast/Roxio mit zum neuen Inhaber.

Ich glaube nicht, dass der Wechsel gravierende Einflüsse auf die Software haben wird.

Naja, Toast 7 wäre schon ausbaubar...

Von: Mightdancer | Datum: 13.08.2004 | #8
...denn auch das 6er kann nur sehr bedingt Video-CDs brennen und nach wie vor nicht Überbrennen.

ciao,
Stefan