ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3161

Postmaterialismus und iPod

Philosophieren mit der taz

Autor: dd - Datum: 27.08.2004

Die Medien hatten schon immer mit die Aufgabe, einen Beitrag zur Bildung zu leisten. So kam auch die taz in ihrer Ausgabe vom Montag diesem Auftrag nach und erklärt uns das Wort "Postmaterialismus". Zur Erläuterung verwendet Autor Niklaus Hablützel den iPod, der ganz klar ausschliesslich immateriellen Wert habe, denn durch praktischen Nutzen sei sein Erfolg nicht erklärbar. Schliesslich könne der iPod nur Musikstücke abspielen, die "auf einer speziellen Website der Firma Apple" aus dem Internet geholt werden könnten. Durch Real sei der rein ideelle Wert des iPod nun aber in Gefahr, weil die Firma Musik anbiete, die sich auf jedem Gerät abspielen lasse. Dadurch drohe der iPod zu einem Gerät von vielen zu verkommen.

Die Idee, den Postmaterialismus am iPod aufzuhängen, ist an sich nicht schlecht. Der iPod ist als Trend- und Mode-Artikel ein postmaterielles Gut (profaner Weise Statussymbol genannt), und sicher konnte man ihm anfangs den praktischen Nutzen absprechen - MP3-Player gab es ja schon zu genüge. Der Erfolg des iPod gründet aber auch in der Kombination aus Grösse, Speicherplatz, exzellentem Benutzer-Interface und dem reibungslosen Zusammenspiel mit iTunes und inzwischen auch dem Music Store, durch die er sich bis vor kurzem deutlich von den übrigen MP3-Playern abhob. Wie auch Dirk neulich feststellte hat der iPod damit die Art des Musikhörens verändert. Mit ihm hat man die komplette CD-Sammlung unterm Daumen. Ein klarer materieller Nutzen.
Eine Kleinigkeit scheinen viele, so auch der Autor dieses Artikels, zu verdrängen: Natürlich konnte der iPod schon immer normale MP3s (wie auch weitere Formate) abspielen. Den iTMS gab es ja bis vor kurzem noch gar nicht.
Zum Thema Real muss man eigentlich nicht mehr viel sagen - da verweise ich an meinen Kollegen. Sicher wurde viel unberechtigte Kritik geäussert. Der Autor lässt aber ausser Acht, dass es sehr wohl berechtigte Argumente gegen Reals vorgehen gibt. Es geht dabei nicht um die Angst vor einem ideellen Werteverlust, sondern um die Methoden (Reverse Engineering, Dumpingpreise, etc.), mit denen Real auf Kundenfang geht und die Tatsache, dass Real nicht garantieren kann, dass ihre Musik immer auf dem iPod laufen wird.

Fazit: Der Artikel bietet einige gute Ansätze, die Darstellung ist aber ist aber insgesamt arg verkürzt. Was Postmaterialismus genau ist, weiss man am Ende auch nicht, die Erklärung muss man sich also anderswo besorgen.

Kommentare

Wie dumm sind doch die Apple Jünger?

Von: BvK | Datum: 27.08.2004 | #1
So ein Blödsinn, warum sollten Storekäufer sauer sein wenn sie für ihr Gerät Musk irgendwo zum halben Preis kaufen können. Leider fehlt die Angabe dass der Billigpreis nicht für alle Stücke und auch nur als befristetes Sonderangebot gilt.Weiterhin gibt es keine Aussage über die Kompatibilität der Real Dateien, den Rechteschutz usw. Das ganze noch Taztypisch in die Alt68er moralisierende Neidhülle verpackt, schon ist der Blödsinn bei den Lesern. Wann bitte stirbt diese abgedroschene Sozialneidtexterei endlich aus?
BvK

@†errania,Maccismus ist was Böses,Vorsicht

Von: BvK | Datum: 27.08.2004 | #2
Der maccismus ist ja nichts Neues, sondern auch unter dem begriff machismo (spanisch), deutsch matscho, bekannt und was ganz arg schlimmes und verabscheungswürdiges.Das haben Männer,diese fürchterlichen maccistischen Kerle Also aufpassen!
BvK

HÄ?

Von: typneun | Datum: 27.08.2004 | #3
klar ist der apple-hype manchmal übertrieben. aber darum ging es doch bei dieser aktion garnicht, sondern darum, dass real auf freedom of choice klopft, macuser aber draussen lässt. (und ansonsten auch ziemliche grässliche software liefert.)

also ist der artikel auch mal wieder fein überflüssig. :)

Was für ein Dünnschiss....

Von: Jörn (der andere) | Datum: 27.08.2004 | #4
.. der TAz-Artikel, natürlich :-)

Obwohl...

Von: Jörn (der andere) | Datum: 27.08.2004 | #5
... es gibt noch andere Dinge, die fast soviel wie ien iPod kosten: hab gerade den iRiver IFP1090 als Leihstellung bekommen: kaum größer als ein Zippo-Feuerzeug, aber MP3-Player, FM-Radio, Kamera und Aufnahmefunktion in einem ...
Hat was!! Da wäre der TAZ-Schreiberling völlig aus dem Konzept gekommen mit :-)))

Eins so unnötig wie's andere

Von: groover | Datum: 27.08.2004 | #6
Das taz-Artikelchen ist nun wirklich eher überflüssig. Wobei's mir eh am Arsch vorbei geht, was Real macht oder nicht macht. Wobei Harmony doch zunächst einmal gar kein so dummer Move von denen ist.

Mindestens so überflüssig wie das Artikelchen ist aber das taz-Bashing. Was bitte hat das mit Alt-68er zu tun? Und wo findet der Klassenkampf statt? Lest doch Die Welt. Im Hause Springer ist bekanntlich die Apple-Berichterstattung so kompetent wie sonst nirgendwo im Blätterwald

an iJürgen:

Von: Gino Todesco | Datum: 28.08.2004 | #7
lieber Jürgen

Das war keine Zeitverschwendung, sondern ein absolut zutreffende und präzise Analyse. Danke für den obigen Beitrag

Schülerzeitungsniveau

Von: Kurdwubel | Datum: 28.08.2004 | #8
Bitte nicht verallgemeinern. Ich habe früher eine Schülerzeitung geleitet und niveaulose Artikel gab es bei uns nicht.

an Kurdwubel

Von: iJürgen | Datum: 28.08.2004 | #9
Hiermit meine offizielle Entschuldigung! Mir ist völlig klar, dass einige Schülerzeitungen weit niveauvoller sind als dieser taz Artikel. Werde, wenn ich nächstes mal jemanden ärgern will, das nicht mehr auf Kosten von anderen tun.

an iJürgen

Von: Arne | Datum: 29.08.2004 | #10
Wärst du so nett eine evtl. Antwort der taz hier zu posten?