ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3176

Kodak, Agfa, Ilford

Nachrichtensplitter von einer sterbenden Welt

Autor: thyl - Datum: 01.09.2004

Nicht direkt Mac-bezogen, aber für viele Mac-Anwender als "Kreative" wohl doch interessant sind einige Nachrichten aus dem Bereich analogen Filmmaterials:

-Kodak hat (ohne offizielle Ankündigung, das haben sie sich wohl nicht getraut) das Sortiment an Kodachrome massiv zusammengestrichen. Der Kodachrome 200 ist eingestellt worden, den Kodachrome 64 gibt es nur noch mit Rahmung, und ganz nebenher sind die Preise brutal erhöht worden. Ein Kodachrome kostet jetzt um die 19 ?. Damit ist das rasche Ende des ältesten, vielleicht besten, sicher aber best-archivierbaren Diafilms (gewollt?) absehbar. Womit jetzt langfristig archiviert werden soll, ist damit ziemlich unklar (oder wollt Ihr Eure WICHTIGEN Aufnahmen einer CD-R (rost, rost) oder eine HD (crash, crash) anvertrauen?

-Agfa hat den gesamten "Consumer Imaging" Bereich an Manager/Venture Capital-Geber verkauft, die unter "AgfaPhoto" firmieren werden. Ob die Pro-Filme Optima und RSX II dazu gehören, weiß ich nicht, es ist aber anzunehmen. Wie die Manager, die diesen Buy-Out betrieben haben, auf die Idee kommen, dass sie das profitabel betreiben können, was für Agfa Verluste gebracht hat, ist mir nicht klar. Personalkürzungen allein werden wohl nicht helfen. Aber die Weiterentwicklung von Filmen ist bei Agfa eh seit Jahren zum Erliegen gekommen.

-Ilford hat Insolvenz angelmeldet. Das Unternehmen (dessen Digitalsparte übrigens profitabel ist), könnte jetzt verkauft oder umstrukturiert oder was auch immer werden. Aber wer will Ilford haben?

Jetzt scheint der Swing zur Digitalphotographie also massive Auswirkungen zu zeigen. Nach den Schwierigkeiten von Polaroid trudeln nun die anderen Unternehmen der Branche. Nach einem Boom in den 90ern wird voraussichtlich die Zahl der Filmemulsionen in den nächsten Jahren massiv zurückgehen. Der Umschwung kommt allerdings etwas zu schnell. Die digitalen Alternativen erreichen derzeit noch nicht die Qualität, Haltbarkeit und Handhabbarkeit ihrer ausgereiften, analogen Vorläufer, jedenfalls nicht zu brauchbaren Preisen. Dem ambitionierten Analogphotographen mag mittelfristig nur der Rückzug in's Mittelformat bleiben, dessen Qualitätsvorsprung ihm noch eine gewisse Überlebenszeit zu sichern scheint.

Kommentare

Keine Träne.

Von: Ralf Saalmüller | Datum: 01.09.2004 | #1
Nachdem die Digitalphotographie preiswert wurde, gelangen die analogen Kameras zu einem vernünftigen Preis- / Leitungsverhältnis. Nachdem. Hat nicht die Industrie selbst Schuld an ihrer Demontage? APS, endlich bedienerfreindlich, wechselbar (fast immer), mit Möglichkeiten die Entwicklung zu steuern, mehr Bilder, krankte an der Film-Körnung oder den Opjektiven bei den Panoramas. Und an der mangelden Unterstützung für's Entwickeln und den Photoprint durch die Photoläden (ham wer nicht, dauert länger).

Oder PhotoCD, geniales Teil, aber zu welchen Preisen? Wieso nicht auf der Fläche und wesentlich billiger?

Ein 4 - 5 Megapixel Sensor fordert bereits gute Objektive, soviel zur Qualität, ausreichend. Und die Chips werden bestimmt noch besser.

Nein, wirklich, keine Träne. Und wenn's für Jahrzehnte halten soll, muss eben DVD-RAM her, DLT oder SLR Bändern. Und TIFF oder JPEG wird man auch künftig lesen können, so wie reine Text-Dateien auch.

wie die ausgegliederte agfa sparte geld machen moechte

Von: robert | Datum: 01.09.2004 | #2
wie gesagt gar nciht - ist nur um leute rausschmeissen zu koennen. es ist naehmlich deutlich schwieriger einen mitarbeiter zu feuern der 20 jahre fuer agfa gearbeitet hat oder jemand der einfach nur mal ein jahr in einer firma gearbeitet hat.
so agfa versucht auf diesem weg an den kosten der entlassung vorbeizukommen.

na toll

Von: timo | Datum: 01.09.2004 | #3
und wie soll ich mir ne digitale slr leisten können?
diese digitale handknipsen sind doch für den müll.
ich habe meine alte pentax rausgeholt und werde mir doch noch nen vergrösserer kaufen.

nur welche filme wird es dann noch geben?
Tmax?

Übrigens ist die Entwicklung so günstig wie nie.
Und da kann ich verdammt viele Bilder machen, bis sich ne digitale slr rentiert.
Nur SW abzüge sind wahnsinnig teuer, aber die mache ich in zukunft lieber selbst.

in unsere Welt gehen Daten verloren

Von: HG | Datum: 01.09.2004 | #4
.... immer mehr analoge Welten ziehen sich aus dem Markt zurück da stellt sich die Frage nach einer nachhaltigen digitalen Datenarchivierung um so mehr. Dias, Negativefilm, Schalplatten und Bücher können auch nach mehr als 30 Jahren wieder "gelesen" werden, aber Festplatten, Disketten 5 1/4"; 3,5", CD´s, DVD´s, BackUp-Medien oder SyQuest-Medien (wer kennt die noch) ZIP-Medien usw. bei alle diesen Lösungen konnte man alle 5 Jahre das Medium wechsel, ja man mußte die Daten überspielen und dann war noch das Problem, gibt es noch ein Program, das die Dateien lesen kann??? In diesen Jahrhundert wird die Menschheit ihr Wissen verlieren im digitalen Nirvana...

rausch rausch... wass'n dat? <fragt sich der daten-archäologe 2084>

Von: berto | Datum: 01.09.2004 | #5
hey, ist doch cool: müllvermeidung, von unserer generation bleibt höchstens noch etwas digitales rauschen übrig, was will man mehr?

Müllvermeidung ...

Von: HG | Datum: 01.09.2004 | #6
...ist ja wohl gelinde gesagt "Humbuck"... denn die Medien sind ja real vorhanden als MÜLL, nur die Daten sind dann unbrauchbar... und dieser Verlust wird uns nochmal teuer zu stehen bekommen... sehr teuer wird das, wenn man bestimmte Information neu erbeiten muss...

Nirvana

Von: André | Datum: 01.09.2004 | #7
"In diesen Jahrhundert wird die Menschheit ihr Wissen verlieren im digitalen Nirvana"

Wetten nicht?

Man muss halt aufpassen und die Daten migrieren. Dann geht das schon. Ist bestimmt mehr Aufwand, aber durchführbar. Dafür hat die Verwaltung digitaler Bestände ja auch durchaus seine Vorteile, von daher gleicht sich das vielleicht wieder aus.

Gruß, André

Cooles Teil von Canon !

Von: RoB*-) | Datum: 01.09.2004 | #8
Nicht nur für den "ambitionierten Hobbyfotografen" ;)

[Link]

<Wenn man es liest>

Von: FritzBlitz | Datum: 01.09.2004 | #9
versteht man warum´s so wird.
Allein was hier schon so auf die site kommt ist krass. Vielleicht versteht aber doch der eine oder andere, dass es weniger um Entwicklung als um die Kohle geht. Und in den letzten Jahren wird Qualität und Bewertes radikal zerkleinert, zugunsten der Globalisierung und der unermesslich steigenden Gier der Konzerne nach Macht. Der Rest macht´s dann halt weil´s alle machen, oder haben Angst, oder werden unter Druck gesetzt, oder, oder, oder.

<<<<HG>>>>

Von: FritzBlitz | Datum: 01.09.2004 | #10
Also echt, in meinen Augen hat Müllvermeidung nix mit der übermässigen Produktion von Sondermüll als Unterhaltungsware zutun, dass ist schon mehr als flach gedacht.

Ja ne, is klar

Von: Hubbi | Datum: 01.09.2004 | #11
Zitat:
"Die digitalen Alternativen erreichen derzeit noch nicht die Qualität, Haltbarkeit und Handhabbarkeit ihrer ausgereiften, analogen Vorläufer, jedenfalls nicht zu brauchbaren Preisen."

Totaler Schwachsinn

ihr solltet aber euch mal den Verbrauch von Filmaterial und die Entwicklung beim leblangen Besitz mit einrechnen. Das ist nämlich in der Digi-Schiene mit drin - lebenslänglich

Begreift endlich, ihr könnt halt nicht von allem Ahnung haben - das ist der perfekte Beweis

wirklich Schwachsinn?

Von: rumbarumbatätärräääää | Datum: 01.09.2004 | #12
<<von: Hubbi - am 01.09.04 um 19:29:31 Uhr
Zitat:
"Die digitalen Alternativen erreichen derzeit noch nicht die Qualität, Haltbarkeit und Handhabbarkeit ihrer ausgereiften, analogen Vorläufer, jedenfalls nicht zu brauchbaren Preisen."

Totaler Schwachsinn

ihr solltet aber euch mal den Verbrauch von Filmaterial und die Entwicklung beim leblangen Besitz mit einrechnen. Das ist nämlich in der Digi-Schiene mit drin - lebenslänglich

Begreift endlich, ihr könnt halt nicht von allem Ahnung haben - das ist der perfekte Beweis>>

Wirklich Schwachsinn?

Ein Digital-Rückteil von Sinar kostet mal eben um die 30000 Euronen. Da ist noch kein Rechner dabei, noch keine Software, noch kein Monitor.

Qualitativ kommt man damit aber nicht an einen Mittelformat-Film heran.
Was die Haltbarkeit angeht ebenfalls nicht.
Und das Handling ist ebenfalls aufwendiger, jedenfalls nicht weniger aufwendig als beim Film.

Naja

Von: Dr. Waters | Datum: 01.09.2004 | #13
Natürlich kann man um die verlorengegangenen Filme und Firmen trauern, aber letzendlich ist es doch Nostalgie. Wenn man sich die neuen Digital-SLRs anguckt, die haben mehr Auflösung, als man mit normalem Fotoausrüstung aus den analogen Filmen rauskitzeln konnte. Außerdem haben die weniger Farbrauschen bei höheren ASA-Zahlen als Filme.
Und auch nicht zu vergessen: ich habe vor einem Jahr angefangen, mit einem hochwertigen Filmscanner meine alten Filme zu scannen - ich war erstaunt, wie innerhalb von 10 Jahren die Farben verblassen. Und die Auflösung des Nikon-Scanners übertraf bei weitem das Auflösungsvermögen der Filme. Wenn man mehr als einen 100er Film verwendet, geht eh alles in der Körnung unter.
Also ich finde, die digitalen Daten lassen sich besser archivieren als analoge Filme, man findet schneller etwas wieder und dort sehe ich weniger Probleme mit der Alterung.

zm Thema Sinar

Von: Charly | Datum: 01.09.2004 | #14
Ich muß Hubbi in Schutz nehmen

Genau dieses Back 54H ist in meinem Besitz
Mittelformat mit Hasselblad hat da wirklich keine Chance mehr.

Im 4-Shot verfahren werden 88Mio Pixel genutzt
Wer das noch nicht gesehen hat der wird das nicht glauben können.

Der Vergleich, den ich anstelle mache ich übrigens mit unserem Trommelscanner Tango von Heidelberg.

Nimm dir mal eine Dia (egal ob KB oder Mittelformat) und geh damit zur Photokina. Nimm eine sehr gute Lupe (25 - 40 fach) und schau mal durch.


Aber er bezieht das wahrscheinlich eher auf die 20D von Canon.

Da hat Hubbi recht.
1600€ für Digi-Body ist schon echt ein Hammer - und die Qualität ist bestimmt nicht schlechter als KB

Das dauert 15-10 Jahre, dann kommt eine Retro-Welle

Von: puckmaus | Datum: 01.09.2004 | #15
Ich wage mal zu behaupten, daß es ähnlich sein wird wie bei den Speichermedien für Musik. Eine ganze Zeit lang wird es der Analogfotograf schwer haben, aber so nach 15-20 Jahren ist die analoge Speicherung dann wieder angesagt und es gibt wieder mehr Equiment. LPs verkaufen sich ja mit jedem Jahr wieder besser und an jeder Ecke gibt es LPs wieder an jeder Ecke zu kaufen, nachdem sie lange Jahre nur schwer zu beziehen waren.

Mal sehen, wann Kodak und Co. bzw. deren Zufünftige Filmspartenkäufer Retro-Editionen der alten Filme rausbringen...

Gruß aus Köln,


puckmaus

Empfehle ein Blick auf [Link]

Von: hubi | Datum: 01.09.2004 | #16
Digitale SLR's gibt es auch für 1000€.
Die 300D / D70 reicht auch aus.
Die Objektive muß man bei Analog auch kaufen.

Was definitiv zu sagen ist:
- Digital ich nicht für lebenslänglich, dafür ist das Zeug nicht gebaut. Punkt. Selbst eine sündteure 1DMKII ist für ca. 200.000 Auslösungen gebaut. In ein paar Jahren gibt es keine Ersatzteile mehr ...
- Digital Daten lassen sich zwar gut archivieren, wenn man es gut plant, aber haltbarer werden die nur bei extrem guter Pflege, sprich mehrfache Speicherung auf unterschiedlichen Medien, dem Lauf der Technik folgen, evtl. gar Konvertierungen, Software muss man evtl. auch noch archivieren ...
- Analoge Daten haben da wesentliche bessere Eigenschaften, allerdings zerfallen sie auch, und da ist das "Kopieren" wesentlich schwerer/langsamer...

Hubi (der mit einem b :-)

An(n)a log bis sie umfiel ...

Von: RoB*-) | Datum: 02.09.2004 | #17
Ich versteh' nicht, wie bei realistischer Betrachtung so merkwürdige Aussagen zustande kommen !?

Ich fotografiere wirklich viel (beruflich) in erster Linie Profi-Sport. Wer will denn heutzutage noch Filme entwickeln, trocknen und einscannen ?

Wolltet ihr z.B. auf die Bilder aus Paris länger warten, um dann sagen zu können - wow - super Qualität und die existieren sogar auf Film !?

Es kommt natürlich immer auf auf die Ansprüche, Verwendung und das Motiv an, aber in den meisten Fällen hat die digitale Fotografie die Nase vorn.

Alle Daten existieren bei uns immer doppelt (auf zwei HDs oder DVDs/CDs) und nach 25 oder 50 Jahren ist davon bestimmt mehr von übrig als von den meisten Filmen !

Zu den Kosten bei einem Bundesliga-Spiel z.B. mach' ich 500-1000 Aufnahmen auf CF-Cards sonst waren es ca. 360 auf 400- oder 800-ASA KB-Filmen - Taschenrechner anwerfen bitte ! ;)

Und auch für "Otto-Normal-Verbraucher" : Knipsen, Kamera an den Compi (ans Laptop), Bilder laden, anschauen, auswählen und freuen !-)

Wer dann wieder etwas "in der Hand haben will" lässt sich seine Fotos ausbelichten (auf echtem Fotopapier ;) ) !

Retro hin oder her - einige Leute werden (ich bestimmt auch) bestimmt noch ab und zu einen s/w-Film einlegen und auch selber Abzüge machen - aber nie mehr soo viele wie "damals" !-)

Wir entwickeln uns

Von: Karl Schimanek | Datum: 02.09.2004 | #18
zur vergessenen Kultur und keiner merkt's ;-)

Aber wenn ich sehe was zur Zeit so auf der Welt abgeht iss das eh okay :-D

Informations(verlust)gesellschaft

Von: Tobias | Datum: 02.09.2004 | #19
Vor Jahren habe ich bereits alte Photos eingescannt, PhotoCD´s brennen lassen, Negative und Dias mühevoll digitalisiert.

Jetzt schon muß man zusehen wie man die Datenträger am Leben erhält. Nicht erst in ein paar Jahren, nein der Dreck geht jetzt schon kaputt.

Gut das ich die Originale noch habe und sorgsam aufbewahre. Lieber ein rotstichiges altes Bild als gar kein Bild.

Denn restaurieren wird man alte Bilder immer können..........


Da werd ich wohl noch einen Stapel Diafilme kaufen und einfrieren.
Wie lange kann man die eigentlich im Kühlschrank (+7C, nicht gefroren natürlich) haltbar machen ?

Menno

Von: André | Datum: 02.09.2004 | #20
Hi Karl.

Wieso merkt das denn keiner? Alle blöd? Dann ist ja schonmal gut, dass allein in diesem Thread schon dreimal dieser Teufel an die Wand gemalt worden ist.

Soweit ich informiert bin, wissen Historiker seit Jahren um die Probleme digitaler Daten und tragen das netterweise in die Öffentlichkeit. Das Zauberwort zur Lösung heisst: Migration. Wurde von hubi weiter oben näher erklärt. Digitale Dokumente müssen halt in ein paar Jahren nötigenfalls konvertiert werden, damit die derzeitige Software damit umgehen kann. Passen wir da ein wenig auf, können wir unsere Bilder etc. noch in zigtausend Jahren anschauen.

Ich möchte nicht wissen, wieviele Filme im Laufe des Jahrhunderts zerbröselt sind, nur weil deren Besitzer entweder den Aufwand nicht betreiben konnten, die frisch zu halten, oder einfach davon ausgegangen sind, och, die halten schon ewig.

Die Gutenbergbibel käme einem Häufchen Staub gleich, stände sie all die Jahrhunderte ungeschützt in meinem Regal rum.

Man muss sich bemühen um seinen Bestand, ob der nun analog oder digital ist. Die digitale Entwicklung ist natürlich ein wenig rasant, das Schöne aber ist, ich habe alles selber in der Hand. Mit ein bisschen Spucke und dem stets aktuellen GraphicConverter kann ich zumindestens meine Bilder schonmal im gerade angesagten Format halten. Verlässt die angestaubte Emulsion der Filme meiner Kindheitstage die Farbigkeit, ist der Aufwand teurer und größer, um daraus Bilder zu erstellen, die nicht aussehen, als hingen sie drei Jahre in der prallen Sonne.

Ich finde es nur gut, dass vermehrt gewarnt wird, es gehen ja offensichtlich viele davon aus, die Selbstgebrannte halte ewig oder - noch besser - Word sei auf Gedeih und Verderb kompatibel zu sich selbst. Aber ständig lesen zu müssen, wir werden die "vergessene Kultur" etc. ist mit Erlaub unangemessen. Manchmal klingt's so, als wünsche man sich das. Und erinnert ein wenig an die Millenium-Panik, die geschürt wurde.

Grüße, André

Quatsch

Von: Macci | Datum: 02.09.2004 | #21
>Die Gutenbergbibel käme einem Häufchen Staub gleich, stände sie all die Jahrhunderte ungeschützt in meinem Regal rum.

Absoluter Quatsch, gerade alte Bücher sind problemarm (nicht -los) haltbar.
Migration kostet wesentlich mehr als z.B. professionelle Diaarchivierung.
Die Nasa kommt an sämtliche Daten aus den 70ern nicht mehr ran!
Welcher Hobbyfilmer/-Fotofant hat eine professionelle Migrationsstrategie?
Digifotos haben extreme Vorteile für die Tagespresse, aber wen interessiert schon die Zeitung von gestern...

übern Tellerrand schaun:

Von: gast | Datum: 02.09.2004 | #22
1. Bsp Nasa
Die steht seid längerem vor dem Problem, dass Datenträger aus den 60er und 70er Jahren nicht mehr gelesen werden können; süß die Stellenanzeigen, in denen 70jährige Veteranen gesucht werden, die in Cobol programmieren können…

2. Bsp Literatur
sog. Autographen zeigen Wissenschaftlern, wie ein Autor an seinem Werk 'rumkorregierte, schnibbelte, umstellte, bis es ihm gefiel. Aber wer sammelt Steven Kings 3"Disketten incl. Word4, um die Änderungen aufzubewahren?

3. Bsp zdf
…die wollten vor einiger Zeit alte Aufnahmen von sog. 2" Bänder migrieren - das Zeug war nur noch Brösel!… Leider hatte BASF n schäbigen Kleber für den Magnetstaub verwendet…z.B. Live Musik der Sixties - wech!

4. Bsp Papier
Die Verwendung von Bleichmitteln ab 1850 (? korregiert mich, Halbwissen) führt dazu, dass Dokumente aller Art langsam von der DruckTinte zerfressen werden - die Bulle von 1024 bleibt erhalten, die zweite Version des Kommunistischen Manifest' zerlegt sich selbst…

--------

Glaube auch, dass es in der Dokumentation von Geschichte & Kultur ein heftiges Loch geben wird. OK, das lässt sich in' Griff kriegen, wird aber noch dauern…

Migration etc

Von: DC | Datum: 02.09.2004 | #23
Fassen wir zusammen:
- neues Papier geht von selber kaputt
- analoger Film geht von selber kaputt
- digitale Medien gehen von selber kaputt

=> Vorteil Papier und analoger Film, die gehen bei sachgerechter Lagerung langsammer kaputt als z.B. CDs

- Papier kann man schlecht bis garnicht migrieren
- analogen Film kann man nur aufwendig migrieren
- digitale Medien kann man einfach migrieren, wenn man will

=> Vorteil digital

Aber die Gretchenfrage ist doch, wer hat das Geld und die Zeit, diese Migration durchzuführen ?

Ansonsten stimme ich dem Artikel und dem Kommentar von FritzBlitz zu: Zur Zeit wird Wissen, Know-How und die Lebensgrundlage des Mittelstands vernichtet und keiner Protestiert...

Re: Canon EOS 300D

Von: DC | Datum: 02.09.2004 | #24
Die EOS 300D hhat einen gravierenden Mangel: man kann keinen eigenen Weispunkt definieren. Besser eine EOS 10D nehmen, zumal die jetzt recht günstig sind.

digitales Gelabber

Von: steinklumpen | Datum: 02.09.2004 | #25
Guten Tag,

also euer Gerede ne ne ne ,jeder hat verschiedene Anwendungsbereiche und dies erfordert natürlich auch andere Lösungsmöglichkeiten

in meinem falle fotoknipse ich jedes wochende so ca. 500-1500 autos auf unseren Oldtimertreffen
könnte mir mal jemand erzählen wie ich das mit dem teuren analogmist machen sollte
meine digicam hat 219 euro gekostet die qualität is sehr gut,
anfang der 90er hatte ich so nen scheiß analog ding also höchstens zweimal 36 das wars, wozu sol ldas gut sein und mann kann nich kontrollieren ob das foto was geworden ist

Hallo Steinklumpen

Von: Frank Giese | Datum: 02.09.2004 | #26
Bei 1500 Bildern pro Tag solltest Dir vielleicht eine Videokamera kaufen.

Um ein vernünftiges Bild zu arrangieren benötige ich sicher mindestens 1 bis 2 Minuten. Da mußte mein Wochende 60 Stunden haben - reife Leistung.

Ich glaube gerne, dass Du mit Deinem Anwendungsprofil an die Grenzen der Analogtechnik stößt. Aber wie Du schon richtig geschrieben hast gilt dies nicht für jeden.

Deshalb viel Spaß mit der Digitalen.

Gruß

Frankg

Analog vs. Digital

Von: Dirk (MacGuardians) | Datum: 02.09.2004 | #27
Die Frage ist doch einfach:

Wer braucht für welchen Zweck welche Qualität?

Doppelseite Magazin: unter 6 MP geht meist nichts mehr… auch wenn die schon deutlich schlechter aufgelöste Photos gedruckt haben…

Werbekunden verlangen oft noch analoges Mittel- oder Großformat, weil sie aus Erfahrungen gelernt haben, daß für sie digitales KB lange nicht reicht.

Außerdem: ein gut gescanntes KB-Negativ (kein Dia!) hat ca. 14-18 MP… Und wer die 14n mal in der Hand hatte, weiß, welchem Gerät die Bezeichnung "Backstein" gerecht wird…

Digital ist schneller, keine Frage. Wo aber Zeit keine echte Rolle spielt und besonders hohe Qualität gefragt ist, da kommt analoges MF oder Großformat zu Einsatz. Denn das schlägt keine Digi und kein Rückteil… ich sehe oft genug Bilder eines Imacon-Rückteils… sehr gut, bis zu einer gewissen Grenze…

Und Abzüge????

Von: misha | Datum: 02.09.2004 | #28
Und wie siehts mit Abzügen aus?
Ilford tot :(
das geile S/W Papier wech und auch kein Ilfochrome mehr???
Nur noch Tintendrucke?

@ Frank G

Von: DC | Datum: 02.09.2004 | #29
Einerseits hast Du vollkommen recht, digital kostet heute noch recht viel. Andererseits vergleichst Du eine über hundert Jahre ausgereifte Technologie (analog Foto) mit einer sehr jungen Technologie, die noch in der Entstehung ist (in meinen Augen ist die Minolta DiMAGE 7i die erste wirklich brauchbare und **bezahlbare** Prosumer Kamera gewesen, das war vor 3 Jahren)...

Und was das Ausdrucken betrifft, hat sich mit den digitalen Kameras das Verhalten der Konsumer verändert. Es wird auf Teufel kom raus geknipst, 70% ist Schrott und wird gleich weggeschmissen, 20% sind so lala und 10% sind gut und werden herumgezeigt. Man muß also nicht mehr Fotografieren können, bei 100 Fotos sind garantiert 10 gute Bilder dabei. Und die werden dann, voller Stolz, mit viel Liebe bearbeitet und auf sündhaft teures Papier (nur das Beste für die Verwandten) ausgedruckt.

Der Profi-Bereich arbeitet anders und stellt andere Anforderungen. Dort ist heute nicht mehr die Qualität der Kamera (alles seit Vorstellung der EOS 10D ist brauchbar), sondern die digitalen Arbeitsabläufe, das digitale Handling (Was bedeutet dieser Knopf in Photoshop eigendlich...) und das Verständnis von Color Management die Hemmschuhe, die das Leben des Fotografen schwer machen (Alles Dinge, die dem Consumer völlig egal sind: Hauptsache auf dem Tintendrucker/Monitor sieht es gut aus). Wenn alles richtig eingestellt ist (einschließlich der Bio-Bits) ist der Unterschied zu analog eigendlich nur der, daß die Bilder hinterher nicht im Kühlschrank lagern sondern auf DVD-RAM im Tresor.

Abzüge

Von: Thyl (MacGuardians) | Datum: 02.09.2004 | #30
Na, tot ist Papier noch lange nicht. Ilfochrome ist sicher ein tolles Material, und wird wohl auch weiter verfügbar sein, aber man kann ja auch von Dias auf normales Photopapier printen; wird je heute idR ohnedies eingescannt. Bei Papieren sehe ich eigentlich keine wirkliche Krise. Wenn die erste Euphorie der Digitalisierung vorbei ist und sich die Nutzer an das Medium gewöhnt haben, werden bestimmt ne Menge Photoprints von digitalen Bildern gemacht werden. Ist einfach haptischer als die Familie um den Monitor zu versammeln.

@DC

Von: Frank Giese | Datum: 02.09.2004 | #31
Das ist schon klar, dass der Vergleich einer neuen mit einer etablierten Technologie nicht funktioniert. Aber genau deswegen habe ich ihn ja gemacht: weil ewig dieser angebliche Preisvorteil angeführt wird. Tatsache ich kenne niemanden in meinem Bekanntenkreis, der nicht eine alte funktionierende Analogkamera hat mit der er eigentlich fotografieren könnte. Fast alle haben sich inzwischen Digitalkameras gekauft, weil man sowas heute ja braucht. Komischerweise muss man die aber ständig neu kaufen. Es wird immer einen Grund geben, dass man unbedingt eine neue braucht, da sorgt die Industrie schon für. Und wenn einfach der Chip nach einer gewissen Zeit hopps geht.
Um es nochmal deutlich zu sagen eine analoge Kamera kann momentan gar nicht so schlecht sein wie die Durchschnittsdigtalkamera, aber dafür hält sie die nächsten dreißig Jahre. Kein Wunder, dass man diese Technologie loswerden will.

Gruß

Frankg

@ Frank G

Von: DC | Datum: 02.09.2004 | #32
Den letzten Satz muß ich mir merken, der ist richtig gut.... :-)

Aber davon mal abgesehen, wer bewust kauft (was die meisten nicht tun) hat damit auch keine Probleme. Entweder das alte Teil wird bei eBay verhökert oder, so wie bei mir, ich kaufe mir bewust ein Teil, von dem ich Glaube, dass es auch in ein paar Jahren noch richtig für meine Anwendung ist (hab lange gewartet, mir dann eine DiMAGE A1 gekauft mit 2x 512 MB Karte und nem Hitachi Drive). Trifft meine Anwendung zu 95% hinsichtlich Auflösung, Farbqualität und Handling. Der einzige echte Nachteil der Kamera, das Rauschen, hab ich mittlerweile im Griff. Ich glaube nicht, daß ich mir so schnell eine andere Kamera kaufen würde, die Alternative ist eine EOS 10D (oder jetzt 20D) mit super Objektiv (Kamera 1.500 EUR, Objektiv 1.500 EUR), aber das ist eine andere Liga und die Vorteile gegenüber der DiMAGE sind so gering, das ich bei den aktuellen Preisen nicht darüber nachdenke.

Wer den Wahn mit den GigaPixeln mitmacht, ist selber Schuld. Optisches Zoom kann man nicht digital verbessern und je höher die Auflösung der CCDs, desto mehr Rauschen, was man wieder wegrechnen muss etc. Und mehr als 5 MPixel braucht man nicht, um ein vernünftiges A3 auszudrucken...

Schon blöd...

Von: Charriu | Datum: 02.09.2004 | #33
Also, mir gefällt das gar nicht. Zum Rumknipsen habe ich auch eine Digitale, aber für die Astrofotgrafie habe ich immer noch analoge Filme verwendet. Aus einem ganz einfachen Grund:

1x SLR geschenkt bekommen
6x KODAK Elitechrome 200 ASA gekauft
6x Entwickeln lassen
=========================
Hat geskostet, sagen wir 100 Euro

1x Astro-CCD-Kamera mit 1/8 der Bildfläche kostet schon 2500 Euro, die hat 700x500 Pixel und 0.8 MPixel :) Na toll, eine Astro-CCD im bereich KB kostet schnell Mal 20.000 Euro (macht dann aber auch bessere Bilder als analog *g*)

Ich will weiterhin Film verwenden!

Charriu

Fotografieren hat ...

Von: jochen | Datum: 02.09.2004 | #34
die Malerei nicht verdrängt !!!!

Die digitale Fotografie wird die analoge Fotografie nicht verdrängen !!!!

Analoge Nischenanbieter werden sich etablieren bzw. sind schon etabliert.

Das digitale Handwerkszeug ist für einen anderen Bereich gedacht.

Am Ende steht das Bild, welches man sich anschauen möchte !!!!!!!

Ein Film im Kino, ein Konzert in der Halle, ein Theaterspiel im Theater sind was gänzlich anderes, als wenn man sich die Sachen auf DVD oder CD zu Hause reinzieht, womöglich noch im Unterhemd und der Bierflasche in der Hand.

Die Qualität wird allerdings weiter abnehmen, da auch heute meist die wenigsten wisssen, wie ein gutes Original aussieht !!!!!!!!!!!!

Beispielsweise ein gutes Photo auf Barytpapier. (Ansel Adams lässt grüssen).

Arbeit und Zeit muss man in beide Bereiche reinstecken, bis man ein hochqualitatives Endprodukt hat.

Wobei ich noch anmerken möchte, dass bei der analogen Schiene das zeitlich einfacher war, da die Produkte (Kamera, Film, Chemie usw...) länger zur Verfügung standen.

Ob einem diese Zeit bei der digitalen Technik zur Verfügung steht, wage ich zu bezweifeln !!!

Jochen

Siegeszug der Digitalfotografie...

Von: Mathias | Datum: 02.09.2004 | #35
Ich bin nicht aus der Fotografie-Ecke, aber ist es nicht so: die Digitalfotografie -ebenso wie das Kleinbildformat und die dazugehörigen vollautomatischen Kameras - sind doch keine Entwicklung der Kunstfotografie, sondern kommen aus der Pressefotografie: es ermöglicht in kurzer Zeit eine Vielzahl von Fotos zu schießen, von denen die meisten technisch in Ordnung sind, aber motivisch nur eine kleine Zahl verwendet werden können. Ein Pressefotograf hat doch keine Zeit, sich großartig um die Motive zu kümmern.
Bei der Digitalfotografie kommt noch der immense Vorteil der schnelleren Verarbeitung und die geringeren Kosten etc. dazu. Alles das gilt auch im Amateurbereich. Nur wer sich ein bisschen mit Fotografie beschäftigt und nicht einfach nur knipsen will, der kommt doch mit einer analogen Kamera günstiger weg als mit einer qualitativ vergleichbaren Digikam. Aber wer im Verbraucherbereich will das schon?

Zum Thema Migration:
für die private Archivierung mag ein Digitalformat ja ok sein. Da sprechen wir über einen Lagerzeitraum von vielleicht 100 Jahren.

Wenn es um die Archivierung unserer Kultur/Zivilisation geht, sprechen wir von einem Zeitraum, der mindestens das zehnfache betragen sollte. Ob dafür digitale Speichermedien die richtigen sind?

Feierabend, Tschüß

Mathias.

@gast

Von: André | Datum: 02.09.2004 | #36
Hallo Gast,

mit dem Papier war wohl so:

[Link]

"Aber Papier aus der industriellen Produktion, wie wir sie seit etwa 150 Jahren kennen, überdauert nur noch 50 bis 80 Jahre. Im Jahr 1850 entdeckte die Papierindustrie den Holzschliff, das Verwenden stark zerkleinerter Holzmasse als Ersatz für den traditionellen, aus Lumpen gewonnenen Papierrohstoff. Das im Holz enthaltene Lignin führt schnell zum Vergilben und produziert organische Säuren im Papier, zersetzt die Zellulosefasern sukzessive und läßt das Papier brüchig werden."

Weiter heißt es hier noch und das ist recht interessant:

"Dies ist nicht der erste Untergang eines 'Mediums': 400 nach Christus mußte die Welt zusehen, wie sich die gesamte klassische Literatur der Griechen und Römer im wahrsten Sinne des Wortes auflöste, weil die Papyrusrollen langsam zerfielen. In einer für die damalige Zeit unglaublichen Rettungsaktion ließ der römische Kaiser Konstantin 100.000 Werke auf das haltbarere Pergament kopieren."

Und die Armen hatten noch keinen Xerox.

Gruß, André

Müßige Diskussion

Von: garpcgn | Datum: 03.09.2004 | #37
Schön wie viele hier sich für die traditionelle Fotografie einsetzen. Das Problem ist nur das die Verwender einfach erheblich weniger Filme und nachfolgende Dienstleistungen kaufen. Und aus diesem Grund müssen die großen Vier (Agfa, Fuji, Kodak, KonicaMinolta) ihre Strategien anpassen. Die Umsatzeinbrüche sind wirklich dramatisch. Glaubt mir die Industrie würde lieber noch zehn Jahre Filme herstellen und vertreiben.