ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3180

Viele kleine HP- und Pepsi-Deals

iTMS-Marketing und ein paar Zahlen

Autor: flo - Datum: 06.09.2004

Hilfe, hilfe, Microsoft betritt die Bühne, wann werden sie den Weltmarkt des Musikverkaufs beherrschen, wann wird Apple aufgeben und sterben, ojeh, hilfe, alles ist vorbei. Jaja. Und Real ist ja jetzt auch viel günstiger und besser und verkauft auch schon eine Million Songs, buhhuuu. Nun, vielleicht kann man (bei Apple) nicht nur ruhig dasitzen und sagen, dass einem das alles sonstwo vorbeigeht, aber zum einen tun sie das nicht, zum anderen ist ein Verweis auf ein paar Zahlen auch durchaus legitim und zeigt, dass Hysterie ebenfalls fehl am Platze ist. Real verkauft also eine Million Songs in der Woche mit ihrem ich-geh-pleite-Preis von 49 Cent. Das ist für Real großartig. Doch welche Million kauft denn da? Real zielte auf Apple-Kunden, unverhohlen. Im Endeffekt ist es ihnen wahrscheinlich egal, wer nun ihre Songs kauft, aber trotzdem: Sind es Apple-Kunden gewesen? Selbst wenn, dann haben die wohl nur zusätzlich bei Real eingekauft, denn die Verkaufszahlen im iTMS sind weiter ungebrochen: 16 Millionen Songs setzt Apple derzeit im Monat ab, also rund vier Millionen pro Woche. Das ist noch einmal deutlich mehr als zu Zeiten des 100-Millionen-Song-Countdowns, als man die Zahlen auf etwas über 3 Mio hochrechnen konnte. Insgesamt landet man jetzt schon bei 125 Millionen Downloads. Einen Effekt von Reals Aktion lässt sich also (anhand dieser Zahlen) auf den iTMS nicht ausmachen. Entweder hat also Real Zusatzumsätze (mit iTMS-Kunden) generiert, worüber dann eigentlich alle glücklich sein können, oder sie haben Neukunden akquiriert, was für Real auch nicht doof ist (wenn die Kunden hängen bleiben), oder die bestehenden Real-Kunden haben einfach nur mehr gekauft -- was Real dann gar nichts hilft, weil sie mit diesem Angebot nur Verlust machen. Panik also bei Apple? Nein, warum auch.

Dann wäre da der MOMS (Microsoft Online Music Store, wie AtAt das schön abgekürzt hat), der mit Sicherheit irgendeine Rolle spielen wird. aber noch gibt es keine Zahlen und auf den ersten Blick sieht der Store ja nun nicht aus wie die große Offenbarung (wobei mir die sehr ausführlichen Album-Reviews gefallen -- allerdings kann ich überhaupt nichts anklicken im Store, ich hätte ja wenigstens eine Fehlermeldung erwartet, die mich als hoffnungslosen Mac-User bloßstellt). Jetzt wird also überall mit der großen Marktmacht Microsofts gewedelt und argumentiert, dass alleine deswegen der MOMS die Massen anziehen wird -- weil er halt einfach da ist, bereit auf jedem (neu erworbenen) Rechner.

Das ist ein Argument, aber es ist ja nicht so, dass Apple nichts tun würde. Der HP-Deal ist der größte Coup. Er ist für den iPod ein zusätzlicher Verkaufskanal, zudem noch einer, mit dem nicht nur die Zahl der potentiellen Käufer erhöht wird, sondern auch noch eine andere Käuferschicht erreicht wird. Denn auch wenn HP in Richtung Consumermarkt drängen will, jung und hip sein möchte, der typische HP-Kunde ist eher kein Apple-Kunde. Der zweite Aspekt des Deals ist die Vorinstallation von iTunes auf allen HP-Rechnern, und HP ist immerhin der zweitgrößte Computerhersteller der Welt. Damit ist also nicht nur der MOMS auf zahlreichen Rechnern präsent, sondern auch der iTMS.

Aber mit dem HP-Deal ist Apples Marketing noch nicht am Ende. Mit zwei Marketingprogrammen nimmt Apple auch die kleineren Partner mit. Da wäre zum einen das iTunes Volume Discount Program, womit sich im Prinzip viele kleine Pepsi-Deals verwirklichen lassen. Man kauft einige zehntausend Songs verbilligt ein und kann damit mehr oder minder machen, was man will (außer weiterverkaufen). Im Bundle-wütigen Amerika wird man also sicherlich demnächst zu jeder Jeans einen iTMS-Song gratis bekommen.

Zum zweiten gibt es die iTunes Affiliates, im Prinzip ein Bonusprogramm für umsatzgenerierende Linksetzung. Man trägt sich als Affiliate ein, setzt einen Link, und bekommt 5% des Umsatzes, der innerhalb von 24 Stunden generiert wird (von diesem Link ausgehend). Theoretisch kann jeder Hanswurst sich als Partner bei Apple bewerben, wobei sich Apple vorbehält, Bewerber abzulehnen (siehe FAQ). Und auch dieses Angebot, bei dem Apple auf LinkShare zurückgreift, wird fruchten, denn wie sagt man so schön: Kleinvieh macht auch Mist. Oder: Viele Jäger sind des Hasen Tod. Es geht um Präsenz. Microsoft hat diese Präsenz aufgrund ihrer riesigen installierten Windows-Basis. Doch Apple zeigt beim iTMS nicht nur mit großen Deals (HP, AOL, Pepsi) diese Präsenz, sondern auch mit diesen vermeintlich kleinen Angeboten. Apple hat nicht nur einen Vorsprung, sondern auch noch ähnlich gute (oder bessere?) Karten. Hysterie? Keine Spur.

Kommentare

flo, du bist der beste!

Von: phil | Datum: 06.09.2004 | #1
wahnsinn - deine beiträge sind einfach super!

Daumen hoch

Von: Gulaschpizza | Datum: 06.09.2004 | #2
Dickes Lob für diesen Artikel. Sehr informativ. Klasse Macguardians =) Ich muss mir doch mal wieder ein Apfelbrett zulegen. Vielleicht einen schnuckeligen iMac? :) Wenn er denn ab Januar verfügbar sein wird :p *scnr*

Schmeißt HP denn den MoMs von seinen Rechnern runter?

Von: nicknix | Datum: 06.09.2004 | #3
Oder sind auf einem XP System von HP der iTMS und MoMs vorinstalliert?

Wettbewerb ist das Beste..

Von: keafreund | Datum: 06.09.2004 | #4
für einen so neuen Markt, wie den legalen Online Musikmarkt. Wie sich hier am Ende die Marktanteile verteilen werden wird sich zeigen. Zunächst ist es für alle Anbieter von Vorteil wenn mehr und mehr Kunden überhaupt erstmal Musik online legal kaufen.

LoCal

Von: dermattin | Datum: 06.09.2004 | #5
"Also ich bin natürlich froh, dass der iTMS so richtig brummt, aber ich finde die Überheblichkeit die bei einigen Applern zu tage kommt nicht besonders erfrischend."

Wieso sind die User hier überheblich, wo sie doch genau das gleiche sagen wie du?

X-BOX

Von: Terrania | Datum: 06.09.2004 | #6
Ich bin nun wirklich kein M$-Fan. Aber die XBOX wird ihren Weg machen. Allein die Grafik ist schon eine ganze Ecke besser als bei der PSII. Ach ja: Und kosten tun beide mittlerweile ca. 150 Ocken. Da fällt die Wahl nicht schwer. Also immer mal langsam ...

Terrania

Von: salco | Datum: 06.09.2004 | #7
Es wäre ja ein Armutszeugnis gewesen, wenn die Grafik der XBox schlechter gewesen wäre, schließlich ist die PS2 über ein Jahr älter. Wenn die PS3 dann rauskommt, ist der Vorteil der XBox bis zu deren nächsten Generation dahin.

Und an denen, die jetzt Konsolen kaufen, werden die Hersteller sicher relativ weniger verdienen, als bei den älteren Kunden. Letztere kaufen mit Sicherheit auch mehr Spiele, als die Schnäppchenjäger, die jetzt zugreifen.

LoCal

Von: dermattin | Datum: 06.09.2004 | #8
"Find ich mal nicht, es wird sich über Real, Sony usw lächerlich gemacht und das is gefährlich."

Ist doch auch lächerlich, erst hamse grosses Maul und dann kommt, mal wieder, nur heisse Luft. Und wieso wäre das gefährlich? Entwickeln wir User den iTMS oder Apple?

Was jetzt deine Geschichte beweisen soll, frag ich mich ebenfalls. Soll ich auch eine erzählen um danach alle PC User als asozial abstempeln zu können?

--ikeafreund--

Von: FritzBlitz | Datum: 06.09.2004 | #9
Ja, wenn es Wettbewerb bleibt, dann hat es auch sein gutes. Leidlich ist an Firmen wie M§, dass sie in der Regel nur solange was von "freien Wettbewerb" halten, wie sie im Vorteil sind........

->FritzBlitz

Von: keafreund | Datum: 08.09.2004 | #10
Du hast recht, besonders wenn man bedenkt, daß
auf dem Online Musikmarkt nicht nur um die Konsumenten gekämpft wird. Es gilt wohl auch noch herauszufinden wer hier in Zukunft die Spielregeln diktiert, die Musikindustrie oder die Online-Vermarkter. Hier prallen die Interessen einiger "Großer" aufeinander und da wird sicher mit sehr harten Bandagen gekämpft.

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Von: Dirk (MacGuardians) | Datum: 23.09.2004 | #11
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Von: jackpot the pimp part 2 lyrics statistics | Datum: 12.10.2005 | #12
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