ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3183

Lokale Eigenheiten oder Anziehen der Daumenschrauben?

Der iTMS in Japan vor Schwierigkeiten

Autor: flo - Datum: 08.09.2004

Wenig wird so misstrauisch beäugt wie Digital Rights Management. Microsofts Palladium bzw. -- geschickterweise bis zur Unkenntlichkeit umgetauftes -- NGHBGLRKZE (oder ähnlich) vielleicht noch. Mitte des Jahres änderte Apple erstmals die Nutzungsbedingungen für den iTMS: fünf statt drei Computer, aber nur noch sieben CD-Kopien statt zehn derselben Wiedergabeliste. Das eine also zugunsten des Users, das andere sollte niemanden wirklich tangieren, dennoch hieß es: "Schau an, teuflisches DRM, jederzeit kann die Daumenschraube angezogen werden". Auch für die Verzögerungen des europäischen Stores wurde oftmals die rigide Haltung der Labels verantwortlich gemacht, nicht zuletzt weil zwischendurch immer kräftig auf den Busch gehauen wurde (wer erinnert sich noch an den Vorschlag, einzelne Top-Hits für bis zu 2,50 zu verkaufen?).

Jetzt meldet die japanische Wirtschaftszeitung asahi, dass den örtlichen Musiklabels Apples lasches Rechtemanagement gar nicht schmeckt. CDs brennen? Die bislang dort verfügbaren Stores erlauben dies nicht. Derweil sind diese Stores, wenn auch noch in kleineren Maßstäben, erfolgreich, trotz geradezu winzigem Musikbestand und relativ hohen Preisen wird das Angebot angenommen. Die Prognosen das Potential des Onlineverkaufs von Musik betreffend sind ähnlich gigantisch wie hierzulande (ob's stimmt oder nicht). Und dass der iPod und andere technische Spielzeuge in Japan traditionell enorm beliebt sind, ist bekannt. Auf diesen Aspekt hofft auch Apple Japan, allerdings ist "CDs brennen" eben doch etwas anderes als "auf den iPod übertragen dürfen". Apple wird hoffentlich dennoch auf den in den bisherigen iTunes Stores geltenden Bedingungen bestehen, nicht dass bei einem Nachgeben weltweit die Labels noch auf dumme Ideen kommen...

Kommentare

obs nutzt?

Von: Thomas | Datum: 08.09.2004 | #1
das www macht auch vor Japanern nicht halt, und wenn man denen den store vorenthält, werden die Leute dort auch über P2P Netze u. ä. saugen und brennen ..."da schlackern de nur mit de gelbe Ohren... (Zitat Mundstuhl)

tun sie schon

Von: Bert Camem | Datum: 09.09.2004 | #2
und ausserdem re'giert' eben immer noch die gier. beziehungsweise die angst. das bedeutet, dass sich immer einer findet, ders für noch weniger macht. wohin das führt, können wir weltweit gut und entspannt beobachten.

von daher werden sich auch andernorts die goliaths selber richten. schön.

( kryptisch ? nicht wirklich : japans mi geht ihren eigenen weg, der dem westlichen vom prinzip in nichts nachsteht. nicht umsonst hat der sony-chef steve jobs beim kollegialen golfen abblitzen lassen, als dieser sony zur itms-kooperation überreden wollte. )

Ich weiß nicht das kann mich alles nicht überzeugen

Von: Kilian | Datum: 09.09.2004 | #3
Ich wohne jetzt seit über 7 Jahren in Japan und ich habe hier noch nie eine CD gekauft. Warum? Neue CDs (und das ist Mainstream) kosten ca. 25 Euro das Stück. Ich bin ja nicht blöd. Jazz CD liegen da noch viel höher.

Die Japaner sind verhältnismäßig zurückhaltend was das Online-Kaufen betrifft, aber ich denke der Hauptgrund ist einfach, daß die Rechterverwerter der Musikindustrie halt ums verrecken ihre Daumenschrauben nicht lösen wollen. Vor allem weil die Quasi-Monopolisierung des Musikmartes hier in Japan wirklich erschreckend ist. Entweder es gehört SONY oder es gehört BMG. Viel mehr gibts im Mainstream nicht an Auswahl.

Huh? Ich dachte, bei Japanern sind mp3s völlig unbekannt?...

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 09.09.2004 | #4
Irgendwo war mal in einem Artikel zu lesen, dass Japaner fast keine Raubkopien haben und keine mp3s. Bei meinem einzigen Kontakt mit nem wenigstens rudimentär englischsprechenden Japaner (ja, das ist gar nicht so einfach zu finden!) musste ich ihm jedenfalls erst erklären was das ist, denn er hatte noch NIE davon gehört!