ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3208

Itanium vorbei?

und die "self fulfilling prophecies

Autor: thyl - Datum: 21.09.2004

Dieser Artikel im Register verweist auf ein PDF, das es anscheinend schon nicht mehr gibt, was auch immer der Hintergrund für dessen Entfernung gewesen sein mag. Jedenfalls beschäftigt sich der Artikel mit den Änderungen bei den Prognosen zu Verkäufen der intel-Itanium-CPU, welche das Marktforschungsunternehmen IDC veröffentlicht hat.

Wie wir alle wissen, ist keine der Prognosen der IDC auch nur im entferntesten eingetroffen. Selbst die jüngsten hat der Itanium weit untertroffen. Er ist ein erstaunlicher Flop.

Update 27.9.2004: Gerade auf The Register gelesen: HP stellt seine Workstations mit Itanium-Prozessor ein; Itanium werden künftig nur noch in Großrechnern verwendet, Workstations kommen mit x86-64. Und HP hat gerade beim Itanium 2, noch mehr als bei 1er, maßgeblich mitgearbeitet, um die Performance endlich hinzukriegen; und hatte schon immer RISC-Workstations im Angebot. TheRegister geht natürlich genüsslich auf die Prognosequalität ein, die wirklich ziemlich schlecht ist. Was mich aber nicht wundert, da Prognosen im Bereich der Computertechnik (und nicht nur da) sich ganz allgemein als so schlecht herausgestellt haben, dass man die ganze Methodik von Prognosen ernsthaft in Frage stellen muss. Es ist ein natürliches Bedürfnis einer zur Prospektion intellektuell fähigen Spezies, Informationen über die Zukunft zu gewinnen. Aber vielleicht müssen wir uns von der Vorstellung verabschieden, brauchbare Prognosen über die Zukunft erhalten zu können, die über intelligentes Raten hinausgehen.

Es stellt sich aber die Frage, inwieweit bereits die Prognosen die Wirklichkeit beeinflusst haben könnten. Böse Zungen könnten natürlich behaupten, dass IDC mit seinen optimistischen Prognosen versucht haben könnte, die Itanium-Verkäufe anzuschieben (da Menschen gerne auf der Seite der Gewinner stehen), aber dies wäre mit dem seriösen Ruf des Instituts unvereinbar und wäre im übrigen auch als gescheitert anzusehen. Andererseits fragt man sich, inwieweit in einer Art vorauseilendem Gehorsam oder Resignation die anderen CPU-Entwickler ihre Entwicklungen eingestellt haben könnten. Klar zu erkennen ist, das MIPS aufgegeben hat und sich auf den Markt der stromsparenden, leicht zu bündelnden CPUs konzentriert. Auch der Alpha-Chip wird wohl wirklich eingestellt werden, aber das ist vermutlich mehr auf eine Produktkonzentration bei HP, die die alpha-CPU zusammen mit Compaq gekauft haben, zurückzuführen. Interessanterweise hat HP aber die eigenen HP-RISC Chips noch nicht eingestellt und mindestens eine Version soll noch kommen, obwohl HP den Itanium maßgeblich mitentwickelt hat. Sun hat zwar die Entwicklung des SPARC verschoben (ähnlich wie MIPs hin zu bündelbaren. kleinen Einheiten), aber sicher nicht komplett aufgegeben. Und IBM ist kräftig am Forcieren der Power-CPU. Also, ein gewisser Impact auf die CPU-Entwicklung könnte Itanium gehabt haben, aber zum Glück nicht so letal, wie ich vor einigen Jahren befürchtet habe.

Selbst intel scheint eine gewisse Absetzbewegung erkennen zu lassen. Der jetzt geplante Itanium verfügt laut Onkel Heinz über 1,7 Mrd (!) Transistoren. Wer soll denn das noch bezahlen? Richtig, Supercomputerhersteller/-käufer. Hier erfolgt also womöglich heimlich ein Repositionieren des Itanium, um wenigstens nicht die ganzen Entwicklungskosten abschreiben zu müssen.

Die Entwicklungsschwäche von MIPS, alpha und teils PA-RISC und die schlechten Verkäufe bei den Itanium könnte IBM jedoch tatsächlich als eine Chance aufgefasst haben, mit der POWER-Architektur in das entstandene Vakuum einzudringen. Bei geschickter Vermarktungsstrategie könnte die POWER-Architektur noch in einigen weiteren Inkarnationen auftauchen, die nicht unbedingt von Apple oder IBM sein müssen. Und damit betrifft der Erfolg und Misserfolg des Itaniums auch uns Apple-Anwender. Lassen wir uns überraschen!

Ich wage jetzt jedenfalls einmal die Prognose (au weia), dass das Zeitalter des Itanium vorbei ist, bevor es begonnen hat. Eingekeilt zwischen leistungsstarken Mainstream-Prozessoren (AMD Opteron etc.) und Spezialanbietern kann er höchstens noch eine Nische finden.

Kommentare

Zum Glück...

Von: Karl Schimanek | Datum: 21.09.2004 | #1
gibt's die NASA, die 10.000 Titanc-Prozessoren kaufen ;-)

*GÄHN*

Das liegt einfach

Von: tonidigital | Datum: 21.09.2004 | #2
an den niedrigen GHz Werten... Die Inteller die wollen viel Rums und Bums fürs Geld ergomöglichst viel GHz! Und das sage doch einer der Megahertzmyth wäre in alle Köpfe vorgedrungen.. ;-)

Jedoch

Von: oxyl | Datum: 21.09.2004 | #3
er ist weniger Flop als der 3 GHz G5

frage

Von: namnam | Datum: 21.09.2004 | #4
habe ich an dieser stelle schonmal erwaehnt, dass es keinen gcc 3.5.x geben wird?
sind das nicht sensationelle neuigkeiten?

Entwicklungschwäche beim alpha?

Von: Rüdiger Goetz | Datum: 21.09.2004 | #5
Hallo,

Beim Alpha konnte ich eigentlich keien Entwicklungschwäche erkennen, jedenfalls solange überhaupt entwicklet wurde. Nur ist leider durch die verschieden Verkäufe die Entwicklung nahezu zum Stillstand gekommen. Der aktuelle EV7/EV7z ist meines Wissen auch nur ein aufgeblasner EV6 und den gab es schon 1999. Einzig Shrinks und mehr Cache hat sich seit dem getan. Und der EV7 hält bis heute recht ordentlich mit.

MIPS dagegen scheint wirklich abgehangen zu sein und HP hat HPPA auch eine langsame Tod verordnet.
Insofern ist es weniger (bei alpha ud HPPA) eine Entwicklungsschwäche als eine nicht existente Entwicklung (BTW: SMT/Hyperthreading Konzepte stammen ursprünglich aus Drafts für zukünfige Alpha-CPUs zu denen es bei Compaq und HP dann nie mehr gekommen ist).

Bis dann

R"udiger

Power5 ist jetzt schon 2,3-3mal so schnell wie die Itanic...

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 21.09.2004 | #6
Obwohl ich SPEC immer noch albern finde: Zieht euch mal das hier rein!

Abstand zum Zweitplatzierten Itanic bei 2-, 4- und 8-way:

FP:
3 mal so schnell bei 2-way
3 mal so schnell bei 4-way
2,8 mal so schnell bei 8-way

INT:
2,3 mal so schnell bei 2-way
2,3 mal so schnell bei 4-way
2,5 mal so schnell bei 8-way

Da kann Intel mit seinen Dualcore-Transistorgodzillas gerne kommen! ;-) Bis dahin ist der Power6 schon fast fertig oder zumindest der Power5+ in 90nm mit deutlich höherem Takt!

namnam:

Von: Karl Schimanek | Datum: 21.09.2004 | #7
Klär' mich mal auf!

GCC3.5... was denn dann?? :-)

@Karl Schimanek

Von: Rüdiger Goetz | Datum: 21.09.2004 | #8
Hallo,

> GCC3.5... was denn dann??

Hab ich auch gedacht, aber in Blick auf die Homepage vom gcc gcc.gnu.org ergibt:

Active development (mainline): will become GCC 4.0.0

Also gcc3.5 ist tot es lebe gcc 4.0

Bis dann

R"udiger

@mbs

Von: namnam | Datum: 21.09.2004 | #9
afaik gabs unter mac os x mal nen befehl, der ausgab fuer wieviel prozessoren das system ausgelegt war...
wollte ja nur wissen ob tiger 4 prozessoren unterstuetzt und dadurch rueckschluesse auf die zukuenftige hardware (dual dualcore maschinen *duck*) ziehen ...
ist doch bald weihnachten! ihr wisst schon: spekulatius,vorfreude,geschenke ...

Rüdiger:

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 21.09.2004 | #10
GCC 3.5 GCC 4.0 wird dick Auto-Vektorisierung haben! ;-)

Wegen dem Befehl: Meinst du evtl. sysctl -a

G5 Extreme oder doch schon G6?

Von: tonidigital | Datum: 21.09.2004 | #11
Hmm?! Nur mal so eine Frage...

Ah okay

Von: Karl Schimanek | Datum: 21.09.2004 | #12
Hätte auch selber nachschauen können...

meine prognose

Von: chris | Datum: 21.09.2004 | #13
jetzt liefere ich auch mal eine "ot"-prognose. - in rund 4-6 wochen erscheint ein neues ibook, und meines ist dann fast nichts mehr wert.

@namnam

Von: mbs | Datum: 21.09.2004 | #14
Der Befehl heißt "hostinfo". Ist wie gesagt aber nicht soo aussagekräftig, da man die Werte schnell ändern könnte, wenn man will.

Interessanter wäre der Quellcode für die Mainboard-Treiber. Da hat Apple aber in der Vergangenheit meist sorgfältig darauf geachtet, alle Teile, die Rückschlüsse auf zukünftige Hardware zulassen, aus dem Quellcode herauszuzensieren.

@Thyl:
Portierung auf Power 5 wäre technisch kein größeres Problem. Man müsste halt nur Zeit und Geld in die Entwicklung von Chipsatz-Treibern für die entsprechenden Computer stecken. Da außerdem der kleinste IBM-Einstiegscomputer mit Power 5 im Moment 6.800,- EUR kostet, macht das wohl keiner zum Spaß in seiner Freizeit...