ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3243

Kreative ins Ehrenamt!

Viele Organisationen haben es bitter nötig…

Autor: dk - Datum: 04.10.2004

Wer ehrenamtlich arbeitet, dem gebührt der Dank der Gesellschaft. Denn wer neben dem eigenen Job noch Zeit und Motivation, findet, sich für andere Menschen einzusetzen, der verfolgt seine Vision einer besseren Welt. Klingt vielleicht ein wenig pathetisch, aber was wären gerade wir Macianer ohne Visionen?

Gestern fand in Hannover die erste städtische Freiwilligenbörse statt. Zahlreiche Organisationen stellen sich und ihre Arbeit vor: für Kinder, für Senioren, für die Umwelt, für Menschenrechte, für fairen Handel – you get the idea. Ich war wirklich beeindruckt über die Vielfalt. Doch gleichzeitig war ich schockiert angesichts der Vielfalt schlecht gestalteter Faltblätter und Plakate sowie dumpfer Werbesprüche. Kein Wunder, daß das Ehrenamt immer wieder über Nachwuchssorgen klagt. Bei diesen Werbemaßnahmen vergeht einem schon beim Betrachten der Angebote die Lust.

Deshalb fordere ich hier: Kreative – Designer, Fotografen, Texter, etc. – ins Ehrenamt! Vielleicht wäre manches einfacher zu erreichen, wenn wichtige Infos besser und ansprechender verpackt wären. Denn sicher ist: Gute Gestaltung zieht an, und wenn dann noch die Inhalte stimmen, kann fast nichts mehr schief gehen.

Kommentare

Wer gestaltet mir einen Flyer

Von: -WeFü- | Datum: 04.10.2004 | #1
für die Werbung freiwilliger Feuerwehrfrauen und-männer. Von denen kann man nie genug haben. Ich bin da echt am überlegen eine Werbeaktion zu starten. Wir sind in einer eher ländlichen Gegend, zwei Dörfer mit zusammen ca. 1300 Einwohner. Hat jemand Lust? Zu verdienen gibts nix außer evt. einen Fuchs --> [Link]

Hütet euch davor, das zu tun!

Von: boskopp | Datum: 04.10.2004 | #2
Selbstverständlich sind die Handzettel grauenhaft.

Meine Erfahrung ist die, dass man per Email kommuniziert. Irgendwann hat dein Gegenüber ein Virus und dann geht's los! Das Postfach ist mit jeder Virenwelle voll Ungeziefer. Mach doch einfach eine neue Box auf … und dann machst du neue Filme, lässt neue Visitenkarte drucken, die Internetseite, das Briefpapier … und schon sind 1000 Eier weg.

Ich habe versucht, mit ihnen zu reden ["Haltet doch wenigstens ein Feigenblatt vor euren PC."]
"Damit musst du leben, das ist heute halt so." "Dass DU [! wie soll man das einem DOSenfreund erklären] Viren hast, interessiert mich nicht."

Gemeinnützige Arbeit ist sehr teuer. (Ganz zu schweigen davon, dass sie ihre Informationen in Word-Dokumenten rumsenden. Wie wenn ich X-Hunderte von Euros übrig hätte, für so einen schrecklichen Texteditor.)

Es gibt auch Ehrenamtliche

Von: -WeFü- | Datum: 04.10.2004 | #3
. . . die arbeiten mit nem Mac

Kreative, ja ja

Von: Waldorf | Datum: 04.10.2004 | #4
Ich bin auch ehrenamtlicher in diversen bereichen und wann immer ich was graphisches (ein selbst"entworfenes" logo mal schnell neu und richtuig gezeichnet oder sowas in der art) brauche rechnet mir jeder kreative anhand seiner gut geregelten sätze vor was so ein logo das ich dann überall und wenns sein muss am klopapier in taschikistan verwenden darf dann kostet. Mehr als die ganze geplante PR-Aktion des jeweiligen Vereines. wen wundert daher die schlechte aufmachung.

Is schon klar

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 04.10.2004 | #5
Kaum ein Verein hat wirklich finanzielle Mttel zur Verfügung. Ich habe selbst für einen gemeinnützigen Verein was gemacht, ein Verein, der glücklicherweise schon ein bisschen Geld hat. Zu den Preisen, für die ich die diversen Arbeiten gemacht habe, hätten sich wahrscheinlich nur sehr wenige die Mühe gemacht -- wobei zurzeit ja eher alles angenommen wird, was Arbeit heißt ;) Eigentlich sollte es dennoch genüpgend "Kreative" geben, nämlich solche wie mich, die selbst am Anfang der "Karriere" stehen und um jeden Auftrag froh sein sollten (Anfragen jederzeit per Mail, harhar ;)
Dazu kommt dann aber in vielen Vereinen die Vereinsmeierei, da findet sich immer einer, der alles kann, mit Word und WordArt, der das "ganz schnell mal macht", der "weiß, was gut ist" und "der da jemanden kennt, der kennt einen, der weiß einen, der macht das für lau". Das ist schon ein gewachsenes (Un)verhältnis zwischen "Kreativen" und Vereinen... Schade eigentlich.

Ähem, ich denke die Intention war...,

Von: nicknix | Datum: 04.10.2004 | #6
dass auch mal Kreative ihre Anwaltsgebührenordnung für das Ehrenamt stecken lassen und als ihren Beitrag ein Plakat (oder auch mal was ganz innovativ anderes) vielleicht zum Selbstkostenpreis anbieten. Vielleicht fordert es Kreative auch mal heraus, ohne fette Technik, sondern mal mit Mac und dem Haus-und-Hof-Kopierer zu arbeiten. Vielleicht setzen sie sich auch mal mit dem Word-Art-Jongleur von nebenan zusammen. Dann lernt der nämlich auch noch was.

@Guido

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 04.10.2004 | #7
Genau damit beschreibst du mein genanntes "gewachsenes Unverhältnis" ;)
aber es gibt schon auch andere Erfahrungen, ich habe gerne für den Verein gearbeitet (werde das auch weiterhin tun), die Zusammenarbeit war ok, das Ergebnis ebenfalls (ohne Gemecker ;)
Inzwischen sollte eigentlich jeder wissen, worauf er sich einlässt.

@flo

Von: Guido | Datum: 04.10.2004 | #8
Ich persönlich werd es nicht mehr tun. Ich habe Arbeit geleistet (Internetseiten, mehrere Flyer, Plakate etc) im Wert von mehreren tausend Euro. Das meiste davon lief wegen der katastrophalen Planung im Vorfeld in anstrengenden Nachtschichten. Und dann durfte ich mir so Sprüche anhören wie: "Guido hat nicht die Pflichtstunden abgeleistet, also wird der normale Vereinsmitgliedsbeitrag fällig"...

Mißverständis?

Von: RollingFlo | Datum: 04.10.2004 | #9
Guido schrieb:
"...Meine Erfahrungen mit Vereinen und ehrenamtlicher Arbeit: Man arbeitet für lau (bzw. komplett für umsonst),..."

Äh, genau das ist ja die Definition von Ehrenamt. Unbezahlt? Was sonst!

Das der Vorsitzende dann seine Firma vom Verein trennt anstatt den anderen Mitgliedern Aufträge zuzuschachern, kann ich auch nicht kritisieren. Im Gegenteil ist es leider oft so, daß die Vereine und ihre Kameradschaft, oft öffentlich gefördert, die freie Wirtschaft kaputt machen - frag mal die Gastronomen.

Deine Enttäuschung kann man ja wohl dahingehend interpretieren, daß Du Dir vom Ehrenamt doch einen Vorteil versprochen hast. Das ist eine Einstellung, die nur enttäuscht werden kann, von der moralischen Seite mal ganz abgesehen. Ehrenamt bedeutet Opfer. Will man das nicht geben, sollte man es in der Tat gleich lassen.
Insofern ist Dein Beitrag sicher hilfreich für alle, denen das nicht so bewußt ist.

Denn klar, Vereinsmeierei ist wirklich oft entnervend, und es ist alles meistens schwieriger als es sein müsste. Das ist oft sehr, sehr frustrierend, auch wenn man eigentlich schon mit der richtigen Bereitschaft eingestiegen ist. Allerdings steht dem natürlich die Freude entgegen, wenn man was erreicht hat - hier gibt es natürlich große Unterschiede zwischen den Vereinsarten.

@Rollingflo

Von: Guido | Datum: 04.10.2004 | #10
Mir ist durchaus bewusst, was ehrenamtlich bedeutet. Ich war auch mit viel Elan und Engagement bei der Sache.
Ich finde es aber nicht moralisch verwerflich, wenn ich mir durch den Einsatz im privaten Bereich einen Vorteil erhofft hatte. Ich war ja nicht nur deswegen im Verein. Aber das überdurchschnittliches Engagement dann so vergolten wird, hatte ich nicht erwartet. Deswegen bleib ich dabei: Finger weg von Vereinsarbeiten!

Das trifft doch heute nicht nur ...

Von: bodo | Datum: 04.10.2004 | #11
... auf Vereine zu, selbst auf kleine bis etwas größere Unternehmen. Am besten einen aus der Familie, der Kommunikationswissenschaften studiert - Du, der macht uns die Homepage, für fast nichts (was letztendlich nur eine weitere Milchmädchenrechnung ist) ... das Ergebnis entspricht weder von der Funktionalität her noch von der Erscheinung selbst mittelmäßigen Ansprüchen und ist in keinem Fall verkaufsfördernd. Design also 0.


... "Dazu kommt dann aber in vielen Vereinen die Vereinsmeierei, da findet sich immer einer, der alles kann, mit Word und WordArt, der das "ganz schnell mal macht", der "weiß, was gut ist" und "der da jemanden kennt, der kennt einen, der weiß einen, der macht das für lau". Das ist schon ein gewachsenes (Un)verhältnis zwischen "Kreativen" und Vereinen... Schade eigentlich." ...

Ärks ... nie wieder Vereine

Von: HeikO | Datum: 04.10.2004 | #12
Die Leute in meinem Schützenverein haben von mir eine neues Schießbuch und die Logos und Entwürfe für die zu bedruckenden T-Shirts bekommen. Für lau natürlich. Alle begeistert.

Jetzt, so nach ca. 2 Monaten, kommt der Vorstand (der von der ganzen Sache ursprünglich nix wissen wollte. Zitat: "Ist doch alles gut, so wie es ist") und will ein "paar, kleine Änderungen", was auf ein komplettes Re-Design hinausläuft. Ich hab' mich höflich geweigert (hab' ja noch was anderes zu tun) und jetzt bin ich der Böse. Hab' ja auch noch die Frechheit besessen auf die kommerzielle Konkurenz hinzuweisen - und deren gerechtfertigte Preise.

Allen Vereinsmitgliedern gefällt mein Entwurf, der schön schlicht, modern und ansprechend ist. Der Vorstand will's rustikal mit Fraktur, altbackenen Schützenmotiven, Umschlag gedruckt auf Elefantenhaut und ähnlichem Unsinn. Sag' ich aber, daß wir im Jahr 2004 leben und nicht im 19. Jahrhundert, dann plustert sich der Kerl auf. Sogar den 80jährigen Schützenopas und -Omas gefällt mein Entwurf nur dieser knapp 50jährige Beamte (Bürohengst) meint querschießen zu müssen, weil er der Vorstand ist. Arghl!

Jetzt höre ich, daß der 16jährige Neffe des Vorstandes das Ganze neu macht. Gegen Geld! Auf CorelDraw! ... und auch noch die Frechheit besitzt, von mir die mühsam in Freehand neugezeichneten Logos und Wappen zu fordern.

Ok - kann er haben - CD mit Datenmüll im HFS+ Format .... hrhrhr! ("Was? Dein PC kann das Mac-Format nicht lesen? Komisch mein Mac kann alle Medien lesen! Hast halt Pech gehabt. Kauf' Dir 'nen Scanner, scan die Wappen von der Vereinsfahne ein und zeichne es in Corel nach. Viel Spaß .... harharhar ... muahahaha").

In Zukunft: "Vereine - nein danke!"

HeikO

Unterschied:

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 04.10.2004 | #13
Für Vereine arbeiten oder für Vereine arbeiten, in denen man selbst Mitglied ist.

Letzteres ist definitv ein anderes Kaliber, in Richtung gehend "Arbeiten für die Verwandschaft", zu welchem Thema es Broschüren gibt für angehende Selbständige, was man beachten und beherzigen sollte in solchen Fällen ;)

Man wird nur ausgenutzt

Von: winterland78 | Datum: 04.10.2004 | #14
Ich habe für eine öffentliche Einrichtung,
der ich eigentlich wohlgesonnen bin,
vor zwei Jahren einen mehrseitigen Flyer gemacht.
Ich bekam dafür ein "kleines Entgelt",
war nicht viel, aber es war okay, da ich, wie gesagt,
diese Einrichtung gerne unterstütze.
Ein Jahr später hiess es, man könne mir nur noch
die Hälfte davon bezahlen. Kein Problem, mach ich
natürlich trotzdem gerne.
Dieses Jahr bekam ich gar nix dafür.
Auch gut, ich unterstütze ja die ganze Aktion.
Hab den Programmflyer aufgebaut, sogar zweimal,
weil man von Hoch- auf Querformat umsteigen wollte.
Da erfahr ich ein paar Wochen später, dass bei einer Agentur eine Postkarte in Auftrag gegeben wurde, und allein die Gestaltung hat 500 Euro gekostet!
Ist das nett? Ich gestalte kostenlos ganze
Programmhefte und jemand anderes bekommt
500 euro (!!!) für eine Postkarte.

Soviel zum Thema "ehrenamtlich" . . .

hab noch was vergessen . .

Von: winterland78 | Datum: 04.10.2004 | #15
. . . die Postkarte war natürlich waaaahnsinnig
aufwändig: schwarzer Hintergrund, rote Schrift,
Logo dazu - fertig!

@winterland, heikO

Von: Guido | Datum: 04.10.2004 | #16
Meine Rede, meine Rede...

Roland Berger bei der Caritas

Von: loishulot | Datum: 04.10.2004 | #17
Führt wie in den USA geldwerte Abschreibungsmöglichkeiten über die Steuer für gemeinnützige Arbeit ein! Ich habe noch keinen Roland Berger bei der Caritas gesehen. Das hier ist Kapitalismus. Meine Freunde in Sozialen Berufen werden gnadenlos ausgebeutet. Dabei haben sie auch noch ein schlechtes Gewissen. Was nix kostet ist nichts wert. Bezahlt endlich die Leute für sinnvolle Arbeit! Macht ehrenamtliche Tätigkeiten in den Banken!

@HeikO

Von: scaramanga | Datum: 04.10.2004 | #18
sorry, kann in dieser diskussion (noch) nicht mitreden, aber habe eben gerade gut gelacht ;-)

>Ok - kann er haben - CD mit Datenmüll >im HFS+ Format .... hrhrhr! ("Was? Dein >PC kann das Mac-Format nicht lesen? >Komisch mein Mac kann alle Medien >lesen! Hast halt Pech gehabt. Kauf' >Dir 'nen Scanner, scan die Wappen von >der Vereinsfahne ein und zeichne es in >Corel nach. Viel Spaß .... harharhar ... >muahahaha").

BIGFATSMILE :-)

Kreative werdet Praktikanten!

Von: Jan | Datum: 04.10.2004 | #19
Kreative werdet Praktikanten!
Viele Firmen haben es bitter nötig…

von jan um 22:14:00 Uhr

Wer als Praktikant arbeitet, dem gebührt der Dank der Gesellschaft. Denn wer neben dem Praktikum noch Zeit und Motivation, findet, sich Geld für seine Fahrkarte zu verdienen, der verfolgt seine Vision einer besseren Welt. Klingt vielleicht ein wenig pathetisch, aber was wären gerade wir Macianer ohne Geld?

Gestern wie heute locken in allen großen Internet-Jobbörsen unbezahlte Praktika für mindestens ein Jahr. Zahlreiche Organisationen stellen sich und ihre Arbeit vor: für Kinder, für Senioren, für die Umwelt, für weltweiten Erfolg – you get the idea. Ich war wirklich beeindruckt über die Vielfalt. Doch gleichzeitig war ich schockiert angesichts der Vielfalt schlecht gestalteter Medien. Kein Wunder, daß die Wirtschaft immer wieder über Nachwuchssorgen klagt. Bei diesem Angebot vergeht einem schon beim Betrachten die Lust.

Deshalb fordere ich hier: Kreative – Designer, Fotografen, Texter, etc. – ins Praktikum! Vielleicht wäre manches einfacher zu erreichen, wenn wichtige Infos besser und ansprechender verpackt wären. Denn sicher ist: Gute Gestaltung zieht an, und wenn dann noch die Inhalte ihre Zielgruppe finden, kann fast nichts mehr schief gehen.

@Jan...

Von: bodo | Datum: 04.10.2004 | #20
...Danke...

aber ich hab schon ein annähernd einjähriges Praktikum hinter mir - mit anschließenden weiteren 3 Monaten unbezahltem Arbeiten! Geködert mit dem Versprechen auf einen (bezahlten Arbeitsplatz). War aber nix mit - und der nächste Praktikant stand ja schon in der Warteschleife:(

Abschreibungsmöglichkeiten...

Von: Christian | Datum: 04.10.2004 | #21
"Führt wie in den USA geldwerte Abschreibungsmöglichkeiten über die Steuer für gemeinnützige Arbeit ein!" -> Das Gegenteil ist der Fall. Spendenbescheinigungen müssen eine Bestätigung enthalten, dass sie nicht für den Verzicht auf Entlohnung einer Tätigkeit ausgestellt wurden....