ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3244

Wieder einmal heißt's "Eisberg ahoi" für die Itanic

Leonardo hat's schließlich auch nicht überlebt

Autor: flo - Datum: 04.10.2004

Intel stellt C|net zufolge am Montag ihren Compiler mit x86-64-Bit-Unterstützung vor. Dies stellt einen weiteren Sargnagel für Intels erfolglose Itanic dar. Nachdem Intel aufgrund massiver Kunden-Wünsche gezwungen war, AMDs 64bit-Erweiterung in ihre Chips zu verbauen fand eine der lustigsten Possen der Computergeschichte statt: Ein Hersteller führt ein neues Feature ein und warnt die Entwickler händeringend davor, das Feature zu nutzen. Itanic-Versprechungen von blühenden Landschaften in denen Milch und Honig fließen und in denen es die hunderttausendfache x86-Leistung zu einem tausendstel des Preises geben werden soll sollen die Entwickler bis zum Ende des Jahrzehnts bei der Stange halten.

Intels Compiler werden nun zwangsläufig dazu führen, dass die Entwickler anfangen werden, Code für x86-64bit zu produzieren. Und jedes Programm, das auf x86-64 portiert wird wird nicht mehr so schnell auf die Itanic kommen.
Sogar Itanic-Mitentwickler HP, der 84% der lächerlich wenigen 5665 Itanic-Rechner im letzten Quartal verkauft hat muss nun auf massiven Kundenwunsch Opteron-Server anbieten und hat gerade eben seine Itanic-Workstations eingestellt. Intels Reaktion darauf ist wie gehabt: "Das hat überhaupt nix zu bedeuten, man wolle das Ding ja gar nicht in Workstations." Genauso, wie man nach einigen erfolglosen Itanic-Jahren plötzlich niemals vorhatte, die Itanic als Ablösung für x86 längerfristig auf Desktops zu bringen...

Und so bleibt Intel nur noch der Supercomputer-Markt, in dem die Clusterbastler sowieso ihre Software selbst schreiben. Oder auch nicht: Der G5 bietet bei deutlich geringerem Preis mehr Leistung pro CPU als Itanic-Cluster in der Top500 (4.7 GFLOPS statt 4.5 GFLOPS), Power5 bietet dreimal soviel Fließkommaleistung und 2.3 mal soviel Integer-Leistung und überhaupt wird die Zukunft im Supercomputerbereich sowieso dem nur 700 MHz schnellen PowerPC 440 in Form des BlueGene gehören. Bei 180 TeraFLOPS realer Leistung (360 TeraFLOPS Peak) für den Lawrence Livermore Cluster der Anfang 2005 online geht kann Intel gerne soviele Dualcore Mendocinos verschrauben wie sie wollen, bei einem Prozent des Platzverbrauches und 3,6 Prozent des Stromverbrauches für BlueGene-Cluster wird das kaum mehr interessieren.

Der letzte Sargnagel für die Itanic wird die Veröffentlichung von Windows XP 64 bit sein, die Intel offensichtlich nun schon lange Zeit verzögern konnte. Aber AMDs Jerry Sanders will schließlich auch irgendwann, dass Bill seinen Teil des Deals einhält, für den Jerry vor Gericht damals zugunsten von M$ ausgesagt hat...

Kommentare

Der Link

Von: uldox | Datum: 04.10.2004 | #1
zu BlueGene ist tot ?!! Könntet Ihr das korrigieren. Würde mich sehr interessieren wie das geht mit den 700 Mhz und den unglaublichen 180 Teraflops geht !

cu
uldox

Link Blue Gene

Von: co | Datum: 04.10.2004 | #2
[Link]

'schuldigung

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 04.10.2004 | #3
Link ist korrigiert, da hat sich ein Leerzeichen eingeschmuggelt.

Hehehehe

Von: dermattin | Datum: 04.10.2004 | #4
"Das hat überhaupt nix zu bedeuten, man wolle das Ding ja gar nicht in Workstations."

LOL! Auf den Misserfolg angesprochen, war doch auch immer die Antwort Intels "Wir wollten gar nicht auf den Desktop Markt, deswegen kann man unsere Verkaufszahlen ja nicht mit denen von AMD oder Apple vergleichen.."

Herrlich, wie grandios Intel da baden geht. Und wie herrlich dämlich einige die Intel Marketingsprüche nachplappern.

Freut euch nicht zu früh

Von: ionas | Datum: 04.10.2004 | #5
Die Plattform ist kaputt so wie ich das sehe.

Aber der Pentium-M mit 64Bit Erweiterung könnte sehr gefährlich werden, auch und gerade im Server- und Performancbereich.

Ja, sicher...

Von: dermattin | Datum: 04.10.2004 | #6
will ja auch niemand hier gehaupten, dass Intel da grossartig Schaden nimmt.

"Aber der Pentium-M mit 64Bit Erweiterung könnte sehr gefährlich werden, auch und gerade im Server- und Performancbereich."

Nunja, da haben "wir" aber 700-500 Mhz Vorsprung, und das wird sich so schnell nicht ändern ;)

BTW: Was wohl das M bedeuten mag...

Von: Karl Schimanek | Datum: 04.10.2004 | #7
You get the idea :-D ;-)

P.S. @ i-onas :-)

Uldox:

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 05.10.2004 | #8
Naja, mit 130.000 CPUs die zwei FPUs haben und wie bei PPC üblich 4 FP-Instruktionen pro Takt schaffen kriegst du pro Takt auch deine 520.000 Fließkommainstruktionen hin! ;-) Und bei 700 MHz heisst das 364000 MFLOPS! Reale Performance dann halt noch die Hälfte davon..
Bedenken muss man auch, dass wegen der extrem hohen Integrationsdichte (die auch nur geht, weil IBM die CPUs eben niedrig taktet!) das Ding gerade mal so groß ist wie ein halbes Tennisfeld, d.h. 130qm, und mit nem Cluster in der Größe kommst du normalerweise wahrscheinlich nichtmal mehr in die Top500! ;-)

Oops!...

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 05.10.2004 | #9
364000 GFLOPS natürlich!...