ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3246

Musikindustrie und Moral

Fixi und Foxi

Autor: bh - Datum: 04.10.2004

Wie im von Flo verlinkten Editorial so schön erwähnt: die Moralkeule sollte man stecken lassen. Weder sollten die Raubkopierer besonders stolz gucken, immerhin sind Kerle wie sie schuld daran, dass DOS und Windows sich durchgesetzt haben. Auch die feinen Herren von den Big Five der Musikindustrie sollten sich nicht künstlich aufregen und die Metapher vom hungernden Künstler bemühen. Zufällig habe ich mich nämlich an einen Prozessbericht aus dem Jahr 2002 erinnert...

...Universal Music zahlte nach einem Gerichtsverfahren im Jahr 1991 insgesamt 2,3 Millionen Dollar an Peggy Lee nach - für vorenthaltene Tantiemen seit 1955. Universal Music zahlte nach einem Gerichtsverfahren im Jahr 2002 rund 4,7 Millionen Dollar an die Erben von Peggy Lee, Louis Armstrong, Billie Holiday, Ella Fitzgerald und Bill Haley. Offenbar hatte Universal sogar die Verkaufszahlen seiner großen Stars gefälscht und schloss einen Vergleich. Klagen von Courtney Love, Don Henley sowie der Erben von Bing Crosby und Buddy Holly sind noch anhängig. Mehr dazu bei der BBC.

Raubkopieren zur Religion zu machen, wie so viele stolze Breitband-Lutscher es leider tun, ist der falsche Weg. Es mag manchmal der einzige Weg sein, um an dieses alte Adventure oder diese Version eines Songs zu kommen, jep. Aber denkt immer daran: nur das hemmungslose raubkopieren konnte Windows zum de-facto-Standard machen. Wäre es nur gegen Geld zur Verfügung gestanden, hätten Millionen Menschen es sich noch einmal überlegt...

Kommentare

OT: neue pepsi-promo

Von: namnam | Datum: 04.10.2004 | #1
pespi verschenkt bis weihnachten jede stunde einen ipod (2000+) in den usa.
mehr bei [Link]

"Breitband-Lutscher"...

Von: oli | Datum: 04.10.2004 | #2
... sehr schön formuliert!

naja

Von: ionas | Datum: 04.10.2004 | #3
Der letze Satz ist ja einfach falsch hm?
Linux gibts auch kostenlos,
für Internet/Office ist es defakto auch die bessere Lösung nur für Gaming und im kreativen Bereich nicht.

Trotzdem, der drastische Run bleibt aus...

Verstehe die Logik nicht

Von: Kultobjekt | Datum: 04.10.2004 | #4
Eigentlich war fast alle Software seit je her mit etwas gutem Willen für lau zu bekommen. Wieso sollte Microsoft davon mehr als andere profitiert haben?

Ich dacht bisher immer, MS hätte sich mit IBM-Standortvorteil und gnadenloser Lizensierungspolitik in den Markt gehebelt.

@Kultobjekt

Von: Patrick | Datum: 04.10.2004 | #5
eben: die Konsequenz war, daß durch die Masse an Anwendern es sich trotz Raubkopien gelohnt hat, Software zu entwickeln, da es ja doch einige gibt, die sie kaufen. Umgekehrt wurde so das Argument geboren, daß man ja nur für diese Platform ausreichende (raubkopierte) Software bekommt. Welcher Aldi/Plus/Penny-PC-Käufer denkt denn an die Folgekosten, die eigentlich durch die Software, die sie zu verwenden gedenken, entstehen würden? "Kauf 'n PC, da kriegste die ganze Software für lau. Für'n Mac muß man ja alles kaufen..."

Das ist jetzt sehr schwer zu verstehen ...

Von: johngo | Datum: 05.10.2004 | #6
... ich kann ein MacOS doch auch
raubkopieren ... und das viel leichter,
als ein MS-System!?!?

Müssen wohl doch andere Gründe sein,
die zur Verbreitung beigetragen haben.

Gruss

Mal ein kreativer und spaßbetonter Umgang mit dem Thema...

Von: Jörn (der andere) | Datum: 05.10.2004 | #7
...ist hier zu finden:
[Link]

und alles gaaanz legal *grins*

Ich zitiere dazu nur Gates höchstselbst:

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 05.10.2004 | #8
"..People don't pay for the software. Someday they will, though. As long as they are going to steal it, we want them to steal ours. They'll get sort of addicted, and then we'll somehow figure out how to collect sometime in the next decade."

Nuff said... Raubkopiererei macht Gelder frei für die Entwicklung für Alternativplattformen, also sorry, aber nen größeren Schwachsinn hab ich selten gehört!...

Denkanstoß: Ausgewogener Markt mit 4 Anbietern mit je 25% -> Software nicht beim Nachbarn für Lau verfügbar -> Weniger Raubkopiererei!

Dass am Mac prozentual gesehen die Software DEUTLICH häufiger gekauft wird hat nicht nur mit Enthusiasmus oder der Förderung von Softwareentwicklung für die eigene Plattform zu tun, auch die angeblich "wohlhabenderen" Mac-User sind wenn dann nur ein Teilaspekt.
Ein ganz ganz wichtiger Faktor ist, dass die User die Software einfach nicht überall herkriegen und infolgedessen gar nix anderes übrig bleibt als Kauf!...

Zu dem Denkanstoss

Von: johngo | Datum: 05.10.2004 | #9
Ich weis nicht, ob dieser Gedankengang
so funktioneiren wird. Theoretisch
vielleicht. Praktisch aber möchte ich ja
trotzdem mit meinem Nachbarn völlig
unkompliziert programm- und daten-
kompatibel kommunizieren. Wenn das
dadurch unmöglich oder mindestens
teurer wird, würde ich wohl dann auch
noch mehr "günstiger" saugen. ;)


Gruss

Torrent?

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 05.10.2004 | #10
Was zum Geier ist Torrent? ;-) Genau das fragt sich der DAU!
Nachbar/Kollege oder gar nicht!... Maximal noch Kazaa oder damals Napster, alles andere ist *viel* zu kompliziert!
Willst du dem DAU ernsthaft zumuten, das Netz nach Mac .torrent files zu durchforsten?

Fakt: Mac-Warez gehen einfach schwerer her. Daran gibt es exakt GAR nix zu deuteln!

Sorry, Johngo..

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 05.10.2004 | #11
..aber ein "Trottel" ist für mich jemand anderes als jemand, der den ganzen Tag damit zubringt, Torrent Files im Internet zu suchen!
Ist dir schonmal die Idee gekommen, dass die Leute nicht nur das Wissen wo's die Warez gibt nicht haben (was ALLES ANDERE als Dummheit ist! Du magst ja gerne die Theorie von den schlauen Warez-Helden vertreten, meine Denke ist das nicht!) sondern auch schlicht und einfach den zusätzlichen AUFWAND scheuen, den alles über "ich geh mal schnell zum Nachbarn/frag den Kollegen" bedeutet?

Und dann ist da noch was ...

Von: cws | Datum: 06.10.2004 | #12
jedenfals erlebe ich es immer wieder: Der Sammeltrieb hat deutlich nachgelassen. Die meisten User, die ich kenne, haben längst aufgehört Programme zu sammeln. sie wollen nur die, die sie auch wirklich nutzen, und da ist dann die Bereitschaft zum Kaufen sehr viel grösser.
Gut der Hobbyanwender, der auf seinem 12er iBook Photoshop nutzen will, um seine Familienbilder zu verbessern, der wird es eher nicht kaufen wollen, aber in dem sieht ja nicht einmal Adobe ernsthaft einen Verbrecher, wenn er eine Raubkopie nutzt.
Danke für die Erklärung, nun weiß also auch ich nach gut 20 Jahren als MacUser was BitTorrent ist und wie es geht. Ist schon etwa so wie das mit poisoned etc. Es wird mein Kaufverhalten nicht ändern. Es ist nicht schwer, aber doch sehr mühsam. Entweder es ist garade der P2P Partner nicht da, oder es sind die beliebten Datenraten, die einen Download in 36,5 Stunden versprechen, der dann irgentwann abbricht, oder mir Schrott auf den Rechner schaufelt. Nein, mag arrogant klingen, aber da kaufe ich dann doch eher. Allemal, was die P2P Lieblinge Musik und DVD betrifft. Hier gilt die Reihenfolge ITMS/Amazon/jpc.de und wenn das alles nichts hilft P2P, wenn es denn schnell geht.

@ cws

Von: johngo | Datum: 06.10.2004 | #13
In keinem Fall wollte ich "Dein" Verhalten
als Mac-Anwender hier beschreiben. Du
bist Du und es ist durchaus möglich, das
alles, was hier steht überhaupt nicht auf
Dich zutrifft. Aber Du bist "ein" Mac-
Anwender und nicht "die" Mac-Anwender.
Das wäre meine Antwort auf Dein
letztes Posting.

Anzumerken wäre noch, das es völlig
richtig ist, das im Torrent blinde
Downloads existieren und das man
manchmal auch bei 99% "stecken"
bleibt. Das trifft aber generell zu ist
kein Alleinstellungsmerkmal der Mac-
Links.

Grüsse

johngo

@johngo

Von: cws | Datum: 06.10.2004 | #14
Nee, ich fühle mich auch nicht "angemacht".
Es ist einfach eine Beobachtung um mich herum und in der Berliner Mac-Runde, dass der Computer-Hype eher einem sachlichen, werkzeugähnlichem Verhältnis weicht. So sind unsere regelmässigen Treffen (z.B. morgen) eher ein Freundeskreis als eine Computerrunde geworden. Nach meinen Erfahrungen, die natürlich nicht repräsentativ sind, ist diese Veränderung, weg vom Fanatiker, vom Jäger und Sammler, hin zum User aber nicht auf die MacUser begrenzt. Es ist aber auch eine natürliche Entwicklung, weil Computer eben nicht mehr ein Insider-Spielzeug sind, sondern ein Werkzeug für jedermann.