ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3252

Photokina 2004

Messebericht

Autor: thyl - Datum: 06.10.2004

Mehr oder weniger frisch - oder vielmehr erschöpft- von der Photokina berichtet unser rasender Reporter Thyl aus gewohnt subjektiver, selektiver Sicht über Neues aus der Photobranche, mit einem kräftig Mac-bezogenen Schwerpunkt auf Digitalphotographie. Also die Photokiona, da laufe ich ja seit ewigen Zeiten hin. Diesmal war klar: zumindest entwicklungstechnisch ist die Transition vorüber, die Digitalphotographie ist der Hauptsektor. Punkt. Neue Zeiten, neue Spieler. Diesmal mit richtig großen Ständen vertreten waren Hersteller der Computer-Branche, wie Microsoft und HP, oder relative Newcomer in der Photographie, wie Sony und Panasonic, die sich aus den "Kina" in die "Photo"-Hallen gewagt hatten. Hier kommt eine Auswahl an Sachen, die ICH bemerkt habe, und die MICH interessiert haben. Andere grüne Redakteure werden wohl noch andere Schwänke zum Besten geben.

Unser Schefredaktör (ja, sowas haben wir!) hat gesagt, ich soll nicht nur über so'n High-End Zeug berichten. Also, bringen wir's hinter uns:

ANFANG HIGHEND-TEIL

Alpa, kleiner feiner Schweizer Hersteller von wundervollen, rein manuellen Mittelformatsucherkameras, die mittlerweile mehr oder weniger (?) gut imitiert werden, erweitert seine Produktauswahl ganz beachtlich und mutiert die ALPA 12 zur Systemkamera. Neu angeboten werden sollen zwei Schneider Objektive, die speziell für digitale Rückteile gerechnet sind, das Apo-Digitar 24 mm und das Apo-Digitar 35 mm Allerdings ist man bei Alpa noch nicht ganz zufrieden mit der Weichheit des Laufs des Entfernungseinstellrings (ich fand ihn gut, aber man wird nicht einer der rennomiertesten Hersteller, indem man sich irgendwann zufriedengibt) und so dauert es vielleicht noch ein paar Wochen bis zum Erscheinen. Außerdem gibt es "Zwischenringe" (eigentlich Zwischenkästen, bei den viereckigen Anschlußrahmen der Alpa) für Nahaufnahmen sowie zwei Teleobjektive von Schneider. Da die Alpa keinen Entfernungsmesser hat, bedeutet dies, dass sowohl für die Ferne als auch für die Mikronähe per Mattscheibe (wie bei Fachkameras) scharfgestellt werden muss. Als neue Einstellhilfe gibts dazu einen Sack mit Guckloch, den man über die Mattscheibe flanschen kann. Im Analogbereich gibts verbesserte Filmmagazine, wieder auf Basis der Linhof-Magazine. All diese Dinge sind in der üblichen, minimalistischen radikalguten Art der Alpa ausgeführt.

Bei Sinar will man die bisher als "Hinterverschluss" ausgelobte Sinar m (PDF-File!) aufwerten. Die Sinar m (6000 Euro) ist ein Rahmen mit einem eingebauten Schlitzverschluss und einem seitlichen Griff mit einer Menge eingebauter Elektronik, an den man hinten ein Digitalrückteil von Sinar ankoppeln kann. Ursprünglich zum Anschluß an die p3-Fachkamera vorgesehen, um bei Digitalaufnahmen eine bessere Verschlusssteuerung zu erreichen als mit den normalen Copal-Zentralverschlüssen, wird die Sinar m seit einiger Zeit immer weiter ausgebaut. Es gab bereits einen Spiegelkasten, der vorne an der m angebracht werden kann und den Anschluss von Nikon-Objektiven (mit Blendenbetätigung!) gestattet. Zu diesem Spiegelkasten gibt es jetzt neu einen Prismensucher, so dass man die m als eigenständige Digitalkamera ähnlich einer echten Nikon (für das zehnfache Geld) einsetzen kann. Bei Sinar hat man herausgefunden, dass viele Nikkor-Weitwinkelobjektive einen so großen Bildkreis haben, dass auch größere Sensoren davon noch abgedeckt werden können. Nicht schlecht! Demnächst kommt ein weiterer Mittelformat-Spiegelkasten dazu, der ein Hasselblad-Bajonett (ohne Verschlussauslösung/-spannung) hat und für den es vier speziell für die Digitalrückteile gerechnete Objektive (Konstruktion stammt von Zeiss) geben soll. Dadurch wird die Sinar m zum flexibelsten Digitalsystem auf dem Markt, mit Kleinbild-, Mittelformat- und Großbildmöglichkeiten.

Cambo geht einen anderen Weg. Die Cambo Ultima 35 ist eine Fachkamera, an deren vorderer Standarde mittels Adapter Objektive von Mamiya, Hasselblad oder Rodenstock (Großformat und Makro) anschließbar sind. Hinten fehlt die Standarte und an ihre Stelle wird mittels spezieller Adapter eine 35 mm Digitalspiegelreflexkamera an der Standartenbasis und dem Balgen angeschlossen (Canon und Nikon sind möglich). Und wenn endlich der Erbonkel tot ist, kann man die Cambo mit einem Mittelformatrückteil aufrüsten.

Hasselblad zeigte die H1D, eigentlich eine Kombination aus einer H1 und einem Imacon-Digitalrückteil (22 Megapixel), das aber - wohl dank Firmware-Update - komplett über die Kameramenus gesteuert werden kann. Eine der ersten Mittelformatdigitalkameras, zeitgleich mit einer Mamiya, die Mamiya 645-Objektive akzeptiert. Das jüngste Gerücht, erst nach der Photokina erfahren: die 200er Reihe von Hasselblad wird eingestellt.

Ein klarer Trend bei Digitalrückteilen ist die Integration eines LCD-Bildschirms, so dass man auch "on location shooten" kann. Bis auf Sinar bieten das jetzt alle Anbieter (Leaf, Phase One, Imacon, Jenoptik) an. Sinar hat einen getrennten Bildschirm, den man sich an die Hose klemmen kann, der dafür aber auch über eine 60 GB-Festplatte verfügt, wow. Ein weiterer klarer Trend ist übrigens, dass die Mistdinger zwar besser, aber nicht billiger werden, 20-40 kEuro muss mal schon verbrennen, ggfs. plus Glas.

Ist Euch übrigens aufgefallen, dass dieser Markt voll von europäischen Herstellern dominiert wird? Nur Leaf gehört zu Creo, einem israelischen Hersteller, und Israel gehört ja quasi auch zu Europa.

ENDE HIGHEND-TEIL

In Gesprächen konnte ich übrigens ein kleines schmutziges Geheimnis der Digitalrückteilhersteller herauskriegen. Ein Problem mit den Teilen ist die Synchronisierung mit der Kameraauslösung. Während einige neuere Kameras speziell für Digitalrückteile konzipiert sind und Synchronisationskontakte zur Verfügung stellen, müssen die Hersteller bei mechanischen Kameras die Blitzsynchronausgänge "(X") verwenden. Während das bei Kameras mit Zentralverschluss kein Probleme bereitet, da diese bei allen Verschlusszeiten blitzen und damit digital aufnehmen können, funktioniert diese Synchronisierung bei Schlitzverschlusskameras wohl nur bis zur minimalen Synchronisationszeit, die bei Mittelformat so bei 1/60 oder 1/125 liegt. Ein Vertreter von Imacon hat eingeräumt, er hätte gehört, es gäbe mit der 200er Reihe von Hasselblad (Schlitzverschluss) Probleme. Vermutlich werden also in nächster Zeit noch einige Kameras entweder aktualisiert oder vom Markt genommen.

Jedenfalls könnte dieses technische Problem auch der Grund dafür sein, dass es keine nachrüstbaren Rückwände für Kleinbild-SLRs gibt. Wie Leica das Problem gelöst hat, weiss ich nicht. Weitere Rückteile für andere Kleinbildkameras sind jedenfalls von Imacon, dem Hersteller der Leica-Rückwand, derzeit nicht geplant.

Nach Rumfummeln und Durchglotzen bei einem ganzen Schwung Digitalkameras verschiedener Klassen hier einige Thesen von mir zur Digitalphotographie für Normalsterbliche:

-Die Sensorkosten ruinieren die Kameraqualität. Da man unter Preisdruck steht, bleibt für alle anderen Komponenten kaum Geld übrig. Dementsprechend mies sind Gehäuse, Sucher und Knöpfchen ausgeführt.

-Ein elektronischer Sucher gestattet keine brauchbare Komposition des Bildes. Bei fast allen Kameras mit elektronischem Sucher, d.h. einem LCD-Bildschirm, den man durch eine Sucher-Öffnunng sieht, ruckelt das grobgerasterte Bild bis zu einem Maße, dass man nicht mehr sehen kann, was im Detail vor der Kamera läuft. Eine Scharfstellung erfolgt mit einem vergrößerten Mittelbereich des Sucherbilds, was eine zusätzliche Komplikation darstellt, wenn man eigentlich einen seitlichen Motivteil scharf haben will. Und die optischen Sucher, die es auch gibt, zeigen zwar einen passabel richtigen Bildausschnitt, gestatten aber auch keinerlei Schärfekontrolle. Eigentlich ist man dem Autofokus ausgeliefert.

-Die Auslöseverzögerung schränkt die Verwendbarkeit der Kameras massiv ein. Man merkt bei fast allen Kameras eine kleine oder große (bis 1 sec!!!) Verzögerung zwischen Knopfdrücken und tatsächlicher "Auslösung". Damit ist der Verwendungsbereich solcher Kameras maßgeblich eingeschränkt, das "Warten auf den richtigen Augenblick" führt dazu, dass man das Leben verpasst. Bewegte Motive kann man nicht punktgenau photographieren, beispielsweise Pferde in einer bestimmten Bewegungsphase.

-Ein zusätzlicher LCD-Bildschirm ist nur begrenzt nützlich, es sei denn, die Kamera produziert viel Ausschuss (und da frage ich mich: ist das womöglich so?). Wenn die Aufnahmen technisch in Ordnung sind, benötige ich den Bildschirm nicht, denn die Muße, die Aufnahmen wirklich zu bewerten, habe ich sowieso erst zu Hause und mit "Abstand" von der Aufnahmesituation, und da ist der Bildschirm vom PC sowieso besser.

Die Kameras, die ich mir im Kompaktsegment angesehen habe, waren alle mehr oder weniger von diesen Problemen gequält. Lobende Erwähnung findet die Sony DSC-F 828, die ein recht flüssiges Sucherbild hat, richtige Einstellringe für Entfernung und Brennweite aufweist und laut Stiftung Warentest wohl auch ein gutes Bild (Zeiss Objektiv, 8 Megapixel-Vierfarb-Sensor) liefert.

Eine richtige Kamera ist da schon eher die Epson RD-1 auf Basis der Voigtländer-Messsucherkameras. Bekanntlich gestatten menschliche Gehirne das schnellere Erfassen analoger, graphischer Anzeigen als digitaler; ein Grund dafür, dass es in Auto-Armaturen immer noch Zeiger gibt. So auch bei der Epson. Drei kleine Zeiger zeigen Batteriestand, verwendetes Speicherformat und Weißabgleich an. Die Funktionen werden über Schalter, Hebel und ein Rändelrad eingestellt. Keine Menus, keine Bildschirmeinblendungen, hinter denen das Motiv verschwindet. Und massig Kamera in der Hand, um Verzittern zu verhindern. Praktisch keine Auslösungerverzögerung. Leider ist der 6 MP-Sensor kein Vollformatsensor, was aber auch damit zusammmenhängt, dass so weit seitlich der Einfallswinkel zu ungünstig für die Lichtelemente ist und es da zu einer Verdunkelung käme. Eine interessante Anmerkung des Vorführers am Epson-Stand. Ich frage mich, ob das auch bei anderen Herstellern der Grund für die kleinen Sensoren ist. Tolle Kamera für tolle 3000 Euro.

Auch Leica scheint mit der Contenance zu kämpfen. Die Digilux 2 (gebaut von und baugleich mit Panasonic, 1800 Euro) ist sicher nicht schlecht; richtige Ringe am Objektiv für Brennweite, Entfernung und Blende; Bedienung folgt den Leica M-Kameras, gutes Objektiv. Aber ein etwas langsamer LCD-Sucher, und eine kurze, aber merkliche Auslösungsverzögerung sowie ein Echtplastikgefühl an den Einstellringen relativieren den Eindruck wieder. Insgesamt etwas viel Kunststoff für mein Gefühl (im wahrsten Sinne des Worts).

Nochmal zur Reaktionszeit. Selbst bei Spiegelreflexkameras gibt es eine spürbar langsamere Reaktion als bei analogen Pendants. Die Nikon D2H ist träger als die F6, nicht viel, aber doch spürbar. Ob dies bei anderen Ausstellern auch so ist, konnte ich aufgrund des Andrangs und meiner Erschöpfung/Zeitmangels nicht mehr herausfinden.

Apropos Spiegelreflex. Zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass die Nikon D70 nicht über einen Blendenringmitnehmer (AI-Kupplung) verfügt, so dass eine Verwendung älterer Manuellfokusobjektive an dieser Kamera nicht möglich ist (außer man macht : das). Hierbei handelt es sich wohlgemerkt um etwa die Hälfte des gesamten aktuell von Nikon produzierten Objektivangebots, und viele werden sagen, um die bessere Hälfte. Willkommen im Low-Cost Segment. Das scheint übrigens bis 2500 Euro zu reichen, denn soviel soll die Fuji S3Pro mit Nikon-Bajonett (12.9 Megapixel, APS-Format-Sensor) kosten, und die hat auch keinen solchen Mitnehmer.

Einen radikal anderen Weg beschreitet seit einiger Zeit Olympus. Lange Hersteller des renommierten OM-Kamerasystems, baute Olympus nach dessen Ende nur noch "All in One" Kameras, auch im Spiegelreflexbereich. Derart ohne aktuelle Altlasten, hat Olympus ein komplett neues digitales Spiegelreflexkamerasystem aufgebaut, dass um eine kleinere Sensorgröße herum konstruiert ist und damit kleinere Kameras ergibt. Zur E-1 (5 Megapixel) ist jetzt die noch kleinere E-300 (8 Megapixel, aber kein Firewire) hinzugekommen, die einen seitlich schwingenden Spiegel hat. Zum System gehören derzeit oder demnächst neun Objektive mit Bildwinkeln von 114° bis 4°, Winkelsucher, Sucherscheiben zur E-1, Akkus, Netzteile, Blitze, Fernsteuerung etc. pp. Gute Idee eines renommierten Herstellers; allerdings fragt sich, wie lange das Konzept trägt, denn die Megapixel gehen weiter hoch und irgendwann stösst man an physikalische Grenzen (Rauschen, Empfindlichkeit), die sich nur noch mit Vergrößerung der Sensorflächen überwinden lassen, und da haben die anderen Hersteller noch Spielraum, das Olympus E-System aber nicht. Das System basiert auf einem von Olympus entwickelten offenen Standard namens "Four Thirds" , der die Sensorgröße, den Senorabstand zum ebenfalls standardisierten Bajonett und die Kommunikation zwischen Objektiv und Kamera festlegt, so dass theoretisch Kameras und Objektive verschiedener Hersteller kombiniert werden können. Bislang wenig Unterstützung, aber vielleicht kommt was von Panasonic (womöglich mit Leica-Objektiven?), Sanyo (?) oder Sigma (bereits angekündigt ist ein Objektiv).

Interessant ist nicht nur, was die Hersteller zeigen, sondern mitunter auch, was sie nicht zeigen: So hatte Hasselblad eine große Präsentation mit H1 und H1D, zeigte aber das traditionelle V-System, das früher das einzige und damit "das Hasselblad-System" war, gar nicht mehr; ich bin dreimal um den Stand rumgelaufen! Damit dürfte klar sein, wo Hasselblad seine Zukunft sieht. Für den Umstieg gibt es einen CF-Adapter", der den Anschluss alter Objektive an der H-Reihe gestattet (mit manueller Verschlussspannung). Bei Contax habe ich die analogen Spiegelreflexkameras irgendwie auch übersehen, sowohl die Kleinbild- als auch die 645-Kameras. Nanu? Ein Schwerpunkt war das jedenfalls nicht mehr, obwohl die 645 mittlerweile etabliert erscheint. Leica zeigte die R6.2 nicht, und in der Preisliste scheint sie auch nicht mehr zu sein. Tamron zeigte alle Bronica-Modelle, obwohl deren Produktion jetzt eingestellt worden ist.

Ein interessanter Trend, der ganz subtil daherkommt, ist das Wiedererstarken der drei überlebenden europäischen Objektivhersteller Carl Zeiss, Schneider und Rodenstock, die in mehr Kameras, auch aus Japan, stecken als früher. Gerade die "Newcomer" im Photobereich, wie Panasonic (Leica) oder Sony (Zeiss) schmücken sich mit deren Renomée.

Eine Flut von Druckmedien bricht über die Verbraucher ein. Am Ilford-Stand habe ich - hoffentlich richtig - die Aussage aufgeschnappt, dass es zweihundert Hersteller von Papieren gibt. Wer soll denn das noch alles testen? Und jeder macht mit. Paar Namen? Geha, Staedtler, Hahnemühle, IntelliCoat. Ein tolles Papier ist das "Smooth High Gloss" von Ilford, das eigentlich ein Plastik ist. Die verwendete Folie verhält sich ähnlich wie Ilfochrome und liefert vergleichbar brilliante Farben. Unbedingt ausprobieren! Die Papiere des Traditionsherstellers Hahnemühle sind allesamt Aquarellpapiere mit einer rauen Oberfläche, liefern aber wunderbar klare Ausdrucke mit schönen Farben. Eher etwas spezialisiert, gut für Schwarz/Weiß, vermutlich am besten mit Mattschwarz, das es aber wohl nur für Epson-Drucker gibt.

Ein nettes Detail am Rande ist die neue DVD-Filmdose von Kunze, dem Hersteller von Diahaltern. Sieht aus wie eine echte Filmdose für Kinofilme im Format von DVDs bzw. CDs. Diese Dose eignet sich gut zur Aufbewahrung selbst erstellter Filme und ist mit ihrer Weißblech-Ausführung viel schöner und haltbarer als die schnöden Plastikteilchen.

Noch etwas Zubehör? Die Schärfe eines Bildes hängt ja stark vom Objektiv und vom Stativ ab. Bei letzterem wird Gitzo jetzt recht exotisch und verarbeitet Basalt zu sehr leichten und wahrscheinlich unheimlich stabilen Stativen. Manfrotto ist weniger abgehoben und bietet eine sehr interessante neue Mechanik an, bei der man die Stativbeine einfach auseinanderziehen kann, die Beine sind selbstarretierend. Knopfdrücken ist nur noch zum Einfahren nötig. Extrem praktisch, finde ich. Bei Photokoffern muß man die Alu-Dinger jetzt dringend gegen die viel angesagteren Plastikhartschalenkoffer austauschen, wenn man noch in sein will. Diese gibt es in allen Schmuddelfarben und man hat echt den Vorteil, dass niemand auf die Idee käme, das in diesen Plastikdingern womöglich Zehntausende an Ausrüstung stecken. Vielleicht gar nicht so schlecht...

Bei Scannern hatte vor der Photokina bereits ein Generationswechsel stattgefunden, entsprechend gab es keine Überraschungen. Aufgefallen ist mir der Epson Photo 4870, der zwar - je nachdem, wen man fragt - nur echte 1200 bis 3000 (?) ppi schafft statt der beworbenen 4800, dafür aber auch Mittelformat und Planfilme scannen kann und das gleichzeitige und automatische Scannen von mehreren Dias (bis zu 8 bei Kleinbild) gestattet; auch unter MacOSX, wenn man dem Vorführer glauben darf.

Eines der ungewöhnlichsten Produkte habe ich gleich am Anfang meines Rundgangs gesehen. iSkia ist ein Gerät, das zwischen einen PC und einen Beamer geschaltet wird und außerdem eine USB-Maus nachahmt. Funktioniert angeblich auch mit dem Mac, und warum auch nicht. iSkia erkennt mittels Kamera Objekte, die sich vor der Projektionsfläche des Beamers, also in dessen Lichtkegel befinden, und kann die Beamerausgabe beeinflussen. Nach dieser grundlegenden Beschreibung sind jetzt der Fantasie keine Grenzen mehr gesetzt und die Entwickler haben schon einiges implementiert:
-Der Bereich, in dem der Vortragende vor der Leinwand läuft, wird abgedunkelt, d.h., man steht nicht mehr im Licht des Beamers, wird nicht mehr geblendet und kann viel besser das Publikum beobachten. Außerdem keine irritierenden Bilder auf dem Körper des Vortragenden mehr.
-iSkia kann den am weitesten seitlich vorstehende Punkt eines Objekts vor der Leinwand erkennen (Grenzwert vorhanden) und als Mauseingabe auffassen, d.h. der Mauszeiger auf dem Bildschirm folgt z.B. der Hand- (oder Fuß ;-)-Bewegung des Vortragenden. Doppelklicken mit einer speziellen Funkmaus, die iSkia ansteuert.
-Der Vortragende kann einen "Heiligenschein" (spotlight) bekommen.
-Bestimmte Bewegungen können als Aktion interpretiert werden (bei Powerpoint, aber ob auch bei Mac?). So kann ein Wandern von Links nach Rechts die nächste "Folie" auslösen.

Das war sehr beeindruckend und könnte Vorträge mit Beamern erheblich intuitiver, interaktiver und dynamischer machen. iSkia soll 3150 Euro kosten

Zuletzt noch etwas zu meinem Lieblingsthema HDTV (;-)). Neben dem Sharp (wie berichtet) kommt demnächst auch ein 46 Zoll großer LCD-Fernseher von Hantarex auf den Markt, der 1920 x 1080 Bildpunkte kann und 12000 Euronen kosten soll. Auch an der Kamera-Front stehen mittlerweile Produkte zur Verfügung, so von Sony und die D20 von Arri, aber deren Preise recherchiere ich nicht, da wir hier sonst einen Buffer-Overflow kriegen. Und unser Zefffredackteur....

So, und jetzt, back to the files, boys (and girls). Angegrünte Leser, die noch Berichtenswertes auf der Photokina gesehen haben, mögen dies in den Kommentaren zum Besten geben!

Kommentare

Applaus und ein Link

Von: Roland Mueller | Datum: 06.10.2004 | #1
Was soll ich sagen: Toll, Thyl! Ansonsten finden alle digital Interessierten bei LetsGoDigital einen ausführlichen und bebilderten Photokina-Report, der Thyls Eindrücke bestens ergänzt :-)

@Thyl

Von: co | Datum: 06.10.2004 | #2
Trotz meiner Kommentare, Ergänzungen ein ausführlicher Bericht und Eindruck. Gut so.

Zu Contax

Von: puckmaus | Datum: 06.10.2004 | #3
Hallo,

vielen Dank für den ausführlichen Bericht. Was Contax angeht, so wurden die Kameras am Kyocera-Stand "unter dem Tresen" gehandelt. Man mußte gezielt danach fragen. Prospektmaertial etc. hatten die Damen und Herren von Contax aus Hamburg aber nicht dabei. Neuigkeiten soll es Gerüchten zufolge (www.contaxinfo.de) zu einer Pressekonferenz geben. Warum diese ausgerechnet nach der "Weltmesse des Bildes" stattfindet und warum die ausgesprochen guten Kameras der Traditionsmarke nicht präsentiert wurden erschließt sich mir allerdings nicht. Wahrscheinlich sind die Kameras einfach zu hochwertig verarbeitet und einfach zu analog...

Gruß von der Puckmaus

@puckmaus

Von: Thyl (MacGuardians) | Datum: 06.10.2004 | #4
N1 und NX sind ja wohl digital und mit einem Vollformatsensor mit 6 MP ist zumindest die N1 nicht schlecht im Feld. Echt merkwürdig, da ist vielleicht was im Busche, wo Contax mehr Aufmerksamkeit will als im Rauschen der Photokina? Oder es heisst Servus. Wäre schade, denn würde ich heute neu ein SLR-System anschaffen, wäre es wohl von Contax.

Nikon D70 Manuellfokusobjektive

Von: Rio1906 | Datum: 06.10.2004 | #5
"so dass eine Verwendung älterer Manuellfokusobjektive an dieser Kamera nicht möglich ist".....

Dies koennte von vielen missversatnden werden. Ich habe ein 30 Jahre altes Objektiv an meiner D70 und es geht. Man muss die Kamera auf manuell einstellen und die Belichtung durch Probeschuesse einstellen. Kein Problem.

Sehr schön, und noch'n Link

Von: Thomas Maschke | Datum: 06.10.2004 | #6
In der Summe ein klasse Bericht. Nur bei der (mangelnden) Qualität der Digiknipsen bin ich ein wenig anderer Meinung. Die Markengeräte sind gut verarbeitet und an der Auslöseverzögerung feilen augenblicklich alle. Wird immer besser.

Weiter sei der Hinweis auf photoscala erlaubt (mache hauptsächlich ich), da gibt's, wie wir finden, ein paar gute Interviews direkt von der photokina (Rollei, Ilford, Minolta, Olympus) und bildliche Impressionen (z.B. photokina: Impressionen.

Thomas

@Rio1906

Von: solaris | Datum: 06.10.2004 | #7
Das geht aber leider nicht mit allen MF Objektiven. Ich hatte letztens die Gelegenheit ein sehr gut erhaltenes ca. 20 Jahre altes MF 135 mm/f 2.8 Objektiv auszuprobieren. An meiner F100 ist das Objektiv eine wahre Freude. An die D70 passt es schon rein mechanisch nicht! Nicht nur, dass es nur manuell zu betreiben wäre, es lässt sich nicht montieren.

solaris

Super Artikel

Von: Cubologe | Datum: 06.10.2004 | #8
Thyl, erstmal danke für den sehr gelungenen Artikel.

Bzgl. Nikon und den alten Objektiven gab es das Problem (leider) auch schon neueren analogen Kameras wie der F80. Gerade für einen Kamerahersteller, der so lange die Systemkompatibilität hochgehalten hat finde ich das ein wenig schade.

Die Begründung für die kleinen Sensorflächen fand ich sehr interessant, wenn es auch meine Hoffnung zerstört hat, irgendwann mal eine Nikon mit Vollformatsensor zu sehen, um meine alten Objektive ohne Brennweitenverlängerung verwenden zu können.

Olympus mit seinem 4/3 System finde ich konzeptionell sehr interessant, fürchte aber dass dieses mittelfristig das selbe Schicksal erleidet, wie das OM-System, welches ja leider gescheitert ist. Letztendlich werden Profis, die jetzt Canon bzw. Nikon Gerät verwenden, ihre alten Objektive weiter benutzen wollen und eventuelle leichte Qualitätseinbußen verschmerzen.

Mehrerlei

Von: Thyl (MacGuardians) | Datum: 07.10.2004 | #9
@Thomas: Danke für die Links! Na klar wird das alles besser. Von der nächsten Photokina werde ich bestimmt anderes berichten. Mein Standard für Solidität ist die Nikon F2, un da sind die Digitalkameras noch etwas entfernt.

@Cubologe: Nikon hat mal erzählt, iirc, dass alle ihre Objektive die gleiche Austrittspupille haben (Ingenieursehre?), was es ihnen imho erleichtern würde, einen Vollformatsensor zu entwickeln. Ich glaube, dass der für die F6 kommen wird. Das OM-System finde ich nicht gescheitert, sondern eines der erfolgreichsten und am längsten gebauten Kamerasysteme überhaupt.

Olympus 4/3 Standard

Von: Thomas Maschke | Datum: 07.10.2004 | #10
Ich befürchte, der 4/3 Standard ist - trotz sehr guter Ansätze - jetzt schon als Standard gescheitert. Alle großen Kamerahersteller (Minolta war der letzte) haben auf ihr eigenes System/Bajonett gesetzt.
Übrigens hat Minolta - so sagten sie - in der D7D ganz bewusst erstmal einen kleinen Sensor benutzt, da das Anti-Shake System ja "wackelt" und ein größerer Chip zu sehr den (schlechten) Randbereich der Objektive hätte nutzen müssen.
Doch zurück zum Thema: Canon, Minolta, Nikon, Pentax werden m. E. einen Teufel tun und einen neuen Standard unterstützen. Das kostet nur viel Geld (neue Gehäuse + Objektive) und bringt wenig. Es ist im Gegenteil eher kontraproduktiv, denn das vergräzt die vorhandene Basis, die schon Objektive hat.

Und zudem, warum sollte eine Firma mutwillig ihre eigene Produktpalette kannibalisieren?

Zwei Jahre nach Offenlegung des Standards hat sich noch keine Kamerafirma zu 4/3 bekannt (von Olympus selbst mal abgesehen, und von Kodak, aber die haben noch keine Kamera vorgestellt).

Thomas

EPSON Film Scanner F3200

Von: mofoses | Datum: 07.10.2004 | #11
Epson stellte einen neuen Film-Scanner vor
vom Kleinbild bis 4"x5" (max 6cmx18cm) mit 3200 dpi scannt.
(48bit)

Im Lieferumfang ist die Vollversion von Silverfast 6 AI, er soll ca. 800 Euro kosten.

Er hat kein ICE oder Fare zur Staub/Kratzer Entfernung, das soll Silverfast übernehmen.

Laut den Mitarbeitern ist die Qualität höher als
die des 4870.

Noch gibt es Infos nur auf diesen Seiten

[Link]

[Link]

Netter und harmloser Bericht !

Von: Archibald | Datum: 13.10.2004 | #12
- Chefredakteur kann ganz beruhigt sein !

Mit der Digitalisierung der Fotografie wird diese der Computerisierung mit allen positiven und negativen Begleiterscheinungen unterworfen, wie z.B. Begrenzung der Produktzyklen auf maximal 6 Monate, wie es Canon derzeit schon praktiziert.

Das heißt dann beim Händler: "Verlassen sie mit der Digicam so rasch wie möglich meinen Laden, bevor das Produkt veraltet ist." und die Fotografie wird - wie bereits die Computerei - eine unendliche Geschichte mit viel Freude für die Industrie.

Die 4/3 - Geschichte ist technisch wirklich lausig:
Nur weil die Chips derzeit noch zu klein sind, bzw. die Vollformatsensoren zu teuer, muß man ja nicht auch gleich die Objektive runtermausern.
Ein Einspareffekt ergibt sich auch nicht, da man ja wieder alles neu kaufen muß.

Aber vielleicht gibt es ja noch eine Konkurrenz zum Beinahe-Monopol von Sony, wenn es anderen Herstellern gelingt, Vollformat-Chips zu günstigerem Preis anzubieten.

Ein eventueller Kandidat könnte die Fa. DALSA sein, die den Sensor für die neue Mamiya ZD (48 x 36 mm - 22 M-pix ! ) liefert.
Immerhin bietet diese Firma auch schon einen Vollformat-Sensor (24 x 36 mm) für das Kleinbildformat an:
[Link]

Wer alte Pentax-Objektive besitzt und mit dem Crop-Faktor 1,5 ( gleicher 6 Mp-Sony-chip wie Nikon D 70) leben kann, findet in der kommenden Pentax ist-Ds (vielleicht schon Ende November) immerhin ein kleines DSLR-Gehäuse für 949.- €uronen (DS-Shopper).

Die skurile Epson RD 1 fällt für mich unter die "Gimmicks":
Sie bietet nicht einmal ein Vorschau-Bild mit dem TFT-Display und tiefer in das Bajonett ragende Objektive können nicht verwendet werden, was vor allem die stärkeren WW-Brennweiten ausschließt.
Epson scheint dies zu würdigen und begrenzt den Absatz des Produkts freiwillig durch den Preis.

Trotz aller Digi-Hype fehlen weiterhin wichtige Features:

- Beseitigung der im Bericht erwähnten Auslöseverzögerung,
- Wegfall der Wucher-Preise für Vollformat-chips bei DSLR´s.
- TFT-Sucher-Vorschau-Bild mit Histogramm für DSLR´s vor der Aufnahme , (Ja,- ich weiß, dass das erst noch neue Konstruktionen erforderlich macht ! - immerhin hat Fuji das erkannt, aber leider nur eine fummelige Schwarz-Weiß-Lösung an der neuen S3Pro vorgelegt !)

Na ja, es gibt noch viel zu tun... Wohl dem, der´s abwarten kann !