ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3288

Interview mit Jef Raskin

Hat MacOSX ein Problem; oder Jef Raskin?

Autor: thyl - Datum: 22.10.2004

In diesem Interview im "Guardian" vertritt Raskins mal wieder seine, inzwischen sattsam bekannte Ansicht, dass mit MacOSX das gute Konzept des MacOS verloren gegangen ist und alles ganz unübersichtlich geworden ist.

Wieso empfinde ich das so anders? Ist das einfach eine Frage der Gewöhnung? Hat Raskin Umstellungsprobleme? Warum empfinde ich einen Computer nicht als einen elektronischen Schreibtisch und dementsprechend Objekte, die auf einem "Desktop" liegen, als unpraktisch? (Vor allen, weil permanent Fenster darüber sind). Das Dock verwende ich seit 1993 und finde es extrem praktisch. Die Bündelung der Einstellungen in einem Programm und einem Fenster als "Systemeinstellungen erscheint mir logischer als das Sammelsurium der vormaligen Progrämmchen. MacOSX ist "beschränkter" in dem Sinne, dass es sich stärker auf eine Variante einer Bedienung fokusiert; das ist mir aber lieber als mehrere Möglichkeiten, die ich nicht will uund die mir immer zur Unzeit in die Quere kommen (ungewollt aufspringende Fenster; grusel)

Was wirklich nervt im Vergleich zu NeXTSTEP ist das umständliche Kopieren von Dateien. Bei NeXTSTEP gab es dazu im Fenster eine Zwischenablage, so dass ich kein zweites Fenster brauche; aber unter MacOS war das auch nicht anders.

Vielleicht verwechselt Raskin einen praktischen Ansatz mit einem theoretischen Konzept, dass philosophisch alles überspannt und MacOS zugrunde lag. Wie sehen unsere Leser das?

Update: War mal kurz auf der Website von Raskin, und er findet den Desktop (s.o.) auch nicht gut. Viel von dem, was er sagt, kann ich unterschreiben, aber viel findet sich auch bereits in MacOSX (soweit man seine abstrakten Aussagen konkretisieren kann), wie auch schon in den Kommentaren diskutiert.

Kommentare

Hmm?

Von: thomm | Datum: 22.10.2004 | #1
Das mit dem Kopieren mit dem Zwischenfenster sieht ja ganz nett aus und wäre sicher auch eine Möglichkeit aber: Mann kann es doch auch mit den aufspringenden Ordnern ohne Zwischenablage machen oder geht das bei Euch nicht? Da spar ich sogar noch 2mal eine Mausaktion?! ;-)

Es geht doch auch mit

Von: Jochen | Datum: 22.10.2004 | #2
Zu kopierende Ordner anklicken
Apfel+C
Neuen Ordner öffnen
Apfel+V

Jochen

teils teils

Von: Bastel Mac | Datum: 22.10.2004 | #3
Raskins meint ja wohl das Interface, da vermisse ich nur wenige Dinge wie zum Beispiel das Programmmenü oben rechts zum abreissen (auch nach 2 Jahren Einsatz von OSX) geholfen hat da das Programm ASM von Frank Vercruesse.... Unübersichtlich finde ich den ganzen Unix-Unterbau mit seiner Benutzerverwaltung, Libraryfolder, bin, var oder etcfolder den systemfolder mach ich gleich wieder zu - das war auf dem OS9 einfach besser, da wusste ich immer was alles auf meiner Maschine so rumtickt... ich konnt Dinge aus meine Systemfolder entfernen denn es war schnell zu verstehen wozu die zuständig waren ... ich konnte meine Rechner so installieren, dass auch nur das darauf lief was ich auch wircklich brauche - das vermisse ich, dass ich meine Rechne abspecken kann und dann genau weis was der so unter der Haube hat... allein die ganzen Sprachen die da mit ticken... die Schriftenverwaltung ist richtig misst wo ist ATM mit dem schönen Schriftenuntermenüs - ich habe alle Schriftenverwaltungen ausprobiert nichts ersetzt ATM - diese unendlichen Schriftenmenüs in den Text- und Layoutprogrammen - sind Schriften doppelt installiert fahren ganze Programme garnicht mehr hoch - bis ich darauf gekommen bin... wie wäre es mit BeOS gewesen? ...hätte das auch so eine Unix-Unterbau aus den 70-80er gehabt? Dass das OSX konzeptloser ist als Classic stimme ich zu - das alte war strenger organisiert (less is more) man schaue nur die ganzen Ansätze für die Benutzeroberfläche, die OSX in sich hat = Caos am schon in der Betaversion... für die Entwickler ist OSX richtig gut organsiert - Classic war zu schwer...

mein Wunsch an Tiger wäre die manuelle Installation, ein Übsichtsbaum über den Unixunterbau und dem System (was macht was und wozu) und dazu etwas wie das Kontrollfeld "Ein-Auschalten von Systemelementen"

Das mich keiner falsch versteht. ich habe nicht gegen Unix, ganz im gegenteil - lange an der Uni damit gearbeitet - nur Apple schreibt sich ein modernes transparentes B-System auf die Fahnen! Das hätte ich dann auch gerne! Und dass nicht nur an der Oberfläche...

Was hat Jef Raskin

Von: tonidigital | Datum: 22.10.2004 | #4
nach dem Mac Projekt so tolles geschafft? Ausser herumstänkern nichts.. Ich finde der soll es einfach besser machen, anstatt nur kritisieren.

2cts

Von: sam | Datum: 22.10.2004 | #5
Nun ja, ist ja schon ein Weilchen her das ich vom neuner Zug abgesprungen bin. Was mich damals ziemlich genervt hat waren diese zig-Unterverzeichnisse mit dem selben Namen. Library, Fonts usw.. Bis ich gerafft habe wozu welcher library Ordner ist hats schon etwas gedauert.
Ich mag OS X, keine Viren, zig Programme gleichzeitig ohne Stress aber ein Meilensprung ist es wahrlich nicht. Ich glaube das sies jedoch Absicht war um die alten OS 9 User, die Switcher und nicht zu vergessen die Entwickler nicht zu sehr zu stressen. Die Evolution fängt erst mit Tiger so langsam an. Denn mal Hand aufs Herz was genau bietet Panther was OS 9 nicht hatte ? Bitte jetzt keine Innereien als Antwort sondern Funktionalität...

Vergesst doch JR

Von: Kilian | Datum: 22.10.2004 | #6
Der Gute Mann hält die Maus als Eingabegerät immer für ungeeignet (ich wette mit jedem, daß man mit einer Maus feinere und genauere Bewegungen ausführen kann, als mit jedem Trackball, denn JR so liebt).

Und er mußte von Steve Jobs erst einmal mühsamst überredet werden am Macintosh Projekt mitzumachen.

Klingt irgendwie für mich nach dem Fuchs und den "sauren" Trauben.

@Bastel Mac

Von: mbs | Datum: 22.10.2004 | #7
Ich muss leider allen Deinen Punkten widersprechen.

1) Abreissmenüs gab es in den Vorversionen von Mac OS X, als das System noch "Rhapsody" hieß. Leider wurden sie mit Rücksicht auf alte Mac OS-Nutzer entfernt.

2) Die Ordnerstruktur ist reine Gewöhnungssache. Ich habe nur ein paar Wochen mit Mac OS 8/9, aber dafür viele Jahre mit Unix gearbeitet und sehe es genau umgekehrt. Um es mit Deinen Worten zu sagen: Ich fand die Ordnerstruktur von Mac OS viel zu unübersichtlich und abschreckend. Warum muss man etwas über "Systemerweiterungen" wissen und sie ständig an- und abschalten? Warum gibt es damit ständig Konflikte und Abstürze?

3) Einen Rechner "abzuspecken" ist der größte Albtraum jedes Systemverwalters. Was ist, wenn Du ein Netz mit 1500 Rechnern hast und auf jedem "fehlt" irgendetwas, weil der Benutzer meinte, eine Komponente löschen zu müssen? Es geht völlig an der Idee des Macintosh vorbei, dass man ständig an seinem Rechner rumbasteln und "optimieren" muss.

4) Schriftenuntermenüs sind in Mac OS X Pflicht. Alle Programme, die nativ für Mac OS X geschrieben wurden, unterstützen sie. Es sind genau die Altlasten von Adobe, Macromedia und Microsoft, die das nicht können, weil sie die veralteten Konzepte aus Mac OS übernommen haben. Diese alten Programme verstoßen klar gegen die Benutzungsrichtlinien von Mac OS X.

5) Probleme mit doppelt installierten Schriften haben auch nur Programme aus der Mac OS-Zeit. OSX-Programme können damit umgehen. Zugegeben gibt es tatsächlich im Moment ein Problem, nämlich dass die "Helvetica" nicht deaktiviert werden darf, aber das ist wohl in Zukunft gelöst.

6) Manuelle Installation gab es in Mac OS X immer schon. Man muss im Installationsprogramm nur den Knopf drücken, dass man keine "Einfache Installation" wünscht.

Na klar war MacOS 6 übersichtlicher ;-)

Von: thomas b. | Datum: 22.10.2004 | #8
Da gab es _das_ Kontrollfeld und der Systemordner war auch seeehr übersichtlich.

Allerdings kann ein MacOS X auch ein bischen mehr ;-)

Schau mal in den Motorraum von einem Auto der frühen 80er, da war auch alles sehr viel übersichtlicher weil kaum was drin und fuhr trotzdem. Die Ansprüche steigen aber mit der Zeit und so kommt immer mehr dazu.

Wie beim MacOS...

Mücke und Elefant

Von: Juggly | Datum: 22.10.2004 | #9
Ich verstehe den ganzen Wirbel um die Geschichte nicht ganz. Ich habe vor über zwei Jahren von 9 auf X umgestellt, von Heute auf Morgen aus einer Laune heraus und ich verdiene mein Geld damit. Alles kein Problem, auch für eingefleischte 9er-Eier Die Gui finde ich seit Panther OK, inkonsequent oder nicht, ist egal, ich arbeite damit ca. 10 - XX Stunden am Tag und fühle mich pudelwohl. Ich kann mich jeden Tag auf die Arbeit mit Panther freuen! Was immer noch fehlt und unter 9 genial war und ist, sind die Tabbed-Folders und das Programm-Menu – OK, man hat das Dock aber das ist ja an den Platz gebunden. Seit Photoshop CS ist das Dock auch nicht mehr Spielverderber, wenn es um Bildbearbeitung am unteren Bildrand geht. Ich sage jetzt mal, OS X ist um Welten intuitiver zu bedienen als OS 9.

Prost!

@Daniel

Von: Thyl (MacGuardians) | Datum: 22.10.2004 | #10
Dabke für den Link, der zudem zeigt, dass ich nicht alleine bin, denn das dort gezeigte Icon ist dasjenige, das auch unter NeXTSTEP verwendet wird, stammt also wohl von einem Ex (?)-Nextie

Eintopf

Von: davelcf | Datum: 22.10.2004 | #11
also mit 7.5 wurd ich groß, 8.0 gepflegt ausgelassen und seit 8.5.1 alles mitgemacht, was es da so gab, mit osx beta etc. p.p..

os x ist zwar komplexer in seinem unterbau als das klassische os, aber es ist immer noch leicht zu verstehn wozu welche datei da ist und was man löschen kann ohne das system schachmatt zu setzen. ganz unabhängig von der frage, wer interesse daran hat in seinem system auf forschungsreise zu gehn, denn wer sowas machen will musste auch im klassischen damit rechnen, dass er sein system lahmlegt.
alles in allem ist die usability doch gestiegen. so nette dinge wie das programm sizzlingkeys für itunes oder romeo für die bluetooth-schnittstelle, die aktivitätsanzeige, wo man alle prozesse nach herzenslust abschießen kann. warn jetzt wahrscheinlich n paar naive beispiele, aber wenn wir die dogmen, die jeder in form eines balkens auf dem systemoberfläche steht vor seinem kopf herumträgt, beiseite lassen seh ich os x als sprung nach vorne, der mich os 9 nicht missen lässt.

OS 9 - Panther vergleich, check ma die ganzen Grafik-Schnittstellen und den PDF-Workflow, frag ma die Musiker nach Core Audiooder denk an Schnelle Benutzerwechsel, Expose, JFS...

gewohnheit

Von: Bertzo | Datum: 22.10.2004 | #12
der fazit scheint mal wieder zu sein: der mensch ist ein gewohnheitstier. Der User mag das, was er/sie benutzt. Da ist das Hirn auch schlau, das möchte ja keine miese Stimmung machen, also wird das gutgefunden -> gewöhnungseffekt. (Jo, das ist ne Halbwissen-Theorie)

zum Thema OS9-OSX-Raskin: Der Mann hat recht, andereseits ist Apple keine kleine Klitsche mehr, die wagen kaum noch etwas, so werden sie auch keine radikalen Interface-ideen umsetzen, sondern eher kleckerweise features dazupappen. Naja, ähnlich wie bei OS6-7-8-9, das ging auch langsam voran.

In X ist nichts grundlegend neues passiert, zum Teil sind auch Rückschritte passiert. Das sind dann Features die Apple wieder "erfinden" kann, die alten. :-)

Raskin ist vielleicht etwas theoretisch und abgefahren, aber er hat sicherlich Recht in den Grundsätzen.
Das ist IMHO aber zu advanced für Apple und ihre normale Itunes-ibla-Klientel...

Was ich für mich sagen kann, in X brauche ich fast immer mehr Klicks um die selben Sachen anzustellen wie in 9. Der Finder von X nervt nach wie vor.

@thyl: Icon ...

Von: Robert | Datum: 22.10.2004 | #13
"das dort gezeigte Icon ist dasjenige, das auch unter NeXTSTEP verwendet wird"

Das Icon ist natürlich ein Überbleibsel ist aber Bestandteil von X. Es wird in Cocoa geliefert, wenn du den NSWorkspace nach dem Icon für mehrere Files "fragst".

SMS-Eingabe in X??

Von: rene | Datum: 22.10.2004 | #14
Ich fine OS X in seiner jetzigen Form völlig ok!
und bin sehr gespannt auf die endgültige Version vom Tiger...

Kann mir jemand mal eine Info zukommen lassen, wie ich SMS in OS X eingeben kann???? Ich habe davon schon gehört, aber keine weiteren Informationen dazu bekommen können. (radneuerfinder???)

Ansonsten bin ich ein begeisterter Leser der "Grünen Seiten"... Weiter so!

Ein schönes WE... Rene

@rene

Von: radneuerfinder | Datum: 22.10.2004 | #15
Wo man SMS eintippen kann, habe ich tatsächlich in der OS X Hilfe gefunden. Geht aber nur, wenn ein Handy angeschlossen ist.

nochmal mbs

Von: Bastel Mac | Datum: 22.10.2004 | #16
>6) Manuelle Installation gab es in Mac OS X immer schon. Man muss im Installationsprogramm nur den Knopf drücken, dass man keine "Einfache Installation" wünscht.<

den Knopf kenne ich auch -- aber Du willst mich doch hier nicht auf die Schippe nehmen - oder? gibt keine unterschiede?

>3) Einen Rechner "abzuspecken" ist der größte Albtraum jedes Systemverwalters. Was ist, wenn Du ein Netz mit 1500 Rechnern hast und auf jedem "fehlt" irgendetwas, weil der Benutzer meinte, eine Komponente löschen zu müssen? Es geht völlig an der Idee des Macintosh vorbei, dass man ständig an seinem Rechner rumbasteln und "optimieren" muss.

ich will eben kein Systemverwalter für meinen Mac - darum habe ich einen! Es geht eben nicht an die Idee des Mascs vorbei - warum den das Wort OS =OpenSystem oder bei Next OpenStep?

Wieder mal ganz toll

Von: Oliver | Datum: 22.10.2004 | #17
Ich vermute, dass fast alle Diskutanten hier nicht wirklich konkret sagen können

- was Jeff Raskin eigentlich fordert
- warum er es fordert
- welche Forschungen und Erkenntnisse dazu geführt haben.

Aber er kritisiert Apple, und deswegen muss er die gerechte Strafe bekommen!

Was die Systemverwaltung betrifft...

Von: Marcel_75@home | Datum: 22.10.2004 | #18
...möchte ich auch noch einmal unterstreichen, dass das mit OS X schon um einiges besser geworden ist und mit Tiger noch weiter verbessert wird (mehr Restriktionsmöglichkeiten für den Admin gegen zu "eifrige" User).

Betreue zur Zeit wieder mal eine Agentur, bei der außer OS X auch noch OS 9 im Einsatz ist - und was soll ich sagen: die meißten Problem(chen) gibt es mit dem guten alten System, leider... :(

Nur mit OS X ist es möglich den Rechner so zu konfigurieren, dass dem Benutzer letztlich nur die Programme zur Verfügung stehen mit denen er produktiv arbeiten soll.
Sicher geht dadurch für den einen oder anderen etwas der "Spass" am arbeiten mit dem Mac verloren - für jeden Admin bedeutet es aber weniger graue Haare... ;)

Wünschen würde ich mir, dass die Möglichkeiten des "einfachen Finder" noch feiner justiert werden könnten - von der Idee her ist es ja am ehesten etwas, was JR unter einfacher Bedienung verstehen sollte.

Wirklich toll Oliver

Von: Bastel Mac | Datum: 22.10.2004 | #19
wie doof = man gut das solche wie Du nie bei Apple arbeiten werden... nur durch Kritik solcher JRs ist Apple heute da wo es steht - dass ist kein Angriff sondern eine Forderung an Apple nicht an andere System sondern an Apple's und nicht gegen Apple - sein Buch gibt es auch auf deutsch - falls Du es nicht verstehst

@Kilian

Von: Alexander G. Schilp | Datum: 22.10.2004 | #20
von: Kilian - am 22.10.04 um 11:14:46 Uhr
[...]

Und er mußte von Steve Jobs erst einmal mühsamst überredet werden am Macintosh Projekt mitzumachen.


so ein vollendeter Blödsinn!
Jef Raskin gilt unangefochten als Vater des Mac.
Weniger bekannt ist daß kein geringerer als Steve Jobs das Projekt schon im KEime ersticken wollte!

Quelle hierfür:
Owen W. Linzmayer
Apple Streng vertraulich

Naja, ich kenne meinen Raskin...

Von: Kabe | Datum: 22.10.2004 | #21
...u.a. auch aus seinem Buch "The humane interface". Ja, er hat das eine oder anderen gute Argument.

Nichtsdestotrotz halte ich ihn für ähnlich verdrießlich wie den ollen Nielsen. Die Art von Applikationen, über die die nachdenken, sind nach heutigen Maßstäben simpel - und deren Interfaces sind in der Tat nach wie vor beschissen.

Auf mindestens 2/3 der von mir heute verwendeten Applikationen lassen sich die puristischen Konzepte dieser Leute nur gar nicht mehr anwenden. Ein Konzept, das für eine Schreibmaschine passt, scheitert halt beim nonlinearen Videoschnitt.

Raskin ist ein Traditionalist, der immer noch so tut, als wäre der Computer eine neue Maschine. Heute können 7-jährige mit der Maus umgehen. Millionen von Leuten beweisen jeden Tag, dass man mit Mehrtastenmäusen effektiv arbeiten kann, sogar wenn die Tasten in vielen Apps unterschiedlich belegt sind ;-)

Abgesehen von seinen unbestreitbaren historischen und theoretischen Beiträgen muss man auch einfach auch feststellen, dass JR in den letzten Jahren einfach keine sooo tollen praktischen Arbeiten vorgestellt hat... mir würde davor grausen, diesen Mann OS X designen zu lassen.

When the only tool you have is a hammer, every problem looks like a nail.

Kabe

P.S.: Auch seine Beiträge zum Informationsdesign (ZoomWorld etc.) sind gegen die z.B. eines Edward Tufte ziemlich hausbacken. Ja, auch Tufte ist Traditionalist - der lässt seine Bücher noch im Bleisatz drucken ;-) Aber er hat mir deutlich Spannenderes zu sagen.

Top 10 Reasons the Apple Dock Sucks

Von: Menschenfreund | Datum: 23.10.2004 | #22
[Link]

Top 10 Reasons the Apple Dock Sucks

Von: Menschenfreund | Datum: 23.10.2004 | #23
[Link]

@Menschenfreund

Von: Thyl (MacGuardians) | Datum: 23.10.2004 | #24
wenig Zeit, daher kurz:
Interessant, aber zeigt auch, dass es schwierig ist, GUIs zu mischen. Von den angesprochenen 9 Punkten sind 1, 4, 5, 6, 7, 8, 9 wg. der Mac-Anpassung, teils auf Forderungen von Mac-Anwendern zurückzuführen. Im ursprünglichen NeXTSTEP-Dock sind sie nicht vorhanden.
1: Bei NeXTSTEP gibt es keinen Desktop (wozu auch), daher auch kein fehlerhaftes Ziehen aus dem Dock auf den Desktop.
4: Das NS Dock war nicht einklappbar, sondern immer sichtbar.
5. Der Mülleimer gehört nur für alte Mac-Anwender in die Ecke; ich hatte damit noch nie ein Problem.
6,7,8: Das NS-Dock dient nur zum Starten von Programmen, Dokumente werden dort nicht abgelegt (sondern am unteren Bildrand, mit Beschriftung). Keine Unübersichtlichkeit.
9: Das NS-Dock war immer rechts und damit an einer praktischen Stelle, GERADE bei 16:9 Bildschirmen. Arbeitet jemand ernsthaft mit dem Dock unten?

Man könnte also sagen: Durch die konservative Haltung der Mac-Anwender und deren Featuritis ist ein stringentes, gut funktionierendes Konzept verhunzt worden.

Jef Raskin verkauft seine Ideen schlecht

Von: martzell | Datum: 23.10.2004 | #25
Ein von Jeff Raskin aufgestellter Grundsatz ist in iTunes und iPhoto umgesetzt. Man stelle sich vor man müsste in iTunes (wie es in anderen Programmen üblich ist) Wiedergabelisten als Datei sichern. Will man Musik hören müsste man wissen unter welchem Namen in welchem Ordner die richtige Wiedergabeliste gesichert wurde. Bei anderen Programmen wie Textbearbeitungen ist das so üblich und etabliert.

Ich musste mich etwas intensiver mit Jef Raskins Ideen beschäftigen um sie zu verstehen. Eigentlich sollte man die Computertechnologie komplett einstampfen und alles neu machen. Aber das ist zu utopisch.

Apple könnte auch ohne alles einzustampfen Computer besser machen. iTunes und iPhoto sind ein guter Anfang. Was noch fehlt:
- Der Mac ist sofort einsatzbereit ohne Wartezeit bis er gestartet ist.
- Man findet den Mac so vor wie man ihn verlassen hat: Alle Dokumente und Programme an denen man zuletzt gearbeitet hat sind geöffnet. Dazu müssen nur alle Programme sich immer merken welche Dokumente offen sind und das System merkt sich welche Programme offen sind. Nach einem Neustart werden die Programme wieder geöffnet und diese öffnen die Dokumente.
- Dokumente öffnen sich an der Stelle an der man sie zuletzt betrachtet hat. Filme und Musik laufen an der Position weiter an der sie gestoppt / geschlossen wurden.
- Jede Anwendung hat eine Dokumentverwaltung vergleichbar mit iPhoto. Dadurch muss man sich keine Pfade und Dateinamen merken. Der Öffnen-Dialog wird überflüssig. Alle Dokumente können durchsucht werden vergleichbar mit Apple Mail.
- Sichern wird überflüssig da jedes Dokument ein ewiges mehrdimensionales Änderungsprotokoll enthält. Es lassen sich Meilensteine festlegen um auf bestimmte Versionen zuzugreifen. Diese lassen sich auch als Vorlagen verwenden.
- Keine Programme mehr nur noch Werkzeuge vergleichbar mit Apples OpenDoc. Die Werkzeuge sollten der Übersicht wegen in Räumen organisiert sein. Will man einen Text verfassen betritt man den "Text verfassen"-Eingang. Hier findet man alle verfassten Texte und Vorlagen und kann auch einen neuen Text anfangen. Im nächsten Raum hat man Werkzeuge um einen Text zu verfassen. Dieser ist automatisch gesichert. Im Ausgang kann man den Text drucken, als E-Mail senden etc.

Jeff

Von: Bertzo | Datum: 23.10.2004 | #26
-> Aber er kritisiert Apple, und deswegen muss er die gerechte Strafe bekommen!

---nö, Also ich finde es klasse, dass jemand Apple kritisiert, eine Wohltat in der ganzen Applefan-Lobhudelei-Sülze. Die bringt den Mac nämlich nicht weiter, nur vorurteilsfreies Denken.

geschrei...

Von: Bertzo | Datum: 23.10.2004 | #27
das geschrei beim schritt os9->osx kam sicherlich nicht von den revolutionären neuerungen in OS-X, sondern weil die erste fassung einfach nur unterste grotte war.

Oliver...

Von: dermattin | Datum: 24.10.2004 | #28
"Und da hat Jeff Raskin einfach recht, wenn er sagt, man müsse nicht eine komplexe Technologie entwerfen, um dann eine GUI draufzuklatschen, sondern man müsse zuerst festlegen, wie die User arbeiten sollen, und dann baut man dafür die Hardware."

Genau das macht Apple doch, radikaler und konsequenter als andere. Zu weit darf man das aber imho nicht treiben, denn sonst könnte ein iOS draus werden, super einfach zu bedienen aber auch super beschränkt.

Ich finde, Apple macht das schon ganz gut. Ich komme als Profi klar und die Switcher die ich kenne, viele davon Computerunerfahren, kommen ebenfalls gut damit klar (benutzen teilweise Features von OSX, die so simpel sind, auf die man aber als Profi gar nicht kommt).

P.S. Ich habe nie Wutanfälle beim computern, ich benutze M$ Software erst gar nicht ;)

@martzell

Von: meta | Datum: 24.10.2004 | #29
"Dokumente öffnen sich an der Stelle an der man sie zuletzt betrachtet hat. Filme und Musik laufen an der Position weiter an der sie gestoppt/geschlossen wurden."

Ok, bei Dokumenten muss man meist noch einen Klick machen (je nach Programm). Bei Filmen (DVDs) merkt sich der Player hingegen schon selbstständig die letzte Position und nimmt sie auch wieder auf.

Die Ansätze von Raskin sind sehr interessant und nicht umsonst polarisieren sie. Denn für eine Realisierung müsste man gewohntes Verfahren, bzw. Verhalten aufgeben und das macht kaum einer wirklich gern. ;-)
Man müsste bei Computern wirklich die Abstraktionsebene in den Hintergrund stellen und schrittweise Zusammenhänge wie Programme und deren Dateien für den User ausblenden. Das versucht Apple schon länger mit den iApps und ist gut dabei.

Ich könnte mir z.B. sehr gut ein System vorstellen, in dem ich im normalen Anwender-Modus keinerlei Kontakt mit technischen Hintergründen ("Wie muss ich SMB konfigurieren, um einen Ordner freizugeben? Wie muss das IP-Netz geordnet sein, um zwei getrennte Subnetze zu erhalten?") habe und einfach meine Tätigkeiten ungestört von unauffindbaren Dateien ausführen kann (z.B. Musikhören, Texte verfassen/lesen, etc.).
Daneben kann dann gerne noch ein Admin-Modus existieren, wo ich bestimmte Voreinstellungen verändern kann. Denn in absehbarer Zeit wird keine programmierte Logik in der Lage sein und alle Umstände selbst zu meistern. Das ist noch ein langer Weg.
Apple scheint ihn eingeschlagen zu haben und mit OS 10.4 werden wir schon einige kleine Stückchen davon ergattern können. *amen* *g*

oliver...

Von: mahakk | Datum: 25.10.2004 | #30
klappklappklapp, sehr schön. nur trifft das von dir beschriebene "erste raskinsche problem" auch auf leute wie dich zu. k(aum )einer hört hin, k(aum )einer liest richtig, k(aum )einer verstehts. es werden einzelne wörter rausgepickt, wenns hochkommt mal ein nebensatz, und das wird dann so aus dem zusammenhang gerissen kommentiert ("ich nutze kein m$" z.b., da fällt einem ja auch nix mehr zu ein).

sehr schade...

Recht hat er

Von: newsic | Datum: 19.11.2004 | #31
Mac Os X ist für jeden Umsteiger vom alten Mac OS ein harter Brocken. Jetzt zahlen wir zwar vergleichweise weniger Geld für schneller Macs,
aber unter OS X ist es zum Teil langsamer und daruaf das alles wie naß aussieht würde ich zugunsten eines stabileren systems liebend gerne verzichten.
Und das schreibe ich nicht nur von mir, sondern auch im Namen von anderen Mac-Profis, die sich mit dem ganzen consumer-design nur schwer anfreunden können.

Ich find's blöd ...

Von: Dr. Skiwaago | Datum: 10.12.2004 | #32
daß sehr gute Funktionen von OS9 verschwunden sind (z.B. verschobene Dateien an den Ursprungsort zurücklegen - Befehl+Y), daß Tastaturkürzel geändert wurden und jetzt unlogischer bzw. uneinheitlich sind (Beispiel Neustart: Befehl+Ctrl+Auswurfknopf).

Und was mich wirklich nervt ist, daß Apple die Hersteller nicht abmahnt, wenn sie sich mal wieder nicht an die Vorgaben halten (Beispiel: Befehl+H).

Außerdem ist die Druckereinrichtung eine Katastrophe - tausend sich gegenseitig beeinflußende (oder auch nicht?) Einstellungen in mehreren Fenstern und Untermenüs. Einfach total unproduktiv, der Scheiß. Warum nicht 1 Fenster und dafür bildschirmfüllend, aber alles auf einen Blick - wozu haben wir große Monitore???

Apple - ändern bitte!!! Ganz schnell!!!
Puh - das mußte ich mal loswerden, aber wahrscheinlich liest es wieder kein Schwein.

Copland . . .

Von: AIM: pixelgeist | Datum: 21.12.2004 | #33
. . . will I ever find it?