ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3327

Schweiz, Swizzera, Suisse - SUISA!?

Schweizer Geschichten -- ein Gastbeitrag

Autor: flo - Datum: 15.11.2004

Ich überlege gerade, ob die Schweizerische Gesellschaft für die Rechte der Urheber musikalischer Werke sich Gedanken darüber gemacht hat, ob es doch nicht der falsche Weg ist mit Symtombekämpfung das Problem des Schwarzmarktes zu unterbinden. Wie immer, wenn der Ursprung einer Sache ungreifbar wird, oder zu viel Macht und Interessen mitspielen, versucht man sich in letzter Not aus dem sinkenden Schiff zu retten -- auch wenn es längst keine Rettungsboote mehr hat.

Seit ich denken kann bezahle ich im Laden stets den mehr oder weniger selben Preis für CDs oder DVD-Filme, trotzdem sind alle erstaunt darüber, dass soooo viel übers Netz getauscht wird oder die Kopierstationen wund laufen. Die Digitalisierung, also quasi die Dematerialisierung der Ware hat die ganze Angelegenheit noch komplizierter gemacht (für die Anbieter). Eine CD konnte ich schlecht per Netz beamen, jedoch mit Technologien wie dem MP3-Format und schnellen Internetverbindungen kann man es durchaus als Kinderspiel bezeichnen. Die SUISA erhebt seit dem 1. Juni 2004 eine Gebühr nicht nur für CD Rohlinge, sondern wie allgemein wohl schon bekannt auch für DVD Medien. Wir bezahlen also Geld an Leute, obschon wir vielleicht auf diese Rohlinge nur unser eigenes geistiges Eigentum brennen wollen? Könnte ich mich also demzufolge bei der SUISA als Artist anmelden um somit den Beitrag, den ich ja eigentlich für mich selber geleistet habe, zurückbekommen kann? Na ja, ich bin warscheinlich zu naiv, im Glauben zu sein, es gäbe keine Menschen die fremdes Eigentum auf ihre Datenträger brennen...

Die Konsortien bekamen sogar eine coole Lösung vorgesetzt. Der iTunes Music Store aus dem Hause Apple. Ich frage mich nur, warum sich alle von denen dagegen wehren? Könnte es sein, dass sie zu wenig abkassieren können, weil Apple mit einheitlicher Preisstruktur daherkommt? Die Schweiz war schon immer vorsichtig wenn's ums Geld geht. Selbst gute Lösungen, die aber Veränderung voraussetzen, wurden schon oft mit der typischen Verhaltensweise des Isolierens abgelehnt. Das Provisorium hält halt in der Schweiz am längsten -- auch wenn es um Urheberrechte geht. Die eigentlichen Kreativen haben eh nix zu melden, die sind schließlich froh, überhaupt einen Vertrag erhalten zu haben. Ich würde dies schon fast Prostitution nennen.

Dieser Beitrag erreichte uns aus dem Eidgenössischem von Omar. Dankeschön!

Nachtrag: Da sich in Sachen iTMS und Schweiz ja nur Ungutes zusammenzubrauen scheint (nämlich eher nichts), hat macprime.ch eine Onlinepetition gestartet:

"Please Apple, bring the iTunes Music Store to Switzerland.
We, the undersigned, feel that the opening of the iTMS-Switzerland would be a great success and sell a lot of music and iPods. We know that there are legal «problems» to overcome and this petition is to encourage you in your work."


Na denn, viel Glück dabei! 374 Unterzeichner (Stand mittags 15.11.) sind jetzt aber noch nicht die große moralische Unterstützung...

Kommentare

Apple ist der falsche Adressat

Von: thomas b. | Datum: 15.11.2004 | #1
An Apple sollte es wohl kaum liegen, dass in einigen Ländern der iTMS noch nicht verfügbar ist. Da brauchen wohl andere einen Tritt in den Hintern.

MONOPOLIst SUISA

Von: Basler | Datum: 15.11.2004 | #2
Die SUISA hat schon ein paar Sachen verpasst, und was die an Eigenaufwand verbraucht, könnte woanders besser genützt werden. Aber unter dem Strich scheint es vielen zu nützen, was die SUISA macht. Egibt allerdings ein paar Kollegen, die ihre Sachen bei der GEMA statt bei der SUISA anmelden, offenbar zu ihrer grossen Zufriedenheit.

@thomas

Von: Macs®Us | Datum: 15.11.2004 | #3
Genau Deiner Meinung, ifpi und suisa scheinen sich wieder mal gestritten haben ob man doch nicht noch ein bisschen mehr aus der Sache herauspressen könnte…

Zum Glück ging die Idee alle MP3 Player mit einem Franken pro Megabyte Speicher zu besteuern bachab. Ipödders ab Fr. 4000 gefällig, eh?

Der richtige Adressat ist...

Von: indurix | Datum: 15.11.2004 | #4
...der SWICO. Der Wirtschaftsverband mit Sitz in Zürich kämpft seit geraumer Zeit gegen Mondpreise der SUISA. Dem Verband gehören u.A. Sony etc. an. Ich denke, dass da anzuklopfen wäre.
Gruss

ix

*ironie an* der perfekte kopierschutz...

Von: scara | Datum: 16.11.2004 | #5
... die suisa ist doch schlau, musik deren veröffentlichung verhindert wurde kann auch nicht kopiert werden. *ironie aus*
hab schonmal gestaltung für ne cd gemacht und die (künstler) haben mir erzählt, dass sie der suisa gebühren abliefern mussten für die veröffentlichung ihrer eigenen cd.
scheint wohl ein reiner abkassierverein zu sein?

Ist es nur die SUISA?

Von: DJJC | Datum: 16.11.2004 | #6
Ich weiss nicht genau wie die angeführten juristischen Probleme aussehen, aber ist es nur die Abzockerin SUISA, die Schuld an der schweizerischen iTunes-Misere ist? Sind es nicht auch die verknöcherten Plattenmultis, die die Schweiz sehr stiefmütterlich behandeln und zudem hier noch ihre eigenen Gärtlein verteidigen wollen? Aber über rückläufige Umsätze zu jammern ist eben einfacher, als sich für Innovationen zu öffnen. Bis der iTunes-Store in die Schweiz kommt kaufe ich meine CDs nur noch im Ausland, bzw. bei amazon.de