ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3497

Bitte ein Patent auf copy/paste!

Dieser Platz kann noch patentiert werden....

Autor: bh - Datum: 25.01.2005

Softwarepatente und kein Ende: nachdem die "Richtlinie über die Patentierbarkeit computerimplementierter Erfindungen" gestern im Rat für Agrarfragen und Fischerei nicht drangekommen ist, wurde sie auf nächsten Montag verschoben und soll im Rat für allgemeine Fragen und Außenbeziehungen beraten werden. Die Gruppe der Gegner wird von EU-Neuling Polen angeführt, ebenso skeptisch sind die Niederlande und Deutschland (sofern es nicht in letzter Minute umfällt). Streitfrage ist immer noch, was einem Patentierverfahren zugänglich sein soll. Gegner sehen die Idee eines Patents beispielsweise in Amazons "One Klick" pervertiert. Jede noch so kleine Aktion extra zu patentieren würde die Entwicklung neuer Software für unabhängige Programmierer erheblich erschweren, weil bereits die Frage, ob man mit existenten Patenten in Konflikt kommt, mehr Zeit und Aufwand erfordert als das Programmieren selbst.
Wer sind nun die Befürworter der Richtlinie? An vorderster Front stehen nicht Staaten, sondern ihre durch luxuriöses Lobbying weichgespülten Abgeordneten, denn weltweit agierende Konzerne wie Microsoft, Oracle, SAP oder Siemens behaupten, dringend stärkeren Schutz durch Softwarepatente zu benötigen. Während aber besonders Abgeordnete der meist wirtschaftsfreundlichen konservativen Parteien einiger Länder bewundernswert zwischen pro und contra herumeiern und schwanken, haben sich Interessensvertretungen wie die Österreichische Wirtschaftskammer gegen die Richtlinie ausgesprochen.
Da die CDU alle deutschen Abgeordneten im relevanten Rechtsausschuss des EP stellt, gibt es eine Petition an Vorsitzende Angela Merkel, für eine klare Linie der CDU zu sorgen und die Frage der Softwarepatente neu aufrollen zu lassen - was nicht zuletzt eine fällige Machtdemonstration des Europaparlaments wäre. Mehr dazu bei Onkel Heinz und im Standard.

Kommentare

Das, was mich interessiert ist,...

Von: gast2 | Datum: 25.01.2005 | #1
...ob die Patente auch auf OS-Software und Freeware gelten würden. Denn schließlich wird mit OS ja kein Geld verdient. Sprich jemand, der eine OS-Software rausbringt, die z.B. die Idee vom "One click" benutzt, verletzt nun das evtl. Patent von Amazon?

Haiko

Von: Haiko | Datum: 25.01.2005 | #2
ja logisch, Patent ist Patent, egal ob Du Geld damit verdienen willst oder nicht.

Natürlich wird mit OS Geld verdient

Von: eribula | Datum: 25.01.2005 | #3
PHP zum Beispiel, nur um eine Anwendung zu nennen. Und was ist mit Mac OS X. Damit verdient Apple auch Geld, so wie andere Firmen, die auf OS-Code und diesen in ihre Anwendungen integrieren auch. Ich halte es für fatal, diesen neu entstehenden Markt einfach so zu Gunsten der "alten" Softwareindustrie zu zerstören. OS X ist für mich das beste Beispiel einer Software, die nur aufgrund des Internets entstehen konnte, denn durch das wird OS erst möglich.

Patente sind schwachsinnige letzte Versuche das scheiternde Geldsystem doch noch zuhintergehen!

Von: uniMac | Datum: 25.01.2005 | #4
Die ganzen Typen die sich irgendeinen Mist patentieren lassen wollen, machen das doch nur aus einem Grund: Wegen Geld, Geld und nochmal Geld! Markteintrittsbarrieren aufstellen soviele wie möglich. Damit eventuell clevereren Entwicklern gleich durch ein patent das Handwerk gelegt werden kann. Patente sind eine Hommage an das Mittelmaß!

Ich wäre eher für eine Richtlinie die die weltweite registrierung von ANTI-Patenten unterstützt! Sprich jemand kann seine Erfindung als ANTI-Patent anmelden damit niemand jemals wieder darauf ein Patent anmelden kann! Denn der Beweis von Prior-Art ist ja auch schon sowas von kostenintensiv, dass man gleich einpacken kann!

Das Geldsystem ist eh bald am Ende! Da helfen auch keine Patente mehr. Wenn Einstein seine Relativitätstheorie patentiert hätte (und der Mann hat im Patentamt gearbeitet Leute!!!) dann würde hier an moderner Technik gar nichts stehen! Diese fu**ing Geldmacher wollen bloss den ganzen Planeten besitzen und alles was Sie mit den Fingern berühren zu Gold machen! So sieht die Realität aus!

Das uns das exponenzielle Zinswachstum und damit das Schulden und Guthabenwachstum irgendwie schon fast erledigt hat, raffen die Typen gar nicht. Ich empfehle [Link] danach ist die Welt ein vermutlich bissel besser! ;-)

das Problem ist nicht das Patent an sich,...

Von: DC | Datum: 25.01.2005 | #5
...sondern was man daraus macht oder was man verhindert.

So wie bei den Gen-Paptenten. Da geht es nicht darum, geistiges Eigentum zu schützen, dort geht es darum, ander Länder erpressbar zu machen ("Krieg ohne Soldaten"). Denn wenn man kein Patent auf den Reis, Mais, Weizen, Roggen, Kartoffeln hat, darf man auch nichts anbauen. Und da sich die Patente 3 Firmen auf der Welt teilen, 2 davon in USA und eine in der Schweiz, kann man sich ausmahlen, was da auf dem Weg ist.

Wem nützen Software-Patente ? Den Großen. Die Kleinen haben nicht die Möglichkeiten, Patente auch durchzusetzen. Was wird gestoppt ? Der Fortschritt, da man nicht mehr sicher sein kann, ob die eigenen Gedanken nicht schon irgendwo Patentiert wurden. Und die Praxis der US-Patentämter kennt man ja mittlerweile. Dort ist es sogar möglich, dass eine Firma (EFI) etwas patentieren kann, was 1931 in Wien von einem Forschungsinstitut entwickelt wurde (Farbanpassungsverfahren mittels Lab-Farbraum). Oder die Mac Benutzeroberfläche, die nicht patentierbar war, als MS sie neu Erfunden hat, wohl aber der 1-Klick Button von Amazon....

Wer mehr über diese Dinge wissen möchte kann mal bei [Link] nachschauen. Interessant ist auch der aktuelle Artikel über den DNA-Test, der zeigt, wie scheinbare Kleinigkeiten große Auswirkungen haben.

Viel Spaß beim Lesen.

Die Sache mit den Gen-Pflanzen...

Von: uniMac | Datum: 25.01.2005 | #6
..ist doch schon soweit gegangen, dass ein Bauer in USA Schadensersatz an einen Konzern (ich glaube Monsanto) zahlen musste weil sein NICHT-GEN Feld von GEN Pollen des Nachbarn bestäubt wurde (die doofen Bienen kannten die wahnsinnig guten Patente nicht!) - dadurch hatte der Bauer zwar ein vollends verseuchtes Feld, aber ne dickere Ernte. Bloss, das die Typen von der Agrarindustrie mittlerweile Genschalter aktiviert haben, so dass die Früchte nicht mehr als Saatgut taugen, also quasi auf Tod programmiert sind (damit der Bauer immer nachkaufen muß!).

Sowas finde ich nicht schützenswert sondern pervers! Die Natur hat Jahrtausende gebraucht Leben zu generieren und der Mensch erfindet als erstes wie man eine Pflanze möglichs effizient sterben läßt...

Sorry, das hat für mich nichts mit Schutz von tollen Erfindungen zu tun! Das ist einfach Verrat an der Natur, an dem Planeten, der uns beherbergt.

Gleiches kann man doch auch mit Musik als Produkt sehen. Erst erfinden wir Speichermedien und dann machen wir das speichern und kopieren illegal und damit alle Vorteile der Entwicklung wieder rückgängig, und streamen nur noch, oder mieten Musik für eine bestimmte Zeit oder versehen sie mit Digitalem Rechtemanagement. Sorry für mich sind das alles Anzeichen, das etwas nicht stimmt!

Und was die Entwicklung zum Überwachungs- bestrafungsstaat angeht, da kann ich nur empfehlen mal von Karl Popper das Werk "Die offene Gesellschaft und Ihre Feinde" zu lesen, oder eben einfach "1984" von Orwell. In 1984 ist zumindest der Teil über 'Neusprech' derzeit absolut relevant für unsere Medienumwelt. Denn Sprache ist das Hauptvehikel um erkämpfte Freiheiten der Gesellschaft umzudefinieren. Freiheitliche Rechte werden durch eine geschickt gewählte Sprache umgedeutet in Gefahren. Angst wird als das Hauptgestaltungsinstrument eingesetzt, um Veränderungen herbeizuführen die gesellschaftliche Freiheitsrechte einschränken sollen.

Beispiel gefällig: Wie sihts aus mit dem Film, den die Medienindustrie in allen Kinos als Vorspann zeigt? "Raubkopierer sind Verbrecher!" oder Botschaften wie "Erst eingeloggt dann eingelocht!", Leute das genau ist 'Neusprech', das ist 1984 in Aktion! Da wird ein freiheitliches Recht das jahrelang akzeptiert war nachträglich durch Sprache umdefiniert. Und nur so, durch Veränderung der Vergangenheit über Sprache kann man die Zukunft derart verbiegen. Orwell war ein Genie!

Patente sind also schlicht ein Mittel dazu das freie Denken und Schaffen einzuschränken. Sie sind auch ganz banale Mittel zum Wirtschaftskrieg! Wer genau hinschaut der sieht nämlich, dass die meisten Patente in Europa von den USA angemeldet werden, schlicht als Kriegsmassnahme auf anderem Terrain! Ich meine einem Land, dass es seinen Bürgern erlaubt Bodenrechte an Planeten des Sonnensystems für sich zu beanspruchen, sollte man sehr sehr ernstnehmen und die Patente der USA in Europe keinesfalls unterschätzen!!! Denn das sind messerscharfe Waffen, die bei einem Handelskrieg gnadenlos ausgepackt werden! Leute es geht um Geld und darum WER es bekommt, um nichts anderes!

Anti-Patente

Von: Haiko | Datum: 26.01.2005 | #7
Anti-Patente gibt's doch schon - veröffentliche einfach Deine Erfindung oder was auch immer unter public domain und keiner kann mehr ein Patent drauf anmelden, weil ja der Neuheitswert futsch ist. Machen übrigens auch Firmen, die sich 'ne Patenanmeldung nicht leisten können und verhindern wollen, dass es jemand anders patentiert.