ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3518

UNIX-Erfinder gefressen

Schweigeminute

Autor: thyl - Datum: 31.01.2005

AT&T war eines der Traditions- und Vorzeigeunternehmen der USA. Ein Telekommunikationsmoloch, der eine Größe erreicht hatte, die es ihm auch komfortabel ermöglichte, ein anspruchsvolles Forschungslabor, auch für Grundlagenforschung zu unterhalten. Neben vielen anderen Dingen wurde dort auch UNIX, dass auch die Basis von MacOSX darstellt, entwickelt. Seit seiner Zerschlagung in Baby-Bells als Regionalanbieter und AT&T als Fernnetzbetreiber u.ä. ging es allerdings steil bergab. Das traurige Ende kam nun: eine der Baby-Bell-Gesellschaften, längst umsatzstärker als die Mutter, hat diese gekauft und beendet damit möglicherweise die lange Geschichte dieses Namens.

Kommentare

Der Name wird weiter genutzt

Von: RollingFlo | Datum: 31.01.2005 | #1
Das die Marke AT&T nicht aufgegeben wird, ist selbstverständlich, und so hat der SBC-Chef das auch schon gesagt, allerdings ohne genauen Angaben. Niemand gibt so eine Marke auf, die kennt doch fast jeder, selbst in Europa oder Asien. Selbst das AT&T-Building in New York ist weltberühmt (zurecht).

Aber klar, daß ist nur Kosmetik. Die Eigenständigkeit ist verloren. Dieses Schicksal kennen ja auch viele deutsche Traditionsunternehmen.

Und eigentlich...

Von: cuby | Datum: 31.01.2005 | #2
...ist das eher "back to the roots", SBC ist IIRC die Southern Bell - und Unix entstand eben in den Bell Labs.

Trauer ist nicht angebracht

Von: BvK | Datum: 31.01.2005 | #3
AT&T wurde wegen dauerhaften Missbrauches seiner marktbeherrschenden Stellung im Kommunikationsbereich durch einen Gerichtsbeschluss zerlegt. Jahrelange vorauslaufende Verhandlungen und Auflagen hatten das Unternehmen nicht bewegen können irgendwelchen Wettbewerb zuzulassen. Die Zerschlagung des konzernes war durchaus zum Nutzen der Kunden, weil es erstmals seit Jahrzehnten auf dem Kommunikationssektor wieder einen Preis und Leistungswettbewerb gab.
So eine softe Firma kennen wir doch auch, an der Zerschlagung sind die nochmal knapp vorbeigeschrammt, obwohl sie diese sicher verdient hätten.
Dennoch achtet MS derzeit genau darauf keine Konflikte mit den Wettbewerbsbehörden entstehen zu lassen, siehe die zahlreichen Vergleiche und teilweise hohen Ausgleichszahlungen an diverse Konkurrenten
BvK

UNIX? Moment mal, da war doch was :-)

Von: StevesBaby | Datum: 31.01.2005 | #4
10.2 Erfinder von UNIX und C geben zu: Alles Quatsch!
In einer Ankündigung, die die Computerindustie verblüffte, haben Ken Thompson. Dennis Ritchie und Brian Kernighan zugegeben, daß das von ihnen geschaffene Betriebsystem Unix und die Programmiersprache C ein raffinierter Aprilscherz sind, der sich über 20 Jahre am Leben erhalten hat. Bei einem Vortrag vor dem letzten UnixWorld-Software-Entwicklungsforum enthüllte Thompson:

"1969 hatte AT&T gerade die Arbeit am GE/Honeywell/AT&T-Multics-Projekt beendet. Brian und ich experimentierten zu diesem Zeitpunkt mit einer frühen Pascal-Version von Professor Niklaus Wirth vom ETH-Laboratorium in der Schweiz und waren beeindruckt von seiner Einfachheit und Mächtigkeit. Dennis hatte gerade "Der Herr der Klinge" gelesen, eine spöttische Parodie auf Tolkiens Trilogie "Der Herr der Ringe". Im Übermut beschlossen wir, Parodien zur Multics-Umgebung und zu Pascal zu verfassen. Dennis und ich waren für die Betriebsystemumgebung verantwortlich. Wir sahen uns Multics an und entwarfen ein neues System, das so komplex und kryptisch wie möglich sein sollte, um die Frustation der gelegentlichen User zu maximieren. Wir nannten es "Unix" in Anspielung auf "Multics" und fanden es auch nicht gewagter als andere Verballhornungen. Danach entwickelten Dennis und Brian eine wirklich perverse Pascal-Version namens "A". Als wir bemerkten, daß einige Leute tatsächlich versuchten, in "A" zu programmmieren, fügten wir schnell einige zusätzliche Fallstricke hinzu und nannten es "B", "BCPL" und schließlich "C". Wir hörten damit auf, als wir eine saubere Uebersetzung der folgenden Konstruktion erhielten:


for(;P("\n"),R--;P("|"))
for(e=C;e--;P("_"+(*u++/8)%2))
P("|"+(*u/4)%2)



Der Gedanke, daß moderne Programmierer eine Sprache benutzen würden, die solch eine Anweisung zuließ, lag jenseits unseres Vorstellungsvermögens. Wir dachten allerdings daran, alles den Sowjets zu verkaufen, um ihren Computerfortschritt 20 Jahre und mehr zu behindern. Unsere Ueberraschung war groß, als dann AT&T und andere US-Unternehmen tatsächlich begannen, Unix und C zu verwenden! Sie haben 20 weitere Jahre gebraucht, genügend Erfahrungen zu sammeln, um einige bedeutungslose Programme in C zu entwickeln, und das mit einer Parodie auf die Technik der 60er Jahre! Dennoch sind wir beeindruckt von der Hartnäckigkeit (falls nicht doch Gemeinsinn) des gewöhnlichen Unix-und C-Anwenders. Jedenfalls haben Brian, Dennis und ich in den letzten Jahren nur in Pascal und einem Apple Macintosh programmiert und wir fühlten uns echt schuldig an dem Chaos, der Verwirrung und dem wirklich schlechten Programmierstil, der von unserem verückten Einfall vor so langer Zeit ausging."

Namhafte Unix- und C-Anbieter und Benutzer, einschließlich AT&T, Microsoft, Hewlett-Packard, GTE, NCR und DEC haben vorläufig jede Stellungnahme abgelehnt. Borland International, ein führender Anbieter von Pascal- und C-Werkzeugen, einschließlich der polulären Turbo Pascal, Turbo C und Turbo C++, meinte, sie hätten diesen Verdacht schon seit Jahren gehegt und würden nun dazu übergehen, ihre Pascal-Produkte zu verbessern und weitere Bemühungen um die C-Entwicklung stoppen. Ein IBM-Sprecher brach in unkontrolliertes Gelächter aus.

(Quelle: Bernhard L. Hayes, NetNews-Gruppe)

Schwierig zu beurteilen

Von: mbs | Datum: 31.01.2005 | #5
Den guten Namen von AT&T bringe ich eher mit den "Bell Laboratories" in Verbindung, die neben Unix eben auch den Transistor erfunden haben. Die Bell Labs heißen schon seit einigen Jahren "Lucent Technologies", haben also ihren Traditionsnamen schon seit längerem aufgegeben.

Wie schon geschrieben wurde, ist AT&T als "Moloch" dabei eher kritisch zu sehen. Vor 100 Jahren war AT&T vergleichbar mit Microsofts Rolle heute.

Interessant dabei ist, dass die Offenheit von Unix, von der wir mit dem Mac heute profitieren, auf Anti-Monopol-Gerichtsverfahren gegen AT&T zurückgeht, die wichtigsten in den Jahren 1913 und 1949.

Unix ist noch nicht so alt ;-), aber die Verpflichtung, bestimmte Technologien offen zu legen war eine der Sanktionen, die gegen AT&T verhängt wurden. So konnte sich Unix vor allem in den Unis und anderen Forschungseinrichtungen als Studienobjekt verbreiten und mit dem Quellcode wurde entsprechend großzügig umgegangen.

Wie die Entwicklung heute zeigt, stellt sich ja genau das gerade als größtes Erfolgsgeheimnis von Unix dar.

Von daher haben wir AT&T schon vieles zu verdanken, aber in einem ganz anderen Sinne, als man vielleicht annehmen könnte...

pm:

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 01.02.2005 | #6
Hallo? Satire, schonmal gehört, den Begriff?

P.S: Gilt übrigens auch für diese "Mail" von Linus! ;-)

Advanced Tungeons & Tragons?

Von: ElRhodeo | Datum: 01.02.2005 | #7
Zu Poden mit dem Purschen!

Satiere

Von: pm | Datum: 01.02.2005 | #8
Sorry, hab das wirklich nicht als Satire gesehen.

LOL!

Von: StevesBaby | Datum: 01.02.2005 | #9
Etwas geglaubt? :-))

@mbs Transtor wurde in England erfunden und nicht in den USA

Von: tjp | Datum: 01.02.2005 | #10
Immer diese USA Geschichtsschreibung! Alles und jedes wurde dort "erfunden". Aber deshalb müssen wir nicht gleich die Rosarote Brille aufsetzen.

Genau

Von: Haiko | Datum: 01.02.2005 | #11
Die Amis glauben auch den Computer erfunden zu haben. Von Zuse haben die noch nie was gehört.

BvK hat vollkommen Recht!

Von: ionas | Datum: 01.02.2005 | #12
(wollte ich nur bemerken, und ich hoffe ja noch immer das dies MS geschehen wird, in diesem Sinne ist es schon fast schade das es Linux und Mac OS X gibt ;p (die ja das Monopol aufheben, naja, scheinbar zumindest ;-)

srit

Von: yep | Datum: 01.02.2005 | #13
Nur der vollständigkeithalber sollte erwähnt werden, daß die "BabyBells" bei der Zerschlagung nicht erst gegründet wurde - es gab sie schon immer, so war die Firmenstrucktur von AT+T - und "Bell" ist der Name des Firmengründers - das Unternehmen nannte sich zunächst auch so - in sofern findet eigentlich auch kein "traditionsreicher Name" sein Ende.

Namensrettung

Von: Thyl (MacGuardians) | Datum: 01.02.2005 | #14
Schön zu hören, dass AT&T als Marke oder Unternehmenbezeichnung erhalten bleibt. So ähnlich wie bei den Linux-Hansels, die sich dann SCO genannt haben.

Bei der Überschrift dachte ich schon..

Von: Michael Kreuzer | Datum: 01.02.2005 | #15
..Ken Thompson wäre tot =D

UNIX-Erfinder gefressen, aber naja

gruß
Michael