ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3531

Napster to go (home)

Im Westen nichts Neues

Autor: flo - Datum: 07.02.2005

Holla Hoppsassa, der erste portable Musicservice hat die Bühne betreten, soll haben, angeblich, so sagt man. Wenn Napster-to-go wenigstens tatsächlich ein portabler Musikdienst wäre, im Sinne von "ich lad' mir Musik unterwegs über ein Portable ("iPhone")", aber die gebackenen Brötchen sind doch etwas kleiner und schrumpeliger. Napster-to-go ist ein Mietservice, der es einem erlaubt, die geliehene, gemietete Musik auch auf MP3-Playern von Napsters/Microsofts Gnaden abzuspielen. So lange zumindest 15 Dollar pro Monat auf Napsters Konten eingehen.

Ein solches System kann man mögen oder nicht. Es hat ein bisschen was von Internetradio mit Wunschprogramm und der Option, es auf seinen MP3-Player zu packen und vielleicht sogar einmal käuflich zu erwerben. Warum das Ganze aber von einer Werbekampagne begleitet werden muss, in der sich Napster als Adam Riese versucht und hanebüchene Vergleichsrechnungen heranzieht, aus denen hervorgeht, dass ein iPod eigentlich keine 400 Dollar, sondern 10.400 Dollar kostet, da 10.000 Songs nun mal 10.000 Dollar im iTMS kosten, das weiß nur der große Denker in der Marketingabteilung. Sicher, Apple ist Marktführer, und alle Konkurrenten werden sich immer diesen vorknöpfen und anhand von Vergleichen die Vorzüge des eigenen Angebots herausstellen.

Blöd nur, dass Napster-to-Go schlicht und ergreifend gar kein Konkurrenzprodukt zum iTMS ist. Napsters (erfolgloser) Pay-per-Download-Store ist eines, aber Napster-to-go? Napster könnte ja auch einfach die größere Flexibilität des Gesamtangebots herausstellen (Abo oder Pay-per-Song). Vielleicht würde dann aber eher die Schwachstelle auffallen, dass 15 Dollar pro Monat sich schnell läppern, immerhin 180 Dollar pro Jahr. Das ist ein Betrag, den man erst mal ausgeben muss. Und wer das täte, sei es in Form von iTMS-Songs oder CDs, der würde die gekaufte Musik wenigstens schon besitzen. Ein Abomodell, das sich also für Vielhörer eignen würde, aber genau an jenen vorbeizielt, weil Vielhörer wahrscheinlich auch Vielbesitzer sein wollen?

30 Millionen Dollar gibt Napster für die aktuelle Werbekampagne aus. 80 Millionen Dollar haben sie noch vom Roxio-Ausverkauf übrig. Naja, wer's hat...

Kommentare

Musik ist nichts mehr Wert!

Von: MaX | Datum: 07.02.2005 | #1
Diese Aktion geht in die selbe Richtung wie alles was die (/dumme Verallgemeinerung an) Musikindustrie (/dumme Verallgemeinerung aus)
die letzten Jahre so getrieben hat: Dudelfunk, Heavy Rotation, Friss so viel du kannst.
Wie blöd muss man eigentlich sein um das eigene Produkt immer wertloser zu machen. Napster Billig Billig - Quantität statt Qualität.

Japp

Von: Yemeth | Datum: 07.02.2005 | #2
Zudem haben die meisten Menschen, die sich einen iPod anschaffen auch schon etliche CDs im Regal, die kann man fein rippen.

Und dann strotzt das Netz nur so von freien mp3s, wo ab und an auch richtig gute Stücke dabei sind.

Schwedischer, Atari/C64 Heavy Metal z.B.
[Link]

Wie schon...

Von: Dirk(1812) | Datum: 07.02.2005 | #3
Franz B. sagte: "Die Wahnsinnigen sterben nie aus!"
Bin mal gespannt wieviele Leute sich auf den Napster-Mist einlassen.

Napster ist ne Bereicherung

Von: b.chic | Datum: 07.02.2005 | #4
Um hier mal eine andere Meinung vorzubringen, ein (Diskussions-)Forum lebt doch von der Kontroverse:
Ich finde den Napster-Ansatz nicht uninteressant. Dieses "Haben-wollen" ist das Konsumverhalten heutiger Generationen. Aber vielleicht verändern neue technische Möglichkeiten auch das Konsumverhalten zukünftiger Generationen. Ich gehöre doch eher zum alten Eisen, für mich ist das nichts. Aber vielleicht ist das die Zukunft. Warum Musik- und Filmdateien zuhause vorhalten, nur um sie gelegentlich zu hören/sehen. Stattdessen eine Mediendatenbank im Netz, wo ich die Musik/Filme abrufe wann immer ich sie hören/sehen möchte. Das könnte die Zukunft sein.

Oder eine anderes Szenarium: Mietmodell als Ergänzung zum "Haben-wollen"-Modell. 30 Sekunden Probehören im iTMS sind machmal zuwenig. Und manche aktuellen Songs sind zwar ganz nett, um sie ein paarmal zu hören, aber in ein paar Jahren? Und dafür 99 Cent? Also als Ergänzung zum Kaufangebot des iTMS könnte ich mir das sogar vorstellen. Dann aber nicht für 15 Euro/Monat. Bei 5 Euro/Monat, dafür nur auf einem Rechner, nicht Mobil (iPod), und ich würde darüber nachdenken.

Nur mit Kampfansage an iTMS & Co. (deren Rechenexempel geht ja gegen alle Kaufangebote, auch gegen ihr eigenes), so wird dass nicht. Eigentlich schade um Roxio. Toast hätte würdigere Nachkommen verdient.

Und mit diesem Beitrag hätte Flo TheRegister paraphrasiert

Von: Anonymer Feigling | Datum: 08.02.2005 | #5
[Link]