ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3571

IBM wird PC-Sparte nicht los

Der Feind darf nicht erfahren, ob John Ashcroft eine Vier- oder Fünftastenmaus verwendet.

Autor: bh - Datum: 26.02.2005

IBM hat Probleme. Im Herbst 2004 sorgte das Managment für grossen Wirbel mit dem Vorschlag, die PC-Sparte zu verkaufen. Ausgerechnet die Kronjuwelen früherer Zeiten und dann noch nach Rotchina, das war schon starker Tobak. Rein wirtschaftlich konnte man IBM aber verstehen, denn immerhin macht die PC-Sparte seit Jahre satte Verluste, die mit dem guten Server-Geschäft wieder abgedeckt werden müssen. Ähnlich wie beim PowerMac G4, als die USA eine Ausfuhr des Gerätes nach China verboten, meldeten sich aber auch hier prompt die Ämter und Terrorismusbekämpfer. Der Kauf musste verschoben werden, das Justizministerium prüft, das Wirtschaftsministerium tut dasselbe. Das chinesische Unternehmen Lenovo, das durch diesen Deal zum zweitgrößten PC-Hersteller würde, übt sich in Geduld. Nun erneut schlechte Nachrichten: sollte das Geschäft zustandekommen, haben staatliche Institutionen in den USA bereits angekündigt, keine IBM-Rechner mehr zu kaufen. IBM bekommt die Panik und schlägt vor - wie nett - seine Räume in gemeinsam mit den Chinesen genutzten Bürogebäuden zu versiegeln oder die Namen von US-Kunden überhaupt nicht an Lenovo herauszugeben. Vielleicht könnte man überhaupt nur die Verluste an China outsourcen? Was ist die Information, welches Ministerium einen IBM-Rechner gekauft hat, gegen detaillierte Flugdaten aller Europäer, die ohne größere Probleme den USA bekanntgegeben wurden? Ja, wir sind alle gleich. Gleich blöd vielleicht?

Kommentare

Skepsis ist aber auch angebracht

Von: RollingFlo | Datum: 26.02.2005 | #1
In den USA wird vielleicht übertrieben, was solche Dinge angeht, schließlich gibt IBM keine den Chinesen unbekannte Hochtechnologie weiter und die US-Kundendatei, naja, ob die soviel wert ist? Schließlich werden viele so denken und keine IBM-PCs mehr ordern, ganz ohne Boykottaufruf, denn dieses Juwel der amerikanischen Industriegeschichte in Händen von Ausländern, und auch noch Chinesen? Da bricht so manchem das Herz (ich sage nur Mannesmann).

Aber:
Wie sich Europa gegenüber China anbiedert ist auch verkehrt! Immer bedenkenloser wird Technologie weitergegeben - und zwar recht einseitig zu Gunsten der Chinesen. Nun soll auch noch das Waffenembargo fallen, obwohl sich die Menschenrechtssituation keinesfalls gebessert hat, Tibet weiterhin besetzt ist und Taiwan sogar immer stärker mit Invasion bedroht wird. Das wird dann lustig, wenn deutsche Export-U-Boote amerikanische Zerstörer torpedieren, geleitet vom Satellitensystem Galileo (oder wie das jetzt heißt), an dem ja die chinesische Regierung mittlerweile beteiligt ist, natürlich nur für zivile Ziele, ist ja klar...
Prinzipien und langfristig eigene Interessen für den kurzzeitigen Profit zu opfern, darin profilieren sich gerade die Europäer in zunehmendem Maße. Währenddessen hat man in den USA erkannt, daß sich hier eine faschistisch-expansionistische Diktatur, die sich pro-forma kommunistisch nennt, anschickt, sich zur Weltmacht hochzurüsten, mit klaren Zielen, die unseren Interessen widersprechen.
Keineswegs will ich dem chinesischen Volk den Fortschritt verwehren, aber vor einer Diktatur den Bückling zu machen und sie ohne Rücksicht auf auch nur Irgendetwas ohne Unterlass aufzuwerten und auszustatten?
Hier könnte sich Europa mal eine Scheibe von den USA abschneiden.

Moment mal bitte...

Von: Fidel | Datum: 26.02.2005 | #2
was ist denn das fuer ne argumentation?
china verletzt die menschenrechte, also gibts ein embargo. dann bitte auch ein embargo gegen die usa. auch die verletzen massiv die menschenrechte.
zudem liefern sie massenvernichtungswaffen an diktaturen.
ibm sollte vieleicht mal in cuba nach nem kaufwilligen suchen;)

Genau..

Von: Goofy | Datum: 26.02.2005 | #3
... die bösen, bösen Amerikaner. Sorry, ich kann's echt nicht mehr hören. Und wer die Meschenrechtsverletzungen der USA (ja, die gibt's natürlich) auf die gleiche Stufe anhebt wie China sollte sich vielleicht mal ein bisschen näher mit dem Thema auseinandersetzen.

Aber da die EU das Waffenembargo auflösen will wird hoffentlich auch mal uns idealistischen Europäern klar, dass wir keinen Deut besser sind.

Goofy

@ Goofy

Von: Fidel | Datum: 26.02.2005 | #4
Die Menschenrchtsverstoesse sind durchaus vergleichbar. sowohl in qualitaet als auch in quantitaet.
fandest du den vietnam krieg legitim? den einsatz von napalm auf die zivielbevoelkerung auch?
fandest du den irak krieg legitim?
fandest du es legitim massenvernichtungsmittel an saddam zu lefern legitim?
fandest du die hetze der mccarthy aera legitim?
wie stehts mit der todesstrafe, auch ok?
der korea krieg?
hiroshima? nagasaki?
ueberfall auf cuba?
guantanamo? rassentrennung bis in die 70er jahre?
etc. etc.

die usa als hueter der menschenrechte zu betrachten halte ich fuer einen witz!
und das sehen auch viele amis so.

Flo: Da haste leider recht!

Von: Terrania | Datum: 26.02.2005 | #5
Mir gehts auch gegen die Bürste, wie Schlüsseltechnologien an die Chinesen weiterverhökert werden. Dabei ist mir wurscht, ob das Demokraten oder waweisichwas sind. Es ist der Ast auf dem man sitzt und sägt, wenn man sowas einfach so weitergibt. Aber was solls. Das werden wir nicht mehr ändern. Außerdem: Der Transrapid - da wird bei uns seit Jahrzehnten diskutiert. Die Chinesen kaufens - und wollen dann logischerweise die Baupläne dafür. Fein gemacht. Da krieg ich richtig das kotzen.
Und dann immer wieder die "armen" Amis. Die von uns Deutschen gebashed werden. So wie man in den Wald reinruft, schallts raus. Außerdem, gehts nicht gegen "die Amis" sondern gegen den verschissenen militärisch industriellen Komplex in den USA, der als kapitalistisches Institut die "Demokratie" dort völlig unterwandert hat. Wer das hier nicht kapiert, der hat die Zusammenhänge dort seit Eisenhower (der es explizit in seiner Abtrittsrede angeprangert hat) immer noch nicht geschnallt.
Sind wir Europäer keinen Deut besser? Ist irgendwer auf diesem Planeten einen Deut besser? Kaum, wir sind alle Menschen, mit Fehlern und grandiosen Lichtblicken. Diese Selbstkasteiung (=Blauäugikeit) der Europäer geht mir sowas von gegen die Hutschnur inzwischen.

@ Fidel

Von: Goofy | Datum: 26.02.2005 | #6
Sollen wir jetzt eine Grundsatzdiskussion über Legitimität führen? Ausserdem kannst Du ja nicht allen ernstes einfach diese Ereignisse aufzählen, ohne auch nur im geringsten auf das geschichtliche, politische und soziale Umfeld einzugehen?! Genau solche schwarz/weiss Argumentationen führen zu nichts (und reizen mich dermassen :-) ... Ein Literaturtipp:

Wenger, Andreas / Zimmermann, Doron (2003): International Relations - from the Cold War to the Globalized World. Rienner: London.

Wirklich zu empfehlen, regt zum nachdenken an (statt zu pauschalisieren)...

P.S Ob die Amis wirklich die Hüter der Menschenrechte sind, sei dahingestellt. Immerhin hatten sie noch vor den Franzosen die Menschenrechte in der Verfassung verankert...

Ohne Diskussion....

Von: Lenin | Datum: 26.02.2005 | #7
....Flo hat recht.(in Worten : Punkt)

mfg
Marcus

p.s.: wenn ihr Pro-China seit dürft ihr auch keine demokratische Diskussion erwarten.

Geheimnisse

Von: Boskopp | Datum: 26.02.2005 | #8
Irgendwo habe ich gehört, dass Longhorn in Indien entwickelt werde... wenn das stimmt, was sagen die Amerikaner dazu?

he leute

Von: Karl Marx | Datum: 26.02.2005 | #9
also echt. weder chinesen noch amis sind die bösen! sprecht doch mal von den interessens gruppen dahinter. wirklich dämonisch ist die industrie, letztlich diktieren die doch mittlerweile eindeutig, was politisch läuft. Und wenn die billig löhne brauchen, dann wird eben Harz4 eingeführt und mit den chin. politikern cooperations gemacht. Da is auch klar, das der mangel an rohstoffen zu " befriedungen " und "demokratisierung" solcher länder wie der irak gehören. mit demokr. meint man natürlich, das da jetzt westliche demokraten das sagen haben!
[Link]

Globalisierung und Menschenrechte

Von: gast Flugel | Datum: 27.02.2005 | #10
Natuerlich birgt die Verflechtung der Welt-Maerkte mit dem damit verbundenen Austausch von gewissen Technologien Risiken und Gefahren, doch leider ist diese Entwicklung durch die Globalisierung nicht aufzuhalten. Ich sehe es als eine wirtschaftliche Notwendigkeit, von der wir alle Nutzen haben, solange es nicht zu einer kriegerischen Auseinandersetzung kommt. Wie schon gesagt, in Bezug auf Menschenrechtsverletzungen, da kann ich nur sagen: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Zudem, wir sollten froh sein, dass die Chinesen fuer Ordnung im Lande sorgen. Man muss sich mal vorstellen was passieren wuerde, wenn die die Kontrolle verloeren ueber ihre 1 279 557 000 Einwohner!

@Gast Flugel

Von: Thomas | Datum: 27.02.2005 | #11
Ja so einen kleinen Völkermord in Tibet, bischen die Uiguren niedermetzeln (Sind ja eh nur Muslime und in Zeiten der Kreuzüge gegen den Islam durchaus legitim).
Die KP China ist schon klasse

Wunderbar...

Von: Hägar | Datum: 27.02.2005 | #12
...wie wir deutschen einen ruck nach rechts im eigenen Lande dulden, und die ach so bösen Amerikaner verurteilen. Nett, wie wir unser Land veraltern und verdummen lassen, weil Kinder nur noch eine Last sind, vorhandene Kinder mehr schlecht als recht gefördert werden, und fähige (junge) Ausländer nur zum Studium ins Land gelassen werden.
Sehr angenehm, wie wir auf die Strassen gehen, um gegen einen Irak Krieg zu protestieren. Ein Vorgehen, welches niemandem geholfen hat, erst recht nicht dem irakischen Volk! Schön, wie wir uns dafür auf die Schultern klopfen, voller selbstliebe, denn, "Wie sind ja die Guten".
Wer von denen, die die Amerikaner nicht als "Weltpolizei" nicht möchte, hat denn eine vernünftige Alternative? Sollte etwa Deutschland herhalten? Sehr schön, ein Volk, welches seit 15 Jahren nicht imstande ist, Ost und West anzugleichen, oder den Osten in den Westen zu integrieren, ja immer noch demographische Unterschiede macht, soll auf einmal für den Weltfrieden herhalten?!?
Aufwachen, Kollegen! Wäre irgend ein Europäisches "Führungs-"Land für den Weltfrieden verantwortlich, gäbe es kein Israel mehr, wir hätten massivste Probleme mit militanten Diktaturen, und wahrscheinlich die Hosen voll dass keiner von denen bei uns in Europa vorbeischaut.
So lieb und nett diese "Lasst uns doch darüber reden und es aussitzen" Politik auch ist, wozu das führt, sehen wir an der Arbeitslosen zahl in Deutschland, wo seit Jahren (Jahrzehnten) auch nur ausgesessen, vertagt, angekündigt, reformiert, und sonst was wird. Aber geholfen hat es bisher niemandem. Stattdessen haben wir einen Apparat geschaffen, der unfähig ist, auf externe Störungsfaktoren zu reagieren. Das Ergebnis kennen wir alle...

@ Hägar

Von: Erlenhof | Datum: 27.02.2005 | #13
du vergleichst hier aepfel mit birnen!

Zum Glück...

Von: Omega | Datum: 27.02.2005 | #14
... verbindet uns hier alle nur der Mac (und keine Verschwörungstheorien). Lassen wir's doch dabei bleiben!

Hägar:

Von: Kai (MacGuardians) | Datum: 28.02.2005 | #15
Und was bringt dich zu der Annahme, dass die Welt einen "Weltpolizisten" braucht?
Dass die Amis dieser irrigen Annahme aufgesessen sind ist doch überhaupt das Grundproblem, nicht dass sie sich als Weltpolizist aufführen!
Die Welt hat jahrtausendelang sehr gut funktioniert ohne eine einzige Macht mit zweifelhaftem Ethos, die sich als Richter über alle anderen aufgeführt hat!

Abgesehen davon, dass die Amis ihre Rolle als Weltpolizist ja nur dann wahrnehmen, wenn sie einen klaren wirtschaftlichen und politischen Vorteil draus ziehen! Bei allem anderen gibt's _maximal_ ein paar uralte Bomben, die man eh ausmustern hätte müssen die man sich dann von den NATO-Bündnispartnern zahlen lässt (Hallo Jugoslawien!)
Das wäre wie wenn ein Polizist sagt "ich nehm nur die Verbrecher fest, die meiner Karriere helfen oder auf die's ein Kopfgeld gibt!"

Ich versteh nicht, was die Anti-China-Stimmung hier soll... China wird die Weltmacht #1 in den nächsten 10 Jahren, und das ist so sicher wie das Amen in der Kirche!... Da könnt ihr schimpfen solange ihr wollt, da führt einfach kein Weg dran vorbei! Wer dermaßen viele "human resources" hat macht einfach ALLES andere platt, und wo zehnmal soviele Leute leben ist Arbeitskraft nun mal entsprechend billig und es existieren auch zehnmal soviel schlaue Leute, die problemlos westliche Technologie nachbauen können bzw. diese kurz darauf überholen _werden_!
China irgendwelche Vorschriften zu machen wollen halte ich für die dümmste Idee die ich seit langem gehört habe. Wenn die ach-so-demokratischen und menschenrechtlerischen Amerikaner schon auf die Meinung und den Rat anderer Nationen sehr sehr große Haufen scheißen, warum sollte sich dann ausgerechnet China, gegen die die Amis bald nur noch ein unwichtiger Zwerg sind drum kümmern?

Kai (MacGuardians)

Von: gast Flugel | Datum: 28.02.2005 | #16
Ich kann Deiner realistischen Einschaetzung generell nur zustimmen. Nur sollte man doch anerkennen, dass die USA durch ihre wirtschaftliche und militaerische Macht immer noch fuer eine gewisse Stabilitaet in der Welt sorgt, und auch weiterhin sorgen wird. Ob China diese Rolle eines Tages uebernehmen wird, ist noch ungewiss.

@gast Flugel

Von: thomm | Datum: 28.02.2005 | #17
so leider falsch!
Diese "gewisse Stabilitaet", welche Du als Argument anführst, ist nichts weiter als der gezielte weltweite Diebstahl durch die amerikanischen Industrie (einhergehend mit der gezielten Verblödung der eigenen Volksmassen und der Marionettennatoländern (Toitschland etc.) von Rohstoffen, welche für die industrielle Entwicklung entscheidend sind!!
Wer die Kontrolle über die Rohstoffe besitzt, kontrolliert die anderen.
In diesem Sinne ist die Bezeichnung der USA als Terrorist Nr.1 in der Welt durch verschiedene Organisationen (ATTRAC etc.) richtig.

lesen

Von: MacGhul | Datum: 01.03.2005 | #18
Damit mal Klarheit aufkommt:

Noam Chomsky "War against people" + " Profit over people" lesen.

Danach weiter reden, und sich nicht mit Ländern vergleichen, in denen weite Teile der Normalbevölkerung höchstens den Bildungstand eines durchschnittlichen Entwicklungslandes haben, man die Bibel wörtlich (komplett mit Adam und Eva) auslegen muss, weil man die Lesekompetenz eines deutschen Drittklässlers nur mit Mühe erreicht. Wir mögen auf einem ähnlichen Weg sein, so weit sind wir aber noch nicht im "alten Europa". Wir sind umgeben von Supermächten auf dem Zenith (USA), dem Weg nach unten (Russland), bzw. nach oben (China). Alle haben Dreck am Stecken, kaum einer aber in Ausmaßen wie die USA. Wo der europäische Weg langführen wird bleibt abzuwarten.
Ob man sich allerdings an BWL-orientierten Massenmördern mit religiösem Komplex orientieren sollte, lasse ich mal dahin gestellt.

Hort der Menschenrechte

Von: Fidel | Datum: 02.03.2005 | #19
Oh, der Hort der Menschenrechte schafft gerade die Todesstrafe fuer Minderjaehrige ab. Und das im Jahr 2005. Weiter so, oh moralischer Fuehrer dieser Welt!