ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3591

Apple zeigt sich wie U2 humorlos

Wer hat hier mehr Recht?

Autor: dk - Datum: 10.03.2005

Apple zeigt sich dünnhäutig, wenn es darum geht, interne Informationslecks zu schließen. Da werden schon mal Journalisten verklagt und sollen ihre Quellen preisgeben (wir berichteten). Oder auch Schüler, die Entwicklerversionen in Netz stellen, die sich jeder, der sich als Entwickler registriert, eh bekommen würde.

Nun hat Apple wieder einmal die eigene Rechtsabteilung von der Leine gelassen. Doch diesmal liegt der Fall ein wenig anders. Aber von vorn: Vor rund drei Monaten stellte der Künstler Francis Hwang einen vom ihm veränderten U2-iPod bei eBay ein. Die Auktion wurde allerdings kurz vor Ende von eBay auf Apples Verlangen hin gestoppt. Eine Erklärung von Apple hat Hwang bis heute nicht bekommen. eBay erklärte den Abbruch mit verletzten Urheberrechten. Von Apple gab es keine Stellungnahme.

Und hier wird die Geschichte richtig spannend. Denn den U2-iPod hat Hwang zu einem U2 vs. Negativland-iPod gemacht. Er lud sieben Alben der Band auf den iPod, gestaltete die Verpackung um und legt physikalische CDs bei, die ihm wie der iPod ebenfalls gehören. Statt auf eBay bietet er den iPod nun auf seiner eigenen Seite zum Verkauf an. Derzeitiges Höchstgebot: 667 US-Dollar.

Wer die U2 vs. Negativland-Geschichte nicht kennt, hier ein kleiner Abriß: Negativland, eine Band, nahm ein Lied mit nicht autorisierten Samples von U2 auf, und wurde daraufhin verklagt. Als das Geld nicht mehr reichte, mußte das Lied verschwinden. Man könnte jetzt böse sagen, da hätten sich zwei gefunden. Beide humorlos, wenn es jenseits ihres weltoffenen Images um Geld geht.

Wie Apple auf den Verkauf nun reagieren wird, bleibt abzuwarten. Denn Hwang gibt nicht vor, ein von Apple autorisiertes Produkt zu verkaufen, sondern etwas, die ihm gehört, und das er umgestaltet hat. Einen ausführlichen Bericht findet Ihr bei Wired und einen Bericht über die U2 vs Negativland-Story hier. Der gesamte Erlös des Verkaufs geht übrigens an Downhill Battle, eine Non-Profit-Organisation, die für eine gerechtere Musikindustrie kämpft.

Kommentare

"gerechtete Musikindustrie"??

Von: solaris | Datum: 10.03.2005 | #1
eine "gerechtete" Musikindustrie? Meinst Du nicht eine gerechtere Musikindustrie?

Nun ja, das dürfte ein etwas längerer Kampf werden...

solaris

"gerechte Musikindustrie"

Von: Holger | Datum: 10.03.2005 | #2
Als wäre die Musikindustrie "ungerecht"! Wenn das sein einziges Problem mit der Musikindustrie ist…

For the rest of us? Lange her.

Von: veltins4u | Datum: 10.03.2005 | #3
Tja, das Copyright wird DAS Thema des 21. Jahrhunderts. Urheberrechtsänderungen, Digital Rights Management, Kopierschutz etc. pp. - immer trifft es vor allem diejenigen, die brav bezahlt haben. Den Raubkopierern und Produktpiraten ist das alles völlig wurscht. Der zahlende Kunde wird wohl schon bald auch in der Alltagssprache die Copyrights mitsprechen müssen, wenn er straffrei ausgehen will: "Du, ich hab mir gerade den iPod eingetragenes Warenzeichen Shuffle geschütztes Gebrauchsmuster von Apple eingetragenes Warenzeichen gekauft."

Schade, dass ausgerechnet die Firma Apple - die ja seit Jahren von einem gewissen rebellischen Underdog-Image und einer treuen Fangemeinde profitiert – sich nicht entblödet, hier immer wieder den Vorreiter fürs Establishment zu spielen.

veltins4u

Wie kommst du darauf,...

Von: dermattin | Datum: 10.03.2005 | #4
...dass Apple immer wieder die Vorreiterrolle spielt? Solche Streitigkeiten gibt es seit es Musik gibt.

Warez für alle?

Von: Thomas | Datum: 10.03.2005 | #5
"Oder auch Schüler, die Entwicklerversionen in Netz stellen, die sich jeder, der sich als Entwickler registriert, eh bekommen würde."

Wenn er 500$ bezahlt bekommt er sie. Ihr seid also für Warez, denn weshalb sollte man jemand verfolgen der nen PS ins Netzt stellt, wo doch jeder registrierte PS User das Programm eh bekommt?
Nur mal so.

@dk

Von: dermattin | Datum: 10.03.2005 | #6
"Oder auch Schüler, die Entwicklerversionen in Netz stellen, die sich jeder, der sich als Entwickler registriert, eh bekommen würde."

Bist du sicher, dass man eine Tiger Entwicklerversion schon als ADC Online Mitglied bekommt? Denn nur diese Stufe ist kostenlos.

nichts ist kostenlos

Von: meta | Datum: 10.03.2005 | #7
@dermattin
Die Preview gibt es nicht kostenlos, sondern erst mit der vollen Mitgliedschaft. Zusätzlich bekommt man dann die finale Version und bei einem Hardwarekauf Rabatt.

was will ich denn mit ner entwicklerversion?

Von: dave | Datum: 10.03.2005 | #8
ihr müsst mir nochma erklären was man mit ner entwicklerversion will, auch wenn die umsonst ist.

sieht man doch bei quark xpress, flash oder adobe golive, was es bringt... total buggy programme kursieren da im internet. Der flash version fehlen da schonma wichtige AS komponenten, xpress stürzt ab so bald man mal nich über die manuelle werteingabe, sondern bilder oder textfelder mit dem cursor verschieben will.

und ne entwicklerversion von nem betriebsystem will ich mir beim besten willen nich antun....auch wenn 90% der Computernutzer das anders sehen. ;-)

Eh bekommen?

Von: gabriel | Datum: 10.03.2005 | #9
Also der Satz "...die Entwicklerversionen in Netz stellen, die sich jeder, der sich als Entwickler registriert, eh bekommen würde." ist ziemlich daneben. Denn eingetragene Entwickler, die diese Versionen bekommen, müssen eine verdammt große Stange Geld an Apple zahlen. Also sind es Raubkopien, die dieser Schüler da verteilt hat...

@solaris

Von: Dirk (MacGuardians) | Datum: 10.03.2005 | #10
Danke für den Hinweis. Sollte natürlich "gerechtere" heißen.

und zu allen anderen, die sich an "eh bekommen" stören: wer sowas haben will, bekommt es auch… Ich als User interessiere mich überhaupt nicht für Entwicklerversionen. Und die Jungs, die aus solchen Versionen wirklich was Nützliches ziehen können, um dann was zu bauen, was ihnen selbst Geld bringt, sind so potent, daß ihnen die volle Mitgliedschaft nicht wirklich wehtut… monnetär… Soll doch ein Schuljunge an einer Entwicklerversion für sich schrauben…

Ganz deutlich: ich unterstütze nicht den Warez-Gedanken, der hier aufkam. Aber sollte mal im Verhältnis bleiben. Wir dürfen uns nicht wundern, daß unsere Gerichte alle überlastet sind, wenn wir bei jedem kleinsten Rempler gleich die Richter anrufen…

Einatmen, Ausatmen, weitermachen…

???

Von: HHII | Datum: 10.03.2005 | #11
[Link]

Kann das sein? Ist das ein Fake? Ich checke es nicht? Wenn es kein Fake ist, dann findet Apple das bestimmt auch wenig witzig...

@Zaggo

Von: Dirk (MacGuardians) | Datum: 10.03.2005 | #12
Ich will mich gar nicht rausreden. Ich finde nur, daß man eine Verhaltnismäßigkeit wahren sollte. Aber vielleicht ist diese typische amerikanische Verklagegeilheit auch Teil der Appleschen Firmenpolitik… schade wär's schon…

@HHII

Von: Bert Camem | Datum: 11.03.2005 | #13
luxpro sitzen in taiwan. das taiwanesische urheberrecht bzw dessen handhabung unterscheidet sich weltweit am deutlichsten von etwa den westeuropäischen formen desselben - es besteht fast gar nicht. auch ausländisches urheberrecht wird dementsprechend behandelt. weswegen aus dortiger sicht auch ganz legal clones und kopien aller möglichen waren üblich sind. ein riesiger industriezweig, übrigens. die taiwanesische pro-kopf-exportrate beträgt im weltweiten vergleich... schon gut schon gut. tschuldigung.

Stichwort "gehören"

Von: MacFriend42 | Datum: 11.03.2005 | #14
Im Artikel wird gesagt "und legt physikalische CDs bei, die ihm wie der iPod ebenfalls gehören."

Eben, ihm gehört die CD und NICHT die Lieder darauf. Wenn der Inhalt der CD illegal ist, so ist auch deren Verkauf illegal. Es sei denn, der Inhalt wird gelöscht.

Genauso mit dem iPod. Der iPod gehört ihm, aber nicht die Lieder, die darauf gespeichert sind!

Recht haben und trotzdem tolerant sein.

Von: bernd | Datum: 11.03.2005 | #15
Ich denke die Rechtslage ist eindeutig, wenn Apple gegen einen Schüler/Studenten vorgeht, der Software nicht nur für sich kopiert, sondern diese Version zum weiteren download ins Netz stellt. Kein Zweifel.

Es stünde der Firma mit dem selbstaufgebauten Image des "andersdenkenden Rebellen" gut zu Gesicht nichts zu unternehmen. Apple würde in Zukunft davon profitieren nicht das Erbsenzähler zu gelten. Denn der tatsächlich entstandene Schaden, der durch das unerlaubte Verteilen einer Beta-Version des nächsten Mac OS X, dürfte den Wert einiger dieser kleinen grünen Gemüse kaum übersteigen.

@bernd

Von: Dirk (MacGuardians) | Datum: 11.03.2005 | #16
JA!

Danke, daß mich zumindest einer versteht… ;-)

@bernd

Von: Zaggo | Datum: 11.03.2005 | #17
"Denn der tatsächlich entstandene Schaden..."

Für Softwarefirmen ist ein unkontrolliertes Verteilen von (früher) Betasoftware unter unverständigem Publikum (d.h. Endnutzern und nicht Entwicklern) weniger schädlich, weil direkt Geld verloren geht, sondern vielmehr, weil ein erheblicher Imageschaden entstehen kann, und damit indirekt viel mehr Geld ("Was Tiger? Neee, kauf ich nicht, das schmiert doch immer ab!").

@Dirk: Ich versteh dich ja, ich seh's nur anders. Deine Artikel sind mir immer die allerliebsten!!
:o)

@Zaggo

Von: Dirk (MacGuardians) | Datum: 11.03.2005 | #18
Danke für die Blumen! Ich dachte, ich nerve immer nur noch. Aber es scheint noch einige Leser zu geben, die meine Zeilen ertragen… ;-)

Prost!