ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3607

Mal wieder "faire" Software von Johansen

Lieder aus dem iTMS ohne DRM kaufen

Autor: flo - Datum: 18.03.2005

Lech Johansen, bekannt als "DVD-Hacker" und als bekennender Kämpfer wider DRM, hat einmal mehr eine neue Runde im Kampf der Rechteverteidiger gegen die Rechteeinforderer eingeläutet. Diesmal ist es kein Tool, das den vorhandenen Schutz nachträglich entfernt, diesmal ermöglicht PyMusique gleich den Kauf ohne jedwede Rechtebeschränkung durch DRM. "PyMusique is an interface to the iTunes Music Store that lets you preview songs, sign up for an account and buy songs [...] While iTunes adds DRM to your purchases, PyMusique does not." (Quelle)

Und hier wird es eigentlich interessant. Es lässt sich nämlich schnell einwerfen, dass die Nutzungsbestimmungen des iTMS die Nutzung eines anderen Programmes als iTunes zum Einkauf untersagen, und dass damit auch dieses Tool rechtlich genauso schwer haltbar ist, wie Hymn und Konsorten. Doch was PyMusique offenbart ist, dass nicht die Songs das DRM enthalten, sondern dass erst iTunes (oder QuickTime) beim Kauf die Beschränkungen hinzufügt. Und das ist nicht nur ein technisches Detail (wenn auch ein interessantes), sondern nährt all jene, die befürchten, dass Apple -- oder prinzipiell jeder Anbieter geschützter Inhalte -- die Schraube jederzeit anziehen kann -- eventuell auch auf bereits vorhandene Dateien.

Dreimal hat Apple bislang die Rechte an den iTMS-Songs geringfügig geändert: Die Zahl der Brennvorgänge wurde auf 7 reduziert, die Zahl der simultanen Rechner auf 5 erhöht, jedoch aber das Sharing auf ebenfalls fünf unterschiedliche Rechner je Monat Tag (Danke, Leo) begrenzt. Die Vorgehensweise ist eigentlich sehr bequem, denn Apple muss nicht die Rechte bei jedem Lied ändern, sie müssen nur iTunes entsprechend ändern. Interessant wäre also, ob ein älteres iTunes ältere Songs anders behandelt, als ein neues iTunes. Notfalls könnte Apple aber schlicht "alten" iTunes-Versionen den Zugang zum Store verwehren. Schwarzmalerei? Vielleicht. Wahrscheinlich. Aber wenn Johansens Tool als iTunes-Alternative auch viele nicht weiter interessieren wird, facht es dennoch einmal mehr die Diskussion wieder an -- und "erzwingt" möglicherweise eine Gegenreaktion.

Kommentare

DRM sucks...

Von: dermattin | Datum: 18.03.2005 | #1
Ist es nach Deutschem Recht nicht illegal, einfach die Nutzungsbedingungen zu ändern?

So sehr ich die Vorherrschaft Apples auf dem OnlineKaufMusikMarkt begrüsse, um M$, das weitaus grössere Übel, davon fern zu halten, dieses ganze DRM Zeug geht mir zunehmend auf den S****.

Ach na ja...

Von: cochrane | Datum: 18.03.2005 | #2
Auch ich würde lieber in einer DRM-freien Welt leben, aber Apple ist doch ganz nett und Probleme gibt es damit meistens nicht.

DRM ist nicht sooo schlimm

Von: fazzur | Datum: 18.03.2005 | #3
bzw Apples Musicstore geht noch.

Rechner in der Arbeit, Rechner zu Hause, iBook, iPod, CD für Anlage und CD für Auto.
und da habe ich meine Rechte noch nichteinmal ausgeschöpft.

da ist Sonys Minidisc (3 Mal darf man einen Song auf eine Minidisc laden, umgekehrt geht es gar nicht mehr)

und MS mit dem Ultimo dass man die Datei nur auf diesem einen Rechner abspielen kann schon viel schlimmer.

ich hätte auch gerne die komplette Freiheit. Aber die würde nicht viel bringen, da dann ein Song 1x geladen und dann 100x weitergegeben wird.

ps: selbst wenn ich mich überwerfe bin ich bis jetzt noch nicht an die Rechtegrenze gekommen, an der mir iTunes sagt: das darfst du jetzt nicht mehr machen ;)

Darf Apple die Nutzungsmöglichkeiten nach Kauf ändern?

Von: analog-forum.de | Datum: 18.03.2005 | #4
Ich verfolge die Meldungen über den Online-Musikmarkt mit Spannung, bin aber immer noch davon überzeugt, daß silmple LPs für den Heimgebrauch besser zu handhaben sind als MP3-Files und auch mehr Spaß machen. Es kann doch nicht sein, daß ich Geld für Files ausgebe und Apple dann die Abspielmöglichkeiten nachträglich durch ein UpDate der Playersoftware iTunes ändert. Es stellt sich die Frage, ob man die Files gegen Rückgewähr der geleisteten Geldsumme wegen eine Sachmangels nach Änderung der Nutzungsmöglichkeiten umtauschen kann.

Richtig gut sind digitale Verfahren beim Homerecording. Hiervon will Apple aber wenig wissen. Ein iPod mit Recodingmöglichkeit und Digitaleingang würde ich mir sofort zulegen.

Cheers, aaa

Nachträgliche Änderung der Nutzungsbedingungen saugt

Von: Cubologe | Datum: 19.03.2005 | #5
Solche Aktionen sind es, die mich derzeit davon abhalten den ITMS und andere zu nutzen. Ich sehe es schlicht und ergreifend nicht ein, wenn mir ein Unternehmen *nachträglich* die Nutzungsrechte beschränken will. Und vor dem Hintergrund, dass ich viele meiner Platten schon seit gut 20 Jahren besitze, sehe ich auch nicht ein, warum ich bei Apple oder wem auch immer um Erlaubnis fragen muß, wenn ich mir in 20 Jahren den x.ten Rechner anschaffe und meine Musik weiterhin hören möchte.

Vielleicht sind Abomodelle doch nicht so schlecht sofern das Pricing okay ist (vgl. folgenden Artikel:
[Link]
).
Angesichts der Rechtefrage bleibe ich dabei, CDs zu kaufen, um wenigstens etwas Kontrolle zu behalten. Aufgrund der Preise von CDs ist das allerdings ein seltenes Vergnügen.

Upgradepflicht

Von: Tobias | Datum: 19.03.2005 | #6
Man muß eine aktuelle iTunes Version haben um den Store besuchen zu können.

Probiert es mal mit einer alten Version, das sollte nicht gehen.

Auch sind versch. iTunes Versionen nicht untereinander kompatibel. Will man Musik vom anderen Rechner hören, muß man gleiche Versionen haben.

@Cubologe/tobias

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 19.03.2005 | #7
@Cubologe: Vorsicht, ich _weiß nicht_, ob Apple tatsächlich nachträglich die Rechte an bereits gekauften Liedern ändern kann oder will. Die Aussage Johansens legt dies nahe, dass alleine iTunes für die Beschränkung verantwortlich ist, dennoch steht nach dem Kauf ja eine geschützte Datei, nach dem Kauf enthält also tatsächlich _das Lied_ den Schutz. Ich weiß nicht, ob iTunes/QT nachträglich derart Zugriff hat, um den Schutz im Lied zu verändern.

Ein Beispiel: Man kauft ein Album zu einer Zeit, als man es noch unverändert 10mal auf CD brennen konnte. Im Lied wird also "10" hinterlegt. iTunes zählt mit, vergleicht die Anzahl mit der hinterlegten erlaubten Anzahl und riegelt dann ab. Nachdem die maximale Anzahl auf 7 reduziert wurde, kann man dann auch das bereits erstandene Album nur 7mal brennen? Kein Ahnung, nie ausprobiert. Könnte natürlich auch sein, dass Apple sowas gar nicht im Titel hinterlegt, sondern nur iTunes bei geschützten Songs beim Brennen zu zählen beginnt -- dann müsste man gar nichts irgendwo im Titel selbst ändern, nur iTunes muss geändert werden. Dann wäre es mal interessant, ein altes Album mit iTunes 4.5 zu brennen -- wie oft lässt sich da eine Wiedergabeliste unverändert brennen? Demnach auch jetzt noch 10mal?

Spannende Thematik. Ich meine, es wäre ja möglich, dass iTunes die Rechte zum Zeitpunkt des Kaufes in den Song integriert und sie dann so belässt, egal wie sich die Rechte in Zukunft entwickeln. Dann wäre eine nachträgliche Änderung nicht möglich. Ist nur iTunes die entscheidende Komponente, müsste man sich mal überlegen, ob man sich nicht einen nie aktualisierten Musikrechner ins Haus stellt ;)

@tobias: Die Inkompatibilität unterschiedlicher iTunes-Versionen bezieht sich aber lediglich auf das Sharing der Bibliothek, nicht auf die prinzipielle Funktionalität. Also wenn man heute einen Song mit 4.7.1 kauft, dann funktioniert der doch auch mit 4.5. Es ist allerdings richtig, dass man in den Store nur noch ab iTunes 4.6 (?) kommt.

Hirn einschalten....

Von: Bertzo | Datum: 19.03.2005 | #8
Apple ist nicht "nett" ... Das ist ne Firma, die Geld machen möchte.

Vorherrschaft von Firma X auf einem Markt Y tut diesem selten gut, ist nunmal so.

(Beispiele: M$ im massen-os-markt, Quark im dtp-markt, etc.etc.)

Nachträgliche Änderung

Von: Wonko_the_sane | Datum: 19.03.2005 | #9
Bei Verträgen gilt in Deutschland eine Besitzstandswahrung (oder so ähnlich), was bedeutet, dass eine einseitige, nachträgliche Veränderung des Vertrages ausgeschlossen ist, wenn nicht gleichzeitig ein Sonderkündigungsrecht o. ä. angeboten wird. Es wird dann nämlich einvernehmlich ein neuer Vertrag geschlossen. Steht im Kleingedruckten vom iTMS allerdings (wovon ich ausgehe), dass die Lizenz jederzeit abgeändert werden kann, braucht es keibe Vertragsänderung, und somit bist Du der Depp und allem, was die MI über Apple durchdrückt, hilflos ausgeliefert.

Rechteinhaber

Von: macschrauber | Datum: 20.03.2005 | #10
die Rechteinhaber bei Musik sind die Musiker, Komponisten usw. nicht die Plattenfirmen die sind nur die Rechteverwerter.
Die totale Kontrolle und abkassieren so oft wie möglich wollen die Rechteverwerter.
Mir stinkt es gewaltig daß ich für alles mögliche Urheberrechtsabgaben zahlen muß auch wenn ich damit überhaupt keine fremden Rechte nutze

ms

Konvertieren

Von: Kurdwubel | Datum: 20.03.2005 | #11
Kann man gekaufte AAC-Files eigentlich mit iTunes konvertieren?
Und wenn man ein gekauftes AAC-File mit zum Beispiel Toast brennen will, geht das? Zählt da wer mit? Verweigert QuickTime die Zusammenarbeit beim Konvertieren?

@ kurdwubel

Von: no quarter | Datum: 21.03.2005 | #12
du kannst kein geschuetztes aac-file in itunes
"einfach so" umkonvertieren, z.b. in mp3.
das geht nur ueber den umweg des cd-brennens.
da werden die aac-files ja aiff-files.
und dann wieder ueber den "re-import". ;-)

nach der vorletzten c't ist dies aber
mit klangverlusten verbunden.

und zu toast ::
das habe ich vorgestern mal ausprobiert,
also geschuetzte aac-files, deren passwort ich nicht kannte,
mal eben so zu kopieren.
da mogelt sich direkt das ganze osx dazwischen ::
"sie haben keine blabla"

im finder geht noch nicht einmal das "preview" ...

n-q

Ach scheiße!

Von: Psychofreak | Datum: 21.03.2005 | #13
Ihr habt - mal wieder - NULL Ahnung. Aber Hauptsache, klug daherbrabbeln, gell?

Also, ich werd euch arme Leuchten mal aufklären:
Zu jedem gekauften Song wird abgespeichert, welche Fairplay-Version beim Kauf gerade aktuell war. Soll heißen: Songs mit Fairplay-Version 1 kann man immer noch 10x brennen, dafür nur auf 3 Rechnern gleichzeitig hören. Es ändern sich zwar die generellen Nutzungsbedingungen (für zukünftige Einkäufe), die Songs behalten aber die Rechte, für die man sie erworben hat.

Meine Fresse, wie traurig ist das, wenn ein PC-User den Macianern vorkauen muss, wie Mac-Sachen funktionieren? Erbärmlich, echt.