ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3628

NeoOffice

Kurz- und Schmerzlos-Test

Autor: thyl - Datum: 01.04.2005

Gestern habe ich spaßeshalber den Release Candidate von NeoOffice (einer X-Windows unabhängigen Java-Implementierung von OpenOffice) runtergeladen. Da sich NeoOffice frech wie Oskar als für Word-Dokumente zuständig registriert hatte und eine von mir zu bearbeitende .doc-Datei einfach öffnete, dachte ich mir - gib ihm 'ne Chance. Also alles weiterhin im Word-Format gespeichert, den Text aber mit NeoOffice korrigiert.

Heute morgen rief die Sekretärin, die den Text erhalten hat, aufgeregt an. Man könne nur einen Teil des Texts lesen, er bräche mittendrin ab. "Mittendrin" entpuppte sich als nach einem Abschnittswechsel.

Tja, das war ein einfachstes Dokument, nur Courier, einspaltig, kein Firlefanz, keine Graphiken. Und doch hat NeoOffice bereits dabei versagt. Das Dokument hat dann, obwohl es als Word-Dokumente akzeptiert wurde, Word auch zum Aufhängen gebracht. Somit scheint NeoOffice leider nicht zum Einsatz in Umgebungen, wo es auf den Austausch von Word-Dokumenten ankommt, geeignet.

Zumindest ist die Integration in MacOSX besser als bei der X-Windows-Variante. Der normale Druckdialog steht zur Verfügung und die Menus werden oben auf dem Bildschirm platziert, nicht mehr in jedem Fenster. NeoOffice versucht ein Word-Klon zu sein, die Menu-Struktur ist verblüffend ähnlich. Im Detail hakt es aber anscheinend doch etwas. So kommt man bei Aufruf von Format -> Zeichen zu einem Fenster, wo mit verschiedenen Reitern Unterbereiche aufgerufen werden können, statt dass die am häufigsten benutzten Funktionen bereits direkt zugänglich sind. Auch die Darstellung am Bildschirm entspricht nicht den MacOSX-Standards, vermutlich aufgrund fehlenden Anti-Aliasings. Zudem sieht man dem Programm heftigst an, dass es für eine Windows-Umgebung entwickelt worden ist.

Kommentare

Kommt drauf an...

Von: apprendi | Datum: 01.04.2005 | #1
Ich nutze Neooffice seit einer Weile, weil ich Word nicht lizensieren möchte. Alle Texte bleiben bei mir lesbar, solange ich alles simpel abspeichere. Probleme gab es nur mit gelb markiertem Text, da konnte Word die Markierung nicht mehr aufheben. Zudem kann Word im Mac eingefügte Excel-Tabellen nicht lesen, auf Word PC aber schon. Außerdem funnktioniert das einfSeitenzahlen Ich glaub da besteht noch Verbesserungsbedarf. Aber als simplen Editor, der sich nicht aufhängt wenn man ins Netz geht, reicht mir Neooffice schon.

XP kompatibel

Von: juergen | Datum: 01.04.2005 | #2
was mir am besten an neooffice gefällt ist, dass ich daraus direkt xpress-doks exportieren kann. daraus kann ich dann wieder pdfs generieren und habe so das dokument wieder in neo zur verfügung. mit indesign klappt das meines wissens noch nicht - aber wenn jemand damit erfahrung hat, würde mich das freuen

cu juergen

Andere Erfahrungen…

Von: sdot | Datum: 01.04.2005 | #3
Ich benutze NeoOffice auch seit geraumer Zeit (Version 0.84, glaube ich) und kann in Sachen .doc-Konvertierung fast nur Gutes berichten. "Normale" Dokumente, also eine Briefkopfvorlage mit formatiertem Text, der vielleicht auch einmal eine automatische Aufzählung u.ä. enthält, sind fast immer problemlos konvertiert worden oder ließen sich zumindest mit wenigen Klicks wieder rekonstruieren.

Die Konvertierung ist eine der besten, die ich kenne und vor allem bei weitem zuverlässiger als die OS X-interne (TextEdit, Mellel usw.).

Starwriter/office gibts schon sooo lange;

Von: marvin | Datum: 01.04.2005 | #4
man tut ihm unrecht, wenn man es als Word-Clone bezeichnet.

Open Office 2.0

Von: cmvc2cc | Datum: 01.04.2005 | #5
Hoffe immernoch auf eine native Open Office 2.0 Version für Aqua. Allerdings bezweifle ich, dass eine handvoll aufrechter Hobby-Programmierer dieses Projekt stemmen werden.
Ich hätte mir gewünscht, dass Apple hier Unterstützung leistet. Aber sie wollen sich da wohl lieber nicht mit M$ anlegen und haben stattdessen ihr iWorks geschaffen.
Ich finde aber NeoOffice eine sehr akzeptable Lösung zum Lesen von Office-Dokumenten, die mir (leider) ständig geschickt werden. Ist es nicht schlimm, dass die Leute ".doc" für einen Universalstandard halten, mit dem jeder arbeiten kann? Klar, wir haben ja alle M$-Office (und wenns geklaut ist).

Dein Problem evt. Kein Problem

Von: ionas | Datum: 01.04.2005 | #6
für andere!
wer weiss was du verzapft hast
ich arbeite mit neooffice und habe derartige probleme NICHT.

es gibt probleme, aber das sind andere.

Wahrscheinlich sind OpenOffice und NeoOffice zu perfekt

Von: Mac since 1994 | Datum: 01.04.2005 | #7
Es wird wohl eher umgekehrt sein, daß Microsoft mit seinen eigenen Standards schlampig umgeht, denn im Test mit Reparaturprogrammen für defekte Word.docs schneidet OpenOffice ganz gut ab:

Manchmal lohnt sich jedoch der Versuch, die fehlerhafte Word-Datei mit dem kostenlosen OpenOffice zu öffnen. Dessen Import-Filter funktioniert zwar nicht ganz perfekt, öffnet aber so manches Dokument, das Word nur noch zum Absturz bringt. <http://www.heise.de/newsticker/meldung/57713>

...Pages

Von: Maxipeg | Datum: 02.04.2005 | #8
wenn ich schon am lästern bin... ;-)

habe soeben versucht ein Word-Dokument mit Pages zu öffnen. Geht zwar, allerdings ist das ganze Layout auf der Strecke geblieben. NeoOffice hatte da keine Probleme.

wie war das mit mediawatch?

Von: edi | Datum: 02.04.2005 | #9
Also da muss ich schon mal etwas Kritik üben. Zum einen andere dafür zu kritisieren, dass diese schlampig recherchierte Beiträge veröffentlichen und dann so einen Artikel - ich bin etwas enttäuscht. Ich persönlich arbeite seit längerem mit NeoOffice und muss sagen, dass ich es als sehr leistungsfähige Textverarbeitung zu schätzen gelernt habe, mit der ich sogar meine Diplomarbeit geschrieben habe. Konvertierungsprobleme hatte ich bisher nur sehr geringfügigie, die sich meist auf kleinere Layoutsachen beschränkten.

Also bitte in Zukunft keine Eine-Datei-Testberichte mehr - vor allem nicht wenn es sich um Beta-Software handelt - das wäre schlecht recherchierter Journalismus, den ihr ja zurecht immer wieder anprangert!

Fazit ist zu hart

Von: Dirk H. Schulz | Datum: 04.04.2005 | #10
Das Fazit, daß man NeoOfficeJ nicht dort einsetzen könne, wo man Dokumente mit MS-Word-Benutzern austauschen muß, finde ich zu hart (genauer: Quatsch). Grund 1: Ich (NeoOfficeJ) tausche viele Dateien mit MS-Word- und MS-Excel-Nutzern aus, und das klappt recht gut. Wir benutzen allerdings zufällig keine Abschnittswechsel.
Grund 2: Wer MS Office kennt, kennt auch das beschriebene Problem bestens: Auch Office kommt nicht immer mit Office-Dateien klar. Nicht umsonst widmet die aktuelle c't MEHRERE SEITEN dem Thema "Rettung von Word-Dateien".

Wer Perfektion sucht, sollte nicht gerade Software testen. Wobei ich auch nicht wüßte, was sonst. :-)