ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 3648

Grau ist grau ist grau...

Schön wär's

Autor: flo - Datum: 13.04.2005

Kürzlich berichtete Roland auf dieser grünstichigen Seite in Dr. Spyder – Oder wie ich lernte, die Welt zu kalibrieren über seinen Weg zu einem möglichst farbkonsistenten Workflow von der Kamera bis zum Drucker. Streiten lässt sich darüber noch bis in alle Ewigkeiten. Aber wenn wir schon einmal beim Thema Farbe sind und das Thema in den Kommentaren zum Artikel zeitweise aufkam, ergreife ich doch die Gelegenheit beim Schopfe und berichte über einen Quick&Dirty-"Test" der Graukarte von colorsolutions.

Eine Graukarte wollte ich mir schon lange zulegen, denn in manchen Büros ist zwar immer wieder einmal eine vorhanden, aber ich selbst besaß keine und saß daher immer wieder mal ohne da. Und dass Grau nicht gleich Grau ist, das wird einem angesichts der Ergebnisse, erst recht wenn man mal ein paar Vergleichsfotos bemüht, schnell klar.

Natürlich ist ein Weißabgleich noch lange kein Ersatz für ein Kameraprofil. Doch ein solches, vollwertiges Profil zu erstellen ist keine Kleinigkeit, man benötigt ein entsprechendes Target, die Software dazu und Zeit. Noch dazu bräuchte man -- wenn schon, denn schon -- eine ganze Reihe von Profilen, denn während beispielsweise in einem Scanner immer dieselben Bedingungen herrschen (abgesehen von altersbedingten Änderungen), muss sich eine Kamera ständig mit radikal anderen Umgebungsbedingungen herumschlagen. Wer also nicht gerade in seinem Fotostudio lebt...

Ein Weißabgleich, so eine neutrale Grauachse denn überhaupt erwünscht ist, ist so gesehen eine sehr einfache Möglichkeit, wenigstens den ärgsten Faktor hinsichtlich Farbwiedergabe unter Kontrolle zu bringen. Natürlich auch wieder mit gewissen Einschränkungen, aber grob gesagt: Passender Weißpunkt spart eine Menge nachträglicher Bildbearbeitung und rückt das gesamte Farbspektrum quasi "von selbst" ins rechte Licht.

Das fiese am Weißabgleich: Licht ist nicht gleich Licht, Grau nicht gleich grau, und selbst ein scheinbar weißes Licht ist mitnichten so neutral, wie es den Anschein hat. Selbst unser Tageslicht weist kein einheitliches Farbspektrum auf, sondern enthält einige Spitzen, auch wenn Tageslicht noch zu den unkompliziertesten Lichtverhältnissen zählt. Ganz anders sieht es bei künstlichem Licht aus, wo das Spektrum deutliche Spitzen aufweist, an unterschiedlichen Stellen des Spektrums. Ganz besonders fies wird es bei Mischlicht, wenn also mehrere Lichtquellen vorhanden sind.

Ein Weißabgleich ist ja nichts anderes als die Abstimmung der Farbtemperatur. Diese wird angegeben mit einem bestimmten Wert in Kelvin. Ein bestimmter Wert würde allerdings ein absolut lineares Spektrum bedeuten, mit völlig homogenen Anteilen. Und genau das gibt es eben in Wirklichkeit kaum. Jedes Ding, sei es noch so grau, reflektiert ein Spektrum, welches eben krumm und buckelig ist -- wo soll da die Kamera zielsicher einen Weißpunkt finden?

Ideal wäre eine Fläche, die so beschaffen ist, dass sie ein möglichst homogenes Spektrum reflektiert. Metameriefrei, um einmal dieses schöne Wort in die Runde zu werfen. Und eben genau dazu sind Graukarten da.

Die Graukarte von Colorsolutions konnte ich vor geraumer Zeit schon einmal testen (samt Target zur Kameraprofilierung), und die Graukarte wurde mir in diesem Zusammenhang auch präsentiert. Mit einem Spektralfotometer lässt sich ja prima das Umgebungslicht messen, mit der passenden Software sieht man dann die Zusammensetzung des Spektrums. Zielt man auf die Graukarte, erhält man in der Tat eine erstaunlich saubere Kurve.

Die Graukarte ist ca. A5 groß und einen halben Zentimeter dick, also nicht die Mobilität per se, aber klein genug, um sie in jeder (Computer)Tasche unterzubringen. Das Foto zu Beginn zeigt den schnellen "Test" der Graukarte: Ich habe mit der Kamera einfach mal draufgehalten, bei reichlich fiesen Lichtverhältnissen. Durchs Fenster kommt noch ein Rest Dämmerlicht, der Monitor strahlt blau in die Runde und der Deckenfluter tut sein Übriges, um jeden automatischen Weißabgleich restlos zu verwirren. Freilich darf man in solchen Verhältnissen dann nicht erwarten, dass es eine Einstellung gibt, in der alles, was in der Tat weiß respektive neutralgrau ist, auch ebenso neutral erscheint. Die weiße Tastatur vor dem blau strahlenden Display kann gar nicht weiß werden -- will man nicht andererseits eine komplett gelbe Wand im Hintergrund.

Das Bild zeigt dasselbe Motiv mit drei verschiedenen Weißabgleichen:
Links hat sich der Automatismus der Kamera (eine Canon Powershot G3) versucht. Typisch für Digitalkameras gerät die Farbstimmung deutlich zu "warm", auch wenn diese Wiedergabe den tatsöchlichen Lichtverhältnissen natürlich am nächsten kommt (durch den Deckenfluter).

Rechts wurde auf einen (vermeintlich neutral-)grauen Karton ein manueller Weißabgleich durchgeführt. Hier zeigt sich jedoch ein Grünstich, der so sicher nicht stimmen kann. Da man nie weiß, was ein Stück Papier oder Karton an Inhaltsstoffen enthält, ist auch ein noch so grauer Karton nur wenig mehr als ein Notbehelf für einen Weißabgleich.

In der Mitte das Ergebnis nach einem Weißabgleich auf die ColorSolution-Graukarte. Selbstredend ist auch dieses Ergebnis nicht farbstichfrei, doch die weiß Wand im Hintergrund zeigt in Photoshop einen mehr als vertretbaren Grau-Farbwert (RGB fast mit gleichen Anteilen).

Berücksichtigt man noch, dass die Canon zwar ein sRGB ausgibt, aber dieses Profil sicher nicht wirklich zutreffend für den Chip ist, und dass die Lichtverhältnisse auch nicht einfach waren -- nicht schlecht.

Nun mögen mich einige, die mit dem Thema vertraut sind, gerne steinigen und mich der Binsenwahrheitverbreitung bezichtigen, aber wer bislang einen Weißabgleich auf alles Graue durchgeführt hat, was nicht bei Drei auf dem Baum war, möge sich vielleicht die Anschaffung einer solchen Graukarte überlegen. Die gibt es bei vielen Händlern von vielen Herstellern, die beschriebene Lösung kostet gerade einmal 30 Euro zzgl. Steuer. Und das geht, siehe Kommentare, natürlich noch weit günstiger.

Kommentare

Photoshop camera raws statt pappen?

Von: TLionheart | Datum: 17.04.2005 | #1
Schon mal versucht den Raw Importer von photoshop für sowas zu verwenden? ind er April ausgabe der Page ist sogar ein nettes Tutorial... schließlich soll am Ende das Bild stimmen, und mit dem RAW Importer und nem weißabgleich kommt man verdammt weit...

Ansonsten ist es natürlich OK gleich die technisch richtige Lösung anzupeilen... nur mancmal vielzu umständlich

@TLionheart

Von: Stephan Fürnrohr | Datum: 18.04.2005 | #2
Arbeite ausschliesslich mit RAW (allerdings mit C1 Pro)....dennn nur mit RAW kannst Du einen WhiBal sinnvoll nutzen.

Eine Weißkarte muss her!

Von: Thomas Maschke | Datum: 13.04.2005 | #3
Eine Weißkarte ist besser, denn es heißt ja auch Weißabgleich (und nicht etwa Grauabgleich):

[Link]

...oder WhiBal!

Von: Stephan Fürnrohr | Datum: 13.04.2005 | #4
Hi, Thomas!

Ich nutze wechselnd den GretagMacbeth ColorChecker oder, on Location, das "Weiberl" (WhiBal)....
[Link]
Sehr zufrieden.

Bin schon übrigens sehr gespannt, was mir das die Tage mit ColorEyes 20/20 erstellte Kameraprofil so alles an Vorteilen bringt...die ersten Versuche waren schon sehr vielversprechend...könnte ein echter Killer sein! :-))

Ciao,
Stephan

Re: Weißkarte

Von: DC | Datum: 13.04.2005 | #5
Den beschriebenen Effekt kann man auch ohne Weißkarte erreichen. Die meisten Kameras haben heute eine Histogram-Funktion. Damit kann man nicht nur den hellsten, sonden auch den dunkelsten Punkt des Bildes bestimmen und so auf optischem Weg (nicht nach der Aufnahme digital errechnet) Blende und Belichtungszeit so zu optimieren, dass es passt....

@stefan

Von: DC | Datum: 13.04.2005 | #6
Halt uns auf dem Laufenden. Bin gespannt, was dabei herauskommt.

@flo

Von: DC | Datum: 13.04.2005 | #7
Danke für den Testbericht

30 Euro für graue Pappe?

Von: ninjaturkey | Datum: 13.04.2005 | #8
DAS nenne ich ein Geschäft (für den Vertreiber). Wenn auch ein reines Grau soicherlich nicht so leicht herzustellen ist ("So grau, grauer gehts nicht!"), so findet man nach kurzem Googeln schon eine Graukarte (http://www.fotomayr.de/webkat98/homepage.php?/html/000088.HTM) für schlappe 9.00 Euro.

Der Bericht ist übrigens prima, danke!

30 Euro, aber dafür...

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 13.04.2005 | #9
...haben da bestimmt keine Kinder Hand angelegt und es wurden nur glückliche Bäume dafür gefällt ;)

Ja, mag sein, dass man bei ColorSolutions gerne mal ne Mark mehr zahlt, aber der Bauer frisst halt nur, was er kennt, gell? Da haben die mich seinerzeit mit ihrer Vorführung (auf einer CeBIT seinerzeit, 2001?) voll eingefangen ;)

Re: 30 EUR

Von: DC | Datum: 14.04.2005 | #10
Das Teil ist nicht einfach ne bedruckte Pappe. Wäre das so, dann hätten wir eine tolle Metamerie (das ist das Thema: im Laden hatte die Hose aber doch die gleiche Farbe wie das Sakko, warum sehen die jetzt anders aus).

Die Karte ist aus Kunststoff und damit strapazierfähiger und robuster. Sie hat eine spezielle Oberfläche, um ungewollte Reflexionen zu vermeiden, ohne jedoch matt zu wirken und damit das Streulicht wegzunehmen. Es wurde eine spezielle Farbmischung verwendet, um den o.a. Effekt mit der Metamerie zu verhindern. Es kommt ein Handbuch mit der Karte, das genau erklärt, was man wie am besten macht.

Also ingesammt etwas mehr als ne grau bedruckte Pappe. Eine Kodak Graukarte kostet beim Internet Billigheimer 22 EUR und hat eine ziemlich fiese Metamerie (sprich: ist nicht für Digitalfotografie geeignet). Flo hat 8 EUR mehr bezahlt für eine, die wirklich funktioniert. Ist das jetzt zu viel ?

zu WhiBal und Konsorten

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 14.04.2005 | #11
Ohne mich zuweit aus dem Fenster zu lehnen, aber WhiBal und Konsorten sind aus meiner Sicht nicht ganz dasselbe wie eine Graukarte. Sie sind ebenso recht praktisch, weil man durch die Grauabstufungen die komplette Grauachsse entlang anpassen kann -- aber eben erst im Nachhinein. Sprich man schießt ein Foto einmal mit, dann einmal ohne WhiBal im Bild. Danach öffnet man die Bilder in PS, bastelt ne Gradationskurve, ausgerichtet an einer neutralen Darstellung der Graukarten, und wendet diese dann einfach auf das Bild ohne die Karte an und korrigiert dieses Bild damit automatisch. Wie gesagt, WhiBal sieht für mich so aus wie eben diese Tools, die man so handhabt. Genau habe ich nicht durchgelesen, was man mit WhiBal lles macht. Auch halte ich diese Tools für nützlich.

Aber dasselbe wie ne (zudem metameriefreie) Graukarte sind sie nicht. Dafür meist günstiger.

Man korrigiere mich gerne, sollte ich da eine festgefahrene, unkorrekte Meinung innehaben ;)

@flo

Von: Stephan Fürnrohr | Datum: 14.04.2005 | #12
Flo, Whibal ist beides. Amtliche Graukarte einerseits. Das sogar mit zwei verschieden hellen Grautönen, auf denen Du je nach Situation deinen Weißabgleich aufbauen kannst.
Daher kommt auch der Name, "WhiBal" leitet sich ja wie man unschwer erraten kann von "White Balance" ab.
Daneben hast Du natürlich die Möglichkeit, mit der schwarzen bzw. weißen Karte Deine Kurven so zu beeinflussen, wie Du das beschrieben hast.

Zuguterletzt ist es extrem handlich und strapazierfähig...das Beste, was ich diesbezüglich gesehen hab.

Also gleich 3 Wünsche auf einmal... ;-))

Ciao,
Stephan

Danke allerseits

Von: fanbelt | Datum: 14.04.2005 | #13
Danke flo für den Beitrag und danke Stephan für den Tip betr. WhiBal. Ich habe in der letzten Stunde die WhiBal Site durchgekaut, alle Videos angeschaut und dann gleich ein Pocket Set bestellt. Die Site hat mich überzeugt und die Berichte hier auch: eine Graukarte muss endlich her und die WhiBal gefällt mir von den Infos her sehr gut.

RAW...

Von: flo (MacGuardians) | Datum: 17.04.2005 | #14
Nun, ich habe aber besseres zu tun, als jedes Hinz-und-Kunz-Foto als RAW zu schießen. Da passen wesentlich weniger auf die Karte, das Speichern dauert sehr viel länger... nenenee. Und eine Stapelverarbeitung auf RAWs ist bis PS CS2 auch noch nicht möglich (gewesen), da hätte man lange zu tun an einer Serie Bildern. Aber richtig, mit RAW lässt sich natürlich auch vieles erreichen, es ist eine weitere von vielen Möglichkeiten.

128/128/128

Von: B | Datum: 02.05.2005 | #15
[Link]
[Link]

kellycube, dcam, und und und

RAW + RGB 196/196/196

Von: tambo | Datum: 08.07.2005 | #16
Bin Hardcore-RAWler und erstelle den Weissabgleich sehr einfach: Custom White Balance in der Cam, mit nem weissen Papier, das mit dem Laserprinter mit nem hellen Grau, RGB 196/196/196 entsprechend bedruckt wurde.
Funzt seit Jahren einwandfrei; natürlich darf kein Licht durch das Papier scheinen.

Die 196-Angabe stammt von Jeff Schewe, seit PS-2 Betatester der Knoll-Brothers.

farbstich in den lichtern nach kameraprofilierung!

Von: alexander | Datum: 24.08.2005 | #17
wer kann mir helfen??..ich arbeite mit einer imacon ixpress..leider scheint mir deren profil nicht sauber zu sein zu viel gelb und grün..
dann habr ich mir von colorsolutions deren garukarte gekauft und die einstiegsvariante zum
profilieren der camera..das ergebniss war ein profil mit einen farbstich in den lichtern..z.b.
255 223 254..der hersteller meine es könnte an der linearität meines kamerabacks liegen!..hat einer nen tipp..ich hätte sehr gerne ein sauberes profil!! danke euch!!