ARCHIV 1999-2006

ARCHIV :: # 369

Frohe Ostern oder Blutbad?

Der Nahe Osten: Oster- und Kuckucksei...

Autor: bh - Datum: 30.03.2002

Auf der einen Seite gibt es die USA, deren Präsidenten immer flugs die Keule hervorholen, wenn die Umfragewerte sinken. Das war bei Bill Clinton so, bei George Bush jun. ist noch viel schlimmer - weil diesmal die Umfragewerte sowieso stimmen. Optimisten werden einwenden, daß es trotzdem harmlos sei, weil ja das moderate Europa und die Völkergemeinschaft einem vorpreschenden texanischen Cowboy Einhalt gebieten wird. Unter der Bush-Regierung haben die USA ja eine Abkehr von der bisherigen Atomwaffenpolitik vorgenommen und schließen nicht mehr aus, derartige Mittel auch gegen Nicht-Atomstaaten einzusetzen.
Vor wenigen Tagen konnte man im Newsticker des ORF erstaunliches lesen: Großbritannien ist nach den Worten von Verteidigungsminister Geoff Hoon bereit, im Notfall seine Atomwaffen gegen Staaten wie den Irak einzusetzen. "Sie können ganz sicher sein, dass wir unter den richtigen Voraussetzungen bereit sind, unsere Nuklearwaffen zu nutzen", sagte Hoon gestern in London. Dies sagte Hoon vor dem Verteidigungssausschuss des Parlaments und liefert damit einen weiteren Hinweis auf mögliche Militärschläge der Verbündeten USA und Großbritanniens gegen den Irak. Erschreckend, wie fröhlich ein Allianz von republikanischer Waffenlobby und sozialdemokratischer Linksregierung werden kann. Was machen Sie heute Abend? Im Theater wird Thornton Wilders "Wir sind noch einmal davongekommen" gespielt und im Kino können wir Schwarzeneggers "End of Days" anbieten. Erschreckend auch, daß im Nahen Osten die israelische Armee den Führer der Palästinenser, Jassir Arafat, isoliert hat - kein Wasser, kein Strom und auch kein Mobiltelefon. Zwar haben die USA garantiert, daß Israel Arafat nicht töten würde, "lediglich isolieren", aber Fanatiker gibt es auf allen Seiten, und die Armee ist nicht frei davon. Gerade in dem Augenblick, wo die arabische Liga sogar eine Anerkennung Israels in Aussicht stellt, fährt Sharon mit härtesten militärischen Mitteln dazwischen. Was wäre er ohne die arabische Agression? Die Kriegsherren beider Seiten brauchen einander ja, Hamas und Sharon wären traurige Figuren ohne ein Feindbild, in einem friedlichen Israel oder Palästina wäre kein Platz mehr für sie. So aber sieht Europa zu, wie vor der Haustüre eine unbedachte militärische Offensive die Chance auf Frieden zerstört, der Sicherheitsrat plaudert hinter verschlossener Türe und die USA werden wieder jegliche schärfere Erklärung verhindern - wenn Arafat etwas geschieht, gibt es ein Blutbad in Jerusalem, schön pünktlich zu Ostern. Ja, auch ihnen: frohe Auferstehung...

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